Freitag, 4. September 2015

Wasserschlacht wie anno '74?

Deutschland gegen Polen im Waldstadion in Frankfurt am Main? Da war doch etwas. Richtig, die Wasserschlacht der WM 1974, als die Elf rund um Kapitän Franz Beckenbauer, Paule Breitner und Gerd Müller auch bereits weiße Hosen trugen. Da letzterer einmal Bumm machte, gewann die Nationalelf und zog ins legendäre WM-Finale von München ein. Das Ende ist hinlänglich bekannt.

Ob es heute Abend in Frankfurt wieder regnet, wird sich zeigen. Ein 1:0-Sieg könnte der amtierende Weltmeister gegen die polnischen Gäste wohl erneut ganz gut gebrauchen, um rasch die letzten Zweifel einer souveränen EM-Quali zu beseitigen. Wie gut, dass Jogi Löw ebenfalls einen Müller mit der Dreizehn auf dem Rücken mitspielen lässt, der Bumm machen könnte...


Dienstag, 25. August 2015

»Meppen-Roar« auf der alten Grasrennbahn

Das Duell des BV Cloppenburg (BVC) gegen den SV Meppen (SVM) gilt als eines der vielversprechendsten Derbys der nordwestdeutschen Tiefebene und ist einer der Höhepunkte im Spielplan der viertklassigen Regionalliga Nord. »Der Libero« war einer der 1.131 Zuschauer, die am vergangenen Sonntag einen 4:0-Derbytriumph des SV Meppen miterlebten. 

Foto: der-libero.de
Für den SV Meppen, die alte Zweitliga-Trutzburg, gab es bei den vergangenen Gastspielen beim BVC wie zuletzt im DFB-Pokal gegen den 1. FC Köln wenig zu holen. Dabei ist die Cloppenburger Arena, die in eine alte Grasrennbahn eingebettet ist, nicht nur allein für ausgewiesene Groundhopper eine Reise wert. Denn für eine gewisse Exzentrik sorgt neben dem kruden Namen der Arena die neue 2007 eröffnete Tribüne, da die Bauherren diese weiland einfach versetzt vor die alte positioniert haben, die seitdem ohne direkte Anbindung an das Spielfeld im Schatten der neuen Tribüne wie abgestellt wirkt.

Foto: der-libero.de
Wagt man von der neuen auf die alte Tribüne aber einen zweiten Blick und betrachtet zudem das sich ergebende Gesamtbild in dem weiten Rund, bemerkt man, dass man sich  hier in Cloppenburg mitten in einem Kleinod norddeutscher Fußball-Kultur befindet. Ganz fernab der inzwischen wahrnehmbaren Uniformität vieler Arenabauten landauf landab.

Der Besuch dieses Derbys fing somit vielversprechend an, zumal an den Wänden im Tribünenbereich überall Poster hingen, von denen Toni Kroos im königlichen Real-Dress die Besucher grüßte. Bei so manchem Stadionsenior wurde daher Unruhe spürbar, wann Real Madrid denn beim BVC gastieren würde, ob es überhaupt noch Karten gäbe und ob dieser Cristiano Ronaldo tatsächlich nach Cloppenburg käme. Die  eingetretene Unruhe verflüchtigte sich bei genauerem Hinsehen aber ebenso rasant, da lediglich ein deutscher Ableger von Reals Fußballschule im Herbst ein Fußball-Camp für Kinder in der Arena veranstalten wird.

Foto: der-libero.de
Wenig später fühlte man sich nach dem Anpfiff  zwar eher weniger an Real Madrid, aber zumindest doch durchaus an guten Fußball, erinnert. Die Derby-Kontrahenten lieferten sich einen ansehnlichen Schlagabtausch, den vorwiegend die in greller neongelber Kluft gekleideten Meppener dominierten und den einen oder anderen Spielzug gar mit feinem Doppelpass garnierten. Anfangs wunderte sich manch angespannter Meppener Fan noch hörbar, wer Meppens Spielmachern Martin Wagner, genannt Emsland-Messi, und Jens Robben, der seinem niederländischen Namensvetter mit Tretern in orange huldigte, »morgens einen in den Tee getan« habe. Denn Meppens filigranes Duo verlor sich nach emsländischem Geschmack mitunter zu oft im »Hacke, Spitze, einszweidrei«.

