Donnerstag, 29. Dezember 2011

Uns Berti

Was macht eigentlich, Berti Vogts? Berti Vogts posiert mit versonnenem Blick in grünem Jersey und grünen Shorts an einem Strand. Die Wellen wogen im Hintergrund. Das Bild wirkt, und es wirkt paradox. Berti Vogts, ob seiner Bissigkeit „Terrier“ gerufen, steht tatsächlich leicht verloren am  Strand der Copacapabana, dem Strand der Ballzauberer do Brazil.

Was ich beschreibe, ist das Titelbild eines biographischen Bildbandes aus den Siebzigern, der seinen Namen trägt. Unglaublich aber wahr. Ob es wohl viele Kicker mit eigenen Bildbänden gibt? Vielleicht David Beckham, Eric Cantona oder gar Pelé ? Ich weiß es nicht.


Jedenfalls fiel mir der angestaubte Schinken nun wieder in die Hände. Sozusagen pünktlich zu Bertis  morgigen 65. Geburtstag, der für andere den formellen Eintritt in die Rentenalter markiert. Die Glückwünsche und mehr oder minder wohlwollende Abrisse aus Bertis Vita werden durch den Medienwald rauschen. Doch lassen wir ihn einfach gebührend hochleben: Ehre, wem Ehre gebührt! Berti, als kleiner, eisener Rechtsverteidiger eher Antagonist des eleganten Stils seiner Gladbacher Borussia , galoppierte mit den „Fohlen“ zu fast allen Titeln, die sich in den wilden Siebzigern gewinnen ließen: fünf Meisterschaften, einem Pokalsieg, zwei Siegen im UEFA-Cup und wurde gar zweimal Fußballer des Jahres.

In seiner Paraderolle des zuverlässigen Kämpfers avancierte Berti im erfolgreichen 74er WM-Endspiel zu einem der Schlüsselspieler, indem er dort den großen Johan Cruyff für fast 90 Minuten an die Leine legte. Oder wie der englische Guardian später lobte, Deutschland habe das Mittel gegen Cruyff gefunden: Berti Vogts. Dazu war er 1972 und 1996 Europameister. Beim EM-Titel anno 96 war Berti Bundestrainer, den sein „Eigengewächs“ Olli Bierhoff per „Golden Goal“ ermöglicht hatte. Es war übrigens der letzte Titel, den ein Bundestrainer geholt hat.


Die ZEIT schrieb Ende der Siebziger einmal über Vogts: „Vom Typ her einem Uwe Seeler ähnlich: dieselbe Energie, dieselbe Willenskraft, dieselbe vorbildliche Berufsauffassung.“ In ein ähnliches Horn blies Hans Blickensdörfer, Autor des genannten Bildbandes, und traf den richtigen Ton, was Vogts Rolle angeht: „Im Vergleich mit Beckenbauer ist er eigentlich ein Antistar und käme sich im Smoking neben Franz wie ein Pinguin vor.“

Was bleibt? Eine bisweilen absurde öffentliche Wahrnehmung, als wäre Berti in der Loddar-Ecke zu Hause. Wir erinnern uns alle an die vielen Verballhornungen, denen sich der „Terrier“ wie weiland den Dribblings von Cruyff & Co. stellen musste. Ja, und wir schmunzelten vor allem in seiner Zeit als Bundes-Berti über steife Reaktionen, seltsame Interviews, mokante Schlagzeilen und krude TV-Auftritte. Ja und wir werden uns gleich auf die Schenkel klopfen, wenn wir die feine Ironie empfinden, die es hat, dass ausgerechnet Bertis langjähriger Gefährte Rainer Bonhof einst ein biographisches Büchlein mit dem sagenhaften Titel „ So habe ich mich durchgebissen“ veröffentlicht hat.

Nichtsdestotrotz der bodenständige Berti ist ein „Terrier“ , beißt sich durch und geht seinen Weg - notgedrungen als Weltenbummler in Kuwait, in Schottland oder Nigeria. Raus aus der Loddar-Ecke. Mittlerweile ist er im fernen Aserbertischan Aserbaidschan gelandet und scheint auf seine Art angekommen. Nicht irgendwo, sondern in seiner neuen und alten Paraderolle als Entwicklungshelfer, Nachwuchsförderer gepaart mit seinen uweseelerhaften, urdeutschen Eigenschaften.

Mal sehen, ob sich bis zu seiner Rente noch einer seiner größten Wünsche erfüllt. Demnach will Berti im Mutterland des Fußballs zumindest einmal einen Klub trainiert haben. Und eigentlich kann es - gemäß dem Highlander-Motto - dort nur einen geben. Das drittklassige nordenglische Traditionsklübchen Huddersfield Town, das auf den Spitznamen „The Terriers“ hört. Ob dies ein später Wink des Fußball-Gottes ist?

Schließlich ereignete sich im Fußball-Mutterland Bertis wohl schönster Augenblick als Trainer. Denn besagten 96er EM-Triumph feierte Berti, indem er sich in Wembley vor den deutschen Fans in der Kurve und damit auch symbolisch vor den Fans vor den Bildschirmen mit minutenlanger ausgelassener Laola verneigte. Es ist bis heute übrigens einer der wenigen magischen Momente, die ich gemeinsam mit good old Berti verlebte. Er wirkte nicht wie ein Pinguin, sondern wie einer von uns. Er war kein Geringerer als „Uns Berti“… 

Montag, 19. Dezember 2011

Ein Werder-Wimpel und ein Hauch von Real Madrid

Steht eine Runde oder eine Auslosung im DFB-Pokal an, muss ich unweigerlich meinen grünen Wimpel von Werder Bremen anschauen. Auch wenn dies bei mir eher zwiespältige Gefühle auslöst. Warum? Seitdem ich den Wimpel nach Werders letztem Sieg im DFB-Pokal erwarb, gewann Werder kein einziges DFB-Pokalspiel mehr. Da mir der Wimpel aber dennoch lieb geworden ist, weigere ich mich standhaft, ihn deshalb leichtfertig zu entsorgen.

In seinem Schmöker „Fever Pitch“ berichtet Arsenals Edelfan Nick Hornby, wie er in jugendlichen Jahren versuchte, Arsenal zu Siegen zu treiben. Seinem Aberglauben ergeben legte er etwa an Pokal-Spieltagen eine bestimmte Scheibe der Punkrock-Fahrensmänner Buzzcocks auf seinen Plattenteller und diese laut drehte auf.



Doch glaubt mir, Hornbys Buzzcocks-Prinzip zieht bei Werder nicht. Mal sehen, da muss ich dieses kleine Pokal-Trauma Wohl oder Übel anders angehen. Vielleicht gewinnt Werder dann im Pokal endlich wieder, also im nächsten Sommer in der 1. Runde. Anders angehen würde ich es, indem ich schlicht und einfach von Werders letztem Pokalsieg im Sommer 2010 erzähle. Gesagt, getan:
Als geschlagener Pokalfinalist - die Bayern hatten Werder im 2010er Pokalendspiel  mit 4:0 böse überfahren-  führte Werder das Los der 1. Pokalrunde zu Rot-Weiss Ahlen. An diesem sonnigen 14. August  2010 hieß also Werse- statt Weserstadion.

Rot-Weiss Ahlen? Stimmt, da war was. Denn, seinen Namen trägt der „RWA“ noch nicht lang. Erst seitdem sich Ahlens einstiger Mäzen aus dem Kosmetik-Kosmos samt seiner bizarren Namenskreation „Leichtathletik Rasensport“, kurz LR, verabschiedet hat. Wer aber meint, am Klub aus dem pferdeaffinen Münsterland seien daher die modernen Errungenschaften der Fußball-Kultur vorbeigaloppiert, irrt sich.

Dieser Pokalsamstag in Ahlen bewies nachhaltig die Existenz von mehr als einer Handvoll Menschen, die in rot-weiße „RWA“-Souvenirs gehüllt das Wersestadion bevölkerten. So wie etwa auf Ahlens Gegentribüne, auf der die „Werse-Wikinger“ Flagge zeigten. Sehen lassen konnte sich auch Ahlens schmucke Südtribüne. Dort, auf dem Grenzzaun zum Spielfeld, thronte ein eifriger Einpeitscher. Per Megaphon feuerte er den unerwartet stimmgewaltigen Fanblock des „RWA“ an und gab als „Zaunkönig“ den Ton an.

Das Ende vom Lied? Trotz Aufbietung sämtlicher Schlachtrufe aus dem „RWA“-Repertoire, blieben Ahlens damalige Drittliga-Kicker harmlos und die erhoffte Sensation aus. Letztlich gurkte sich Werder zu einem glanzlosen 4:0-Sieg, sorgte im Nachhinein betrachtet aber zumindest in einem Moment für „königlichen“ Glanz.

Dieser Moment ereignete sich in Spielminute 61. In dieser spazierte ein gewisser Mesut Özil in seiner allerletzten Szene für Werder vom Feld. Kurz nach dem Spiel wurde Özils Wechsel zu Real Madrid bekannt, natürlich von einigem medialen Tamtam begleitet. Wenn man so will, lag an diesem Pokalsamstag in Minute 61 ausgerechnet im beschaulichen Ahlen ein Hauch von Real Madrid in der warmen Sommerluft.

Ansonsten sehnte Thomas Schaafs müde Herde den Abpfiff förmlich herbei. Damit stand Werder Ahlens Einpeitscher im Übrigen in nichts nach, der seinen Thron auf dem Zaun bereits verlassen hatte und Bier trinkend einen frühen Feierabend genoss. Ich machte dagegen erst nach dem Abpfiff „Feierabend“, nachdem ich besagten Werder-Wimpel bei einem fliegenden Händler rund um das Wersestadion erworben hatte.





Dieser Tage werde ich meinen Werder-Wimpel übrigens wieder anschauen. Richtig: es ist dann wieder DFB-Pokal. Der Hauch von Real Madrid ist natürlich längst verflogen...


