Montag, 19. Dezember 2011

Ein Werder-Wimpel und ein Hauch von Real Madrid

Steht eine Runde oder eine Auslosung im DFB-Pokal an, muss ich unweigerlich meinen grünen Wimpel von Werder Bremen anschauen. Auch wenn dies bei mir eher zwiespältige Gefühle auslöst. Warum? Seitdem ich den Wimpel nach Werders letztem Sieg im DFB-Pokal erwarb, gewann Werder kein einziges DFB-Pokalspiel mehr. Da mir der Wimpel aber dennoch lieb geworden ist, weigere ich mich standhaft, ihn deshalb leichtfertig zu entsorgen.

In seinem Schmöker „Fever Pitch“ berichtet Arsenals Edelfan Nick Hornby, wie er in jugendlichen Jahren versuchte, Arsenal zu Siegen zu treiben. Seinem Aberglauben ergeben legte er etwa an Pokal-Spieltagen eine bestimmte Scheibe der Punkrock-Fahrensmänner Buzzcocks auf seinen Plattenteller und diese laut drehte auf.



Doch glaubt mir, Hornbys Buzzcocks-Prinzip zieht bei Werder nicht. Mal sehen, da muss ich dieses kleine Pokal-Trauma Wohl oder Übel anders angehen. Vielleicht gewinnt Werder dann im Pokal endlich wieder, also im nächsten Sommer in der 1. Runde. Anders angehen würde ich es, indem ich schlicht und einfach von Werders letztem Pokalsieg im Sommer 2010 erzähle. Gesagt, getan:
Als geschlagener Pokalfinalist - die Bayern hatten Werder im 2010er Pokalendspiel  mit 4:0 böse überfahren-  führte Werder das Los der 1. Pokalrunde zu Rot-Weiss Ahlen. An diesem sonnigen 14. August  2010 hieß also Werse- statt Weserstadion.

Rot-Weiss Ahlen? Stimmt, da war was. Denn, seinen Namen trägt der „RWA“ noch nicht lang. Erst seitdem sich Ahlens einstiger Mäzen aus dem Kosmetik-Kosmos samt seiner bizarren Namenskreation „Leichtathletik Rasensport“, kurz LR, verabschiedet hat. Wer aber meint, am Klub aus dem pferdeaffinen Münsterland seien daher die modernen Errungenschaften der Fußball-Kultur vorbeigaloppiert, irrt sich.

Dieser Pokalsamstag in Ahlen bewies nachhaltig die Existenz von mehr als einer Handvoll Menschen, die in rot-weiße „RWA“-Souvenirs gehüllt das Wersestadion bevölkerten. So wie etwa auf Ahlens Gegentribüne, auf der die „Werse-Wikinger“ Flagge zeigten. Sehen lassen konnte sich auch Ahlens schmucke Südtribüne. Dort, auf dem Grenzzaun zum Spielfeld, thronte ein eifriger Einpeitscher. Per Megaphon feuerte er den unerwartet stimmgewaltigen Fanblock des „RWA“ an und gab als „Zaunkönig“ den Ton an.

Das Ende vom Lied? Trotz Aufbietung sämtlicher Schlachtrufe aus dem „RWA“-Repertoire, blieben Ahlens damalige Drittliga-Kicker harmlos und die erhoffte Sensation aus. Letztlich gurkte sich Werder zu einem glanzlosen 4:0-Sieg, sorgte im Nachhinein betrachtet aber zumindest in einem Moment für „königlichen“ Glanz.

Dieser Moment ereignete sich in Spielminute 61. In dieser spazierte ein gewisser Mesut Özil in seiner allerletzten Szene für Werder vom Feld. Kurz nach dem Spiel wurde Özils Wechsel zu Real Madrid bekannt, natürlich von einigem medialen Tamtam begleitet. Wenn man so will, lag an diesem Pokalsamstag in Minute 61 ausgerechnet im beschaulichen Ahlen ein Hauch von Real Madrid in der warmen Sommerluft.

Ansonsten sehnte Thomas Schaafs müde Herde den Abpfiff förmlich herbei. Damit stand Werder Ahlens Einpeitscher im Übrigen in nichts nach, der seinen Thron auf dem Zaun bereits verlassen hatte und Bier trinkend einen frühen Feierabend genoss. Ich machte dagegen erst nach dem Abpfiff „Feierabend“, nachdem ich besagten Werder-Wimpel bei einem fliegenden Händler rund um das Wersestadion erworben hatte.





Dieser Tage werde ich meinen Werder-Wimpel übrigens wieder anschauen. Richtig: es ist dann wieder DFB-Pokal. Der Hauch von Real Madrid ist natürlich längst verflogen...


Dieser Artikel ist inspiriert von Stadionchecks Beitragsreihe über Fußball-Memorabila und nun ein Teil davon.  

Kommentare:

  1. Vielleicht solltest Du das gute Stück zur Abwechslung mal bei Bundesliga-Auswärtsspielen anschauen. Hmm, oder lieber doch nicht... ;-)

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  2. Manchmal hilft nur beten. Einmal muss es ja klappen.

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