Nach einer 2:0-Halbzeitführung sowie nach Meppens schnellem Treffer zum 3:0 direkt nach dem Wiederanpfiff feierten die vielen mitgereisten Meppen-Fans zuweilen jeden Ballkontakt ihres SVM. Obendrein verliehen sie ihrer Freude hörbaren Ausdruck, indem sie - sagen wir mal - den »Meppen-Roar« anstimmten. Dabei riefen die SVM-Fans auf den Stehrängen Meppens Anhängern auf den benachbarten Sitzplatzen ein lautes wie langgezogenes »Meeeeeppen« zu, die ihnen daraufhin ebenfalls ein lautstarkes »Meeeeeppen« entgegendröhnten. Ein fröhliches Schauspiel, welches sich mehrfach wiederholen sollte. Schließlich sprang der SVM dank des absehbaren Sieges auf Rang zwei der Regionalliga-Tabelle.

Foto: der-libero.de
Die stimmliche Reaktion der Anhänger der Gastgeber ließ nicht allzu lange auf sich warten.  Zwar nicht in Form eines kühnen Cloppenburger Chants. Doch dafür bimmelte ein unverwüstlicher BVC-Fan für eine Weile tapfer mit einer Kuhglocke gegen die Meppener Stimmhoheit an. Das Glockengeläut sollte jedoch nach dem vierten Meppener Treffer wieder verstummen und wäre wohl in den folgenden stakkatohaften Meppener »Auswärtssieg! Auswärtssieg!«-Gesängen ohnehin untergegangen...
 

Sonntag, 23. August 2015

Singing-Sunday #1: Dante

Immer mal wieder sonntags soll es in diesen Blogwänden hoch hergehen. Musikalisch versteht sich. Schließlich existieren im Orbit einfach zu viele musikalische Preziosen von singenden Fußballern, deren herbe Stimmgewalt zuweilen jedem Shanty-Chor erstaunen lässt.  »Der Libero« hofft daher, dass seinen Lesern nicht das Sehen und Hören vergeht...

Den Anfang machen soll ein einst fröhlicher Brasilianer namens Dante, der beim FC Bayern so wie einst Katsche Schwarzenbeck die Numero Vier trägt, dessen Dienste bei Bayern-Coach Pep Guardiola leider nicht mehr so gefragt sind. Wir erinnern uns, dass Dante während der famosen Triple-Saison der Bayern den bajuwarischen Abwehrchef gab und seinerzeit fast nicht mehr aus dem Singen herauskam.

»Sing, when you're winning!« ist das Stichwort. Der damals noch fröhliche Stopper do Brasil schlug in jenem Frühsommer 2013 gleich mit zwei Nümmerchen in die deutschen Musik-Charts ein, was übrigens noch keinem Fußballer vor Dante gelang - nicht einmal dem »Kaiser«. Dantes schaurig-schöne Songs  heißen »Und Pokal auch« (Platz 79) und »Wir gewinnen die Meisterschaft« (Platz 88).


Beide Songs basieren auf einem schlichten Video-Ständchen, das Dante den Bayern aus Brasilien schickte, da er anlässlich des Confed-Cups nicht beim Pokalfinale 2013 dabei sein konnte. Leider ist Dante derzeit nicht mehr zum Singen zumute...

Donnerstag, 20. August 2015

Against all Odds

Die Bühne der Europa League verspricht für Borussia Dortmund vielleicht nicht unbedingt die glanzvollste zu sein, bietet den Westfalen aber bereits in der Playoff-Runde eine geradezu wildromantische Abenteuerreise. Heute Abend gastiert der BVB in der Skagerrak-Arena des nahezu unbekannten norwegischen Traditionsklubs Odds Ballklubb (kurz: BK). Das naheliegende Wortspiel Against all Odds wird hoffentlich erlaubt sein.  »Der Libero«, präsentiert fünf Dinge über den norwegischen Rekordpokalsieger aus dem 100 Kilometer südwestlich von Oslo gelegenen Skien.