Dieser Artikel ist inspiriert von Stadionchecks Beitragsreihe über Fußball-Memorabila und nun ein Teil davon.  

Sonntag, 11. Dezember 2011

Black Wednesday

Was sich am letzten Mittwoch in Basel abspielte, könnte so mancher als eine Art „Götterdämmerung“ empfinden. Der kleine FC Basel in den roten-blauen Farben Barcelonas triumphierte in seinem heimeligen St. Jakob-Park über das große Manchester United nicht einfach nur so mit 2:0.

Das große Manchester United schied dadurch zugleich in der Gruppenphase der Champions League aus. Manche empfinden dies als sensationell, Mancunians werden dies als sang- und klanglos empfinden. Es scheint, als habe auch die Königsklasse ihre eigenen Gesetze. Für den Serienmeister aus der Schweiz ist dies einer der größten Erfolge ever. Die Basler Zeitung posaunte die gefühlte „Ekstase“ in die Fußball-Welt hinaus. Das eidgenössische Boulevard-Blatt Blick rief das „Wunder von Basel“ aus.

Die britische Presse hingegen ging wenig zimperlich mit dem gefallenen Giganten aus Manchester um, das demnächst nun in der als zweitklassig gefühlten Europa League antreten darf. Die Manchester Evening News und die BBC riefen daher einstimmig den „Black Wednesday“ aus. Der Daily Telegraph sprach nach dem „Fall der Mächtigen“ von einer „Erniedrigung“, die Sun vom „Desaster von Basel“.

Selbst biestiger Uniteds Altvorderer Roy Keane packte noch einmal die Grätsche aus, die mediale versteht sich, und  knurrte als Experte des TV-Senders ITV 1 in sein Mikrofon:„ Sie haben erhalten, was sie verdient haben.“ Uniteds Franzose Patrice Evra stöhnte: „Es ist peinlich, in der Europa League spielen zu müssen.“

Der Kopf von Sir Alex Ferguson soll jedenfalls nach der Schmach von Basel sogar eine ähnlich rote Farbe angenommen haben wie der United-Dress, den Giggs, Rooney und Co. ansonsten erfolgreich über Europas und Britanniens Fußballfelder tragen. Von wütenden Schuhwürfen wie einst gegen einen gewissen David Beckham ist indes bislang nichts bekannt. Vielmehr diktierte der Schotte Sätze in die Notizblöcke der Journalisten wie: „Die Europa League ist jetzt die Strafe, die wir verdient haben.“

Ob es Ferguson himself oder so manchen United-Supporter tröstet, dass Uniteds hochgejazzter Lokalrivale City am Mittwoch ebenfalls aus der Königsklasse flog?  Erst neulich war Ferguson anlässlich seines 25. Dienstjubiläums in Old Trafford die besonders Ehre widerfahren, dass der Klub den North Stand nach ihm, in „The Sir Alex Ferguson Stand“, benannte. 1986 (!) war Ferguson vom FC Aberdeen nach Manchester gekommen, hält dort seitdem das Zepter fest in Händen und gewann mit United bekanntlich fast alles, was es als Vereinstrainer zu gewinnen gibt. Für den Sommer 2012 soll dazu aufgrund seiner vielen Verdienste eine Statue des Schotten vor dem Stadion errichtet werden.

Ferguson wäre damit nach dem legendären Sir Matt Busby der einzige United-Coach, dem der Klub ein Denkmal setzen würde. Zu schade also, dass der Schotte ausgerechnet nun mit United in die Europa League „absteigen“ muss. Doch wer meint, Fergusons Thron werde deshalb wackeln, wird lange warten müssen. Wann der 70-jährige Trainer-König Manchesters sein Zepter abzugeben gedenkt, steht noch in den Sternen.

Greifbarer dürfte die Erkenntnis sein, dass die Europa League oder früher der UEFA Cup der einzige Europapokal-Wettbewerb ist, den Ferguson persönlich und auch Man United noch nicht gewonnen haben. Es würde daher mit dem Teufel zugehen, wenn sich Ferguson den 9. Mai 2012, den Termin des Endspiels in Bukarest, nicht bereits jetzt rot in seinem Kalender eingetragen hätte. Vielleicht könnte ein Endspieltriumph gegen Lokalrivale City am Abend dieses 9. Mai 2012 die Wunde jenes „Black Wednesday“ aus dem Dezember 2011 zumindest ein wenig heilen.

Vielleicht würde ein solcher Finalsieg auch den gebührenden feierlichen Rahmen schaffen, wenn dieser Sir Alexander Chapman Ferguson kurz danach sein Denkmal erhält. Vielleicht wird es ihm dann auch überaus gleichgültig sein, dass die Errichtung seines Denkmals für die City-Fans nur aus einem einzigen Grund erfreulich sein dürfte. Angeblich versprechen sie sich von seinem Denkmal nicht mehr als eine Tauben-Toilette de luxe ...

Freitag, 25. November 2011

Auf nach San Siro!

Es war einmal 2002, die deutsche Nationalelf war als Vize-Weltmeister aus Asien heimgekehrt. Michael Ballack noch nicht als Unvollendeter, sondern als eine Art märtyrerhaft verehrter Held. Wenig später traf jene Nationalelf in der EM-Quali auf die Färöer-Inseln. Wie fast alle Zuschauer an diesem nasskalten Herbstabend in Hannover erhoffte ich mir ein Schützenfest und schmunzelte, wie der Torhüter der Färöer mit Zipfelmütze umher hampelte. Gleich nach einer halben Minute bekam ich Mitleid. Es gab Strafstoß, aber der Jubel als Ouvertüre eines torreichen Abends brandete merkwürdig schnell ab.

Dieser Michael Ballack hatte sich den Ball geschnappt, klemmte sich diesen unter den Arm und begab sich majestätischen Schrittes in Richtung Tor. Dort legte er den Ball in für ihn arttypischer Haltung, das heißt mit entschlossenem Blick, durchgestrecktem Rücken und breiter Brust, auf den Elfmeterpunkt. Diese furchteinflößende, für manche abschreckende, Aura war selbst auf den Tribünen des alten Niedersachsenstadions zu spüren. Niemand hätte gewagt, sich Ballack in den Weg zu stellen.

Es war diese „arrogance“, die britische Zeitungen Jahre später besonders an Ballack rühmten. Das heißt, sie bewunderten vor allem Ballacks außerordentliche physische Präsenz. Den Strafstoß versenkte Ballack übrigens im Stile von Johan Neeskens humorlos in der Mitte des Tores. Michael Ballack schien auf der Höhe seiner Zeit. Der Torhüter mit der Zipfelmütze war Momente vor Ballacks Schuss bereits ehrfürchtig in die linke Torecke gehechtet. Es war, als habe er zuvor Ballack eine Kartoffel mit der bloßen Hand zerdrücken sehen…

Zwischenzeitlich ist Ballacks Abgesang aus der Nationalelf längst erfolgt, und auf seine ganz eigene Weise eine Tragödie. Allmählich scheint jedoch auch jener Tag nicht mehr fern, an dem Ballack endgültig seine Treter an den Nagel wird. Doch wer meinte, Ballack würde sich nach seiner tragischen Talfahrt seinem Karriereende ergeben oder vor diesem gar zu Kreuze kriechen. Nichts da. Wie in alten Zeiten marschiert der Capitano derweil in Leverkusen mit breiter Brust vorneweg und sorgt wieder für ballacktische Momente.

Kürzlich schickte Ballack gar Gedankenspiele über den Äther, nach denen er sich im kommenden Sommer aus  Leverkusen verabschieden werde. Wenn er gesund bleibe, würde er noch ein, zwei Jahre auf einem guten Niveau spielen wollen. Und wenn Rudi Völler ihm einen Fünfjahreskontrakt anböte. Ja, dann würde er selbst den nicht ausschlagen. Unser good old Capitano scheint wie Phoenix aus der Asche zurückgekehrt zu sein.

Bleibt also die Frage, wohin ihn sein finaler Weg führen könnte? Zu Altstar-Liebhaber Felix Magath und seinen Medizinbällen? Ansonsten zurück ins Fußballmutterland? Dorthin, wo einst Stan Matthews selbst im biblischen Alter von 57 kickte und wo Ballack bei Chelsea gute Jahre verbrachte? Oder in die USA? Seite an Seite mit David Beckham bei LA Galaxy oder gar als dessen Nachfolger?

Vielleicht wäre auch der AC Mailand eine gute Partie. Immerhin sind die Rossonieri fast jedes Jahr im Europapokal vertreten. Seit langem zieht Milan alternde Stars magisch nach San Siro. Früher jenen Beckham oder Ronaldinho, heute van Bommel, Ibrahimovic oder Zambrotta. Von Milans Altvorderen wie Ambrosini, Inzaghi, Seedorf oder Gattuso ganz zu schweigen. San Siro, ein schmuckes Sanatorium für Denkmalpflege...

Doch obacht, es gibt einen Haken. Ballack könnte einigen Arrivierten aus Milans Mittelfeld den Rang streitig machen, weshalb ihn nicht aus jeder Kabinenecke ein herzliches „benvenuto“ erreichen könnte.
Etwa von dem verschrobenen Gattuso, der Ballack Hufe scharrend mit brennenden Augen ins Visier nehmen dürfte. Wohingegen dieser rustikale van Bommel seine legendäre „Stinkefaust“ ballen könnte. Nicht zuletzt träfe Ballack dort auf einen gewissen Kevin-Prince Boateng. Wir erinnern uns: englisches Pokalfinale 2010 - beinhartes Tackling Boateng – Ballack verpasste WM in Südafrika.

