Donnerstag, 29. August 2013

Glad All Over

Der nächste Beitrag in der Blog-Serie ››Sing when you're winning‹‹ soll von Crystal Palace handeln. Der englische Traditionsverein mit dem bemerkenswerten Namen kehrte im Sommer nach achtjähriger Abstinenz wieder in die Premier League zurück.

An den Auftaktspieltagen stürzten die Eagles aus dem Londoner Süden jedoch nach ihrem rauschenden Aufstieg gleich wieder auf den Boden der Tatsachen zurück, als die Elf um ihren 40-jährigen Sturm-Veteranen Kevin Philipps zunächst gegen Tottenham im heimischen Selhurst Park und dann bei Stoke City unterlag. Mal sehen, was die lange englische Saison für Crystal Palace noch für Überraschungen parat haben wird.

Weitaus mehr Pep offenbarten da vor einigen Monaten die Crystal Girls, die Cheerleader von Crystal Palace. Anlässlich des lang herbeigesehnten Aufstiegs belohnten die Crystal Girls ihre Kicker mit einem Remake des angestaubten Klassikers  ››Glad all over‹‹, das sie in den wohl engsten Palace-Trikots ever schaukelnd, die Hüften in einem Garten schwingend sowie in einem Swimming Pool planschend trällerten.


Das Original ››Glad all over‹‹, das in den Sixties zur Vereinshymne von Crystal Palace avancierte, nahm einst The Dave Clark Five auf und stieß  im Januar 1964  glatt die Beatles mit ihrem Song ››I Want to Hold Your Hand‹‹ vom Thron der britischen Charts.


Die neueste Version der planschenden Crystal Girls ist im Übrigen nicht das einzige Cover der Palace-Hymne, die unter anderem auch bei den Blackburn Rovers oder dem FC Blackpool aus den Stadionboxen trällert.

Anlässlich des Erreichens des FA Cup-Endspiels 1990 versuchten sich die Palace-Kicker sogar selbst an einer eigenen FA Cup-Version, die allerdings den rauen Charme eines Shanty-Chors aus den Londoner Docks besitzt. Da fehlen eigentlich nur noch die im Hintergrund ertönenden Nebelhörner altvorderer Barkassen...


Ob die inbrünstig schmetternden Kicker des Traditionsklubs, für den einst ein gewisser Marco Reich die Stiefel schnürte, mit ihrem Sing-Sang letztlich scheiterten wie in jenen folgenden Endspielen gegen Manchester United sollte am besten jeder für sich selbst entscheiden...   

Freitag, 23. August 2013

Braunschweiger Jungs

Nach der lang ersehnten Bundesligarückkehr von Eintracht Braunschweig liest man derzeit immer wieder geradezu fußballromantische Zeilen über die Eintracht. Da macht es beinah selbst kaum etwas,dass die Eintracht auf der Bielefelder Alm im DFB-Pokal längst die Segel strich und sich ausschließlich auf den Klassenerhalt konzentrieren kann. Derlei Begrüßungsgirlanden für Braunschweig interessierten im 11Freunde-Interview kürzlich Harald Schmidt eher weniger, der vielmehr eine Sottise über den Deutschen Meister von 1967 zum Besten gab:

»Genauso wie es Plasberg gibt, muss es auch Eintracht Braunschweig geben

Die Schmidt'sche Chuzpe dürfte für das Bundesliga-Gründungsmitglied indes durchaus als Anerkennung zu verorten sein. Schließlich sind die Braunschweiger Jungs nach 28 Jahren zurück in der Bundesliga - am Ziel lang gehegter Träume. Da lässt sich solch Spöttelei durchaus verkraften. Bekanntlich hält es »Dirty Harry« mit dem VfB Stuttgart und den Bayern. Was die Eintracht angeht, lässt sich allerdings augenzwinkernd durchaus sagen, dass sie anders als »Dirty Harry« immerhin bei jedem Auftritt vor heimischem Publikum über 20.000 Zuschauer vorzuweisen hat, viel bissiger unterwegs ist und längst wieder aus den Untiefen der vorläufigen Versenkung aufgetaucht ist.Apropos, etwas Ähnliches widerfuhr vor Kurzem selbst Eintracht Braunschweigs wohl berühmtesten, wenn auch nicht erfolgreichstem Kicker.

Erfolgreicher, das war gewiss jene fabulöse 1967er Generation um Trainer Walter Johannsen, die die Meisterschale an die Hamburger Straße holte. Doch hier soll nun von Paul Breitner die Rede sein, den wir alle wohl überaus erstaunt letztmals bei den Festivitäten vor dem Champions League-Endspiel beobachtet haben, wie er recht rüstig in seinem Ritterkostüm über den heiligen Rasen von Wembley huschte. Jener Breitner ließ sich anno 1977 von Real Madrid nach Braunschweig lotsen und stellt dank der damaligen Ablösesumme von 1,6 Millionen Mark, also rund 800.000 Euro, bis heute den Rekordtransfer der Eintracht dar.



Kürzlich und damit über drei Dekaden später hatte die Eintracht den Norweger Vilsvik an der Angel. Für den eher unbekannten Rechtsverteidiger von dem norwegischen Klübchen Strømsgodset IF soll Braunschweig satte 1,2 Millionen Euro als Ablösesumme geboten. Dem Vernehmen nach soll die Verpflichtung auch kurz vor dem Abschluss gestanden haben. Allerdings platzte der Transfer des Norwegers, der in Berlin aufwuchs, aus eher nebulösen Gründen  in letzter Minute.  Angeblich soll sich der Defensivkicker des Klubs aus Drammen ob der sportlichen Perspektive beim Deutschen Meister von 1967 nicht ganz sicher gewesen sein.Wie dem auch sei, das hat Rolf Töpperwiens Lieblingsklub sicher in keiner Weise verdient.