1. Seinen letzten und zwölften Pokaltriumph feierte Odds noch unter dem Namen Odd Grenland im Jahr 2000 und stand in insgesamt 21 Endspielen um den Cupen. Odds ist damit nicht nur Rekordpokalsieger Norwegens, sondern auch Rekordpokalfinalist. Letztmals stand Odds im November 2014 im Finale, musste jedoch mitansehen wie Molde FK den Cupen errang. Nicht einmal Rekordmeister Rosenborg Trondheim (22 Titel) ist mit neun Triumphen und in toto 15 Finalteilnahmen im norwegischen Pokal annähernd so erfolgreich. Norwegischer Meister zu werden, war Odds, dem Gründungsmitglied der ersten norwegischen Liga, bislang nicht vergönnt. Es reichte in den fünfziger Jahren lediglich zu zwei Vizemeisterschaften.

2. Dafür hält Odds BK einen weiteren Rekord und ist der älteste aktive Fußballklub Norwegens.
Odds BK wurde im März 1894 als Abteilung des bereits neun Jahre zuvor ins Leben gerufenen Vereins IF Odd gegründet. Glaubt man der BVB-Webseite sowie den vermutlich zitierten Wikipedia-Seiten stammt der Name Odd angeblich aus dem Roman „Seierssverdet“ von Viktor Rydberg, in dem einer der Charaktere der norwegische Sportler Orvar Odd ist. Wirft man indes einen Blick auf das Porträt der uefa-Homepage, so wird dort der Name Odd auf eine norwegischen Sagengestalt, einem Helden namens Örvar-Oddr, zurückgeführt, der Anfang des 14. Jahrhunderts gelebt haben soll. Örvar-Oddr verfügte demnach über drei magische Bogen, die niemals ihr Ziel verfehlten und stets zu ihrem Besitzer zurückkehrten. Einen dieser Pfeile findet sich im Übrigen auch im Klub-Wappen.

3. Seine Heimspiele trägt Odds BK in der Skagerrak-Arena aus, die derzeit etwa 13.500 Zuschauer fasst, nach dem Sponsor aus der regionalen Energiewirtschaft benannt ist und zuvor schlicht und ergreifend Odd-Stadion hieß. Eine Postkarte der Arena lässt sich übrigens bei Interesse auf einschlägigen Portalen schon für 1,50 Euro ersteigern. Bleibt für den BVB nur zu hoffen, dass der aktuelle Stadionnamen nicht synonym für den in der Seefahrt so gefürchteten Mix aus heftigem Wind und starken Seegang steht, den die berühmte, gleichnamige Meerenge verheißt. Auch hier würde das vorhin schon bemühte Wortspiel wohl durchaus passen. Herausfordernd könnte es für das Team von Thomas Tuchel tatsächlich sein, dass sie sich gegen die Gastgeber - um es mit dem großen Heribert Faßbender zu sagen - auf dem eher unbekannten Geläuf des Kunstrasens behaupten muss.


4. Das Duell gegen den BVB lässt sich als bisher größter Auftritt in der langen Vereinsgeschichte von Odds BK auf internationalem Parkett verorten. Denn Odds BK nimmt trotz der vielen Pokalsiege, die jedoch vor allem zwischen 1903 und 1931 erreicht wurden, bislang erst zum dritten Mal an einem Europapokal teil. Der einstige Europapokal der Pokalsieger wurde erst seit 1960 ausgetragen. 2001  und 2004 hatte Odds jeweils in der 1. Runde des UEFA-Pokals gegen Helsingsborgs IF und gegen Feyenoord Rotterdam das Nachsehen. In diesem Sommer fegte Odds immerhin in den ersten Qualifikationsrunden der Europa League mit Sheriff Tiraspol und den Shamrock Rovers die wohlklingenden Rekordmeister aus Moldawien und Irland aus dem Weg, um dann den schwedischen Vertreter IF Elfsborg in der 3. Quali-Runde zu bezwingen.