Ballack und Boateng. Das riecht nach „Schuld und Sühne“, nach einem großen, finalen Drama. Daher, auf nach San Siro! Selbst wenn jene Zeiten längst vorüber sind, in denen Torhüter mit Zipfelmützen vor Ballack in ihre Torecken flüchten.

Freitag, 11. November 2011

Der ewige Mart Poom

Rudi Völler brachte es in seiner Zeit als deutscher Teamchef nicht nur bei seinem Wutausbruch von Reykjavik gegenüber ARD-Mikrofonhalter Waldi Hartmann auf den Punkt. Es gebe keine Kleinen mehr im Fußball, prognostizierte Völler schon lange zuvor. Und der weitsichtige Rudi Völler hat Recht behalten. Denn heute Abend steht im fernen Baltikum Fußball-Zwerg Estland in einer der vier Relegationspartien für die Euro 2012.

Allein schon dank des Erreichens der Relegation gilt 2011 als Wunderjahr des estnischen Fußballs. Immerhin ließ die estnische Equipe in ihrer EM-Qualifikationsgruppe mit Slowenien und Serbien gleich zwei WM-Teilnehmer hinter sich und wurde hinter Italien Gruppenzweiter. Estland ringt nun mit Irland um eines jener vier noch zu vergebenen Euro-Tickets.

Bei den altgedienten keltischen Kickern wie Ex-Tottenham-Striker Robbie Keane, Ex-Chelsea-Star Damien Duff oder Ex-Newcastle-Goalie Shay Given, die allesamt vom ewigen Giovanni Trapattoni gecoacht werden, scheint der grüne Lack zwar ein wenig ab. Dennoch wäre ein Weiterkommen schlichtweg eine Sensation für das kleine Estland, das im Norden und Westen an die Ostsee grenzt, im Osten an Russland und im Süden an Lettland.

Rund 1,3 Millionen Esten werden ihren Helden, den Sinisärgid (Blauhemden), heute Abend sowie am kommenden Dienstag in Dublin die Daumen drücken. Nur knapp 9.700 davon passen im Übrigen in die estnische Nationalarena, sicher sind dies nicht außerordentlich viele. Da aber laut Wikipedia 97 % der Esten einen Fernseher besitzen sollen, dürfte auch der Rest sich das Spiel anschauen können.

Wo wir gerade von Helden sprechen. Die faz befand heute hierzu, dass die estnische Elf „nicht mal einen kleinen“ Star in ihren Reihen habe, vielmehr trügen deren Nationalspieler kuriose Namen wie Alo Bärengrub oder Enar Jääger.

Naja, immerhin kann Estland gleich sieben Kicker vorweisen, die mehr als 100 Länderspiele absolviert haben. Damit liegen die Esten in dieser Rangliste selbst vor den Ex-Weltmeistern Argentinien, Frankreich oder Italien. Der unverwüstliche Martin Reim ist mit 157 Einsätzen Rekordhalter und hat, ohne irgendeine EM oder WM bestritten zu haben, einen gewissen Lothar Matthäus (151 Einsätze) überflügelt.

Ein weiterer dieser glorreichen Sieben ist Estlands Kapitän, der ebenfalls auf einen etwas eigentümlichen Namen hört. Er heißt Raio Piiroja. Piiroja ist mit Anfang 30 bereits fünf Mal estnischer Kicker des Jahres gewesen und steht als Keskkaitsja (estnisch für Verteidiger) in Holland bei Vitesse Arnheim seinen Mann. Und wenn ich schon über diese estnische Extraklasse blogge, kommt ich nicht umhin, auch den ewigen Mart Poom zu erwähnen. Mart Poom? Na? Genau, auch Mart Poom hat weit über 100 Länderspiele auf dem Buckel.

Poom verschlug es als ersten Esten überhaupt ins Mutterland des Fußballs . Dort gelang es Mart Poom sogar sich zu verewigen, indem er einst für den FC Sunderland gegen seinen Ex-Klub Derby mit einem furiosen Kopfballtreffer in letzter Minute den Ausgleich markierte. Als Torwart wohlgemerkt. Dies veranlasste sogar den damals   diensthabenden Radioreporter der ehrwürdigen BBC, seine Hörer Zeugen einer höchstpersönlichen emotionalen Explosion werden zu lassen. Was in etwa so klang : “The best headed equaliser by a goalkeeper against his former club in the last minute. Ever!“


Jahre später entdeckte ihn dann Arsene Wenger, der den ewigen Mart Poom mit Mitte 30 zu Arsenal lotste, jedoch nur sporadisch durch die englischen Strafräume hechten ließ. Sporadisch, da Poom als Nummer drei hinter Jens Lehmann und dessen Rivalen Manuel Almunia auf der Ersatzbank der „Gunners“ die Stellung hielt. 2009 hing Poom, ebenfalls fünfmaliger estnischer Kicker des Jahres,  seine Handschuhe an den berühmten Nagel.

Gewiss wird der estnische Verband für Mart Poom und seine Kumpels aus dem honorigen estnischen Hunderterklub ein exklusives Plätzchen auf der Ehrentribüne in Tallinn reserviert haben, von wo sie sich das Spektakel gegen Irland anschauen können. Doch irgendwie ist es schade, diesen Poom nicht noch einmal auf dem Rasen sehen zu können.

Wie schaut der ewige Trapattoni wohl aus der Wäsche schauen, wenn der ewige Mart Poom in letzter Minute im irischen Strafraum zum Kopfball ansetzen würde...

Samstag, 5. November 2011

„Uns Uwe“ und sein irisches Intermezzo

Uwe Seeler wird 75 Jahre alt: herzlichen Glückwunsch. Allerorten werden Girlanden von Glückwünschen für „Uns Uwe“ aufgehängt und Elogen auf ihn formuliert. In diesen Tagen, in denen selbst Poster von ihm Zeitschriften beiliegen und TV-Sondersendungen ausschließlich ihn thematisieren, frage ich mich oft folgendes. Wie lange ist „Uns Uwe“ eigentlich schon eine Legende? Seit seinem offiziellen Abschiedspiel 1972? Oder noch länger?

Jedenfalls hätte ich ihm im Stadion gerne einmal laut „Uuuuuuuuwe“ zugerufen oder ihn live und in Farbe am Bildschirm erlebt. Nicht als lebende Legende und ewigen Ehrenspielführer, sondern als mitreißenden Mittelstürmer. Zum Beispiel wie er den Engländern einst in Mexiko per Hinterkopfballtor die Tränen in die Augen trieb oder wie er über die Rasenrechtecke wuchtete, rackerte, hechtete und einnetzte.

Der HSV stellte „Uns Uwe“ zu Ehren weiland einen Bronzefuß vor seine Arena im Hamburger Volkspark auf. Die Arena selbst trägt nicht seinen Namen. Schade eigentlich, wenn man sich die kruden Namensschöpfungen der Arena im letzten Jahrzehnt so anschaut. Doch: „Uwe-Seeler-Kampfbahn“ wäre vermutlich des Guten ein wenig zu viel gewesen…

Anders machte es West Ham United im Gedenken an sein schon verstorbenes Idol Bobby Moore. Ein Teil der stolzen Supporter West Hams sitzen auf dem „Bobby Moore Stand“, daneben wird seit einigen Jahren Moores number six nicht mehr vergeben – what an honour. Dazu errichtete West Ham vor seinem Stadion Boleyn Ground eine Statue. Diese zeigt in Anlehnung an das berühmte Bild der Feiern nach dem WM-Finale 1966 wie die beiden West Ham-Ikonen Geoff Hurst, Martin Peters sowie Evertons Ray Wilson Moore auf Händen tragen. Zuvor hatte Moore als englischer Kapitän den WM-Pokal in den Londoner Himmel gereckt.

„Uns Uwe“ hatte übrigens vor dem Finale als deutscher Spielführer mit Moore die Wimpel getauscht und wird seinem HSV dessen bescheidenere Huldigung verzeihen. Weit weniger Verständnis wird Seeler wohl für einen Abstieg seines HSV aufbringen. In diesem Herbst 2011 macht sich der modrige Abstiegsgeruch an der Elbe verdächtig breit. Wie wir wissen: in 49 Jahren Bundesliga war der HSV bisher unsinkbar. Doch sagte man das nicht auch über die Titanic?

Was die Titanic mit Seeler zu tun hat? Erkläre ich gern. Persönlich getroffen habe ich „Uns Uwe“ zwar nie. Doch ein Geheimnis kenne ich von ihm, sozusagen ein offenes. Denn Seelers Vita umrankt die Legende, dem HSV stets treu gewesen zu sein. Nicht einmal ein lukratives Angebot Inter Mailands ließ den Hamburger Jung einst schwach werden. Die Charly Körbels dieser Fußball-Welt lassen grüßen. Allerdings, die weiße HSV-Weste „Uns Uwe“ hat einen kleinen grünen Fleck. Wer in Seelers Biografie „Danke, Fußball!“ einmal Seite 364 aufschlägt, wird große Augen machen. Dort steht geschrieben:

„Am 23. April 1978 war ich ein für einen Tag irischer Profi. Adidas hatte mich gebeten, für Cork Celtic ein Spiel zu bestreiten. Obwohl ich zwei Tore erzielte, verloren wir 2:6 gegen die Shamrock Rovers. Immerhin - mit 39 Jahren noch einmal Profi, ein lustiges Intermezzo.“

Ich gebe zu, nach dieser Passage musste ich das Buch erst einmal beiseite legen. Ob es Zufall war, dass in diesem Moment aus dem Radio der Status Quo-Klassiker „Rock'in all over the world“ dudelte?

Also gut, „Uns Uwe“ hat sich offenbar von den Klängen der irischen Harfen betören lassen. Zu Seelers Ehrenrettung sei gesagt, dass er davon ausgegangen sein soll, in einem Freundschaftsspiel aufzulaufen. Immerhin, mit diesem Wissen können an vielen Theken vermutlich einige Wetten gewonnen werden.

