Dienstag, 2. September 2014

Gestatten, »Capitano« Schweinsteiger!

Ritterschlag? Jogi Löw hat heute Bastian Schweinsteiger zum neuen Kapitän der deutschen Nationalelf ernannt. Selbst der guten, alten Tagesschau war jene Ernennung ein eigener Bericht in ihrer 20 Uhr-Ausgabe wert, bevor das Wetter von morgen verkündet wurde.

Schweinsteiger hat mittlerweile 108 Länderspiele auf dem Buckel. Nach asbachuralter DFB-Tradition wäre wohl eher Schweinis Buddy Lukas Podolski mit 116 Einsätzen als Nachfolger von Philipp Lahm an der Reihe gewesen. Doch diese Gepflogenheit spielt beim DFB ja gottlob keine Rolle mehr. Löws folgerichtige Entscheidung für eine Inthronisierung Schweinsteigers , dem Manuel Neuer als Stellvertreter sekundiert, war durchaus erwartbar. In Würdigung seiner vielen  Verdienste um die Nationalelf, nicht zuletzt wegen seines für manche gladiatorenhaft anmutenden Kampfes just im erfolgreichen WM-Finale gegen Argentinien, schlägt Schweinsteiger den Weg zu seinem letzten großen Turnier bei der Euro 2016 in Frankreich ein.

Ob er ganz vorbildlicher Kapitän wohl bald auch wieder Testländerspiele absolvieren wird? So oder so, vielleicht gelingt unter dem Kapitän Schweinsteiger gar ein historisches Novum: der Gewinn einer Europameisterschaft als amtierender Weltmeister. Wenn ich mich recht entsinne, sollte man es nur tunlichst vermeiden, Herrn Schweinsteiger »Chefchen« zu nennen.

Nachdem Jogi Löw »Schweini« nun die Binde heute sozusagen übergestreift hat, folgt nun eine kleine Twitterschau, die den neuen »Capitano« aber nicht durchweg hochleben lässt...





Samstag, 30. August 2014

Fünfter Beatle?

Gestatten, Mario Balotelli. Italiens Kindskopf mit den filigranen Füßen verlässt den AC Mailand und trägt nun das rote Trikot des FC Liverpool. Der einst von Jose Mourinho als »untrainierbar« geschmähte Stürmer wird am Sonntag wohl erstmals für die Reds auf Torejagd gehen, wenn diese bei Tottenham Hotspur gastieren. Liverpools Coach Brendan Rodgers sprach die Tage bereits davon, dass es die letzte Chance für Balotelli sei, bei einem großen Klub Fuß zu fassen.

Vielleicht gelingt Balotelli, der seine obligatorische Nummer 45 auch an der Anfield Road tragen wird, ja gleich ein fulminantes Debüt mit dem einen oder anderen Tor. An Selbstbewusstsein dürfte es Balotelli hierfür sicher nicht mangeln. So attestierte Rodgers seinem neuen Schützling mit der extravaganten Aura gleich: »Etwas, was ihm nicht fehlt, ist Selbstvertrauen. Er hat den Glauben und die gewisse Arroganz auf dem Feld, die die besten Spieler haben.«


Wen wundert es daher, dass Balotelli gleich nach seiner Ankunft in der Beatles-Stadt auf seinem Instagram-Profil eine Hommage an Ringo, Paul, George und John abschickte und ein Bild der Fab Four postete - versehen mit der Unterschrift The Balotellis und dem augenzwinkernden Kommentar »WE WERE FIVE«. Nicht zu vergessen, selbstverständlich haben die Pilzköpfe Balotellis Gesicht. Dies sei der Knaller der Woche, jubilierte selbst der Stern auf seiner Webseite und notierte dazu die schöne Schlagzeile »Mario Balotelli spielt jetzt bei den Beatles«.

Die Frage ist halt nur, ob der selbsternannte fünfte Beatle (#George Best) mit ihnen tatsächlich in einer Liga kickt. Doch Liverpool und Balotelli, das könnte für Balotelli auf seiner jahrelangen Suche nach Anerkennung - ähnlich wie bei seinem nicht minder unberechenbaren Vorgänger Luis Suarez - passen. Wie sangen die Balotellis, ähm, Beatles noch in einem ihrer Klassiker?  »Love Me Do«!

