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Samstag, 8. August 2015

Wenn der »Tünn« nach Meppen kommt

Es ist ein schönes Ritual. Eine Woche vor dem Start der neuen Bundesligasaison steigt die erste Runde des ruhmreichen DFB-Pokal und zelebriert zu diesem Zeitpunkt landauf landab das jährliche Spiel von David versus Goliath. Stern online beschrieb dies als ewige Sehnsucht nach der Sensation, die selbstverständlich auch beim viertklassigen SV Meppen dieser Tage vorherrscht.

Denn der einst gefürchteten Zweitliga-Trutzburg wurde der 1. FC Köln zugelost, was seit geraumer Zeit für Pokalfieber im schönen Emsland sorgt. Letztmals gastierte der SV Meppen 1999 im DFB-Pokal, als der emsländische Traditionsklub nach großem Kampf gegen keinen Geringeren als gegen Bayern München um Stefan Effenberg und Oliver Kahn ausschied. Der Klub rief seine Fans unlängst dazu auf, in den Vereinsfarben blau und weiß zu erscheinen. Da wird dem großen Effzeh doch wohl kein blaues Wunder drohen, oder?

Foto: Der Libero
Die emsländischen Lokalzeitungen befeuerten das grassierende Pokalfieber auf sympathische Art und Weise und stimmten ihre Leser täglich auf das Duell gegen den Bundesligisten vom Rhein ein. Man berichtete davon, wie Meppens Stadion mit den Namen Hänsch-Arena hergerichtet wurde, indem sämtliche Werbeflächen und gar die Flutlichtmasten den DFB-Auflagen folgend grüner Plane abgedeckt wurden. Man war dabei, wie zusätzliche Kameranester für die übertragenen Fernsehsender unter dem Dach der ehrwürdigen Alten Tribüne montiert oder es wurden Emsländer porträtiert, die ihr Fanherz sogleich an Meppen und den Effzeh verloren hatten und nun heute vor einem veritablen Dilemma stehen. Wie gut, dass der Mensch über zwei Daumen verfügt.

Nicht fehlen durfte zur Abrundung der Vorberichterstattung überdies Anekdoten aus Meppens historischer Schatzkiste zum Pokal und Effzeh. Denn vor einem Vierteljahrhundert, als Meppen noch zweitklassig war, gab es im Achtelfinale des DFB-Pokals schon einmal zwischen beiden Klubs ein Duell, welches der 1. FC Köln im heimischen Müngersdorfer Stadion mit Bodo Illgner im Tor und Pierre Littbarski als Kapitän seinerzeit knapp gewann. Ungleich unterhaltsamer ist da die Geschichte über Toni Schumacher, Kölns Torwartidol und heutigen Vizepräsidenten, die selbst die Tageszeitung "Die Welt" dankbar mit einem Artikel aufgriff.

Man muss wissen, Schumacher stieg anno 1988 mit Schalke 04 in die zweite Liga ab und weigerte sich damals (geiß-)bockig nach Meppen zu fahren: "Ich fahr doch nich' nach Meppen, da wechsel ich lieber in die Türkei." Schumacher schuf danach schnell Fakten und heuerte bei Fenerbahce Istanbul an. Doch die Geschichte mit Meppen lässt ihn seitdem nicht los, stellte ihm doch kurz darauf der pfiffige Meppener Spediteur Többe ein LKW-Anhänger mit der Aufschrift "Das Fußballerlebnis. SV Meppen. 2. Bundesliga." vor Schumachers Haus in Köln-Hürth und sorgte damit für bundesweite Schlagzeilen. Da Schumacher zum heutigen Pokaltag tatsächlich seinen Besuch in der ausverkauften Hänsch-Arena in Meppen angekündigt hat, wird er vermutlich in der Halbzeitpause auf Többe zum kurzen Klönschnack treffen. Többe durfte seinen Originaltruck zwar nicht ins Stadion schaffen lassen, doch möchte er dem "Tünn" gemäß seiner launigen Ankündigung im Express-Interview nun ein Paar Gummistiefel überreichen.

Doch wichtiger ist eh auf dem Platz. Denn Meppens Mannschaft, die Trainer Christian Neidhardt in eigens gestalteten blauen Pokaltrikots mit edler weißer Schärpe antreten lässt, ist hochmotiviert. Wichtige Meppener Stützen sind Torjäger Max Kremer, Keeper Benny Gommert, Kapitän Johan Wigger, der wie sein berühmter Vornamensvetter und Landsmann Johan Cruyff die Nummer 14 trägt, oder Routinier Jens Robben. Nicht zu vergessen ist Meppens filigraner Zehner Martin Wagner, der beim FC Bayern in der Jugend kickte und schnell den Spitznamen Emsland-Messi weg hatte. Mal sehen, ob die gut in die Saison gestarteten Meppener die favorisierten Kölner Geißböcke auf die Hörner nehmen können. Schließlich gibt es die ewige Sehnsucht nach der Sensation auch in Meppen, zumal der Pokal eh seine eigenen Gesetze hat...