Doch, wie dem auch sei: auf ein Dreivierteljahrhundert „Uns Uwe“ und erst recht auf sein irisches Intermezzo ein zünftiges Guinness.

Sonntag, 23. Oktober 2011

Mit der Leichtigkeit einer Libelle

Ganz klar. Vergangenen Dienstagabend erlebte Daniel van Buyten, der belgische Verteidiger-Hüne des FC Bayern, eine Sternstunde. In der Champions League gastierte der Rekordmeister beim einstigen Maradona-Klub SSC Neapel. Es sind mittlerweile zwei Jahrzehnte vergangen, dass der unterhalb des Vesuvs für heilig verehrte Maradona den stolzen Neapolitaner Erleuchtung gebracht hat. Doch selbst heute ist Diego in Napoli noch immer allgegenwärtig.

Findige Journalisten fassten daher Bayerns Libero-Legende Klaus Augenthaler für ein Interview sozusagen ins Auge. Man sollte hierzu wissen: Augenthaler stand beim letzten Bayern-Abstecher im April’89 in Napoli seinen Mann gegen Diegos Dribblings. Dennoch zogen die Bayern dort im UEFA-Pokal-Halbfinale den Kürzeren. Und good old Klaus Augenthaler berichtete nun 20 Jahre später vielsagend davon: „Ich erinnere mich noch genau an sein Aufwärmen in Neapel. Während sich die Mannschaft im Kollektiv aufgewärmt hat, hat er mit seiner Tochter im Arm versucht, den Ball in einen Basketballkorb reinzulegen.“

Augenthalers Retrospektive in Ehren, nach Bayerns erneutem Napoli-Absteher redete keiner mehr von Maradona. Die Bayern hatten im Schmelztiegel San Paolo dominiert, spielten mit 1:1 remis, wobei Gomez trotz oder wegen eines neapolitanischen Laserpointers den siegbringenden Elfmeter verschoss. Nach alledem huldigten die italienischen Gazetten vor allem diesem Koloss Daniel van Buyten und überschlugen sich geradezu.

Tuttosport notierte, van Buyten sei stets am richtigen Platz gewesen. Ob seiner leichtfüßigen, ja fast schwebenden, Darbietung im Zweikampf mit Napolis Angreifern besang der Corriere dello Sport den Belgier regelrecht: „Zu den besten Bayern-Spielern zählte van Buyten: Er ist ein Gigant mit der Leichtigkeit einer Libelle“.

Ich gebe zu, ich hab diesen van Buyten bisher für einen arttypischen Stopper gehalten und die besungene Leichtigkeit noch nicht als Qualitätsprädikat erkannt. Van Buyten, ein Stopper mit „Rammbockqualitäten“. Ein standhafter und taktisch versierter Stopper mit dem zuweilen schwerfälligen Schwung einer Lokomotive. Dieser van Buyten, der Sohn eines Catchers, hätte gewiss auch in dem Hollywood-Streifen „Gladiator“ mit Schild und Schwert in den Pranken eine gute Figur abgegeben. Zum Beispiel, indem er neben Hauptdarsteller Russell Crowe angreifende Tiger und Bären im Kolosseum in die Flucht schlägt.

Zudem erinnerte mich der Anblick van Buytens oft an den früheren schottischen Stopper Colin Hendry, ein Hüne desselben Schlages. Neben seiner Statur war Hendry schon allein wegen seiner semmelblonden Haarpracht auffällig, die einen Kontrast zum dunkelblauen schottischen Dress bildete. Für sein Heimatland machte Hendry in den Neunzigern zumeist die Schotten dicht. Nur einmal geriet dieser Abwehrturm vor meinen Augen ins Wanken.

Das war bei der Europameisterschaft 1996. Damals musste Schottland im entscheidenden Vorrundenspiel gegen die verhassten englischen Gastgeber unbedingt gewinnen.Doch dazu kam es nicht, da ein gewisser Paul Gascoigne an diesem sonnigen Tag im Juni '96 in Wembley sein wohl berühmtestes Tor erzielte.

„Gazza“ jonglierte bei einem englischen Konter den Ball über den orientierungslosen Hendry hinweg, überlief Hendry und wuchtete nach diesem Solo den Ball ins schottische Netz. Es war Englands Siegtreffer und zugleich Schottlands Turnier-Aus. Dass dieser Daniel van Buyten in seiner Zeit bei den Bayern regelmäßig ins Wanken gerät oder geraten ist, war wohl meine Querverbindung zu diesem Colin Hendry.

Da mir aber fehlbare Stopper ihres Schlages durchaus sympathisch sind, werde ich beim künftigen Anblick van Buytens nicht mehr an diesen Hendry denken. Ich werde nur noch diese eine Schlagzeile für die Ewigkeit im Sinn haben, in der ihn der Corriere dello Sport als den Protagonisten einer neapolitanischen Nacht im Oktober 2011 besingt: „Ein Gigant mit der Leichtigkeit einer Libelle“.

Dienstag, 11. Oktober 2011

Belgischer König

Was macht eigentlich Jean-Marie Pfaff? Na, wer kennt ihn noch? Zwischen 1982 und 1988 hütete die schillernde belgische Torsteher-Legende mit den blonden Locken die Pfosten des FC Bayern. Eigentlich befindet sich Pfaff im Ruhestand, hat diesen aber heute Abend unterbrochen.
Warum? Neben Torwart-Titan Oliver Kahn und ZDF-Lady Müller-Hohenstein analysiert JMP die geneigten ZDF-Zuschauer die heutige finale Partie seiner Belgier in der EM-Quali gegen Jogis Löwen. Dies soll nun Grund genug sein, elf Anekdoten aus dem bewegten Leben dieses belgischen Königs, respektive Torwartkönigs, hervorzukramen.

Wenn Béla Réthy heute Abend fürs Zwote schon nicht kommentiert, muss zumindest der LIBERO für die Fakten..ääh..Hommage an diesen charismatischen belgischen König sorgen...

1. Unvergessen ist sicherlich Pfaffs Einstand im Tor des FC Bayern. An jenem 21. August 1982, ließ sich Pfaff bei seiner Bundesliga-Premiere durch Uwe Reinders das legendäre Einwurf-Tor ins Netz legen.

2. Nach seinem Wechsel vom SK Beveren nach München sollte sich Pfaff auch musikalisch in Bayern einfügen. Nicht ganz so wortkarg wie der holde Gerd Müller in dessen Kracher „Dann macht es Bumm!“ lieferte Pfaff im stilechten Marschmusik-Takt den Gassenhauer: „Ich war ein Belgier und jetzt bin ich ein Bayer. Ich trinke Bier und esse Leberkäs mit Eiern. Und jeden Samstag stehe ich vor meinem Tor und kein Stürmer macht dem Jean-Marie was vor…“

3. Die sechs folgenden Jahre konnten da fast nur prächtig verlaufen. Und wie kicker-Almanache bestätigen werden, Pfaff kann immerhin auf drei deutsche Meisterschaften und zwei Pokalsiege zurückblicken, die er mit dem FC Bayern feierte.

4. Neben musikalischen Abstechern ließ sich Pfaff auch kleinere Stippvisiten auf die Mattscheibe nicht nehmen. Beispielsweise mit einem Gastauftritt in dem schier in der Versenkung der Archive der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten verschwundenem Streifen „Zärtliche Chaoten“. Übrigens an der Seite von Thomas Gottschalk oder der amerikanischen Mundorgel Michael Winslow.

5. Etwas mehr als eine Stippvisite war 2007 die verzichtbare Daily Soap „De Pfaffs“. Mit dieser wandelten Pfaff und seine Familie auf den Spuren Ozzy Osbournes und öffneten den interessierten Betrachtern Tür und Tor zu der Familienranch nahe Antwerpen. Pfaff behielt es sich vor, dereinst in einem Stern-Interview die Soap als „sterbenslangweilig“ zu etikettieren.

6. 20 Jahre zuvor waren solche Seifenopern selbst dem stets umtriebigen Pfaff noch fremd. Vielmehr durfte er sich 1987 als sein annus mirablis ins Jahrbuch schreiben. Schließlich wurde „de Pfaff“ anno 87 zum „weltbesten Torwart“ gekürt.

7. Weltweite Anerkennung hatte sich Pfaff zuvor unter anderem in zahllosen Europapokalspielen und als belgischer Torsteher bei jeweils zwei Weltmeister- und Europameisterschaften verdient. 1980 wurde Pfaff mit Belgien Vizeeuropameister und 1986 WM-Dritter.

8. Pfaff war übrigens jener Torwart, gegen den sich Horst Hrubesch mit seinem Doppelpack im EM-Endspiel von 1980 sozusagen auf seine eigene Art unsterblich machte.

9. Das alles entging offenbar auch nicht einem gewissen Pelé, der mit seiner strengen Feder Pfaffs Namen auf seine Liste der 125 besten lebenden Fußballer notierte.

10. Notieren ließ sich Pfaff außerdem für kurze Zeit in das Mitgliedsregister vom (ehemaligen Stasiklub) BFC Dynamo Berlin. Diese wenig ruhmreiche Episode sollte Pfaff im Nachhinein aber als missratene PR-Aktion abhaken.

11. Eine fundamentale Wahrheit über den  Lockenkopf mit der Kirmes-Attitüde soll zum Schluß keinem Leser vorenthalten werden: dieser Pfaff ist keine Nähmaschine…

[Ebenfalls in dem Fußball-Blog Thor Waterschei erschienen.]