Foto: ©

Samstag, 23. August 2014

Anpfiff mit Otto

Die einen finden Otto gut. Wie etwa der DFB, der Otto Rehhagel noch im April für sein Lebenswerk geeehrt hat. Kritische Geister hielten Rehhagels Nibelungentreue zum Libero, zur kontrollierten Offensive und anderen typischen Merkmalen der »Ottokratie« eher für antiquiert. Mal formulierten die von Otto oft ungeliebten Medien seinen Nachnamen in »Titelhagel« um, etwa angesichts diverser Triumphe mit Düsseldorf, insbesondere Werder Bremen oder auch Kaiserslautern. Anno 2004 mischte die BILD auch noch »Rehakles«  darunter, als der gebürtige Essener mit den Griechen Europameister wurde und als neben BILD viele andere die Akropolis wackeln sahen.

Doch, nicht nur Rolf Töpperwien wird sich erinnern: Otto ward auch schon mal »Torhagel « gerufen. Jaja, ein verschmitztes Lächeln wird sich jetzt auf die Lippen jener Zeitgenossen setzen, die an die denkwürdige 0:12-Pleite von Borussia Dortmund gegen äußerst torhungrige Gladbacher Fohlen am letzten Spieltag der Saison 1977/78 zurückdenken.

Es war die höchste Niederlage, die jemals ein Bundesligist kassierte - allein ein gewisser Jupp Heynckes schenkte dem BVB, der von Rehhagel trainierte wurde, im Düssendorfer Rheinstadion gleich fünf Stück ein. Es war übrigens damals für beide das letzte Spiel. Für Heynckes als Stürmer auf dem Rasen und auch für Rehhagel als BVB-Coach, der nach diesem unglückseligen Nachmittag des 29. April '78  seinen Hut nehmen durfte.

Das ist gewiss lange her, so wie jene dunkle Stippvisite Rehhagels beim FC Bayern Mitte der Neunziger. Nicht so lang zurück liegt indessen Ottos finaler Abstecher zur Hertha, doch auch den vergessen wir mal lieber.

 
Eher nicht vergessen werden soll nun der  Auftakt in die mit Spannung erwartete 52. Saison der Bundesliga, gerade einmal sechs Wochen nach dem Gewinn des Weltmeistertitels von Rio. Am 1. Spieltag reisten ausgerechnet Rehhagels Werderaner nach Berlin und stibitzten der Alten Dame  nach einem 2:2-Remis immerhin einen Punkt. Vielleicht hat das »Kind der Bundesliga« gar zufällig auf der Ehrentribüne des Olympiastadions gesessen. Doch sei es drum.

Um den Anpfiff in die Saison gebührend zu feiern, folgen nun fünf Zitate Rehhagels, die zuvor aus der Vitrine geholt und selbstredend manierlich abgestaubt wurden:

1. »Jeder kann sagen, was ich will.«

2. »Wichtig ist auf’m Platz, alles andere ist Kokolores.«

3. »Modern ist, wenn man gewinnt.«

4. »Mit 50 bist Du als Fußballtrainer reif für die Klapsmühle. Wenn Du genug Geld verdient hast, kannst Du wenigstens erster Klasse liegen.«

5. »Wir spielen am besten, wenn der Gegner nicht da ist.«


Zum Schluss hat sich »Der Libero« an dem typischen Rehhagel-Pfeifer mit dem kleinen gekrümmten Finger probiert. Dies zwar leider nur mit bedingtem Erfolg. Aber dennoch, nach wie vor kann gesagt werden: »Der Libero« findet Otto gut!

 

Samstag, 12. Juli 2014

Maracanã kann kommen

Liebe Leserinnen und Leser,

habt Ihr nach dem "surrealen" (Trainer Baade) deutschen 7:1-Triumph von Belo Horizonte gegen Brasilien auch endlich Eure Sprache wiedergefunden?

Nun ruft Rio. Nun ruft das Maracanã, in dem Jogis Jungs morgen Abend im WM-Finale auf Argentinien treffen. Buenos Dias Argentina. Die gute, alte Sportschau hat aus diesem Anlass bereits auf ihrem Twitterkanal auf die sogenannte 24-Jahre-Regel hingewiesen.          