Samstag, 24. November 2012

Alle Augen auf den neuen Leitwolf

Ja, Thomas Schaaf und Klaus Allofs gehörten 13 lange Jahre zu Bremen wie die vier Stadtmusikanten. Allofs ist bekanntlich fortgezogen, wechselte spektakulär uzum VfL Wolfsburg und war deshalb in den letzten Wochen in aller Munde. Nach 13 Jahren im Werder-Kosmos fungiert Allofs dort seit Kurzem als Geschäftsführer Sport. Wohl nicht wenige "Wölfe" heulten vor Freude auf.


Keine zwei Wochen nach seinem Wechsel kommt es bereits zum Wiedersehen. Fürwahr, der Spielplan ist bisweilen gnadenlos. Denn Werder gastiert heute um 15.30 Uhr beim VfL. „Wir spielen nicht gegen Klaus Allofs, sondern gegen den VfL Wolfsburg“, diktierte Schaaf dem kicker zwar den brisanten Ball flach haltend in den Block. Dennoch heißt es heute: alle Augen auf Allofs! Wie übrigens auch hier beim Libero, der zehn Dinge über den neuen Leitwolf des VfL zusammengetragen hat…

1. Es war im Spätsommer 1975, als Allofs im Dress von Fortuna Düsseldorf sein Bundesligadebüt feierte. Gegner war seinerzeit Wolfsburgs Nachbar Eintracht Braunschweig. Der VfL Wolfsburg kickte damals nach einem Abstieg aus der 2. Bundesliga in der Oberliga Nord.

2. Sechs Jahre später avancierte Allofs zum teuersten Transfer der Bundesliga, als ausgerechnet der 1. FC Köln den gebürtigen Düsseldorfer für sage und schreibe 2,25 Millionen DM (!) verpflichtete.

3. Neben den beiden rheinischen Traditionsklubs stürmte Allofs Anfang der 90er für Werder Bremen. Ein gewisser Otto Rehhagel hatte seinen früheren Düsseldorfer Schützling nach einer dreijährigen Stippvisite in Frankreich bei Olympique Marseille und Girondins Bordeaux im reifen Alter von 33 Jahren in die Bundesliga zurückgeholt.

4. Insgesamt erzielte Allofs für diese drei Klubs in 429 Bundesligaspielen 177 Treffer und rangiert gemeinsam mit Dieter Müller auf dem 7. Rang der ewigen Torschützenliste - gleich zweimal (1979, 1985) wurde er Bundesliga-Torschützenkönig. Ebenso wie 1989 sein oft nicht minder torgefährlicher Bruder Thomas, der ebenso wie sein großer Bruder sowohl für die Düsseldorfer Fortuna und den Effzeh die Stiefel schnürte.

5.  Neben seiner kapitalen Torquote kann Klaus Allofs eine weitere beachtliche Bilanz vorweisen. Mit jedem seiner deutschen Klubs erreichte er ein Europapokalfinale, mit Düsseldorf anno 1979 das Endspiel des einstigen Pokalsiegercups, in welchem die Fortuna gegen den FC Barcelona mit 3:4 verlor. Im UEFA-Pokal-Endspiel 1986 unterlagen Allofs und der 1. FC Köln Real Madrid. 1992 triumphierte er dann mit Werder und steuerte gar einen Treffer zum 2:0-Finalsieg über den AS Monaco  bei.

6. Als Werder-Kicker wurde er überdies Meister und DFB-Pokalsieger. Was den DFB-Pokal angeht, war Allofs im Übrigen ein regelrechter Spezialist und errang diesen mit Köln und Düsseldorf ebenfalls drei Mal. Ganz zu schweigen von dem französischen Double, das er anno 1989 mit Marseille feierte.

7.  Selbstverständlich trug Allofs auch den Adler auf der Brust, absolvierte ehedem 56 Länderspiele und avancierte gar 1980 zum Europameister. Die Lorbeeren des Torschützenkönigs bei dieser italienischen Euro durfte sich Allofs dank dreier Treffer ebenso umhängen, nachdem er diese während einer höchstpersönlichen Sternstunde allesamt den Niederlanden in der Vorrunde eingeschenkt hatte.