Samstag, 8. Oktober 2011

The unsung hero

Als ich jüngst auf einer Barkasse durch den Hamburger Hafen schipperte, platschte mir plötzlich kaltes Elbwasser ins Gesicht. Ich hatte mich auf die „Backboard“-Seite gesetzt und bereute diesen Entschluss. So etwas muss ich halt nicht allzu oft haben. Aber gut, wie ergeht es da erst Menschen, die anderen Menschen gerne „nur der HSV“ zurufen und sich fast jeden Samstag kalt erwischt fühlen. Denn ihr HSV ist Bundesligaschlusslicht, hat nach Spieltag 8 so viele Punkte wie Bremen Stadtmusikanten und taumelt nach dem schlechtesten Saisonstart in 49 Jahren Bundesliga der zweiten Liga entgegen.

Kein Wunder, dass an der Elbe zurzeit viele Untergangsszenarien aufbranden. Einmal bleibt etwa die Bundesliga-Uhr des Liga-Dinos an Spieltag 34 um Punkt 17.15 Uhr stehen. Daneben liegen sich auf der Ehrentribüne „Uns Uwe“ und die Helden der Happel-Ära wie die Wölfe heulend in den Armen. Wahrlich zum Schaudern!

Der neue HSV-Sportchef Frank Arnesen tauschte darum kürzlich seinen ratlosen Übungsleiter Michael Oenning gegen den trainerlizenzlosen Interimscoach Cardoso aus. Und seitdem dreht dieser Arnesen, der sich so gern Talente seines Ex-Klubs Chelsea angelt, munter das Trainer-Karussell. Seine unglückliche Suche nach dem nächsten Ernst Happel kommentierte die taz gewohnt bissig mit dem Titel „Marko Morten van Stevens Hrubesch“. Denn Arnesens Favorit Morten Olsen bleibt wohl in Dänemark, Marco van Basten ebenso wie Louis van Gaal in Holland und ein gewisser Huub Stevens faselt mittlerweile Treueschwüre wie „einmal Schalke, immer Schalke“ in die Mikrofone.

Horst Hrubesch, HSV-Idol und DFB-Jugendcoach, ist zwar für viele HSVer vorstellbar und hat in Uwe Seeler gar einen profunden Fürsprecher. „Uns Uwe“ meint, das Kopfballungeheuer himself könne dem HSV „Seele und Geist“ zurückbringen. Nur schwirrt Hrubeschs Name offenbar nicht in Arnesens Kopf umher, was sich im Übrigen auch von Kevin Keegan sagen lässt. Keegans Name erklang bisher noch überhaupt nicht, was ihn gewissermaßen zum unbesungenen Helden dieses Trainertheaters macht.

Das alles, obwohl Ende der 70er in Hamburg „Keeganmania“ herrschte. Noch heute schwelgen Zeitzeugen, wie dieser „unsung hero“ ihnen damals mit wallender brauner Mähne Freudentränen in die Augen dribbelte, sie Keegan „Mighty Mouse“ nannten und er mit dem One-Hit-Wonder „Head over heals in love“ den passenden Soundtrack dazu trällerte.


Gewiss, Arnesen wird seine Gründe für Keegans Nichtbeachtung haben. Ist es mangelnde Chelsea-Vergangenheit? Oder witterte Arnesen bei Keegan etwa eine apokalyptische Aura? Eine Aura, die aus Englands epochaler Pleite im allerletzten Spiel im alten Wembley-Stadion gegen Deutschland erwuchs? Ob Arnesen unkte, Keegan als damaliger Nationaltrainer Englands könne daher erster HSV-Trainer werden, der mit dem Bundesliga-Dino absteigt? Wohl nur Arnesen, laut Günter Netzer der einzige im HSV-Laden mit Ahnung vom Fußball, wird die Wahrheit kennen.


Menschen, die anderen „nur der HSV“ zurufen, werden es unter diesen Vorzeichen sicher verkraften, dass an der Elbe zunächst keine neue „Keeganmania“ aufziehen wird. Schließlich gehört der HSV in die Bundesliga wie der Hafen zu Hamburg. Oder etwa nicht?

Sonntag, 25. September 2011

Superbia in Proelia

Über Noel Gallagher, die Galionsfigur der einstigen britischen Rockband Oasis, schreiben sich die Redakteure britischer Gazetten schon lange die Finger wund. Als „Stolz der englischen Arbeiterklasse“ bezeichnete ehedem der Rolling Stone die Combo, andere bezeichnen Noel und seinen Bruder Liam schlichtweg als vorlaute Proleten, die keinem Streit aus dem Weg gehen.

Kleinster gemeinsamer Nenner der heute wieder einmal entzweiten (Radau-)Brüder, ist ihr Lieblingsklub. Beide schwelgen seit Kindesbeinen für Manchester City, Uniteds Erzrivalen.  Vielleicht passt in gewisser Hinsicht Citys lateinisches Motto Superbia in Proelia ganz gut zu beiden. Es prangt auf Citys Emblem und bedeutet so viel wie Stolz im Kampf.
 
Apropos, stolz im Kampf. Immer hartnäckiger versucht City sich daran, United allmählich die Vorherrschaft in Manchester abzujagen. Dies wirdbekanntlich dank der Übernahme der „Citizens“ durch arabische Investoren aus Abu Dhabi begünstigt. Dank derer durchlebte das jahrzehntelang mittelmäßige Manchester City eine Art „Geldrevolution“. Und, statt erwarteter Empörung klatschte sich Edelfan Noel gar nach dem Einsteigen der Scheichs auf die Schenkel. Immer wenn ein United-Fan tanke, finanziere dieser Citys Transfers.

Oft erweckt der Klub dabei den Anschein eines mit Geldscheinen um sich werfenden hellblauen Kraken. Der greift einen Star nach dem Star anderen ab, die früher einen weiten Bogen um City gemacht hätten, und entlässt fast genauso viele kurz darauf wieder aus seinen Fangarmen. Etwa den walisischen Raufbold Craig Bellamy, über den der legendäre Sir Bobby Robson einst sagte, dieser könne in einer leeren Telefonzelle einen Streit anzetteln. Denn selbst der angriffslustige Bellamy konnte sich gegen zwischenzeitlich zehn Stürmerkollegen nicht durchsetzen und kickt nun für Liverpool.

Während die Stars kommen und gehen, wirkt der unverwüstliche Noel beinahe wie die letzte Bastion des Klubs, die City noch so etwas wie ein Gesicht gibt. Die folgenden Episoden zeugen von der Hingabe Noels für seinen Lieblingsklub. Man könnte beinah behaupten: Citys letzter Bastion gelang es in den letzten Jahren weit häufiger als seinen hochbezahlten hellblauen Helden, Erzrivale United ein Schnippchen zu schlagen.
Da wäre die Anekdote um United-Ikone Wayne Rooney, der sich gar vorgenommen haben soll, zu einem „Gitarrengott“ zu avancieren. Rooneys Herzensdame Colleen hatte daher die veritable Idee, ihm eine von Noel signierte Klampfe zum Geburtstag zu schenken. Diese Steilvorlage ließ sich Noel nicht entgehen, besprühte das ihm übersandte Instrument zum einen in Citys hellblauer Vereinsfarbe, zum anderen mit dem Refrain der City-Hymne „Blue Moon“ und schickte sie an die unbedarfte Colleen zurück. Ob die hellblaue Klampfe Rooney indessen gefiel, ist nicht bekannt. Er soll sie für einen guten Zweck versteigert haben.

Das alles hielt Rooney im Übrigen nicht davon ab, seinem alten United-Gefährten Cristiano Ronaldo seine liebsten Oasis-Songs vorzuspielen. Danach fing Ronaldo, der Oasis bis dahin nicht kannte, offensichtlich Feuer und lockte Oasis nach seinem Wechsel zu Real Madrid mit einem sozusagen „königlichen“ Angebot. Ronaldo lud die Band zum „Clasico“ gegen Barca ein und bat danach um ein kleines Privatkonzert.

Da Noel in Ronaldo aber noch immer einen United-Kicker witterte, zerschlug sich die Offerte. Zuvor hatte Noel Ronaldo öffentlich ausrichten lassen, die Tickets gerne anzunehmen. Im Hinblick auf das Privat-Konzert stand es für Noel außer Frage, dass die Gage von Oasis selbst Ronaldo nicht aufbringen könne. Kaum auszudenken, wie Citys letzte Bastion Jahre davor fast seinen Bankrott herbeigeredet hätte.

Auf einer Party versuchte Noel, mit vielen Pints intus, Milan-Legende Paolo Maldini zu City zu locken - für 150.000 Euro per week versteht sich. Da der kreuzbrave Maldini die äußerst lukrative Offerte für bare Münze nahm und nicht ganz abgeneigt war, seinen bis dato unvorstellbaren Abschied aus San Siro zu nehmen, wurde Noel die Sache zu heiß. Der Legende nach zog er am Morgen danach sein Angebot kleinlaut und ziemlich verkatert am Telefon wieder zurück. Hätten die Scheichs Jahre früher Gefallen an City gefunden, wären Maldinis Wechsel, inklusive Wochenlohn, wohl kein Problem gewesen.
Maldini hin, Maldini her. Noel wird seinen hellblauen Helden vermutlich noch die Daumen drücken, wenn die Karawane der Scheichs aus Manchester lange fortgezogen ist. Dennoch lässt sich die Breite des Grinsens von Citys letzter Bastion derzeit durchaus erahnen, wenn er an tankenden United-Fans vorbeifährt - er ist halt stets stolz im Kampf...
Am kommenden Dienstag gastiert Noel Gallaghers Lieblingsklub bei Bayern München. Bei den Bayern werden sich die „Citizens“ erstmals auf dem Parkett der Champions League bewegen. 

Sonntag, 28. August 2011

Mit königsblauem Turban

Das donnernde Schlagzeilengewitter, welches sein literarischer Anstoßgeber ausgelöst hat, dürfte der Kapitän der Nationalelf und des FC Bayern vermutlich nicht erwartet haben. Gewiss hat sich der deutsche Fußball-Zirkus hiervon nicht gleich lahm legen lassen. Allerdings wäre in dem Sturm der Entrüstung, der sich in den letzten Augusttagen erhob, das folgende Kleinod der Europapokalunterhaltung beinah untergegangen.