Doch dem nicht genug. Denn, an dieser Stelle soll nun ein weiteres Omen beschworen werden. Dies besagt, dass die Nationalelf noch keines ihrer beiden WM-Endspiele gegen Argentinien verlor, wenn sie in einem  weißen Trikot spielte. Anno 1986 unterlagen Kalle Rummenigge und Kollegen noch in grüner Kluft in der Hitze von Mexico City mit 2:3. Während anno 1990, als die Albiceleste dank Andreas Brehmes goldenen Elfmetertors besiegt wurde, Beckenbauers Mannen in weiß jubilierten und Maradona im blauen Trikot mit tränenreichem Pathos die knappe Pleite betrauerte. Der Grund für die Beschwörung des Trikot-Omens?

Deutschland wird am Sonntag im Maracanã erneut im weißen Dress auflaufen, während die Argentinien so wie 1990 ein blaues Trikot tragen muss. Ob es wohl hilft?

Apropos Hilfe, besonders geholfen hat bei jenem 1990er Erfolg hat übrigens Guido Buchwald, von dem dieser Finaltage häufiger in den Medien die Rede ist. Etwa, wenn er in Interviews empfiehlt, Argentiniens kleinen Zehner, diesen gewissen Lionel Messi, an die Kette zu legen.

Denn Buchwald, das schlaksige Idol des VfB Stuttgart muss es ja wissen. Gell, da war was. Buchwald und Argentinien! Richtig, es war Buchwalds Sternstunde, als  in jener Finalnacht von Rom Diego Maradona manndeckend an die Kette legte und dann aus heiterstem Himmel im Eifer des WM-Endspielgefechts Außerirdisches geschah. Der als ungelenk etikettierte Buchwald sollte Maradona himself düpieren. Nicht mit einer Grätsche, mit einem Übersteiger - und wird seitdem „Diego“ gerufen. Maradona bekam, im Vorstopper-Jargon gesagt, keinen Stich.

Zurück ins jetzt: Schaun mer mal, wer in Rio Weltmeister wird. Und, schaun mer mal, wer in Guido Buchwalds Fußstapfen treten wird. Wer weiß, vielleicht wird es der große Per Mertesacker sein. Mertesacker, den man nach einem erfolgreichen Endspieleinsatz auf den Rasenrechtecken von Pattensen bis Paris dereinst Lionel oder gar ausschließlich Messi rufen wird -in der Tat "Messi" Mertesacker hätte doch was! Unweigerlich, Maracanã kann kommen...  

Dienstag, 1. Juli 2014

Neuer Libero

Der Vater aller Liberos, »Kaiser Franz«, sagte einst: »Geht's raus und spuits Fußball.« Fußball. Haben Jogis Jungs in jenem absurden WM-Achtelfinale am Montag eigentlich auch eine Art Fußball gespielt? Fernab solcher rhetorischer Fragen schlugen Jogis Jungs jedenfalls jene achtbaren Algerier auf der Rasierklinge reitend mit 2:1. Die Entdeckung dieses surrealen Abends von Porto Alegre war indes nicht der zähe deutsche Viertelfinaleinzug nach Verlängerung.

Béla Réthy brachte es vielmehr im gewohnt sonoren Sound auf den Punkt, als er im Angesicht von Manuel Neuers toller Rettungstaten zu meiner großen Freude proklamierte: »Der Libero ist zurück!« Da fehlte Neuer eigentlich  nur noch die obligatorische Nummer Fünf auf seinem breiten Rücken, um ganz auf Beckenbauers und Augenthalers Spuren zu wandeln.

Zur Würdigung für »Manu, den Libero«, folgt nun hier eine kleine Twitterschau, in der selbst »Kaiser Franz« seinen Platz findet - provisorische Sperren sind hier gänzlich ausgeschlossen... 






Schaun' mer mal, ob der neu entdeckte Libero auch am Freitag in Rio mit von der Partie sein wird. Was wäre ein WM-Viertelfinal im Maracanã gegen filigrane Franzosen schon ohne ihn...

Donnerstag, 26. Juni 2014

Müller

Auf und abseits des Rasenrechteckes müllert es derzeit schon gewaltig. Dieser Thomas Müller begegnet einem halt schier überall – auf der Mattscheibe, auf Aufstellern mit dem Schriftzug „Ramba Zamba“ neben der Kasse oder er blickt einen von Plakaten an. Ganz Werbeikone macht er so mehr oder minder schelmenhaft Reklame für Rasierer, Grillgut, Supermärkte oder fährt mit Neymar in sogenannten Volkswagen um die Wette.


