Sonntag, 10. Juni 2012

Der Geist von Ray Houghton

In Irland spielte sich kürzlich Amüsantes ab. Trainer-Veteran Giovanni Trapattoni nominierte für seine Boys in Green einen gewissen Paul Green nach und öffnete damit Tür und Tor zu mannigfaltigen Wortspielen. Was wäre erst gewesen, wenn Trapattoni Irlands einstiges Top-Talent Steven Ireland nachnominiert hätte. Doch Ireland hat bei "Trap" keinen Stein im Brett. Ebenso der irische Einwurfkönig Rory Delap von Stoke City, dessen Einwürfe meist schärfer als so manche Flanke sind …

In gewisser Hinsicht hatte Trap mit seinen Iren übrigens bereits fertig. So etikettierte der 75-Jährige sie als „unkreativstes Team“, welches er je - in vier Jahrzehnten als Trainer - trainiert hat. Die Achse des irischen Spiels besteht aus einer Garde of Old Boys in Green. Da wäre der torgefährliche Kapitän Robbie Keane, Flügelstürmer Damien Duff, Abwehrrecke Richard Dunne und Keeper Shay Given. Alle sind älter als 30 und haben an die 100 Länderspiele auf dem nicht mehr so jungen Buckel…

In der Vorrunde warten auf Irland Welt- und Europameister Spanien, Italien und Kroatien. Es ist zu befürchten, dass die Iren bei der Euro zu sympathischen grünen Farbtupfern werden. Setzt man in der Hoffnung eines Griechenland-Effekts dieser Tage auf Irland als Europameister, lässt sich wohl ein Vermögen erwetten. Mit irischen Siegen bei Turnieren ist es ohnehin so eine Sache. Bislang nahmen Irland drei Mal an einer WM sowie 1988 an einer EM teil. In allen Turnieren zusammen gelangen den Iren in der regulären Spielzeit drei mickrige Siege.

Zwei Mal war dabei der kleine Ray Houghton Siegtorschütze, dessen Geist die Iren derzeit gewaltig umschwebt. Wie etwa beim einzigen irischen WM-Sieg 1994, als frühere wieselflinke Mittelfeldkicker von Aston Villa und des FC Liverpool den legendären Triumph über Italien herbei schoss.


Ray Houghton war ebenso beim wohl größten irischen Sieg ever zur Stelle, als sie bei der Euro 1988 dem ungeliebten England eine der größten Demütigungen ihrer Länderspielgeschichte verpassten. Beim Sieg von Stuttgart überwand der kleine Ray Houghton Englands Goalie Peter Shilton per Kopfball-Bogenlampe, weshalb vermutlich viele Iren des Jahrgangs 1988 heute Ray heißen werden. Irland schied dennoch in der Vorrunde aus und der Sieg von Stuttgart blieb der bisher einzige bei einer Euro.


Vielleicht hätte Trapattoni anstelle jenes Paul Green den nunmehr 54-jährigen Houghton nachnominieren sollen. Doch, vielleicht auch nicht. Denn ein irischer Turniersieg, an dem Houghton unbeteiligt war, bleibt noch übrig. Bei der WM 2002 in Japan und Südkorea schlug Irland Saudi-Arabien glatt mit 3:0.

Und siehe da, damals wie heute sind Torsteher Given, Duff und Keane in Irlands first eleven mit von der Partie. Und Letztere trafen sogar jeweils einmal gegen die Saudis. Das macht Hoffnung für die Euro 2012, Trapattoni kann diesen Ray Houghton daher getrost auf der irischen Insel lassen. Kroatien, Italien und Spanien können also kommen….

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