5. Bekanntester Spieler des Klubs mit den weißen Trikots und Stutzen wie schwarzen Hosen ist wohl der Olivier Occean. Der Kanadier suchte in den ersten beiden deutschen Bundesligen zuletzt bei diversen Klubs wie Kickers Offenbach oder Eintracht Frankfurt sein Toreglück und kickt nun zum zweiten Mal im Odds-Dress. Bleibt da noch Odds Kopfballungeheuer, das gerade einmal 1,72 Meter misst und Jone Samuelsen heißt. Denn dieser Samuelsen hält den Weltrekord für das aus größter Distanz erzielte Kopfballtor, seitdem er anno 2011 in der letzten Minute des Spiels gegen Tromsø quasi von der Mittellinie den Ball aus rund 58 Metern zur allenthalben aufbrandenden Begeisterung ins Tromsø-Tor köpfte. Mats Hummels und Kollegen dürften gewarnt sein...

 

Sonntag, 16. August 2015

#was (2): Über Auftaktsiege ohne Sauerkraut

Mit zwei Auftaktsiegen ist  Bastian Schweinsteigers Einstand im Fußball-Mutterland zweifellos gelungen. Der Sunday Express unkte zwar nach seinem halbstündigen Debüt vor einer Woche bei Manchester Uniteds Auftakterfolg gegen Tottenham spöttisch, er habe wohl im Sommer zu viel Sauerkraut gegessen. Denn Schweinsteiger fehlte bei seinem 30-minütigen Debüt noch die Spritzigkeit und wirkte ob des flotten Spieltempos auf der Insel hie und da etwas schwerfällig.
 
 
Seinen zweiten Sieg landete Manchester United am Freitag Abend bei Aston Villa. Den goldenen Treffer des belgischen Youngsters Januzaj bejubelte Schweinsteiger von der Bank. Da  Louis van Gaal seinem bayerischen Dirigenten wegen seiner Fitnessdefizite erneut die Joker-Rolle zudachte, kam Schweinsteiger wie in der Vorwoche nach einer Stunde für Michael Carrick ins Spiel. Van Gaal wird erfreut beobachtet haben, wie Uniteds Spiel dank Schweinsteigers Passgenauigkeit und Zweikampfstärke an Stabilität gewann. Der Telegraph notierte wohlwollend,  dass Schweinsteigers Ruhe und ständige Präsenz im Mittelfeld lebensnotwendig für United gewesen seien.

Vor dem Bundesligaauftaktspiel des FC Bayern gegen den HSV war im Übrigen von den Bayern-Fans der Südkurve eine große Schweinsteiger-Choreographie  geplant worden, in deren Verlauf 100 Styropor-Trikots mit Schweinsteigers Numero 31 hochgehalten werden sollte. Aus Brandschutzgründen untersagte die Stadt München den Fans diesen Tribut an ihr Idol.
Schweinsteiger wird es (vorerst) vielleicht verschmerzen können, hatten ihn die Fans im Old Trafford vor dem Tottenham-Match vor einer Woche überaus warmherzig mit Standing Ovations empfangen und zollten Mr. Schweinsteiger auch unter der Woche einen besonderen Tribut.
Schau'n mer mal, wie der Empfang am Dienstag im Old Trafford in der Champions League-Quali gegen den FC Brügge ausfallen wird. Ob van Gaal Schweinsteiger wohl einen Platz in der Startelf reserviert? Immerhin sei er nah dran, topfit zu, sagte van Gaal Uniteds Hauskanal MUTV. Darf man etwa annehmen, dass es in Manchester keine einzige Dose Sauerkraut zu kaufen gibt?
 

Freitag, 14. August 2015

Sahnetag zum Saisonstart?