Mensch, Müller. Augenzwinkernd gesagt, fehlt eigentlich nur noch, dass Thomas Müller anstelle der „25“ auch bei den Bayern die „13“ des großen Gerd auf dem Rücken trägt - so wie er es bereits seit Jahren in der Nationalelf erfolgreich tut.


Ein Ritterschlag wurde Müller unlängst von Felipe Scolari verpasst. Denn Brasiliens Nationaltrainer, der Brasilien 2002 zum letzten Weltmeistertitel führte, outete sich schon lange als Müller-Fan, pries in einem Bild am Sonntag-Interview anders als Pep nicht nur Müllers Torinstinkt und Schlitzohrigkeit. Denn anscheinend hätte Scolari unser „Bömberchen der Nation“, wie ihn Paul Breitner einmal nannte, gerne in seiner Seleção. Müllers Spielweise wirke zwar ab und zu etwas unüblich, aber Müller mache so lobte Scolari, oft den Unterschied aus. Solche Spieler gebe es nicht häufig, fuhr Scolari fort und wolle nicht beklagen, nicht genügend Top-Spieler in seinen Reihen stehen zu haben.

Hört, hört! Freilich, anstelle des unorthodoxen Müllers hätte mancher eher die filigranen Özils, Götzes oder Reus als mögliche deutsche Kandidaten für brasilianische Ballzaubereien gehalten. Zumal, dieser Müller selbstkritisch wie er ist, einmal der faz eingestand, dass er halt nicht jenen verkörpert, wofür man ihn auch nicht verdächtigt: ein Trickser zu sein. Oder wie sagt man hierzulande? Ein „weißer Brasilianer“. Das ist auch nicht weiter schlimm, schließlich war jener Gerd Müller vor mehr als drei Dekaden auch keiner.

Ob man es glaubt oder nicht, dieser Thomas Müller wäre nicht der erste Müller, der in der Seleção gekickt hätte. Wäre da nicht der hochverehrte Luís Antônio Corrêa da Costa, der ehedem den Künstlernamen„Müller“ als Hommage an den großen Gerd zulegte und weithin nicht den zu den berühmtesten Zauberern vom Zuckerhut zählte.

In den 80er und 90er Jahren trug Brasiliens „Müller“ immerhin dennoch stolze 56-Mal den kanariengelben Dress der Seleção, war dreifacher WM-Teilnehmer und 1994 sogar Weltmeister. Erstaunlicherweise hat es selbst bei den Erben Pelés also schon mehrmals mächtig gemüllert...

Sonntag, 22. Juni 2014

Ein Salto auf Klose

Frei nach Gerd Müller machte es Bumm! Miro Klose war nicht einmal zwei Minuten auf dem Feld von Fortaleza, als es geschah. Ghana führt 2:1, die Nationalelf wankt. Ecke Kroos, Höwedes verlängert per Kopf und Miro machts. Er hält den Fuß hin und trifft in Manier von Ole Gunnar Solskjaer wie dieser einst im Champions League Finale '99. Zweifellos, ein elektrisierender Moment in einem atemberaubenden Kick. Es ist der wichtige deutsche Ausgleich. Aber nicht nur deswegen. Nebenbei hat Klose Ronaldos WM-Torrekord von 15 Treffern eingestellt.

Zur Feier seines historischen Tores holte Klose glatt nochmal seinen Salto aus der Kiste. »Historische Taten erfordern eben besondere Maßnahmen«, notierte Die WELT dazu. Ja, seinen Salto hatte er - wie man sah - zuvor lange nicht mehr geschlagen. Vorgeblich aus Altersgründen und damit einhergehender Verletzungsgefahr, schließlich ist Klose inzwischen 36 Jahre alt.

Unweigerlich. Diesem Miro Klose, der einst von dem siebtklassigen Klübchen SG Blaubach-Diedelkopf  aus der Bezirksliga Westpfalz in die weite Fußballwelt zog, gebührt Beifall. Auch ein Gruß von Ronaldo ließ, wie heute überall zu lesen ist, nicht lange auf sich warten. Denn der Brasilianer gratulierte Klose auf Twitter durchaus originell auf Deutsch: »Willkommen im Klub«.