Wer er es nicht mitbekommen hat. Schalke musste im Rückspiel der 4. Quali-Runde zur Europa League-Gruppenphase HJK Helsinki nach 0:2-Hinspielpleite beim finnischen Rekordmeister mit mindestens drei Toren Unterschied schlagen. Der WDR übertrug die Partie zur besten Sendezeit. Und wer reinschaute, sollte eine Reminiszenz an vergessen geglaubte Abende der guten alten Europapokalunterhaltung erleben. Ohne Brimborium, Kerner, Reklame oder das überflüssige „der UEFA-Cup ist der Pokal der Verlierer“-Palaver.

Schalkes Flutlicht brannte, die Schalker Spieler ebenso. Man sah, wie diese sich gegen das drohende peinliche Ausscheiden stemmten. Man sah den Holländer Huntelaar vier Mal einnetzen. Man sah am Ende des Abends den deutschen Pokalsieger gegen anfangs flinke Finnen 6:1 triumphieren. Man sah, wie sich Schalkes Señor Raúl trotz dieses treffend aufgelegten Huntelaars zum Helden dieses Abends aufschwang.

Wir erinnern uns, wie dieser weithin stille Señor Raúl kürzlich den Schalkern seine Zuneigung bekundet und damit sich ausbreitenden unangenehmen Wechselgerüchten einen Riegel vorgeschoben hatte. Doch dieser Señor Raúl wäre nicht Señor Raúl hätte er seinem Tribut an die sensible Schalker Seele nicht Taten folgen lassen. Der stolze Spanier holte in den 90 Minuten etwa den Elfmeter zum frühen Führungstreffer heraus und bereitete weitere zwei Tore vor.

Besonders magische Momente ereigneten sich etwa gegen Ende der ersten Hälfte. Da erschraken in der Arena zunächst 54.000 Schalker, als ihr Señor Raúl nach einem Zusammenprall mit blutigem Kopf vom Feld humpelte. Was folgte? Señor Raúl ließ sich nicht etwa auswechseln. Der feingliedrige Angreifer spielte mit einem Turban weiter. Mit einem königsblauen Turban versteht sich. Doch dem ward nicht genug.

Nach dem Pausentee erwarteten 21 Akteure auf dem Rasen den Wiederanpfiff. In Anbetracht der erlittenen Platzwunde spekulierte Kommentator Steffen Simon bereits über Señor Raúls Feierabend, weil dieser als einziger auf sich warten ließ. Doch da begann die zuvor ruhige Arena zu pulsieren. Denn Schalkes „Königlicher“ stürmte plötzlich samt seinem königsblauen Turban aufs Feld.  Steffen Simon verschlug es daraufhin kurz die Sprache, was nicht allzu oft passiert und in dem sich erhebenden Beifallssturm ohnehin unterging.

Señor Raúl wirbelte fortan aufopferungsvoll kämpfend weiter, als wäre ihm nichts geschehen und er Marc Wilmots höchstpersönlich. So manches Schalker Herz wird da ein wenig höher geschlagen haben. Man stelle sich vor: macht dieser Señor Raúl so weiter, errichten sie ihrem „königlichen Knappen“ auf Schalke womöglich noch sein eigenes Denkmal.

Ein Beobachter dieses Spektakels hat dies im Übrigen schon. Jari Litmanen, der selbst im biblischen Alter von 40 Jahren noch die Stiefel schnürt und besagte 90 Minuten auf Helsinkis Ersatzbank verbrachte. Das Denkmal zu Ehren von Finnlands bestem Kicker aller Zeiten, weiland mit seinem schleppenden Gang und Torriecher für Ajax Amsterdam, Barcelona und Liverpool auf den ganz großen Bühnen des Fußballs unterwegs, steht in seiner Heimatstadt in Lahti.

Die Spatzen pfiffen es an diesem Donnerstagabend vom Dach der Schalker Arena: derzeit werden vermutlich wenige auf die Idee kommen, Philipp Lahm im Gegensatz zu Señor Raúl oder Jari Litmanen ein Denkmal zu setzen. Ob das wohl die „feinen Unterschiede“ sind, die Lahm in seinem literarischen Anstoßgeber gemeint hat?

Sonntag, 14. August 2011

Kein Kopfballungeheuer

Ein wenig besorgt frage ich mich derzeit schon, wie sich dieser Mario Götze auf seiner rasenden Rakete fühlt, die ihn offenbar ungebremst in Richtung Fußball-Olymp schießt.Franz Beckenbauer etwa ergötzte sich kürzlich regelgerecht an diesem 19-Jährigen, indem er ihn mit dem grandiosen Lionel Messi verglich und Götze damit einen ersten von zwei kaiserlichen Ritterschlägen gab.

Von Jogis Löwen bekam unser „Kaiser“ am letzten Mittwoch in der neuen Stuttgarter Arena eine spielerische Sternstunde beim 3:2 gegen Brasilien serviert, die dieser Mario Götze mit einer neuerlichen Gala in eigener Sache garnierte. Angesichts der Gala, mit der dieser Mario Götze diese Sternstunde garnierte, sollen sich an diesem lauen Abend im August, wie die ZEIT zu berichten weiß, so manche Journalisten gar an den jungen Franz Beckenbauer erinnert gefühlt haben.

Selbst der mit Lob sonst kühl kalkulierende Felix Magath, in einem früheren Leben Anfang der Achtziger selbst einmal Spielmacher der deutschen Nationalmannschaft, adelte den Dortmunder tags darauf zum „Jahrhunderttalent“. Das Prädikat „deutscher Messi“ scheint nach Beckenbauers Eloge gesetzt, der surrende Spitzname „Götzinho“ ist aus den Schlagzeilen wohl nicht mehr wegzudenken und der Weg für Götze geebnet, in die Reihe der „Weißen Brasilianer“ um Strategen wie Bernd Schneider oder Ansgar Brinkmann aufgenommen zu werden.

Für viele Zuschauer vor den Fernsehschirmen gehörte wegen der berauschenden „Samba do Götze“ gegen die Erben des großen Pelé der euphorische Sprung vom heimischen Sofa vermutlich ebenso dazu wie der Griff in die Chips-Schale. Ob Magath den Sofasprung ebenfalls gewagt hat, ist bislang nicht durchgesickert. Dazu wird man kaum vorhersagen können, ob kommende brasilianische Ballkünstler mit dem nun trendigen Künstlernamen „Mario Götze“ den Sand der Copacabana bedribbeln werden.

Fest steht jedenfalls, dass diese Ereignisse unseren „Kaiser“ schier überwältigt haben und Götze von ihm zwischenzeitlich den nächsten kaiserlichen Ritterschlag erhalten hat. Der Herrgott habe diesen Burschen mit Talent überschüttet. Er traue ihm alles zu, jubilierte unser „Kaiser“ in seiner Bild-Kolumne.

Alles? Naja, fast alles. Denn der korrekte Beckenbauer’sche Wortlaut klingt so: „Ich traue ihm alles zu – außer vielleicht ein Kopfballungeheuer zu werden.“ Nur, was heißt das nun für Fußball-Deutschland? Ist jetzt etwa Sorge angebracht, wenn es selbst diesem Mario Götze nicht gelingt, das Erbe von good old Horst Hrubesch anzutreten?

Gott sei Dank, nicht. Denn dieser Mario Götze wird vermutlich niemals im Luftduell gegen walisische Abwehrhünen klitschnasse Bälle per Kopf in die Maschen wuchten. Danach wird er auch niemals dem rasenden ARD-Reporter Jürgen Bergener lakonisch in dessen Mikro seufzen: „Poldi Flanke, ich Kopf - Tor.“

Doch wenn dieser Mario Götze, wie der „Kaiser“ weissagt, kein Kopfballungeheuer werden wird. Dann bedeutet dies: auch dieser Mario Götze ist nur ein Mensch. Ein Mensch mit Midas-Füßen wohlgemerkt. Dies lässt einen erst einmal durchatmen. Hauptsache, dieser Mario Götze verglüht nicht auf seiner Rakete auf dem weiten Weg gen Fußball-Olymp…

Sonntag, 17. Juli 2011

Wo liegt nun dieses „Messitinien“?

Neulich im Mai, machte ein brillantes Barca das Champions League-Finale gegen Manchester United zu seiner eigenen furiosen Fiesta. Da verneigte sich gar der knorrige Sir Alex Ferguson. Er könne sich nicht daran erinnern, jemals derart verprügelt worden zu sein. Hervorragende Galionsfigur dieses perfekten Barcas an diesem denkwürdigen Abend in Wembley war der grandiose Lionel Messi mit  seiner funkelnden goldenen Zehn auf seinem blau-roten Dress.

Ob Barcas epochalen Triumphes sackte gar die spanische Gazette Marca, ansonsten eher Erzrivale Real Madrid zugetan, vor diesem Messi auf die Knie und verortete mit ehrfurchtsvollen Blick nach oben: Gott sei aus dem Himmel herabgestiegen und auf dem Rasen von Wembley erschienen. Kurz nach diesen durchaus euphorisierenden  Ereignissen, erfuhr ich, dass Messi in diesem Sommer in seiner argentinischen Heimat zudem die Copa America, die Südamerikameisterschaft, spielen wird.

Kühn vermutete ich, dass sich die stolzen „Gauchos“ mit diesem Ballkünstler und ihrem frenetischen Anhang im Rücken in ein magisches „Messitinien“ verwandeln werden. Das heißt, dass ich erwartete, nach dem Abpfiff des Copa-Finales den dank Messi leichtfüßigen argentinischen Stier mit sämtlichen Trikots seiner Kontrahenten auf den Hörnern zu sehen.Vor allem erwartete ich dort den gelben Dress der brasilianischen Seleção zu sehen, der im Wind der Final-Arena El Monumental in Buenos Aires baumelt.

