Donnerstag, 29. Mai 2014

Im winkenden Solo

Von dem Twitter'schem Hashtag #ThrowbackThursday habt Ihr bestimmt schon gehört. Da heute zufällig Donnerstag ist, will Der Libero - ganz seinem nostalgischen Ich folgend - endich einmal wieder olle Kamellen aufwärmen. Es geht um Cosmos New York, jenen einstigen Glamourklub der nordamerikanischen Operettenliga NASL, bei dem sich Ende der wilden 70er Pelé und Kaiser Franz ihre Doppelpässe angeblich stets per Außenrist zugespielt haben sollen.

Daher gebührt dem eifrigen Social-Media-Praktikanten von Cosmos aufrichtiger Dank. Hat er doch aus eingangs beschriebenem Anlass längst ein stylisches Bild des großen und gerade rüde umgegrätschten Pelé aus dem Cosmos-Fotoarchiv gekramt, es fleißig gescannt und dann rasch in den Twitter-Äther geschickt.
Wie löblich, dass sich hiermit nun gleich eine Handvoll Erinnerungen aufwärmen lassen. Jene an Cosmos New York, an gnadenlose Grätschen, an die NASL und an die wilden 70er. Nicht zuletzt an die Spielkünste Pelés, der uns in Bälde bei der WM do Brasil wohl täglich begegnen wird. Nicht mehr mit raffinierten Dribblings, eher im winkenden Solo, wenn gefühlt alle Kameraobjektive auf Brasiliens Fußball-Idol gerichtet sein werden.

Von Pelés kruden Werbespots soll nun nicht die Rede sein. Angesichts des medial oft verklärten Blicks auf die winkende Legende do Brasil vielleicht eher davon, wie der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe ab Seite 96 die gewachsene traurige Wahrnehmung Pelés treffend wie eine Grätsche in den wilden 70ern auf den Punkt bringt: »Pelé ist die größte Legende des Fußballs.In seiner Heimat wird der einstige Wunderstürmer aber kaum mehr ernst genommen. Er redet zu oft Politikern nach dem Mund und ist sich auch für keine Werbekampagne zu schade.«

Sonntag, 18. Mai 2014

Unsinkbar wie die Titanic?

Ich gebe zu: selten wirken Relegationspartien auf mich anziehender als das Pokalendspiel samt seines Brimboriums. In diesem Jahr ist dies anders, obwohl sich der BVB und die Bayern in Berlin duellieren und das Ganze längst zum deutschen »Clásico« hochgejazzt wurde. Zweifellos liegt dies am HSV, dessen letzter Titelgewinn bereits 27 Jahre her ist und der zur Kompensation sein gefährdetes Etikett »Bundesliga-Dino« längst wie einen Titel führt. Denn beim großen HSV werden nach dem Abpfiff in Fürth nicht unbedingt alle Lichter ausgehen, aber immerhin könnte wegen des drohenden Abstiegs seine Bundesliga-Uhr stehenbleiben.

Nach dem torlosen Relegationshinspiel gegen die forschen Franken tat sie dies zwar bereits. Aber nicht, weil dem Fußball-Gott Blitze schlagend die Geduld mit den Seeler-Erben ausging. Eher, weil das HSV-Stadionmanagement vergaß, eine schnöde Zeitschaltuhr abzuschalten. Nun tickt sie weiter, die Uhr. Dennoch liest man seitdem ausufern darüber, wie anhand der schlimmen Symbolik das böseste aller Omen für den HSV heraufbeschworen wird - der Abstieg.

Das gute Omen wäre demgegenüber auf Seiten der Fürther zu Hause. Denn rund um den Ronhof wäre da - augenzwinkernd gesagt - noch die Sache mit der Kleeblattkultur. Laut Wikipedia hat man in Fürth jenes Kleeblatt in nahezu allen Wappenvariationen der Klubhistorie untergebracht.  So wie es in der weiten Welt des Fußballs in den Emblemen von Rot-Weiß Oberhausen, den Shamrock Rovers und Celtic Glasgow zu finden ist. Und folgt man der Symbolik dieser Kleeblattkultur, müsste Fürth nur so vom Glück gesegnet sein.