Nicht minder originell sind übrigens die statistischen Stilblüten, die Kloses 15. WM-Treffer nun hat erblühen lassen. Während der Brasilianer Ronaldo sein 15. WM-Tor seinerzeit bei der WM-Endrunde 2006 in Deutschland machte, drückte Klose seinen Rekordtreffer ausgerechnet in Brasilien über die Linie. Ganz zu schweigen davon, dass Ronaldo 2006 in München und Klose 2014 in Fortaleza jeweils gegen Ghana ihre »Nummer 15« erzielten.

Hoffentlich geht Klose, dem passionierten Angler, der alleinige Torrekord bei seiner letzten WM noch ins Netz. Ein Tor würde schon reichen. Der kommende Donnerstag, wenn Klose & Co. sich im Gruppen-Finale mit Klinsmanns US-Boys duellieren, wäre dafür gewiss ein guter Termin.

Das Schlusswort soll nun Klose selbst gebühren, der nach dem gestrigen Schlusspfiff in Gerhard Dellings ARD-Mikrofon bedächtig-bescheiden bilanzierte: »In 20 WM-Spielen 15 Kisten ist nicht so schlecht.« So ist er halt, der Miro. Und lässt lieber Tore und bei ganz wichtigen einen Salto sprechen. Wie sagt man? Alter schützt vor Toren, äh »Kisten«, nicht?

Montag, 16. Juni 2014

Doppelfünf

Irland. Ja, Irland hat sich für diese bisweilen berauschende WM do Brasil nicht qualifiziert. Leider. Gewissermaßen scheint Irland an diesen ersten WM-Tagen dennoch mit von der Partie zu sein - eher weniger am Zuckerhut als in der Fußball-Blogosphäre. »Limerick« ist das Stichwort. Gemeint sind die flotten, gereimten Fünfzeiler, die so heißen wie die gleichnamige irische Stadt, aus der sie ja mutmaßlich stammen sollen. Welch Chuzpe wäre es, wenn nicht...

Den geschätzten Bloggern Rebiger und Heinz Kamke sei Dank sind diese feinen Fünfzeiler im WM-Kontext seit dem Eröffnungsspiel quasi in aller Munde und werden Interessierten für die Dauer der WM als Blog-»Projektlein« (Zitat: Kamke) namens »Doppelfünf« kredenzt. Getreu dem schmissigen Motto: »Doppelfünf. Ein Turnier. Zwei Typen. Fünf Zeilen.« 


Fein, lässt sich dazu nur sagen. Schon weit über sechzig Fünfzeiler sind im Doppelfünf-Blog zu finden. Ein wahrlich gelungenes Projekt, zumal das Mitreimen durchaus erwünscht ist. Da wollte auch »Der Libero« nicht die Fünfe gerade sein lassen und lernte »Limerick«. Nun ja, oder versuchte es an diesen ersten WM-Tagen zumindest. All dies dankenswerterweise unter freundlichster beratender Begleitung von Herrn Kamke, der gottlob als metrisches Gewissen zuweilen den Finger in auftretende Versmaßwunden legt.

Das Ergebnis von einem meiner (mehr oder minder bescheidenen) Fünfzeiler liest sich wie folgt und handelt übrigens vom Weltmeister sixtysix. Indeed, dem stolzen Mutterland des Fußballs:



Logo & Screenshot: http://doppelfuenf.tumblr.com/ | Verwendung mit freundlicher Genehmigung von Herrn Kamke

Samstag, 14. Juni 2014

Heaven sent us Louis van Gaal

Bondscoach, so heißt in den Niederlanden bekanntlich der Nationaltrainer. Und im Königreich der Tulpen haben sie bekanntlich schon den einen oder anderen charismatischen Bondscoach erlebt. Jedenfalls, wenn man sich einen Blick in die die kapitale Ahnengalerie um Rinus Michels, Ernst Happel, Dick Advocaat oder Guus Hiddink erlaubt. Doch keiner war so wie ihr amtierender »Tulpen-General«, Louis van Gaal.

Der Anekdotenfundus rund um das »Feierbiest« scheint fast unendlich zu sein. Und dank des denkwürdigen niederländischen WM-Auftaktsieges gegen Weltmeister Spanien ist nicht zuletzt Taktik-Fuchs Louis van Gaal weltweit mal wieder in aller Munde. »Der Libero« daher eine Top Ten von Anekdoten über Louis van Gaal, den künftigen Coach von Manchester United, zusammengestellt. Ganz im Sinne von »Heaven sent us Louis van Gaal«:



1. Wer eine Kurzcharakterisierung von Louis van Gaals Wesen benötigt, dem sei zu Anfang gleich ein Zitat des niederländischen Schriftstellers Leon de Winter ans Herz gelegt, der einst notierte: »Van Gaal ist verrückt«.