Was Breitner angeht, bleibt dessen Transfer in den Braunschweiger Annalen übrigens nun weiter als Rekordtransfer verbucht. Schenkt man den schlauen Schreibern des Online-Portals von ntv Glauben, dann wäre es Breitner auch dann geblieben, wenn Vilsvik keine kalten Füße bekommen hätte. Demnach rechneten jene schlauen ntv-Schreiber ihren Lesern vor, dass eingedenk der Inflation seit 1977 Breitners Ablösesumme heute stattliche 1,8 Millionen betrüge und den für den Norweger aufgerufenen Betrag weithin übertroffen hätte. Hört! Hört! An Paule Breitner, ob mit oder ohne Rüstung,kommt halt niemand so leicht vorbei.

So oder so bleibt Breitner damit Gewinner dieser kleinen Transferepisode und wird den Braunschweiger Jungs nach zwei unglücklichen Auftaktniederlagen am 3. Spieltag gegen die andere Eintracht aus Frankfurt hoffentlich ebenso wie »Der Libero« die Daumen drücken. Geschlossen werden soll dieser Beitrag  nun mit jenem finalen Satz, mit dem Breitner sich nach nur einer Saison von seinen Eintracht-Teamkollegen - der Legende nach reichlich Zank, Zwist und Zinoba - verabschiedet haben soll: »Ich tue euch jetzt einen Gefallen und gehe.«

Foto: www.der-libero.de

Mittwoch, 21. August 2013

Audere est Facere

Mein lieber Herr Gesangsverein, schon mal von Andrew Magee und Ollie Smyth gehört? Nick Hornby und alle weiteren Arsenal-Anhänger sollten sich besser gleich ihre Ohren zuhalten. Denn die beiden erwähnten  kongenialen Briten sind  Fans von Tottenham Hotspur und setzten  ihrem Lieblingsklub aus dem Londoner Norden kürzlich ein kleines Denkmal.

Wie? Indem Magee und Smyth altvordere und aktuelle Spurs-Helden schmissig-schrullig in einem kleinen Tributsong besingen. Ja, und dieses wundervolle per Gitarre untermalte Liedchen, das Anleihen an Billy Joels »We did't start the fire« erkennen lässt,  dann einfach »Heroes in White & Blue« nennen. Sicher, sie singen offenkundig in der Spur eines gewissen Dave Henson, der zu Ehren seiner Lieblinge von Leicester City einmal einen Song mit dem selben Titel schmetterte. Wie dem auch sei, dank Magee und Smyth schien Tottenhams erhabenes Klubmotto selten mehr Takt zu besitzen: Audere est Facere. Es zu wagen, ist es zu tun.



Welche Hotspurs heroische 6 Minuten und 51 Sekunden lang so besungen werden? Surely, Paul Gascoigne, Darren Anderton, den einmaligen Tottenham-Topstar Diego Maradona, Robbie Keane, Glenn Hoddle, David Ginola und natürlich Gary Lineker, Pat Jennings und selbst Paul Stalteri (!). Nicht vergessen wurde ebenso Tottenhams Ryan Giggs-Erbe Gareth Bale. Für den walisischen Flügelflitzer gibt Real Madrid ja schier täglich ein neues Rekordangebot ab. Doch, wem in einem solchen Song eine derart königliche Huldigung erfährt. Wer wird sich denn da noch in Reals engem Haifischbecken eine Bahn mit Cristiano Ronaldo teilen wollen?

Last, but not least erhält auch das deutsche Tottenham-Trio Steffen Freund, Christian Ziege und Jürgen Klinsmann von Mr. Magee und Mr. Smyth den verdienten Tribut. Als wünschenswert hätte eine Nennung seines Namens sicher auch Lewis Holtby empfunden. Allerdings, lässt sich selbst nach mehrmaligem Abspielen des Songs keine kleinste Holtby-Anspielung entnehmen. Das mag am nuscheligen Cockney-Akzent des Sängers liegen. Oder, es ist zu befürchten, dass Holtbys Renommee als heroischer Hotspur (doch noch) nicht klangvoll genug ist. Indeed, die Spatzen schienen es vom Stadiondach der altehrwürdigen White Hart Lane zu pfeifen...

Welchen kolossalen Klang indessen »Heroes in White & Blue« entwickelt hat? Das belegt eine Schlagzeile von 101 Great Goals, mit der sich jene englische Webseite übrigens schon Mitte Juli die alles entscheidende Frage stellte: »Is this the greatest Tottenham song EVER?«

P.S.: Dieser Beitrag ist inspiriert von diesem kleinen Fundstück der 11Freunde...
 

Freitag, 16. August 2013

Sir Alex

Die Premier League startet morgen in ihre neue Saison. Vor allem im Old Trafford ist nichts ist mehr wie zuvor. Manchester United wartet erstmals seit dem November 1986 ohne seinen legendären Coach Alex Ferguson an der Seitenlinie auf, wenn es zum Auftaktspieltag bei Swansea City gastiert und Fergusons Landsmann und Erbe David Moyes Giggs & Co. Kommandos zuruft. Grund genug für »Der Libero«, sich augenzwinkernd an eine mehr oder weniger persönliche Begegnung mit der knorrigen schottischen Trainer-Legende irgendwo in London zu erinnern...

Bei Manchester United haben sie Sir Alex Ferguson anlässlich seines 25-jährigen Trainerjubiläums längst ein Denkmal gesetzt. Bei dessen Enthüllung zeigte sich  »Fergie« dann ausnahmsweise mal nicht mit puterrotem Kopf grimmig Kaugummi kauend - wie weiland an den Seitenlinien britischer Rasenrechtecke. Als seine Gattin Cathy an der Schnur zog und jene Statue enthüllte, huschte dem sonst eher sparsam lächelnden Schotten gar ein schelmisches Grinsen über die Lippen. Kaum zu glauben, aber wahr. 