Liest man dieser Tage die forschen Kommentare von Fürths Trainer Kramer hört sich dies jedenfalls schon einmal so an. Kramer will heute Abend mit einem Heimsieg, wie er auf den Busch klopfend sagt, »den Deckel draufmachen« auf den Bundesligaaufstieg. Führt Fürth recht rasch könnte sich beim HSV sicher eine Art Abstiegspanik breit machen. Doch irgendwie sagt mir mein Bauchgefühl, dass es dem HSV trotz des sagenhaften Slomka'schen Auswärtsfluchs, der Fürther Kleeblattkultur, des bösen Uhren-Omens undsoweiter gelingen wird, sich mit einem knappen 1:1-Remis am Bundesliga-Strohhalm festzuhalten.

Ist es etwa ein Zeichen, dass Slomka - aus dem Polnischen ins Deutsche übersetzt - tatsächlich Strohhalm, heißt? Und wer weiß, ob diesem Diekmeier in Fürth einmal eine dieser berühmt-berüchtigten Bananenflanken der Kaltz'schen Art gelingt, die dieser Lasogga in rabiater Hrubesch-Manier unter den Fürther Torbalken wuchtet.  Das ist schon alles überaus spannend. Oder ist der bisher unabsteigbare HSV am Ende doch so unsinkbar wie einst die Titanic?

Freitag, 16. Mai 2014

#GunningForTheCup

Wembley Calling! Am Samstag steigt im Wembley-Stadion das Endspiel des seit 1871 im Fußball-Mutterland ausgetragenen FA Cups. Die Rollen sind dort klar verteilt: Hull City ist der Underdog, der FC Arsenal samt seines deutschen Quartetts um Mertesacker, Özil, Podolski und Gnabry der Favorit.  In der langen Historie des ältesten Pokalwettbewerbs der Welt ist Arsenal mit stolzen zehn Pokaltriumphen bei bisher 17 Endspielteilnahmen der zweiterfolgreichste Klub nach Manchester United. Die Medaille von Arsenals letztem FA Cup-Sieg anno 2005 gilt allerdings in der Pokalvitrine der Gunners als etwas angestaubt.
 
Denn seitdem konnten Arsenal und sein ewiger Coach Arsène Wenger keinen Titel mehr in den Londoner Norden holen. Um die gute alte Zeit seiner angestaubten Pokaltriumphe vor dem Endspiel gegen Hull wieder etwas aufleben zu lassen, ließ sich der Klub nun auf seinem Twitter-Kanal etwas Besonderes einfallen. Das Motto bzw. der Hashtag? #GunningForTheCup

Schier täglich werden dort titelhungrige Fans wie Follower mit fein aufbereiteten  historischen Häppchen von Arsenals vielen erfolgreichen FA Cup-Auftritten versorgt, inklusive Jubelfotos, einem Quiz und mehr oder minder subtiler Huldigung an Klub-Ikone Ray Parlour („It’s only one Ray Parlour“), auf der Insel weithin auch als „Pele of Romford“ bekannt. So wird etwa die Erinnerung an Arsenals ersten Pokalsieg 1930 gegen Huddersfield Town hochgehalten oder an den Endspielklassiker von 1979. Der ging als „Five-Minute-Final“ in die  FA Cup-Geschichte ein, bei dem Manchester United Arsenals 2:0-Führung dank später Tore in der 86. und 88 Minute ausglich, ehe die Gunners durch Alan Sunderlands Siegtreffer in Minute 89 das Blatt doch noch zu ihren Gunsten wendeten. Well, was ist schon das Drama des 1999er Champions League-Endspiels von Barcelona dagegen?
 
Erhabene Erwähnung findet auf Arsenals Twitter-Kanal ebenfalls Arsenals 2002er FA Cup-Sieg, als Arsenal  gegen Chelsea triumphierte. Wie schön für Arsenals Follower, dass auch jener Tweet mit der Frage „Were you there?“ (Waren Sie dabei?) garniert war.
Denn jene Frage zog ruckzuck die schreiend komische Replik von Chelseas damaligem Linksverteidiger Graeme Le Saux nach sich. Le Saux zwitscherte in etwa bitter-süß davon, dass er selbstverständlich dabei gewesen sei und am Ende auf dem Rasen liegend vor lauter Schock seinen Kopf in seinen Händen vergraben habe. Indeed, lang ist es her...
 
Für Arsenals morgigen Finalgegner Hull City ist indessen allein schon die erstmalige Finalteilnahme der größte Erfolg seiner FA Cup-Historie. Nur einmal standen „The Tigers“ kurz vor einem Endspieleinzug. Es war 1930. Hull scheiterte in zwei Halbfinalspielen damals, man kann es sich denken, an Arsenal. Es zeichnet sich wohl ein schlechtes Omen ab, dass nun ausgerechnet Arsenal in Wembley die Außenseiter von Hull City erwartet.