Olé ! Heute Abend geht es wieder los. In München wird um halb neun die 53. Bundesligasaison angepfiffen. Wie pfiffig, dass sich die Spieltagsplaner ausgerechnet den ewigen Klassiker zwischen Rekordmeister Bayern München und dem HSV, dem amtierenden »Relegationsmeister«, als Auftaktpartie ausgeknobelt haben. Mehr Pep geht kaum, zumal der einstige Nord-Süd-Gipfel eher ein Nord-Süd-Gefälles darstellt, weshalb das Duell zwischen beiden Klubs fast über einen gewissen Pokalcharakter verfügt. Ein Sieg des guten, alten HSV würde diesem nicht nur gut tun, sondern wäre zurzeit wohl eine mittlere bis größere Sensation.

Schließlich schleppt der Hamburger Sportverein, wie Gerhard Delling ihn so gern nennt, derweil wahrlich einen Rucksack voller Sorgen mit sich herum. Da wäre das peinliche Pokal-Aus beim viertklassigen FC Carl-Zeiss Jena und natürlich der »Rucksack-Gate« rund um Hamburgs glücklos wirkenden »Direktor Profifußball«  Peter Knäbel, inklusive der in einem Hamburger Park verstreuten Gehaltsunterlagen aus Knäbels gestohlenem Rucksack. Wie blöd für Knäbel, dass selbst dessen Wikipedia-Eintrag jene Rucksack-Affäre mit einem eigenen Absatz würdigt. Abgerundet wird die Chaos-Woche vom verschmitzten Schnack über die falschen Fan-T-Shirts mit Fan-Choreograhie von Hertha BSC. Wie die Süddeutsche feststellte, steckt der Hamburger Sportverein eindeutig in der »Häme-Falle«.

Um die Bayern ist es indessen nach ihrer Supercup-Niederlage in Wolfsburg vergleichsweise wie verdächtig ruhig geworden. Ob dies für die Hanseaten ein gutes Omen sein kann, wird sich zeigen. Schließlich  holten sich die Rothosen bei den Bayern zuletzt fünf derben Schlappen mit einem Torverhältnis von 3:31 ab. Bruno Labbadia fordert jedenfalls einen »Sahnetag« seiner Kicker in dem zelebrierten Eröffnungsspiel. Der große Uwe Seeler hofft indessen in dem einen Interview, dass sein HSV bei den Bayern nicht untergeht und in einem anderen, dass sich sein HSV auf der richtigen Bahn befindet. Gern würde man »Uns Uwe« glauben.

Wie wunderbar, dass der HSV trotz seines Rucksacks voller Sorgen dieser Tage zumindest kein Torwartproblem zu beklagen hat. So wie fast auf den Tag genau vor 28 Jahren. Zum Auftakt der Saison 1987/88 trat der HSV weiland als amtierender DFB-Pokalsieger im Münchner Olympiastadion an, unterlag mit 0:6 und stellte der Bundesliga einen gewissen Mladen Pralija als neuen Stammtorhüter vor. Wie fein, dass sich HSV-Edelfan Dittsche noch immer ganz gut an den tapferen Torsteher aus Split erinnern kann...
 


Samstag, 8. August 2015

Wenn der »Tünn« nach Meppen kommt

Es ist ein schönes Ritual. Eine Woche vor dem Start der neuen Bundesligasaison steigt die erste Runde des ruhmreichen DFB-Pokal und zelebriert zu diesem Zeitpunkt landauf landab das jährliche Spiel von David versus Goliath. Stern online beschrieb dies als ewige Sehnsucht nach der Sensation, die selbstverständlich auch beim viertklassigen SV Meppen dieser Tage vorherrscht.

Denn der einst gefürchteten Zweitliga-Trutzburg wurde der 1. FC Köln zugelost, was seit geraumer Zeit für Pokalfieber im schönen Emsland sorgt. Letztmals gastierte der SV Meppen 1999 im DFB-Pokal, als der emsländische Traditionsklub nach großem Kampf gegen keinen Geringeren als gegen Bayern München um Stefan Effenberg und Oliver Kahn ausschied. Der Klub rief seine Fans unlängst dazu auf, in den Vereinsfarben blau und weiß zu erscheinen. Da wird dem großen Effzeh doch wohl kein blaues Wunder drohen, oder?