Damals dachten nicht wenige, Ferguson würde bis in alle Ewigkeit an der Seitenlinie von ManUtd. stehen. Schließlich unkte »Fergie« einmal, er werde irgendwann gemeinsam mit Arsene Wenger dem Sonnenuntergang entgegenreiten. Doch Arsenals eleganter Coach aus dem Elsass, mit dem die schottische Haubitze seit jeher eine veritable Hass-Liebe verbindet, wird sein Pferd alleine satteln müssen.Wie aus heiterem Himmel  erklärte Ferguson im Mai 2013 nach epischen 26 Jahren als Trainer Manchester Uniteds seinen Rücktritt, vorgeblich der Hüfte wegen. Ich gebe zu, ich werde ihn vermissen. Mensch Alex, bloody hell! Hättest Du nicht noch ein paar weitere Jährchen Wayne Rooney durch zahllose Strafräume scheuchen können?
Neben seinen diversen Titeln und Triumphen wird Sir Alex ebenso wegen seiner berühmt-berüchtigten Tiraden und Wutausbrüchen in Erinnerung bleiben. Der britische Autor Glenn Connelly war es, der bereits den passenden Ratgeber How to be Ferocious Like Sir Alex Ferguson für Freunde des gepflegten Wutausbruchs auf den globalen Markt warf. »Flickt ihn verdammt nochmal zusammen!«, soll er ManUniteds Medizinmännern entgegentrompetet haben, nachdem »Furios Fergie“ ehedem seinen Schuh an David Beckhams wohlfrisiertes Haupt geworfen hatte. Indeed, mit diesem Sir Alex Ferguson war bisweilen nicht gut Kirschen essen.

Meine eigene Begegnung mit Sir Alex, ja ich hatte eine, verlief da fürwahr friedvoller. Nach einem Stadionbesuch beim Londoner Drittligisten Leyton Orient war ich im trüben Nieselregen durch London geirrlichtert und überaus glücklich, als mich der Pub  »Rob Roy« mit offenen Armen empfing. Was ich vorfand? Einen stickigen Schankraum, einen Wirt mit kehligem Akzent, warmes Bier, schrill grunzende british girls in sonderbaren Trainingshosen undsoweiter: halt, ein Pub mit etwas von diesem ganzen Klischee- Pipapo.
Doch das war nicht alles. Denn, es geschah ein kleines Wunder. Plötzlich lächelte mich Sir Alex an, Sir Alex himself . Einmal, zweimal, dreimal. Was war da los? Wo war ich gelandet? Es hatte was von dieser genialen englischen Serie Life on Mars, in der die Titelfigur Sam Tyler nach einem Unfall im Jahr 1973 wieder aufwachte. Des Rätsels Lösung? Ich saß vor einer Ahnengalerie des ehrwürdigen Aberdeen Football Clubs. Der Wirt des  »Rob Roy« mit jenem kehligem, schottischen Akzent war gebürtiger Aberdeener und hielt mit seinem kleinen Museum die Fahne seines Lieblingsklubs hoch. Mitten im Osten Londons, in einem Pub, der nach dem schottischen Robin Hood benannt ist.
Schließlich hatte der vergleichsweise juvenile Alex Ferguson, lange bevor er Mitte der achtziger Jahre in Manchester sein Glück gesucht und gefunden hatte, Anfang der 80er mit dem FC Aberdeen den Old Firm-Klubs gewaltig die Grenzen aufgezeigt und mit Aberdeen mehrere Meisterschaften und Pokalsiege gefeiert. Über diesen ganzen Titeln thront für Aberdeen übrigens noch immer  »The Glory of Gothenburg«. Es war anno 1983 im Göteborger Ullevi-Stadion , als  Aberdeen im Endspiel des längst verblichenen Europapokals der Pokalsieger Real Madrid einen epochalen 2:1-Finalsieg einschenkte. Alfredo Di Stéfano trainierte damals die »Königlichen« und wusste wohl kaum, wie ihm geschah..

Eines jener  Bildnisse mit einem veritablen gelblichen Schleier der Aberdeen-Galerie im »Rob Roy« zeigt wie Ferguson auf dem Deck einer Fähre steht, die soeben in Aberdeens Hafen eintrudelt. Dort oben steht er an der Reling und reckt den Europapokal stolz in den Himmel. Ich gebe zu, seit diesem Abend im   »Rob Roy« habe ich den oft verkniffenen »Fergie« kaum einmal wieder so strahlen gesehen. Dabei hätte er in Manchesters  »Theater der Träume« doch stets genug zu Lachen gehabt, oder nicht?

Montag, 12. August 2013

»König Otto« versus »Kaiser-Orakel«

Euphorische Eintracht herrschte am Samstagabend in Braunschweig. Erstmals nach 28 Jahren mischte der Meister von 1967 wieder in der Bundesliga mit. Als Gast an diesem Auftaktspieltag der 51. Bundesligasaison sah der Spielplan Werder Bremen vor, weshalb nicht nur Eintracht-Edelfan Rolf Töpperwien rasenden Beifall geklatscht haben dürfte.

Eintracht und Braunschweig und Werder haben fürwahr einiges gemeinsam. Beide sind Traditionsklubs aus dem Norden, Gründungsmitglieder der Bundesliga, stemmten mindestens einmal in ihrer Historie die Salatschüssel gen Himmel und segelten vor einer guten Woche mehr oder weniger blamabel aus der 1. DFB-Pokalrunde. Obendrein nannte  Franz Beckenbauer die Eintracht und Werder in einem Atemzug, nicht etwa in höchsten Tönen lobend - der »Kaiser« stufte beide als erste Abstiegskandidaten ein. Schaun 'mer mal, ob sich das  »Kaiser-Orakel« irgendwann als Geschwätz von gestern herausstellen wird.