Derlei Omen und Orakel werden den „Gunners“ es gleich sein. Per Pokalsieg wäre die Saison gerettet, die schier ewige Wartezeit auf einen Titel beendet und die Pokalvitrine hätte wieder etwas Glanz gewonnen. Ob auf dem Twitter-Kanal oder auch sonst zählt am Samstag im Arsenal-Kosmos wohl nur ausschließlich: #GunningForTheCup…

Montag, 12. Mai 2014

Leiden mit Liverpool

Die Sehnsucht beim ehrwürdigen Liverpool Football Club nach seiner 19. Meisterschaft bleibt weiter unstillbar groß. Schließlich feierte der Klub aus der Beatles-Stadt anno 1990 seinen letzten Meistertitel. Dies ereignete sich vor fast einem Vierteljahrhundert, als Liverpooler Legenden wie John Barnes, Ray Houghton oder Ian Rush meist mit rustikalem Kick & Rush noch den Ton angaben, die Premier League noch nicht gegründet war und die oberste Liga im Fußball-Mutterland wie eh und je noch First Division hieß.

Anders als mancher vielleicht annimmt, gehörte Liverpools Ikone Steve Gerrard nicht zu jener 90er Generation. Aber immerhin gelang es Liverpools Eleven um seinen 34-jährigen Skipper in der gestern abgelaufenen Saison beinahe jene Sehnsucht an der Anfield Road endlich zu stillen, führten die 2014er Reds  über lange Zeit die Premier League an. Ehe Steve Gerrard und Kollegen eine kolossale Heimpleite gegen Chelsea kassierten und kurz darauf eine sichere 3:0-Führung bei Crystal Palace fahrlässig hergaben, die in einem tränenreichen 3:3-Remis endete.

Liverpools abgezocktere Rivale Manchester City machte daher letztlich das Rennen, überholte die Reds und schlug vor den Augen der Gebrüder Gallagher, Citys Edelfans, sowie seiner mehr oder minder edel spendenden Scheichs am gestrigen letzten Spieltag West Ham mit 2:0. Da nutzte Liverpools sein finaler 2:1-Heimsieg gegen Newcastle auch nicht mehr viel. ManCity triumphierte und errang die vierte Meisterschaft seiner 134-jährigen Historie. Das naheliegende Wortspiel »fabulous four« spart man sich rund um Anfield dieser Tage wohl besser. Lange waren die Reds nicht mehr so nah dran an ihrer number nineteen. Leiden mit Liverpool scheint angesagt - trotz deren direkter Qualifikation für die Champions League.

Noch angesagter könnte allerdings etwas Tröstendes für all jene sein, die im Herzen Reds sind. Hiermit soll nicht das obligatorische »You'll never walk alone« gemeint sein, das an der Anfield Road ohnehin geschmettert wird und ansonsten von Meppen bis Melbourne aus Stadionboxen röhrt. Mangels musikalischer Preziosen der Liverpooler Lokalmatadoren, den Beatles, in Bezug auf Englands einstigen Rekordmeister, könnte aber ein Klassiker der Rolling Stones aus dem Jahr 1973 passen, der da heißt: »You can't always get what you want«.



Welch ein Zufall, dass  Liverpool ausgerechnet in jenem Sommer 1973 seine achte Meisterschaft im Fußball-Mutterland feierte. Im Übrigen zehn stolze Ränge vor Manchester City, bei dem jene spendablen Scheichs nicht einmal eine, sagen wir, Fata Morgana waren...

Freitag, 9. Mai 2014

Kämpfen wie Keegan

Der HSV und die Bundesliga. Das ist zweifellos eine lange Geschichte, deren traurig-tragisches Ende sich dieser Tage abzuzeichnen droht. Da hierzu derweil genügend Beiträge durch den Blätterwald rauschen, soll es folgend um einen besonders klingenden Namen aus der HSV-Historie gehen, dessen Autogrammkarte mir nun überraschend in die Hände fiel.