8. Jene Treffsicherheit wurde Allofs auch lange als Manager von Werder Bremen nachgesagt, indem er etwa weithin unbekannte Kicker zumeist kostengünstig an die Weser lotste, die dann bei Werder groß herauskamen. Allen voran werden hier oft die Herren Micoud, Diego oder Özil genannt. Fast vergessen werden an dieser Stelle leider fast genauso oft die fabulösen Verteidiger Mladen Krstajić , Valerien Ismael oder Naldo, die Allofs entdeckte.

9.  Im Oktober 1999 begann Allofs bekanntlich seine Karriere als Werder-Manager, die mit von einer polemischen Prophezeiung begleitet wurde. Max Merkel, seinerzeit messerscharfer BILD-Kolumnist, traute ihm damals nicht einmal zu, in der freien Wirtschaft einen Job als Parkplatzwächter zu übernehmen. Hiervon dürfte sich der autoaffine VfL Wolfsburg fast eineinhalb Jahrzehnte später wohl weniger beeinflussen lassen haben.

10.  Für den Fall, dass Allofs in der Autostadt zum ersten Mal in seiner Managerkarriere einen Trainer entlassen müsste. Ein eigenes Abenteuer auf der Trainerbank dürfte sich der 55-Jährige gewiss ersparen. Denn ein halbes Jahr vor Beginn seiner Managerkarriere bei Werder hatte ihn seine alte Liebe Fortuna Düsseldorf als Cheftrainer entlassen. Allofs Schützlinge hatten zuvor sage und schreibe zehn Spiele in Folge verloren und waren Schlusslicht der 2. Liga. Lang, lang ist dies her…

Sonntag, 22. April 2012

Looking for Litti

Welch Karneval rund ums Müngersdorfer Stadion. Der Effzeh scheint auf Abwegen in Liga Zwo, hat ein Führungschaos und Poldi scheint geradewegs auf dem Weg nach London. Kein Wunder, dass der Dom wackelt und Geißbock „Hennes“ mit dem Zittern nicht mehr aufhört.

Nur, vom alten Effzeh-Helden Pierre Littbarski spricht kaum jemand. Dabei wurde „Litti“, der als Fummelkönig der Achtziger den Liberos der Liga Knoten in die Beine dribbelte, kürzlich juvenile 52. Selbst in diesen schweren Effzeh-Wochen sollte Zeit für fünf Wahrheiten über „Litti“ bleiben. Daher: Viva Colonia Litti!

1.  Wer weiß es noch? „Litti“ schoss den Effzeh anno 1983 gegen Lokalrivale Fortuna zum Pokalsieg und damit vorerst letzten Titel. Anders als Toni Schumacher oder Bodo Illgner zählt er zu den Effzeh-Helden, die sich nicht für eine Position beim Effzeh selbst ins Gespräch gebracht haben.

2.  Nachdem „Litti“ als Kicker zunächst dem Effzeh, außer einer Stippvisite bei Racing Paris, durchweg die Treue hielt, ließ sich „Litti“ -san danach in Japan nieder und dort seine Karriere ausklingen. Später wurde er gar zum Weltenbummler und bereiste als Trainer die halbe Welt. Stationen? U.a. Japan, Australien, Iran, Liechtenstein, Duisburg...

3.  Irgendwann verschlug es „Litti“ dann in die Autostadt nach Wolfsburg, wo seine Trainerkarriere etwas ins Stocken geraten ist. Nach kurzer Amtszeit als Interimscoach in Wolfsburg machte ihn Felix Magath, sein alter Nationalmannschaftsgefährte, zu seinem Scout. Schaut man sich Magaths offensive Einkaufspolitik an, dürfte „Litti“ stets gut zu tun haben.

4.  Ob „Litti“ damit seine Rolle gefunden hat? Mit verschiedensten Rollen hat der gelernte Finanzbeamte immerhin Erfahrung. Zum Beispiel bei sämtlichen Turnieren auf deutschem Boden. Bei der WM’74 gab er etwa in seiner Heimatstadt Berlin den Balljungen, bei der EM’88 ließ ihn Teamchef „Kaiser“ Franz auf den Rasen. Und bei der WM 2006 plauderte „Litti“ als  RTL-Kommentator wortreich ins Mikrofon.

5.  Allerdings ist er nicht der einzige „Litti“ in der weiten Welt des Fußballs, da der ewige Jari Litmanen in seiner finnischen Heimat ebenso gerufen wird. Doch seinen Namensvetter hat Littbarski längst in Leere laufen lassen, indem er bereits anno 1994 seine Biografie veröffentlichte. Deren Titel?: „Litti – Mein Leben“. Es kann halt nur einen geben.