Anders bei den Braunschweiger Jungs gab es bei Werder in den letzten Monaten eher weniger Jubelarien - außer vielleicht den kürzlichen 75. Geburtstag von Werders Trainer-Legende Otto Rehhagel, wie manch tapfere Twitterin aus dem Werder-Kosmos einwarf.


Selbst Rehhagels einstiger Musterstürmer Wynton »Kiwi« Rufer befand in der WELT, dass Werders »goldene Zeiten« vorbei seien.  Doch am Samstagabend kam es anders. Im Stadion an der Hamburger Straße war die euphorische Eintracht nach dem Schlusspfiff abgeebbt - dank Zlatko Junuzovic, der acht Minuten vor dem Ende  aus 14 Metern Werders durchaus überraschendes Siegtor einnetzte und die Serie von 14 sieglosen Pflichtspielen endlich beendete. Kein Wunder, dass Junuzovic nach Werders von ihm zum  »dreckigen Dreier« deklarierten Auftaktsieg befand, er  »hätte zehn Stunden vor der Kurve schreien können«.

Wie wunderbar, dass Werder seinen ersten Dreier gleich in einem gefühlten »6-Punkte-Spiel« eingesackt  und good old  »König Otto« damit ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk bereitet hat. Denn für mich war »König Otto« augenzwinkernd gesagt nicht ganz unbeteiligt am Bremer Auftakterfolg. Denn am Samstagvormittag trudelte gerade noch rechtzeitig vor dem abendlichen Anpfiff eine alte Rehhagel-Autogrammkarte in meinem Briefkasten ein. Und seither behaupte ich, einem gewissen Aberglauben durchaus ergeben, recht kühn, dass die Karte mit »König Otto« Werder in Braunschweig ganz gewiss Glück gebracht hat.
 
 
 
Hoffentlich wird sie dies auch an den weiteren 33 Spieltagen im Kampf gegen das böse »Kaiser-Orakel« tun. Zum Beispiel am kommenden Samstag, wenn der FC Augsburg im Weserstadion gastieren wird. Wie jener Rehhagel wohl solch abergläubische Absonderlichkeiten a la »König Otto« versus »Kaiser-Orakel« findet? 
 
Da sich auf diese Frage schwerlich eine Antwort finden lässt, lassen wir wohl am besten eine typische Rehhagel'sche Weisheit aus seinem zeit- wie endlosen Zitatenschatz sprechen: »Wichtig ist auf'm Platz, alles andere is' Kokolores...«
 

Samstag, 10. August 2013

Drei unten, drei oben

Was hat uns das Aktuelle Sportstudio in 50 Jahren nicht alles beschert? Augenzwinkernd gesagt: Äffchen und abgerissene Perücken, Schalke 05, eine legendäre Bahnhofsuhr-Ouvertüre und nicht zuletzt Wolf-Dieter Poschmann. Und die »Torwand der Nation«, wie sie die WELT heute nennt.  »Drei unten, drei oben«, so lautet die mystische Ansage der Damen und Herren Moderatoren, infolge derer die Sportstudio-Gäste zum Finale eines jeden Sportstudios losschießen. Sigi Held war übrigens am 5. Februar 1966 der erste Torwandschütze, da die am 24. August 1963 gestartete Sendung in ihren Anfangsjahren fürwahr ohne Torwand auskam.

Günter Netzer, Rudi Völler, Frank Rost oder auch der 1990er Weltmeister Günter Herrmann trafen gleich fünfmal ins Schwarze - ganz zu schweigen vom  »Kaiser«, der bei einem seiner gefühlt tausend Sportstudio-Besuche viermal und weiland gar von einem Weizenbierglas traf. Dass die Wand einmal umgekippte, ist mir nicht bekannt. Dafür aber, dass die »Torwand der Nation« gar einmal abgeschafft werden sollte. Wie gut, dass der ansonsten so honorige Hanns-Joachim Friedrichs damals mit seinem verwegenen Ansinnen nicht durchkam.

Mancher moderner Meckerer mag zwar meinen, das Sportstudio habe seine besten Tage hinter sich und sei ein Relikt vergangener Zeiten. In den heutigen hypermedialen Zeiten lässt sich dies sicher nicht gänzlich von der Hand weisen. Erst recht, nachdem Dieter Kürten in Rente ging und Michael Steinbrecher leider in der heutigen Jubiläumssendung seinen letzten Auftritt haben wird.  Doch was wäre ein Samstagabend mitten in der Bundesligasaison ohne Torwand und Sportstudio? Das Sportstudio, nun genauso alt wie die Bundesliga, gehört einfach dazu - zum Samstagabend, zur Bundesliga. Es wäre vielleicht wie eine Bundesligapartie ohne Ball.

 »Der Libero« gratuliert dem Aktuellen Sportstudio, klatscht Beifall und legt seinen geschätzten Lesern den folgenden Geburtstagstusch ans Herz. Es war anno 1979, als Kevin Keegan sich zum britischen Barden aufschwang und im Sportstudio die Bühne sowie einen Schoß eines weiblichen Fans fand, um der geneigten Weltöffentlichkeit, untermalt von der Playbackmukke von »Smokie«, seinen Song »Head over Heels in Love« zu präsentieren. Indeed, ein krachender Klassiker aus der Geschichte des Aktuellen Sportstudios.


