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Dienstag, 23. Juli 2013

Tag der »Hängesocke«

Was macht eigentlich, Frank Mill? Wie man so liest, führt der Weltmeister von 1990  inzwischen über 80 Fußballschulen und wird heute 55 Jahre alt. Es lässt sich daher leicht der Tag der »Hängesocke« ausrufen, wie Mill ob seiner einst lässig herabhängenden Stutzen genannt wird. Da macht es auch nichts, dass Mills Stiefel seit über 15 Jahren am Nagel hängen. Gleichwohl macht der gebürtige Essener im Fußball-Kosmos immer mal wieder von sich reden. So wurde etwa im Bundesliga-Jubiläumsjahr so mancher Anekdotenstrauß gern mit dem berühmtem »Pfostentreffer« des gelernten Floristen garniert. Jener Treffer, der eigentlich keiner war, gilt längst als leuchtendes Vorbild für alle Schüsse über, unter und neben leere Gehäuse.

In Anbetracht dessen verleiht der geschätzte Bloggerkollege Klaas Reese gar regelmäßig den Titel »Frank Mill desTages«, wenn einer dieser Fehlschüsse mit Mills ewigen »Pfostentreffer« mithalten kann. Was in jenem Sommer ‘86 genau passierte? Es war Mills Debüt im BVB-Dress, das ihn ins sonnige Münchner Olympiastadion führte. Dort dribbelte Mill zunächst Bayerns belgischen Torwartboliden Jean-Marie Pfaff aus und vollbrachte zum kollektiven Entsetzen das Kunststück, den Ball statt ins leere Tor gegen den Pfosten des Rekordmeisters zu schieben. In einem ZDF -Interview gestand Mill einmal, dass er es eigentlich seinem Kumpel Pierre Littbarski nachtun und den Ball »abklemmen« wollte. In Mills Worten gesagt:» Weit ausholen, dann den Ball nach innen legen, so dass der Bayernspieler, der von links kam, ins leere Tor fliegt.«


Doch Mills »Torheit« tat seiner Popularität keinen Abbruch - ganz im Gegenteil. Franky Mills hat sich vielmehr in den 80ern verewigt. Gern erinnern wir uns an seine Chuzpe, wie er weiland dem Hannoveraner Keeper Ralf Raps das Leder aus den Händen köpfte und -dieses Mal - ins leere Tor einschob. Mills BVB-Sturmpartner Nobby Dickel sagte einmal, Mill sei mit allen Abwässern gewaschen. Auch daran muss es gelegen haben, dass Mill für den BVB, Rot-Weiß Essen, Borussia Mönchengladbach und die Düsseldorfer Fortuna über 200 Treffer in über 500 Profispielen einnetzte. In seinem Düsseldorfer Karriereherbst gelang dies Mill unter Aleks Ristic zwar nicht mehr so oft wie gewohnt, doch immerhin wirbelte er dort mit der »kaiserlichen« Nummer fünf durch die gegnerischen Strafräume.

Wer weiß, vielleicht war die Wahl jener ruhmreichen Rückennummer eine kleine Verneigung gegenüber »Kaiser« Franz. Denn dank Teamchef Beckenbauer wurde der damals schon 32-jährige Mill in dessen 1990er WM-Kader berufen, weshalb Mill sich seither Weltmeister nennen und wie alle 90er Weltmeister den »Kaiser« duzen darf. Da stört es auch nicht weiter, dass „Hängesocke“ Mill bei jener Italia 90 genauso viele Einsatzminuten für sich verbuchen konnte wie der Kölner Libero Paule Steiner, die beiden Ersatzkeeper Raimond Aumann und Andy Köpke oder auch ein gewisser Günter Hermann - nämlich keine einzige.