2. Ähnliches mag mancher Zeitgenosse bereits angenommen haben, als der weitgereiste van Gaal bereits anno 2008 in Amsterdam seine üppige Biografie der Weltöffentlichkeit vorstellte. Die war nicht nur mit einem furchteinflößenden Wappen versehen. Van Gaal teilte sein Werk dazu in zwei Bände auf und verpasste seiner literarischen Komposition gar den tönenden Titel »Biographie und Visionen«.

3. Mit einem weiteren Visionär des niederländischen Fußballs, Johan Cruyff verbindet Louis van Gaal eine veritable Feindschaft. Deren letzter Höhepunkt war, dass Cruyff eine Tätigkeit Van Gaals beim gemeinsamen Lieblingsklub Ajax per Klage verhinderte. Mal sehen, wie scharf Cruyff trotz des 5:1-Kantersieges gegen Spanien bei der WM aufmunitionieren wird...


4. Ähnliche Wege dürfte wohl ein gewisser Uli Hoeneß beschreiten, sollte Louis van Gaal irgendwann zum deutschen Rekordmeister zurückkehren. Im Zuge eines öffentlich ausgetragenen Scharmützels hatte Van Gaal es einmal gewagt, Hoeneß als übermächtigen »Alleinherrscher“ des FC Bayern zu brandmarken. Daraufhin schrieb Hoeneß, dem Holländer ins Stammbuch, nicht begriffen zu haben, was in seinem Beruf gefragt sei. Nicht ganz überraschend ließ Van Gaals Reaktion nicht lange auf sich warten...

5. Dabei war Van Gaal  bei seiner zweijährigen Stippvisite beim FC Bayern durchaus erfolgreich. Gewann einmal sogar mit sage und schreibe 5:1 bei Borussia Dortmund, was heute unvorstellbar erscheint. Dann holte er 2010 das Double, erreichte mit den Bayern das Champions League-Endspiel und avancierte 2010 obendrein  zum deutschen Trainer des Jahres. Vor seiner Amtsübernahme kommentierte Goal.com fast prophetisch: 

»Louis van Gaal wäre der perfekte Bayern-Trainer. Hochnäsig genug, um in der Münchener Schickeria zu überleben, international schwer erfolgreich, spricht Deutsch und hat eine so große Klappe, dass die Presse auf Knien darum bitten wird, von ihm erniedrigt zu werden. Genau der richtige Diktator – Entschuldigung, Dompteur, der wieder Ordnung in diesen Zirkus Bayern bringen könnte und jemand, der keinen Respekt vor Stars hat, sondern diese schuften lässt. Ein Ottmar Hitzfeld, nur mit Peitsche statt Zuckerbrot.«

6. Neben den Bayern war Louis van Gaal als Klubtrainer für Ajax Amsterdam, AZ Alkmaar und den FC Barcelona verantwortlich und führte jeden dieser Klubs wie die Bayern mindestens einmal zu Meisterehren. Wie sagte Van Gaal einmal, ganz ohne einen Anflug falscher Bescheidenheit: »Ich war überall der Cäsar.«

7. Besonders erfolgreich wirkte er nicht etwa bei Barca, wo er bis zu neun Landsmänner um sich scharte. Sondern bei Ajax Amsterdam, wo er nicht nur mehrere Meisterschaften und Pokalsiege gewann, sondern zudem den UEFA-Pokal, die Champions League und den Weltpokal. Ein kleines zeitgeschichtliches Dokument aus den frühen 90ern, in dem Van Gaal seine juvenilen Ajacieden beim Pausentee auf die 2. Halbzeit eines Europapokalgastspiels bei Rot-Weiß Erfurt einstimmt, sei nachfolgend empfohlen.



8. Van Gaals Erfolgsrezept und Vermächtnis war stets, weithin namenslose Talente zu internationalen Stars zu schmieden. Als Beispiele seien hier Dennis Bergkamp, Marc Overmars, Edgar Davids, Clarence Seedorf, Patrick Kluivert oder ein gewisser Thomas Müller genannt. Weniger Amusement verspürten unter dem gestrengen »Tulpen-General« zumeist in die Jahre gekommene Altstars oder ein gewisser Mario Gomez...