Wer genau hingehört hat: fast noch rühriger als Keegans Singsang war die Ansage Dieter Kürtens. Denn der Sportstudio-Ikone gelang es in putzigster Art und Weise, dem geneigten Sportstudio-Gucker die süßholzraspelnde Botschaft des Keegan'schen Schmachtfetzens gehaltvoll zu soufflieren: »Es bedeutet dem Sinne nach auf Deutsch: ein Mann und eine Frau, die sich lieben, stellen fest, dass die Liebe noch intensiver sein könnte. Und es heißt übersetzt so viel wie Hals über Kopf oder bis über beide Ohren in Liebe versunken.«

Das waren sie, die wilden Siebzigern des Aktuellen Sportstudios. Ich gebe zu, an diesem einen legendären Samstagsabend hätte man ausnahmsweise wohl keine Torwand gebraucht...
 

Freitag, 9. August 2013

Treuer Charly

Was macht eigentlich, Charly Körbel? Im Rahmen des Festaktes zum 50-jährigen Jubiläum der Bundesliga erhielt Körbel am Dienstagabend den Ehrenpreis als Rekordspieler der Bundesliga. Eintracht Frankfurts Klubikone hält diesen Rekord mit 602 Einsätzen seit nunmehr zwei Dekaden. Karl-Heinz »Charly« Körbel, der einst eisenharte Vorstopper, wird ihn wohl auch auf ewig verteidigen - es sei denn die Herren Schweinsteiger und Lahm hängen noch gefühlte zwölf weitere Spielzeiten in der guten, alten Bundesliga dran...

 
Aus diesem gebührenden Anlass und aufgrund des bevorstehenden Bundesligastarts am heutigen Freitag präsentiert »Der Libero« nun zehn Schlaglichter aus Körbels stolzer Karriere, die im Oktober 1972 mit juvenilen 17 Jahren begann und im Mai 1991 mit fast 37 Jahren endete. Körbel sagte übrigens einmal, die 20 Jahre seien wie im Flug vergangen... 

1. Körbel wird »der treue Charly« genannt. Schließlich absolvierte der gebürtige Dossenheimer offenbar aus der besten uweseeler'schen Schule stammend sämtliche seiner Bundesligapartien im Trikot seiner Frankfurter Eintracht. Körbel war auf dem Rasen als Vorstopper zwar gefürchtet, galt aber stets als tadelloser Sportsmann. Unlängst berief die Eintracht ihr Klub-Idol zu einem ihrer Ehrenspielführer. Das Klub-Maskottchen, ein Adler, heißt im Übrigen auch weiterhin Attila (nach Attila Pfaff) und nicht wie die WELT einmal verkündete, Charly...

2. Sein Bundesligadebüt absolvierte Körbel mit zarten 17 Jahren gegen den FC Bayern, als Eintracht-Trainer Erich Ribbeck ihn im Oktober 1972 mit der Manndeckung eines gewissen Gerd Müller betraute. Müller, der in der Saison zuvor gigantische 40 Treffer erzielt hatte, sollte zwar auch gegen Körbel einmal einnetzen, sah sich aber ansonsten von dem Vorstopper-Novizen abgemeldet. Nicht nur deshalb gewann die Eintracht mit 2:1.

3. Wie Körbel einmal den 11Freunden im Interview anvertraute, blieb Gerd Müller in den folgenden Jahren einer seiner erklärten »Lieblingsgegenspieler«, da der »Bomber der Nation« sich gegen Körbel mit dem Tore schießen überaus schwer tat. Der sonst eher wortkarge Müller soll vor späteren Duellen mit dem eisenharten Körbel durchaus mal geflucht haben: »So eine Scheisse, schon wieder gegen dich«.

4. Nur drei Jahre nach Körbels bestechendem Debüt sollte der kicker einmal mit Körbel auf dem Cover seiner Montagsausgabe schlagzeilen: »Ein Mann mit Zukunft – Körbel kann sie alle ausstechen«. In der Nationalelf gelang dies Körbel allerdings nicht so wie vom kicker kühn prophezeit. Körbel absolvierte zwar 1974/75 als damals 20-jähriges Talent sechs Länderspiele, kam aber an dem seinerzeit gesetzten Welt- und Europameister »Katsche« Schwarzenbeck nicht vorbei. Der Legende nach soll hierfür unter anderem der damalige Kapitän der Nationalelf, Franz Beckenbauer, mitverantwortlich gewesen sein. Denn dem »Kaiser«, behagte die offensive Spielweise Körbels offenbar nicht und goutierte gegenüber Bundestrainer Schön seinen Putzer »Katsche«. Bekanntlich überquerte dieser selten die Mittellinie und hielt dem als Libero nicht minder offensiven »Kaiser« in verlässlicher Manier den Rücken frei.

5. Von Körbels offensiven Qualitäten profitierte indes seine Eintracht zweimal in besonderem Maße - ganz im Gegensatz zur Nationalelf . Anno 1975 triumphierte man etwa dank Körbels Siegtreffer im Pokalfinale von Hannover über den MSV Duisburg. An gleicher Stelle spielte Körbel 14 Jahre später erneut Schicksal, als er seine Eintracht mit einem Kopfballtor in der Relegation gegen den 1. FC Saarbrücken vor dem drohenden Zweitligaabstieg bewahrte. Letzteren Treffer bezeichnete Körbel später einmal als den wichtigsten seiner Karriere.

6. Den wichtigsten Titel seiner Karriere holte Körbel unterdessen 1980, als Frankfurt den UEFA-Pokal gegen Borussia Mönchengladbach errang. Daneben gewann Körbel insgesamt vier Mal den DFB-Pokal (1975, 1976, 1981, 1988). Beim letzten Pokalsieg fungierte Körbel als Eintracht-Kapitän und ist damit bis heute der letzte Spielführer der Hessen, der einen Titel in die Höhe stemmte. Der Gewinn einer Meisterschaft blieb Körbel verwehrt.