Dennoch kam bis heute fast niemand auf die Idee, Mill in die stilbildende Hermann'sche Nische für WM-Reservisten einzuordnen. Entweder, weil Mill den Fußballgott anders als im Sommer’86 auf seiner Seite hat. Oder, es mag daran liegen, dass Mill bei der Italia‘90 für viele irgendwie doch stets mit von der Partie war. Wie schon gesagt, er galt halt als „mit allen Abwässern gewaschen“ - dieser schlitzohrige Franky Mill...

Samstag, 25. August 2012

Pfaff kommt im Bayerntor an, Kaltz‘ Elfmeter nicht

Es geht los! Den ersten Anstoß bei der Themenwoche 50 Jahre Bundesliga - Typen, Titel und bloß nicht wie Tasmania“ macht TRAINER BAADE und sucht in 50 Jahren Bundesliga vergeblich nach konstanten Rivalen des FC Bayern, erinnert sich an Erlebnisse des jungen Trainer Baade in München und an die erste Sternstunde des belgischen Torwartkönigs Jean-Marie Pfaff im Tor des Rekordmeisters.
 
In den nun bald 50 Jahren des Bestehens der Bundesliga wird eines  verzweifelt und ebenso erfolglos gesucht: Ein konstanter Rivale des FC Bayern München. Nur sechs Jahre währte die Phase von Einführung der Bundesliga bis zu Bayerns erstem Titel 1969, ab da war alles anders und sollte es bis heute bleiben. Der Eintrag "FC Bayern München" ist Stammgast auf der Salatschüssel. Ein Umstand, den kein anderer Bundesligaclub für sich in Anspruch nehmen kann.

Große Rivalen gab es jedoch einige in diesen fünf Dekaden, allein, keiner konnte sich dauerhaft etablieren. Als die Borussia aus dem kleinen Mönchengladbach, bis dahin der ärgste Konkurrent der Bayern, 1979 den UEFA-Pokal gewann, sollte Berti Vogts mit seiner Weissagung Recht behalten: "Schaut ihn Euch gut an, es wird auf lange Zeit der letzte Pokal sein, den man in Mönchengladbach zu sehen bekommt."

Die so entstandene Lücke füllte zunächst der 1. FC Köln, anschließend in seiner einzigen Hochphase in der Bundesliga der Hamburger SV unter den Fittichen von Manager Günter Netzer. Deutscher Meister 1979: Hamburger SV, der erste Titel in der Bundesliga. Doch die Bayern, die in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre geschwächelt hatten wie noch nie zuvor, hatten mittlerweile Paul Breitner zurückgeholt, Karl-Heinz Rummenigge stand im Zenit seiner Fähigkeiten und so wurde dann doch der FC Bayern gleich zwei Mal in Folge wieder Meister. Vizemeister jeweils: der Hamburger SV, welcher sich prompt 1982 seinerseits erneut den Bundesliga-Titel sicherte.

So begann die Saison 1982/1983 unter dem Vorzeichen, dass sich diese zwei großen Teams um den Titel duellieren würden, welche unter sich auch die letzten vier Meistertitel ausgespielt hatten. Der FC Bayern hatte außerdem weiter aufgerüstet, im Tor stand seit dieser Saison der Nationaltorwart Belgiens: Jean-Marie Pfaff. Dessen Bundesligadebüt hätte unglücklicher kaum verlaufen können, als er sich in seinem ersten Spiel im Dress der Bayern einen Einwurf von Uwe Reinders selbst ins Tor bugsierte und mit diesem Eigentor die 0:1-Niederlage der Bayern besiegelte. Pfaff stand deshalb durchaus unter Druck beim Weltclub Bayern München.

Der HSV hingegen hatte ein Aufrüsten kaum nötig, befanden sich doch mit Felix Magath, Horst Hrubesch, Manfred Kaltz oder Uli Stein schon länger internationale Ausnahmekönner im Kader. Mit Ernst Happel verfügte man gar über einen Trainer der Extraklasse an der Seitenlinie. So deutete schon am 9. Spieltag jener Saison 1982/1983 Vieles darauf hin, dass sich der FC Bayern und der HSV erneut um den Titel streiten würden, als der Spielplan diese beiden Teams im Süden der Republik zusammenführte.