9. Eher durchschnittlich verlief unterdessen Louis van Gaal eigene Kickerkarriere. Als Ajax etwa zwischen 1971 und 1973 dreimal hintereinander den Landesmeisterpokal errang, verbrachte Van Gaal in jenem sagenhaften Ajax-Kader um Superstar Johan Cruyff nur ein Mauerblümchendasein als Reservist. Seine Blütezeit verlebte Louis van Gaal dagegen als offensiver Mittelfeldspieler beim Traditionsklübchen Sparta Rotterdam im Mittelmaß der Ehrendivision. Van Gaal selbst bestritt nie ein Länderspiel in Oranje.

10. Als Bondscoach hatte Van Gaal im Übrigen bis zur Qualifikation zur WM do Brasil noch eine Rechnung offen, nachdem die Elftal während seiner ersten Amtszeit die WM-Endrunde 2002 in Japan und Südkorea verpasste. Ob Van Gaal wohl jenen Gassenhauer kennt, der daraufhin über den WM-Sommer 2002 hinweg im östlichen Nachbarland erschallte?


 

Donnerstag, 12. Juni 2014

Sag niemals nie

Was macht eigentlich, Gareth Bale? Heute beginnt die WM-Endrunde in Brasilien. Nur, wird der mit einer Ablösesumme von 100 Millionen Euro wohl teuerste Kicker der Welt auf den Rasenrechtecken Brasiliens nicht zu sehen sein - weder dribbelnd, scharf schießend oder gar königlich jubelnd wie nach dem Champions League-Triumph mit Real Madrid.


Der »königliche Flügelflitzer« reiht sich damit bisher in einen erlauchten Kreis von Weltklassekickern ein, denen es niemals im Laufe ihrer Spielerkarrieren gelang, an einer WM-Endrunde teilzunehmen. Da wäre etwa allen voran Alfredo Di Stéfano, George Best, George Best oder auch Jari Litmanen und Eidur Smari Gudjohnsen.

 
Bekanntlich stürmt Bale, der wegen seiner englischen Granny auch für Englands Nationalteam hätte auflaufen können, seitdem er 16 Jahre und 315 Tage alt ist für Wales. Für jenen kleinen wie eigenwilligen Landesteil im Westen Großbritanniens, der trotz seines Stars von Real Madrid als Vorletzter seiner WM-Qual-Gruppe sang- und klanglos das Nachsehen gegen Kroatien und Belgien hatte. Damit gelang es den  Walisern immerhin seit der WM 1958 in Schweden nicht mehr, ein Ticket für eine WM-Endrunde zu lösen. Anscheinend fällt es Wales so schwer, sich für einen World Cup zu qualifizieren - so wie die meisten radebrechen, um diesen einen auf der walisischen Insel Anglesey gelegenen 3.000 Seelen-Ort  bei seinem unheimlichen Namen zu nennen: Llanfairpwll­gwyngyllgogery­chwyrndrobwll­llantysilio­gogogoch.

Nicht bei einem World Cup aufzulaufen, betraf neben Bale übrigens schon frühere Generationen vorzüglicher walisischer Fußballer. Zum Beispiel jene Garde, die Ende der 80er und zu Beginn der 90er selbst der deutschen Nationalelf  mit ihrem rustikalen Stil das Fürchten lehrte. Wie sie alle hießen? Ian Rush, Mark Hughes, Dean Saunders oder Torwart-Hüne Neville Southall, Nicht zu vergessen: Gary Speed oder gar Bales Idol Ryan Giggs, der es ebenfalls nie zu einem World Cup schaffte.

Mit nicht mehr ganz juvenilen 25 Jahren hat Bale zwar noch etwas Zeit, seine WM-Teilnahme nachzuholen. So feierte die englische Kicker-Legende Stan Matthews noch mit 35 Jahren seine WM-Premiere bei der ersten WM-Endrunde 1950 in Brasilien. Angesichts der international eher zweitklassigen walisischen Auswahl mit vielen Kickern aus zumeist unterklassigen englischen Profiligen dürften WM-Auftritte Bales 2018 in Russland oder 2022 in Katar für ihn auch wohl eher ein toller Traum bleiben. Wer weiß, vielleicht spendet der Titel eines alten James-Bond-Streifens ja etwas Hoffnung: Sag niemals nie...