7. Anders als ein offizielles Abschiedsspiel, das 20 Jahre nach Körbels Bundesligadebüt im Waldstadion gegen den FC Bayern stieg, der aber dieses Mal ohne Gerd Müller antrat. Sein letztes Bundesligaspiel bestritt Körbel anno 1991 beim FC St. Pauli, wo er am 33. Spieltag vom gnadenlosen Berliner Referee Prengel wegen eines Allerweltsfouls die vierte Gelbe Karte kassierte und zum großen Frankfurter Verdruss beim Saisonfinale im heimischen Waldstadion gesperrt war.

8. Ein Jahr später, als Frankfurt am letzten Spieltag der Saison 1991/92 in Rostock kurz vor der Meisterschaft stand, wäre Körbel übrigens beinah zu einem unerwarteten Comeback gekommen. Wäre halt nicht Frankfurts damaliger serbo-hessischer Cheftrainer Dragoslav Stepanovic gewesen, der davon absah, das zum Assistenztrainer avancierte Klub-Idol im Ostseestadion einzuwechseln. Körbel bekundet noch heute: »Mit mir wären wir Meister geworden, denn ich habe noch nie ein Finale verloren

9. Besagter Assistenztrainer seines Leib- und Magenvereins blieb Körbel noch einige Jahre und half zudem Mitte der 90er mehrmals als Interims-Trainer aus. In die Saison 1994/95 führte der »treue Charly« seine Eintracht gar als offizieller Chefcoach, aufgrund großer Abstiegsgefahr musste er aber im Frühling 1996 seinen Hut nehmen. Das brachte indes wenig, da die Eintracht trotz Nachfolger Stepanovic kurz darauf erstmals aus der Bundesliga abstieg. Hiernach wurde Körbel seiner Eintracht übrigens gleich zweimal untreu, als er sich auf Cheftrainer-Stippvisten bei den damaligen Zweitligisten VfB Lübeck und FSV Zwickau einließ.

10. Seit längerer Zeit  ist Körbel seiner Eintracht gottlob aber wieder treu und fungiert inzwischen als Berater des Eintracht-Vorstands und leitet die klubeigene Fußballschule. So richtig los, kommt der »treue Charly« von seiner Eintracht vermutlich nie.

Foto: der-Libero.de

Dienstag, 6. August 2013

Einen auf den Dutt

Die erste Runde im altehrwürdigen DFB-Pokal ist nun vorüber. Vier Erstligisten an der Zahl strichen  dabei schon ihre Segel. Hierzu gehörte auch Werder Bremen. Mein Lieblingsklub bekam beim drittklassigen 1. FC Saarbrücken am Sonntag gewaltig einen auf den Dutt.


 »Einen auf den Dutt« , so lautet im Übrigen auch der Titel meines Gastbeitrags im FCS-Blog 2.0 beim geschätzten Bloggerkollegen Carsten Pilger, der vor  Bremens Pokalgastspiel in Saarbrücken noch hier in diesen Blogwänden im Interview Rede und Antwort gestanden hat.

 
Zu meinem Gastbeitrag, der Werders dritte Pokalblamage in Folge bei einem Drittligisten seziert, geht es hier lang... >>>  
 

Montag, 5. August 2013

Das ganz große Los

Hurra, die Bayern kommen! Für den BSV Schwarz-Weiß Rehden war Nia Künzer Mitte Juni die buchstäbliche Glücksfee, schenkte Künzer der meist eher biederen Pokalauslosung nicht nur eine kleine Panne, sondern dem Viertligisten aus dem Niedersächsischen das ganz große Los.

Offenbar berauscht hiervon ließ sich Rehdens Präsident und Macher Friedrich Schilling in einem anschließenden  Radio-Interview bei NDR 2 nicht lumpen, Uli Hoeneß nicht nur einen warmen Empfang anzukündigen, sondern dazu ein Versprechen hinterherzuschicken.Dieses tarnte er als Kalauer, der leider so amüsant über den Äther kam wie für Hoeneß etwa ein Schuss in den Belgrader Nachthimmel. Hoeneß könne sich bei ihm, dem langjährige Steuerberater, gern ein paar Steuertipps abholen. Ja mei, der Pokal hat halt seine eigene Gesetze, gell?

Der große FC Bayern München, also das personifizierte Mia san Triple, muss nun dank Fräulein Künzer an diesem denkwürdigen Montagabend des 5. August in dem 1.800 niedersächsischen Seelen-Örtchen nahe Diepholz antreten. Naja, nicht ganz. Bedauerlicherweise gastiert der FC Bayern nicht in Rehden, sondern im Stadion an der Bremer Brücke in Osnabrück. Dort mietet sich Rehden ein, da es für den Underdog schwierig wurde, in seinem  »Arenachen« namens Waldsportstätten, den gestrengem Anforderungen des DFB gerecht zu werden. Schade! Da scheint der prickelnde Pokalcharme still und leise zu verfliegen...


Was die großen Bayern gegen den Underdog mit der schwarz-weißen Kluft  erwarten wird? Vielleicht hält man sich hier an Rehdens Stadionmagazin Schwarz und Weiß, dessen Cover stets in großen Lettern Rehdens Stärken offenbart:»Tore, Technik, Leidenschaft, Kampf und Willen«. Gewiss, das lässt sich hören. Ob Pep schon einmal von diesem Vestenbergsreuth gehört hat? Wohl eher nicht. Vermutlich mehr von dem »Favoritensterben« in der 1.Pokalrunde an diesem Wochenende -Werder,Braunschweig, Gladbach oder auch Nürnberg lassen verdächtig grüßen.