Das Oktoberfest nur wenige Tage zuvor beendet, ein mit 72.000 Zuschauern ausverkauftes Olympiastadion in München; keine Selbstverständlichkeit in jenen Bundesliga-Tagen;der FIFA-Schiedsrichter Walter Eschweiler an der Pfeife und beide Teams mit allen ihren Stars an Bord, so begann die verheißungsvolle Begegnung der zwei großen Meisterschaftsfavoriten.

Wo auch jener Grund ins Spiel kommt, aus dem der Autor diese Partie für den vorliegenden Zweck auswählte. Denn der kleine Trainer Baade war damals jung. Und wenn man jung ist, muss man tun, was die Eltern sagen. Diese hatten sich zu einem Ausflug nach München entschlossen, mit dem "Rosaroten Ticket" der Deutschen Bahn, einem Vorläufer des "Schönes-Wochenend-Ticket", welches Jahre später etliche Fußballfans für ihre Auswärtsfahrten nutzen sollten. Doch dieser Ausflug nach München diente nicht dem Fußballschauen, sondern dem Erkunden der Stadt München. Deutsches Museum natürlich, Frauenkirche, Viktualienmarkt, Karl-Valentin-Museum, solcherlei Dinge. Ein Besuch des Olympiaparks samt Olympiastadion war erst am folgenden Sonntag geplant, wenn die Zuschauermassen dieses Gipfeltreffens schon      längst wieder heimgekehrt sein würden.

Wie es 1982 eben so war, gab es keine mobilen Informationsgeräte und so schlich der junge Trainer Baade durch die Stadt und begann ab 17.15h und in der folgenden Dreiviertelstunde unablässlich, Passanten nach dem Ergebnis dieses Schlagerspiels auszufragen. Zunächst vergeblich, doch irgendwann füllten sich die U-Bahn-Stationen immer mehr mit aus dem Olympiapark zurückkehrenden Bayern-Fans, von denen einer endlich ein Herz hatte, und dem wissbegierigen Jungen die Auskunft erteilte, wie      diese Partie denn nun ausgegangen war.

Jene Partie, nur wenige Kilometer weit entfernt gespielt, welche; so schien es nach einer halben Stunde; der HSV für sich würde entscheiden können. Ein Doppelschlag von Jürgen Milewski und Horst Hrubesch brachte die Hamburger mit 2:0 in Front. Jener Horst Hrubesch, welchem schon im EM-Finale 1980 zwei Tore gegen Jean-Marie Pfaff gelungen waren. Doch die Bundesliga wäre über die nun bald 50 Jahre ihres Bestehens hinweg kaum so beliebt geblieben, wenn da nicht immer die Hoffnung mitschwänge, dass man einen solchen Rückstand noch umdrehen könnte.

Genau diese Hoffnung des FC Bayern und seiner Anhänger erhielt Nahrung, als Paul Breitner nur kurz nach der Pause einen Foulelfmeter (Hieronymus an Dürnberger) zum Anschlusstreffer verwandelte. Kaum überraschend war es etwas später der zweite Teil des Duos "Breitnigge"; wie Kapitän Breitner und Adjutant Rummenigge in jenen Tagen vom Boulevard tituliert wurden; der in der 65. Minute den Ausgleich erzielte: Karl-Heinz Rummenigge traf zum 2:2.

"Alles wieder offen", wird einer der Kommentatoren des Spiels da wohl ins Mikro gerufen haben. In sein Mikro der ARD-Rundfunkkonferenz, denn Pay-TV mit Live-Übertragungen gab es ja noch nicht. Alles wieder offen und noch 25 Minuten zu spielen, da sollte doch noch ein Törchen möglich sein für den Hausherrn FC Bayern. Doch statt den psychischen Vorteil des gerade erzielten Ausgleichs zu nutzen, zitterten die Bayern nun wieder vor einem Gegentor, welches ihnen den mit dem Ausgleich möglichen einen Punkt wieder entrissen hätte. Die Hamburger drängten stattdessen ihrerseits auf das Siegtor.