Doch, schon während der Vorrunde nach zum Teil peinlichen Darbietungen gegen Bolivien, Kolumbien und ein besseres Juniorenteam aus Costa Rica, schien für die Kicker der Albiceleste die Last des weiß-blauen Trikos zu groß. Diese Last hemmte offenbar die Beine von Mascherano, Tevez oder jenem Messi gleich mit. Movete Argentina, movete!“, hallte es daraufhin aus zornigen argentinischen Kehlen, die Bewegung und Esprit von ihren Helden einforderten.

Nach dem gestrigen Viertelfinale der Copa, in dem die „Gauchos“ nach einer herben Niederlage im Elfmeterschießen gegen Uruguay überraschend ausschieden, bin ich wie wohl Millionen Argentinier ernüchtert. Denn neben diesem Aus war zudem dieser Messi ein Schatten seiner selbst. Daher bleibt nur die eine Frage: wo liegt nun dieses „Messitinien“? Doch, anscheinend gibt es dieses gar nicht.

Meine vielleicht etwas hanebüchene Annahme gründet sich übrigens darauf, in den achtziger und neunziger Jahren mit Diego Maradona groß geworden zu sein. Ich sah, wie Diego eine raubeinige und allenfalls durchschnittliche argentinische Elf etwa zum WM-Titel anno 1986 führte. Ich sah einen durchtriebenen Alleinunterhalter, der mit fast allen seinen Gegnern Tango tanzte. Außer mit einem gewissen Guido Buchwald im WM-Finale anno 1990...

„Messitinien“. Die Feststellung ist wohl nicht neu, dass Lionel Messi bei Barca das besondere Rädchen in einem eingespielten Räderwerk ist, in dem ihn Iniesta und Xavi flankieren. Ohne diese kongenialen Passgeber und Guardiolas passgenaue Taktik scheint Messi seine Fähigkeiten augenscheinlich für Argentinien nicht entfalten zu können. „Bei Barca Weltklasse, für Argentinien Durchschnitt“ dürfte der weltweite Boulevard hierzu in großen Lettern schon bald konstatieren.

Im unvermeidlichen, aber vielleicht nicht ganz angebrachten Vergleich mit Maradona, verkörpert Messi jedenfalls bislang noch nicht den Anführer, der Maradona einmal für die Albiceleste gewesen ist. Und dieser Maradona ist weiterhin allgegenwärtig. Bereits beim enttäuschenden Vorrunden-Remis des zweimaligen Weltmeisters gegen Kolumbien verlangte das erboste Publikum von Santa Fe nach seinem Idol und verlieh seiner Sehnsucht mit wütenden „Maradó, Maradó”-Sprechchören Ausdruck.

Wie sagte der juvenile Messi ehedem selbst: „Es gibt nur einen Maradona.“ Diego Maradona würde dem sicher nicht widersprechen und wohlweislich im dichten Nebel einer Zigarre seine „Hand Gottes“ auf diese Würdigung geben.

Freitag, 1. Juli 2011

Von lahmen Eulen

Was macht eigentlich der SV Meppen? Der Kultklub aus dem Emsland ist kürzlich aus der Oberliga Niedersachsen in die viertklassige Regionalliga Nord, aufgestiegen. Dort will der SVM künftig Ex-Europapokalsieger Magedeburg oder gar Leipzigs Rote Bullen auf die Hörner nehmen. Bevor die neue Saison losgeht, will der LIBERO seinen Lesern die Geschichte eines Stadionbesuchs an einem dunklen Abend im Herbst 2009 nicht vorenthalten.

»In Meppen, bei dem einstigen David der Zweiten Bundesliga, war für einen gemütlichen Fußballabend eigentlich alles angerichtet. Das Flutlicht flackerte, das schmucke Stadion glänzte wie zu besten Zeiten und die Stadionwurst mundete. Nachbar Eintracht Nordhorn hatte sich am 9. Spieltag der Oberliga Niedersachsen-West zum Derby angesagt und beim Blick auf die Meppener Aufstellung fiel einem sogar der Name Robben ins Auge. Gerade das in Liga Fünf auf dem rechten Angriffsflügel ein Namensvetter des niederländischen Premiumkickers erwartet werden konnte, sollte eigentlich schon was heißen.

Ein einträchtiges Schlottern der Knie der Gäste aus Nordhorn ließ sich von der ehrwürdigen Alten Tribüne allerdings deshalb während der unterhaltsamen 90 Minuten nicht vernehmen. Denn die rotgekleideten Nordhorner standen in der Abwehr stabil und konterten in ihrer roten Kluft, die irgendwie an den Retrostil von Nottingham Forest Anfang der Achtziger erinnerte.

Die Meppener Elf schien sich dagegen am Habitus des gemütlichen Stadionsprechers zu orientieren. Der ließ nicht nur das Gefühl eines emsländischen Cousins von Harry Wijnvoord aufkommen, sondern entlockte so manchem ungeduldigen Besucher auf der Alten Tribüne das gnadenlose Urteil, dass die "lahme Eule" endlich mit den Startaufstellungen fertig werden solle.

Dem SV Meppen um seine Robben-Ausgabe fehlte gegen den nachbarschaftlichen Rivalen der Schwung, der Gastgeber biss folglich in der Offensive stets auf Granit. Jener Robben, der mit Vornamen Jens und nicht Arjen heißt und sich einige Jahre unauffällig in der zweiten Liga verdingte, gefiel allein dank seiner roten Schuhe. Denn dank derer wurde sein minimaler Bewegungsradius leider auffällig markiert.


Ganz anders die Nordhorner Gäste. Die besaßen zwar keinen Robben in ihren Reihen, dafür mit ihrem Mittelstürmer Dennis Brode einen waschechten Torjäger. Dem gelangen kurz vor der Pause qua lupenreinem Hattrick sämtliche drei Tore des nasskalten Herbstabends, womit Brode schon vor dem Halbzeitpfiff eine leidige Trainerdiskussion über Meppens umstrittenen Coach Frank Claaßen, der seit dem Sommer Meppens Trainertaktstock schwingt, in Gang setzte. Denn das stakkatohafte "Claaßen raus" war weder im Stadionrund zu überhören, noch endeten die Diskussionen beim halbzeitlichen Stelldichein am Pinkelbusch hinter der Tribüne.

Zu den Highlights der zweiten Hälfte avancierten die "Aufhören"-Rufe nach einer knappen Stunde. Hiernach verließen nicht wenige Zuschauer kopfschüttelnd und vorzeitig das Stadion. So mancher Besucher wird aber trotz der Negativserie von fünf sieglosen Punktspielen zum nächsten Heimspiel des SV Meppen in zwei Wochen wieder auf der Alten Tribüne sitzen.

Wie ist sonst folgender Schlusspfiffdialog zweier SV Meppen-Schalträger wohl zu verstehen? "Moin Werner, tuste Dir den VfB Oldenburg auch wieder an? – Muss ich, ich hab ja ne Jahreskarte!" Wie schön, dass die weiteren rund 1.300 Zuschauer vor dem aufkommenden Pfeifkonzert mit wohligen »You’ll never walk alone«-Klängen in die Nacht entlassen wurden. Das nächste Heimspiel in der früheren Zweitliga-Trutzburg kann also kommen.«
 

[Dieser Beitrag ist ebenso zu finden auf: 11 Freunde.de und Thor Waterschei]

Sonntag, 22. Mai 2011

Neuer Pokalsieger

Schalke Fünfnull! Beim morgendlichen Anblick dieser Schlagzeile in der Sonntagszeitung könnte sich Carmen Thomas eventuell ein wenig verschluckt haben. Da drehten die in Pink kickenden „Königsblauen“ im gestrigen Pokalfinale gegen zahme Zebras des MSV Duisburg den legendären Versprecher der früheren Sportstudio-Lady doch einfach um.

Schalkes fünfter Finaltriumph dürfte nach einem turbulenten Saisonverlauf, der einer emotionalen Achterbahnfahrt gleichkam, lange in Erinnerung bleiben und dabei wie Balsam auf geschundene Schalker Seelen wirken: Abstiegsangst,Champions League-Halbfinale, Meisterschaft des BVB...

Nicht zuletzt der jüngst von Schalke-Urgestein Manuel Neuer verkündete Abschied, den so mancher bereits in Uwe Seelers Treuespur gesehen haben dürfte, brachte vielerorts das königsblaue Blut beinah zum Überkochen. In seinem vermutlich höchstpersönlichen Endspiel stand Neuer daher gestern ganz besonders im Fokus des Geschehens.

Als Neuer den güldenen DFB-Pokal leidenschaftlich in den Berliner Abendhimmel gereckt hat, könnte auch bei jenen so manche Träne heimlich verdrückt worden sein, die ihr Idol in den letzen Wochen angesichts seines kolportierten Bayern-Wechsels recht rüde an den königsblauen Pranger gezerrt haben. Neuers Pokalhochrecken hatte unweigerlich etwas von einem letzen Tribut an die Schalker Anhänger. Es roch nach Abschied.

Allein schon deshalb dürfte der Glanz des Schalker Pokalsiegs anno 2011 den der Triumphe in 2001 und 2002 überwiegen. Vielmehr könnte sich er sich auf einer Stufe mit Schalkes legendären 1984er Halbfinalkrimi bewegen, als sich ein gewisser Olaf Thon  mit seinen drei Toren beim 6:6 gegen die Bayern über Nacht einen Namen herbei schoss.

Olaf Thon wechselte übrigens Jahre nach diesem sagenhaften Pokalabend zum Rekordmeister, fand aber eine halbe Dekade später den Weg zurück in den königsblauen Kosmos. Warum sollte Neuer dies nicht eines Tages auch gelingen? Schaun’mer mal, wie viel dem FC Bayern letztlich die Dienste Neuers wert sein werden. Selbst bei einer spekulierten Ablösesumme von 20 Millionen Euro ist anzunehmen, dass Schalke hiermit bis zu Neuers Heimkehr adäquate „Übergangskeeper“ finden wird.