Wer indessen in Rehdens Reihen den Pokal-Reibach machen soll?Da wäre der frühere Bremer Kevin Artmann, der 80 Kilometer von Rehden entfernt einst bei Werder Profiluft schnupperte. Der 27-Jährige kickte zuletzt beim FC Oberneuland, in jugendlichen Tage aber sogar für ein Jahr in der Jugend des FC Bayern. 2006 spielte der oft verletzungsanfällige Mittelfeldakteur auch für den DFB, als er in der damaligen U-20 unter anderem mit Manuel Neuer, Sami Khedira oder Kevin-Prince Boateng spielte. Bayerns Abwehr sollte etwa den Rehdens kongolesischen Stürmer Kifuta im Auge behalten, den Rehden vor Kurzem aus Portugals zweiter Liga losgeeist hat.

Nicht vergessen sollte man in dieser kleinen Aufzählung sicher Francis Banecki. Vor einem Jahrzehnt kam Banecki für Werder zu einmaligen Champions League-Meriten gegen den RSC Anderlecht. Allerdings blieb dem Halb-Kameruner wegen hartnäckiger Blessuren die verhießene größere Profikarriere verwehrt blieb. Stattdessen machte sich Francis Banecki bei diversen Klubs im Nordwesten als torgefährlicher Allrounder einen Namen und ward dank seiner eleganten Spielweise von manchen - wie einst beim SV Meppen - gar »Kaiser Franz« gerufen.

»Kaiser Franz«! Schaun' mer mal, ob sich der echte »Kaiser« auf den VIP-Plätzen an der Bremer Brücke neben Uli Hoeneß und Kalle Rummenigge sehen lässt. Darüber dürfte sich Rehdens Präsident Schilling vermutlich ebenso freuen wie über die schier unmögliche Pokalüberraschung. Und wenn der Fußballgott die bajuwarischen Triple-Titanic gegen Rehden nun doch untergehen ließe? Fürwahr, man mag es sich kaum ausmalen, welch tektonische Plattenverschiebungen sich im Kosmos des »Mia san Mia« dann ereignen dürften...

Samstag, 3. August 2013

»Wir sind eine Leidensgemeinschaft!«

Der 1. FC Saarbrücken,  bei dem einst Felix Magath und Andy Brehme die Stiefel schnürten, kickt derzeit in der 3. Liga. In der 1. DFB-Pokalrunde trifft das Gründungsmitglied der Bundesliga auf Werder Bremen. Die treuen Fans des FCS hoffen, wie schon im Sommer 2012, auf einen neuerlichen Pokalcoup im altehrwürdigen Ludwigsparkstadion.

Fans wie FCS-Blogger Carsten Pilger, der als eine Art  »Fußball-Kulturbeauftragter« seines Lieblingsklubs längst erstklassig ist und sich anlässlich des Pokalduells in der Rubrik »Der Libero fragt nach…« im Interview die Ehre gibt. Carsten spricht über die vorübergehende Pause seines FCS-Blogs, den FCS an sich, das ungleiche Pokalduell, die medienwirksame Göttinger Fan-Initiative »Glotze aus, Stadion!« und nicht zuletzt über seinen »ersten Helden« Karsten Hutwelker.

Hallo Carsten Pilger! »Wieder mal Geschichten, Erlebnisse und Kommentare zum FCS«. Was macht eigentlich das FCSBlog2.0?

Hallo Libero! Das Blog hat vor etwas mehr als einem Jahr die Arbeit wieder aufgenommen. Ich hatte selbst irgendwie beim Abschied im September 2009 vermutet, dass es vielleicht irgendwann wieder was ähnliches geben würde, aber mit jedem Jahr mehr eigentlich weniger daran geglaubt. Aber nach einem Jahr im Ausland und völliger FCS-Abstinenz war da auf einmal im Ausland wieder diese Stimme, die mir zurief, es sollte wieder ein Blog geben. Die Leser dürfen sich das wie bei Zinedine Zidanes Comeback in der Nationalelf vorstellen. Dort war es aber am Ende nur der Bruder, der was im Schlaf zuflüsterte. Angeblich!

Der FCS mischt nach zwischenzeitlicher Fünftklassigkeit seit 2010 in der 3. Liga mit. Zum Saisonende gewann der FCS zwar zum dritten Mal in Folge den Saarlandpokal, rangierte aber als Elfter nur im Niemandsland der Tabelle. Woran lag es?

Im Verbandspokal hat sich die Einstellung des Vereins gebessert. Die Spieler wissen, dass der DFB-Pokal wichtige Gelder bringt, also ist die notwendige Ernsthaftigkeit da. In der Liga lag meiner Meinung nach der Hase zum einen darin begraben, dass im ersten Jahr von Jürgen Luginger ohne Sportdirektor schon vor Beginn strategische Fehler gemacht wurden. Im Sturm verließ sich Luginger auf Marcel Ziemer als einzige Spitze – und der fiel zu Saisonbeginn gleich aus. Luginger hat generell immer mal wieder länger gebraucht, um die passende taktische Variante für sein Material zu finden. Deswegen gab es Anfang des Jahres auch vielfach Abstiegsängste. Ich muss ihm lassen, dass er aber immerhin irgendwann den Schalter umgelegt hat.

Der Saarbrücker Kader verzeichnete viele Abgänge, nach zunächst schleppender Spielersuche wurden zuletzt fast täglich Neuzugänge vermeldet. FCS-Präsident Paul Borgard kommentierte einige Transfers im kicker gar damit, »auch mal harte Hunde im Team haben zu wollen«. Welche Saarbrücker Kicker machen besonders Mut? Was ist für den neuformierten FCS in der neuen Saison drin?