Jean-Marie Pfaff patzte in der letzten halben Stunde der Partie mehrfach bei Flanken, zu seinem Glück ohne Folgen. Die Hamburger kamen zu gleich einigen Chancen, erzielten aber kein Tor. Bis der HSV in der letzten Spielminute eine Flanke in den Münchner Strafraum hereinbrachte und Bayerns Verteidiger Udo Horsmann von allen guten Geistern verlassen im Stile eines Volleyballers hinter dem Ball herhechtete und ihn möglicherweise mit der Hand zur Ecke lenkte. Klarer Fall von Elfmeter, fand die rheinische Frohnatur Walter Eschweiler, und entschied auch so. Damit waren nicht alle im Stadion einverstanden, war die vermeintliche Berührung doch nur schwer zu erkennen gewesen.

Tumulte im Stadion und Tumulte auf dem Platz waren die Folge. Tumulte, wie man sie selten in einem Stadion des FC Bayern erlebt. Wolfgang Kraus ging Walter Eschweiler gar physisch an, Paul Breitner musste die Münchner Fans in der Kurve direkt hinter jenem Tor beruhigen, auf welches der fällige Strafstoß getreten werden sollte. Es dauerte geschlagene sechs (!) Minuten, ehe dieser in der Nachspielzeit der Partie endlich ausgeführt werden konnte. Und zum Punkt schritt niemand Geringeres als der erfolgreichste Elfmeterschütze, den die Bundesliga je gesehen hat: Manfred Kaltz.
 
Ob der Rekordelfmeterschütze der Bundesliga tatsächlich, wie Uli Köhler im Video unten vermutet, durch die lange Wartezeit bis zur Ausführung nervös geworden war oder einfach ohne besonderen Grund unkonzentriert war, lässt sich nicht beurteilen. Wie dem auch gewesen sein mag: Der sonst so sichere Schütze Kaltz platzierte den Ball nur knapp rechts neben Jean-Marie Pfaff, der den schwachen Strafstoß locker parierte und den Ball sogar festhielt. Das Münchner Publikum war aus dem (Glasdach-) Häuschen und Jean-Marie Pfaff; 8 Spiele nach seinem Fauxpas gegen Reinders; der gefeierte Held des FC Bayern, der auf Schultern vom Platz getragen wurde.

Die gesamte, denkwürdige Partie fasst das folgende Video zusammen, ein zufällig von jenem Uli Köhler erstellter Beitrag, welcher auch heute noch über den FC Bayern berichtet und sich inzwischen selbst als Star begreift.


Wie Jean-Marie Pfaff danach gefeiert wurde und wie er in schönstem Deutsch-Flämisch Interviews gibt, zeigt hingegen das folgende, noch sehenswertere Video. Darin verrät Pfaff zudem, dass er ohnehin in Belgien auch schon "ein paar Elefmeters gestoppt" habe.  Pfaff also ein Elfmeterkiller, eine Kunde, die aus dem fernen Belgien noch nicht bis in den Freistaat Bayern vorgedrungen war. Auf diese Weise lernten es die 72.000 im Stadion allerdings gleich durch Augenschein. Und Manfred Kaltz ebenfalls.
Zum besseren Verständnis dieses schönen deutsch-flämischen Mischmaschs, den Pfaff darin produziert: "Hucke" bedeutet Ecke. Und "Klöre" bedeutet Farbe.



Ein rauschendes Fußballfest also, mit einem besonderen Helden des Nachmittags, Pfaff, und einem großen Verlierer Manfred Kaltz; geholfen hat's am Ende aus Münchner Sicht jedoch nichts. Deutscher Meister wurde in der Saison 1982/1983 trotzdem der Hamburger SV, die Bayern nur Vierter. Allerdings hatten die Bayern und der damals große HSV einen echten Höhepunkt der bald 50 Jahre Bundesliga-Historie auf den Rasen des Münchner Olympiastadions gezaubert.

