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Sonntag, 3. November 2013

Lord Nelson lässt grüßen

Die Rente von Sir Alex Ferguson, der nach 27 Jahren auf Manchester Uniteds Trainerbank nur noch als Vorstandsberater des englischen Rekordmeisters fungiert, gleicht zunehmend einer Art Unruhestand. Eine Ehrung folgt gefühlt der nächsten. So trägt etwa die bisherige Waters Roach in der Nähe von Old Trafford nun den Namen des 71-jährigen Schotten. Unruhig könnte Fergie aber auch wegen seines Erbes werden, nachdem er sein Trainerzepter im Sommer an seinen von ihm vorgeschlagenen schottischen Landsmann David Moyes abgegeben hatte.

Denn ManUnited um Altstar Ryan Giggs und Wayne Rooney versinkt unter Moyes nach schwachem Saisonstart als Achter im Mittelmaß der Premier League. David Moyes benötigte ob der unruhigen Umbruchphase, inklusive Pleiten gegen die Erzrivalen Liverpool oder Manchester City und West Bromwich, nun gar den öffentlichen Zuspruch Fergusons. ManUnited sei der einzige Klub, der aufgrund seiner Geschichte in der Lage sei, wieder zurückzukommen und noch die Meisterschaft zu gewinnen.  »Fergie« weiß halt wie es geht und legte einst nach seiner Amtsübernahme in Old Trafford im November 1986 selbst nicht den besten Start hin.

Ferguson himself sorgte mit seiner Autobiografie zuletzt ebenfalls für Unruhe. Besser gesagt ließ »Sir Alex gnadenlos« (Spiegel Online) mit seinen Erinnerungen im Whirlpool der United-Legends einen ausgewachsenen Tsunami aufbranden. »Der Sir kann auch schmutzig«, kommentierte die Süddeutsche. Denn der nachtretende Schotte geizte nicht mit Attacken gegen seine einstigen Stars und besonders David Beckham (»David Beckham glaubte, er sei größer als Alex Ferguson. Das war seine Totenglocke«), Wayne Rooney (»Nicht der Hellste«) und Roy Keane aufs Korn. Dem Iren, der als gefürchteter United-Skipper weiland Fergusons verlängerter Arm auf dem Rasen war, unterstellt Ferguson gar »die schlimmste Ausdrucksweise, die man sich vorstellen kann«.

Derlei Lästereien riefen selbst Keanes Mutter Marie auf den Plan, die diese gegenüber der Irish Sun empört als »böse« brandmarkte. Roy Keane hatte da bereits mit einer kernigen Grätsche gekontert, indem er seinem Ex-Coach mangelnde Loyalität vorwarf und ihn als »Heuchler« abkanzelte. Umso pikanter wirkt dieses Scharmützel, da Keane vor langer Zeit als Fergusons Nachfolgekandidat galt und der Schotte bei Keanes Abschiedsspiel anno 2006 gerührt gesäuselt hatte, dass Keane der beste Spieler bei United gewesen wäre, den er je hätte trainieren dürfen.

Doch Keane wird aus eigener Erfahrung wissen, dass sich eine mit derlei Salven befeuerte Autobiografie ziemlich gut verkauft. Er muss sich wie die anderen von »Fergie« gescholtenen United-Legenden auf eine gewisse Weise Trost suchen. Vielleicht damit, dass das vor dem Old Trafford längst errichtete Ferguson-Denkmal neben der Tributbekundung noch eine alternative Funktion hat. Schließlich dürfte es sich obendrein als vorzügliche Tauben-Toilette eignen. Ein gewisser Lord Nelson vom Londoner Trafalgar Square lässt grüßen...
 

Samstag, 2. Februar 2013

Sie nannten ihn ››Bulle‹‹

In ihrer lesenswerten aktuellen Ausgabe küren die 11Freunde in einer  Galerie der Eisenfüße die 50 härtestesten Kicker der Welt. Beißer aus Britannien wie Vinnie Jones oder Billy Bremner, der irre Ire Roy Keane, die Axt Uli Borowka oder auch Iron Maik Franz  dürfen da nicht fehlen.

Alles soweit so gut für Freunde des robusten, archaischeren Kicks. In diese veritablen Top 50 der größten Grätscher konnten es da natürlich nicht alle Eisenfüße aus dieser weiten Welt des Fußballs schaffen: Terrier Berti Vogts,  Jürgen Kohler oder Knochen-Jochen Kientz sind etwa nicht vertreten. Auch nicht die Bayern-Legende Franz Roth. An Letzteren wird Der Libero nun, mal wieder ganz nostalgisch, erinnern.

Franz Roth, den nannten sie bei den Bayern nur Bulle. Gewiss, die glorreiche Zeit der Bayern in den 70ern war eng mit der Achse Maier-Beckenbauer-Müller verbunden. Doch jener Bulle Roth,  das heute 66-jährige Kraftpaket aus dem Unterallgäu mit dem knüppelharten Schuss, war auch stets mittendrin. Etwa, als Roth in gleich drei Europapokal-Endspielen entscheidend für seine Bayern traf. Man könnte glatt meinen, die Bayern hätten Roth zu Ehren sich einst Die Bullen genannt oder ihm den Slogan Die Bullen kommen gewidmet. Doch wie man so liest, ist dies keine wehmütige Tributbezeugung, daran war der Sponsor Magirus-Deutz der Bayern Anfang der 80er Schuld.

Paule Breitner sagte einmal über seinen Bazi Spezi, Roth habe eine irrsinnige Kraft und Wadl wie andere Oberschenkel gehabt. Und Bayerns Bulle sorgte offenbar nicht selten für schlotternde Knie. Angeblich verspürten Wolfgang Overath oder Günter Netzer gar tagelang Panik, wenn ein 90-minütiges Duell gegen jenen bajuwarischen Bullen bevorstand. Selbst dem juvenilen Uli Hoeneß machte der Bulle offenbar Bange, so dass Hoeneß sich an den Trainingsalltag der Bayern Anfang der wilden 70er einmal mit Schaudern erinnerte:
„Ich habe mir früher im Training Schienbeinschützer angezogen, weil ich wußte: Wenn der Franz 'Bulle' Roth sauer auf mich ist, dann fegt der mich auf die Aschenbahn. Das Training war für mich Überlebenskampf - und ich habe mich dabei wunderbar entwickelt.“
Seine Karriere ließ Roth übrigens unter anderem bei Casino Salzburg ausklingen. Aus wortspielerischem Blickwinkel tat die Bayern-Ikone dies in der Mozartstadt sicher gute 30 Jahre zu früh. Nomen est omen. Denn solch ein Bulle Roth stünde Casino Salzburgs gesichtslosem Nachfolgeklub Red Bull sicher nicht nur auf dem Spielberichtsbogen ganz gut zu Gesicht. Oder wie sagt man im Red Bull'schem Sprech? Freilich, Flügel verleihen...

In alternativer Fassung ist der Beitrag bereits in dem Fußball-Blog Thor Waterschei erschienen.