Foto: Der Libero
Die emsländischen Lokalzeitungen befeuerten das grassierende Pokalfieber auf sympathische Art und Weise und stimmten ihre Leser täglich auf das Duell gegen den Bundesligisten vom Rhein ein. Man berichtete davon, wie Meppens Stadion mit den Namen Hänsch-Arena hergerichtet wurde, indem sämtliche Werbeflächen und gar die Flutlichtmasten den DFB-Auflagen folgend grüner Plane abgedeckt wurden. Man war dabei, wie zusätzliche Kameranester für die übertragenen Fernsehsender unter dem Dach der ehrwürdigen Alten Tribüne montiert oder es wurden Emsländer porträtiert, die ihr Fanherz sogleich an Meppen und den Effzeh verloren hatten und nun heute vor einem veritablen Dilemma stehen. Wie gut, dass der Mensch über zwei Daumen verfügt.

Nicht fehlen durfte zur Abrundung der Vorberichterstattung überdies Anekdoten aus Meppens historischer Schatzkiste zum Pokal und Effzeh. Denn vor einem Vierteljahrhundert, als Meppen noch zweitklassig war, gab es im Achtelfinale des DFB-Pokals schon einmal zwischen beiden Klubs ein Duell, welches der 1. FC Köln im heimischen Müngersdorfer Stadion mit Bodo Illgner im Tor und Pierre Littbarski als Kapitän seinerzeit knapp gewann. Ungleich unterhaltsamer ist da die Geschichte über Toni Schumacher, Kölns Torwartidol und heutigen Vizepräsidenten, die selbst die Tageszeitung "Die Welt" dankbar mit einem Artikel aufgriff.

Man muss wissen, Schumacher stieg anno 1988 mit Schalke 04 in die zweite Liga ab und weigerte sich damals (geiß-)bockig nach Meppen zu fahren: "Ich fahr doch nich' nach Meppen, da wechsel ich lieber in die Türkei." Schumacher schuf danach schnell Fakten und heuerte bei Fenerbahce Istanbul an. Doch die Geschichte mit Meppen lässt ihn seitdem nicht los, stellte ihm doch kurz darauf der pfiffige Meppener Spediteur Többe ein LKW-Anhänger mit der Aufschrift "Das Fußballerlebnis. SV Meppen. 2. Bundesliga." vor Schumachers Haus in Köln-Hürth und sorgte damit für bundesweite Schlagzeilen. Da Schumacher zum heutigen Pokaltag tatsächlich seinen Besuch in der ausverkauften Hänsch-Arena in Meppen angekündigt hat, wird er vermutlich in der Halbzeitpause auf Többe zum kurzen Klönschnack treffen. Többe durfte seinen Originaltruck zwar nicht ins Stadion schaffen lassen, doch möchte er dem "Tünn" gemäß seiner launigen Ankündigung im Express-Interview nun ein Paar Gummistiefel überreichen.

Doch wichtiger ist eh auf dem Platz. Denn Meppens Mannschaft, die Trainer Christian Neidhardt in eigens gestalteten blauen Pokaltrikots mit edler weißer Schärpe antreten lässt, ist hochmotiviert. Wichtige Meppener Stützen sind Torjäger Max Kremer, Keeper Benny Gommert, Kapitän Johan Wigger, der wie sein berühmter Vornamensvetter und Landsmann Johan Cruyff die Nummer 14 trägt, oder Routinier Jens Robben. Nicht zu vergessen ist Meppens filigraner Zehner Martin Wagner, der beim FC Bayern in der Jugend kickte und schnell den Spitznamen Emsland-Messi weg hatte. Mal sehen, ob die gut in die Saison gestarteten Meppener die favorisierten Kölner Geißböcke auf die Hörner nehmen können. Schließlich gibt es die ewige Sehnsucht nach der Sensation auch in Meppen, zumal der Pokal eh seine eigenen Gesetze hat...