Ich überspring mal die Frage, ob eher weiche oder harte Hunde wünschenswert sind. Mut machen weniger einzelne Kicker, als dass einerseits der Kader in der Breite verstärkt wird und vor allem im Sturm nun genügend Alternativen vorhanden sind. Das war meiner Meinung nach der Schwachpunkt der Vorsaison. Mit Thomas Rathgeber gibt es nun einen erfahreren Stürmer mehr. Und Maurice Deville ist allein schon aufgrund des jungen Alters und seiner Leistungsbilanz in der Regionalliga ein sehr interessanter Angreifer. Außerdem braucht es mehr Luxemburger im deutschen Fußball!

Zu großen Vorhersagen will ich mich nicht hinreißen lassen. Wenn dann mir eigentlich stets vernünftig erscheinende Zeitgenossen sagen »Mit dem Kader spielen wir um den Aufstieg mit!«, löst das bei mir eher allergische Reaktionen aus. Solche Aussagen vor Saisonbeginn taten dem FCS nie gut.

Am Sonntag gastiert in der 1. DFB Pokal-Runde mit Werder Bremen erneut ein Bundesligist im Ludwigspark. Wie stark schätzt Du Werder, auch in Anbetracht des Trainerwechsels von Thomas Schaaf zu Robin Dutt, ein?

Ich würde mir persönlich wünschen, dass Dutt vielleicht mal dem Ex-Saarbrücker Johannes Wurtz die Chance in der Bundesliga gibt. Vor Saisonbeginn hat er bereits den Profivertrag bekommen, vielleicht sehen wir ihn ja öfter!Sonst ist die Vorhersage eher schwierig. Nach Ende der Ära Rehhagel hatte Bremen mit dessen Nachfolgern auch erst einmal Pech. Dutt wird es definitiv nicht leicht haben, andererseits könnte ich mir vorstellen, dass Bremen auch weiter ein eher ruhiges Pflaster in der Bundesliga bleibt und er zunächst viel Kredit bei Fans und Verantwortlichen bekommt.

Was meinst Du, erlebt Werder wie in den beiden Sommern zuvor, dass der Pokal im Ludwigspark wieder einmal seine oft beschworenen »eigenen Gesetze« zeigt? Dein Tipp?

Bremen war ja in den vergangenen Jahren oft für dicke Blamagen gut. Wünschenswert wäre das aus meiner Sicht schon, da ich voraussichtlich die erste Pokalrunde verpassen werde und bei einem weiteren Spiel schon gerne im Ludwigspark noch einen Bundesligisten hätte. Der Trainerwechsel wird die Werderaner aber wohl zusätzlich anspornen.
 
 
Ich bin mal gespannt, wie viele Zuschauer den FCS im Ludwigspark anfeuern werden. Apropos anfeuern: Was hältst Du eigentlich von der kürzlich ins Leben gerufenen Initiative »GLOTZE AUS, STADION AN«? Bisher haben sich dieser viele zumeist viert- oder fünftklassige Traditionsklubs wie der VfB Oldenburg, Altona 93 oder Victoria Hamburg angeschlossen.

Drittligisten werden da wohl nicht reingehen, da sie befürchten, dass es als »Alleingang« bewertet wird, der ihnen bei Verhandlungen mit dem DFB und den Sendern um mehr Fernsehgelder Nachteile bringt. Deswegen wundert mich die eher kleine Liste von Regionalligisten oder Oberligisten nicht. Fördernswert ist das schon. Was mir inhaltlich bei der Kampagne fehlt, sind die Argumente. Ich lese dieses »Support your local club!«, aber objektiv betrachtet ist das für sich noch kein Argument. Höchstens bei uns Fußballromantikern. Der durchschnittliche Fußballfan ist nun mal - bedingt durch gesellschaftlichen Wandel - der Typ, der das Skyabo der Dauerkarte vorzieht und seinen einzigen Stadionbesuch im Jahr wie einen Pauschalurlaub durchplant. Dort liegen die potenziellen Stadiongänger - aber allein mit eher bittenden Parolen kommen die nicht.

Finale Frage: Der FCS feiert in diesem Jahr seinen 110. Geburtstag. Was ist für Dich das Besondere, das Anziehende, am FCS? Wer ist Dein ewiger Held?

Mein »erster Held« war Karsten Hutwelker, der Wandervogel und begnadete Allrounder. Wirkliche »Helden« brauche ich eigentlich nicht, mit meinen Freunden suche ich öfters mal zu Saisonbeginn einen Lieblingsspieler für die kommende Spielzeit – der nicht unbedingt der beste Torjäger sein muss! Da hatten wir schon einigen Spaß, mit Greg Strohmann, den wir gegen alle Widerstände immer wieder anfeuerten.

Aber eigentlich bleibt das Anziehende am FCS, dass es fast keine Helden gibt und so vieles doch nicht so rund läuft. Dieter Ferner ist sicher ein Held, aber auch das hat ihm weder gegen den DFB, noch gegen Kräfte im Präsidium geholfen. Wir sind eine Leidensgemeinschaft, aber gewiss eine, in der es immer mal wieder Hoffnung auf Besserung gibt.

»Der Libero« bedankt sich für das Interview.

Carstens FCS-Blog 2.0  ist laut Selbstbeschreibung »ein unabhängiges, kritisches, aber nicht vollends spaßbefreites Fan-Blog, das sich mit dem 1. FC Saarbrücken und dem Fußball im Allgemeinen beschäftigt« und wurde im Herbst 2012 von dem Magazin 11Freunde zum Blog des Monats ernannt. Daneben bereichtert Carsten Pilger die saarländische Fußball-Kultur mit dem lobenswerten FCS-Fanzine „Der Leuchtturm“ und war an der in diesen Blogwänden veranstalteten Themenwoche "50 Jahre Bundesliga - Titel, Tränen und bloß nicht wie Tasmania" beteiligt.