Apropos Ablöse. Zum Schluß soll Olaf Thon nochmals gewürdigt werden. Dem hängt ja hinterher, bei Auftritten in Funk und Fernsehen mal gern vom Ruhrgebietsidiom in den „professoralen“    T(h)on abzuschweifen. Ganz ohne offizielle Verhandlungsbefugnis ließ es sich dieser kürzlich in einer kicker-Kolumne nicht nehmen, Neuers Marktwert auf immerhin 100 Millionen Euro zu taxieren.

Allerdings waren ihm wohl beste Absichten zu unterstellen. Vor allem auf diesem Wege, alles für ein künftiges Schalke ohne Manuel Neuer zwischen den Pfosten herauszuholen. Vermutlich wird der Schalker „Professor“ schlichtweg das Ziel verfolgt haben, dass das Carmen Thomas‘sche Orakel eines steten Schalke Nullfünf nicht Realität werden lassen. Darauf ein kräftiges „Glück auf“.

Freitag, 22. April 2011

Weiße Brasilianer

Neulich legte ich mir über ein Buchportal im Netz die Erinnerungen Rolf Töpperwiens zu. Kurz darauf blinkte in meinem Postfach eine Mail. Als Leser des bisweilen grotesken Töpperwien’schen Rückblicks auf sein bewegtes Reporterleben informierte mich diese Mail darüber, dass mir auch der demnächst erscheinende Anekdotenschatz von Ansgar Brinkmann mit dem Titel „Der weiße Brasilianer“ gefallen könnte. Soso..

...jaja, dieser Ansgar Brinkmann. Als er einst noch dribbelte, hat sich dieser sogenannte „weiße Brasilianer“ neben dem grünen Rasen in allerlei Sperenzien verdribbelt: in Verfolgungsjagden mit der Polizei, Pommesfuttereien in Halbzeitpausen, krude Anrufbeantwortersprüche undsoweiter. Dennoch zählte dieser hochveranlagte blonde Kindskopf zur Gattung der „weißen Brasilianer“. Und zu der dürfen sich allenfalls  eine Handvoll deutscher Kicker mit filigranen Füßen zugehörig fühlen . Wer noch?

Paulo Rink etwa ist eigentlich ein echter weißer Brasilianer und wurde von einem unglückseligen Teamchef namens Erich Ribbeck gar Ende der 90er für die deutsche Elf eingebürgert. Vollwertiges Mitglied der besagten Gattung ist Rink aber gewiss ebenso wenig wie Werder-Legende Dieter Eilts. Selbst Eilts klangvoller Spitzname „Ostfriesen- Alemão“, der sich am Künstlernamen eines weiteren echten weißen Brasilianers orientiert, ändert daran wenig. Denn, zurückhaltend bemerkt, waren Rink und Eilts doch eher britisch-robust unterwegs.

Besser gehorchte der Ball hingegen dem scheuen Leverkusener Bernd Schneider. Im WM-Finale 2002 zeigte er gar waschechten Zuckerhut-Zauberern wie Roberto Carlos was ein Haken ist. Kein Wunder, dass Edeltechniker Schneider wie Skandalnudel Brinkmann noch heute „weißer Brasilianer“ gerufen wird. Vielleicht könnte in deren Reihe noch Thomas „Ich bin der Icke“ Häßler oder der brillante Bernd Schuster genannt werden, in dessen Glanzzeit in den 80ern man das Etikett „weißer Brasilianer“ weniger vergab.

Da Brinkmann nicht in WM-, Euro- oder Champions League -Endspielen von sich Reden machte oder eine grandiose Karriere bei Real und  Barca hinlegte, argwöhnten viele Gazetten, wieso einer wie er überhaupt seine Karrierehöhepunkte niederschreibt. Einer Karriere zwischen Bielefeld und Berlin, die weder Titel noch Europapokal- oder Länderspieleinsätze vorweisen kann. Höhepunkte, die es bei einem Dutzend Klubs in 20 Jahren wie Gütersloh, Münster, Bielefeldoder dem VfL Osnabrück gab, inklusive ganzen 59 Spielen in der Bundesliga, sowie mindestens so vielen Torheiten neben dem Rasen.

Doch die Antwort ist einfach, wie für Brinkmann einst sein doppelter Übersteiger. Der schillerndste der „weißen Brasilianer“ war halt stets für eine amüsante Geschichte gut. Wenn man will, eine Art George Best der zweiten Liga. Einer, der dort für ein wenig Rock‘n Roll gesorgt hat.

Schaun‘ mer mal: vielleicht findet Brinkmanns Büchlein tatsächlich den Weg in meinem Briefkasten, die Werbe-Mail ist noch nicht gelöscht. Und dass, obwohl Herr Brinkmann offenbar für den Rückblick auf jedes einzelne seiner rund Karrierejahre nen guten Euro angesetzt hat. Was solls, solange Brinkmanns Büchlein nicht dem Töpperwien'schen Tenor hinterherdribbelt: „Ich geiler Hengst, hab ‘se alle gekriegt...“

Donnerstag, 31. März 2011

Am Anfang steht Paul Breitner

Was macht eigentlich, Paule Breitner? Ist der 74er-Weltmeister mit der wallenden Lockenpracht noch ein Begriff?

Ich denke schon. Dazu erinnere ich mich an meine Kindheit. Damals zierte Paule Breitners Konterfei den Latz meiner ersten Fußballtreter. Wesentlich später flatterte nach einem Umzug gar eine signierte Breitner-Autogrammkarte über meinem neu aufgebauten Schreibtisch.Kürzlich übergab mir der Postbote ein Päckchen, das ein Paule Breitner T-Shirt in sich trug, welches die kommenden warmen Tage des Frühlings erträglich macht. Man merkt, ein wenig steht Paule Breitner für etwas Beginnendes. Ob sich etwa Parallelen zu Zeiten auftun, in denen Paule Breitner noch runden Bällen hinterherjagte?

Das könnte durchaus sein. Immerhin erzielte er als erster und bisher einziger deutscher Kicker in zwei WM-Endspielen einen Treffer. Paule Breitner war der erste Kicker des FC Bayern, den sich Real Madrid geangelt hat. Paule Breitner war dazu der erste Star von Real Madrid, der danach zu Eintracht Braunschweig niederfuhr. Außerdem war Paule Breitner Vorreiter für alle Kicker, die in seiner Spur durch den Staub sonderbarer Western-Streifen wie Potatoe-Fritz galoppieren möchten.

Um den Weg zur Ausgangsfrage zu finden. Paule Breitner ist heute Chef-Scout des FC Bayern. Das hat weniger mit den Meriten seiner kruden Western-Vergangenheit zu tun als mit fußballerischem Sachverstand. Und in diesen turbulenten Wochen könnte er als Chef-Scout von seinen Bossen, Uli Hoeneß und Kalle Rummenigge, folgenden Auftrag erhalten haben. Paule Breitner soll ein beim FC Bayern existierendes Defensivproblem lösen. Schließlich herrscht dort in den hintersten Reihen eine Art Wildwest. Und dies missfällt seinen beiden Bossen, hoch auf dem Rekordmeister-Ross, aufs Ärgste. Doch, vielleicht lässt sich dieses Problem schneller lösen als gedacht.

Denn als vor Kurzem in diesen vier Blogwänden sozusagen der LIBERO wieder zum Leben erweckt wurde, spross hier kurz ein zartes Pflänzchen Hoffnung. Speziell, dass Paule Breitner mit seinem Feldstecher, ja genau, den LIBERO für seinen FC Bayern in den Fokus nimmt. Paule Breitner selbst war nie Libero. Doch spielte Paule nicht mit Franz, dem besten aller besten Fünfer, Seite an Seite? Ist Breitner ob seines eigenwilligen bis störrischen Wesens nicht selbst stets „freier Mann“ gewesen. Einer, der vermag Altbewährtes im Internet aufzuspüren, um ein Bayern-Bollwerk aufzubauen?

Doch die Hoffnung ist dahin! Hinreichende Netzrecherche allein hätte gereicht, um herauszufinden, dass Paule Breitner unlängst die Antwort auf den Titel eines Buchdeckels notiert hat. Er schrieb: „Ich will kein Vorbild sein!“. Das heißt, Paule Breitner wird keine Liberos googeln! Damit gilt: der LIBERO wird in diesen vier Blogwänden bleiben und künftig Tagträume vermeiden, die mit dem FC Bayern zu tun haben.

Dennoch, schaun‘ mer mal, was aus dem LIBERO so wird. Ob im Übrigen etwas an dem Gerücht dran ist, dass in seinem Rentner-Domizil ein gewisser Otto Rehhagel folgende Bitte an seine Gattin ausgesprochen haben soll? „Beate, tipp ma‘ Libero in diese Suchmaschine ein. ELL – Iiii - Bee…“.

Mittwoch, 16. März 2011

Freier Mann

Guten Tag allerseits!
Wer hätte das gedacht?
Es wird tatsächlich wieder ein Libero aufs Feld geschickt.

Doch keine Bange, dies ist weder antiquiert noch eine Wiedergeburt, sondern nur (ein regelmäßig unregelmäßiger) Fußball-Blog!

Der LIBERO kommentiert mal bissig das Geschehen im Fußball-Kosmos.
Mal spielt der LIBERO nostalgische Pässe oder kickt lange Bälle auf die Insel.

Nicht im Stil des Kick & Rush, eher mit einem Augenzwinkern:

Frisch. Franz. Fröhlich. Frei.

Die Numero 5 lebt und all das ganz ohne Otto Rehhagel.

Die letzte Station des vermutlich allerletzten Liberos war übrigens Thor Waterschei.