36 Jahre, die man ihr auch ihr durchaus ansieht, ist die Karte alt. Kevin Keegan war just zu Europas Fußballer des Jahres 1978 avanciert. Auf der Rückseite jener Keegan'schen Karte, deren Druck die vertreibende Firma von »Deutschlands meistgekauftem Dextrose-Komprimat« beauftragt hat, werden übrigens Keegans Fähigkeiten im Werbesprech der wilden 70er aufgezählt. So wird Mr. Keegan im Anklang an die damaligen Stars etwa gehuldigt:
»Er ist unermüdlich wie Uwe Seeler, torbegabt wie Gerd Müller und beliebt wie ein Volksheld. 90 Minuten lang rennt er, kämpft er, schießt er mit nimmermüder Energie [...]«
Früher war sicher nicht alles besser. Aber manche Dinge ändern sich halt nie. Wie zum Beispiel - allen taktischen Ausrichtungen der Happel'schen oder Pep'schen Prägung zum Trotze - die skizzierten zeitlosen fightenden Fertigkeiten für die Protagonisten der Rasenrechtecke dieser Welt. Dem guten, alten HSV ist zu wünschen, dass Van der Vaart, Westermann und die weiteren 2014er Rothosen am Samstag in Mainz ebenfalls kämpfen wie einst Keegan.

Denn - Hand aufs Herz - eine Bundesliga ganz ohne seinen Dino sprengt doch ehrlich gesagt meine Vorstellungskraft.  Und Uns Uwe möchte ich auch nicht unbedingt mit hochrotem Kopf in Mainz bitterlich weinen sehen. Dazu will ich als Werder-Daumendrücker, nun mit mächtig Augenzwinkern gesagt und hanseatisch-kühl kalkuliert, selbstredend auch nicht auf jene wichtigen sechs Punkte verzichten, die für Werder zuletzt gegen den HSV pro Saison garantiert drin waren...

Samstag, 3. Mai 2014

The biggest mistake

Ein Kapitel in der langen Klubhistorie des altehrwürdigen Fulham Football Club trägt die etwas heroische Überschrift The Great Escape. Dies klingt etwas nach Blur, gemeint ist damit aber, wie Londons ältester Fußballklubs anno 2008 in allerletzter Minute den Klassenerhalt im englischen Fußball-Oberhaus bewerkstelligt hat. Der Vater des damaligen Erfolgs?

Der heutige englische Nationalcoach Roy Hodgson, der ebenso an der Seitenlinie stand, als Fulham fast auf den Tag genau vor vier Jahren im Europa League-Endspiel stand. Die Cottagers duellierten sich seinerzeit mit Atletico Madrid und mussten sich Atletico an jenem 12. Mai 2010 nach einem Doppelpack des großen Diego Forlán mit 1:2 in Hamburg geschlagen geben.

Wie sich die Wege der beiden Klubs doch seither getrennt haben. Real kämpft um die spanische Meisterschaft und duelliert sich bald mit Real im glitzernden Finale der Champions League. Währenddessen wird sich good olf Fulham in der nächsten Saison in der Championship, wie Englands zweite Liga heißt, gegen Millwall oder Middlesbrough pflügen. Denn nach einer 1-4-Klatsche bei Stoke City stieg Fulham heute Nachmittag aus der Premier League ab. Für Fulham ist es der erste Abstieg seit 13 Jahren, da kullern zweifellos Tränen.

Für Felix Magath, der Fulham nach seiner ungewöhnlichen Amtsübernahme im Februar zum ersehnten Klassenerhalt treiben sollte, ist es der erste Abstieg seiner Trainerlaufbahn. Indeed, der einstige "Feuerwehrmann" hat schließlich einen Ruf zu verlieren und bezeichnete diesen unglückseligen Samstag des 3. Mai 2014 bezeichnenderweise als einen der schlimmsten Tage seiner Karriere. Kein Wunder, wenn anscheinend nicht einmal Magaths Medizinbälle mehr helfen, ganz zu schweigen von Magaths Brille in Fulhams Vereinsfarben - mit weißen Bügeln und schwarzem Gestell - , die Magath in Stoke-upon-Trent trug.

Doch Magath wäre nicht Magath hätte er staunenden BBC-Feldreportern nicht bereits direkt nach dem abstiegsbringenden Abpfiff im Tunnel des Britannia Stadiums Überraschendes ins Mikrofon genäselt. Zum Beispiel, wie Fulham die Büchse der Pandora, schon vor Magaths Amtszeit, mit einer in gewisser Hinsicht erschreckenden britischen Zurückhaltung geöffnet hat...