Einen Höhepunkt, an den man sich heute noch in Rückschauen erinnert, und dessen Überbleibsel der kleine Trainer Baade am nächsten Tag in Form von Fankonfetti und sonstigen Resten großer Feierlichkeiten im Olympiastadion begutachten konnte. Vorm geistigen Auge sich natürlich die Szene vom Vortag vorstellend, wie Pfaff abtaucht, pariert und den Großteil des Stadions in einen Tempel der Freude verwandelt. Eltern, die mit ihren Kindern eine Stadt besuchen, sind stets früh auf den Beinen; der Reinigungsdienst im Olympiastadion wohl eher nicht so, hatten seine Angestellten vielleicht ebenfalls den dramatischen Punktgewinn etwas ausgiebiger gefeiert, welcher berauschend wie ein Sieg wirkte. Für Jean-Marie Pfaff war es ja tatsächlich einer.

Mit Witz, spitzer Feder gilt Trainer Baade als „Guru der Fußball-Blogger“. Stets auf Ballhöhe schreitend kürte das Magazin 11 Freunde sein Blog jüngst zum „Besten Fanmedium“ in Deutschland. Gemeinsam mit Kees Jaratz veröffentliche Trainer Baade kürzlich das Buch „111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben muss“. Über jenes urteilte die WAZ: „Absolut lesenswert ist es. Und das Zeug zum Klassiker hat es auch.“

Dienstag, 11. Oktober 2011

Belgischer König

Was macht eigentlich Jean-Marie Pfaff? Na, wer kennt ihn noch? Zwischen 1982 und 1988 hütete die schillernde belgische Torsteher-Legende mit den blonden Locken die Pfosten des FC Bayern. Eigentlich befindet sich Pfaff im Ruhestand, hat diesen aber heute Abend unterbrochen.
Warum? Neben Torwart-Titan Oliver Kahn und ZDF-Lady Müller-Hohenstein analysiert JMP die geneigten ZDF-Zuschauer die heutige finale Partie seiner Belgier in der EM-Quali gegen Jogis Löwen. Dies soll nun Grund genug sein, elf Anekdoten aus dem bewegten Leben dieses belgischen Königs, respektive Torwartkönigs, hervorzukramen.

Wenn Béla Réthy heute Abend fürs Zwote schon nicht kommentiert, muss zumindest der LIBERO für die Fakten..ääh..Hommage an diesen charismatischen belgischen König sorgen...

1. Unvergessen ist sicherlich Pfaffs Einstand im Tor des FC Bayern. An jenem 21. August 1982, ließ sich Pfaff bei seiner Bundesliga-Premiere durch Uwe Reinders das legendäre Einwurf-Tor ins Netz legen.

2. Nach seinem Wechsel vom SK Beveren nach München sollte sich Pfaff auch musikalisch in Bayern einfügen. Nicht ganz so wortkarg wie der holde Gerd Müller in dessen Kracher „Dann macht es Bumm!“ lieferte Pfaff im stilechten Marschmusik-Takt den Gassenhauer: „Ich war ein Belgier und jetzt bin ich ein Bayer. Ich trinke Bier und esse Leberkäs mit Eiern. Und jeden Samstag stehe ich vor meinem Tor und kein Stürmer macht dem Jean-Marie was vor…“

3. Die sechs folgenden Jahre konnten da fast nur prächtig verlaufen. Und wie kicker-Almanache bestätigen werden, Pfaff kann immerhin auf drei deutsche Meisterschaften und zwei Pokalsiege zurückblicken, die er mit dem FC Bayern feierte.

4. Neben musikalischen Abstechern ließ sich Pfaff auch kleinere Stippvisiten auf die Mattscheibe nicht nehmen. Beispielsweise mit einem Gastauftritt in dem schier in der Versenkung der Archive der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten verschwundenem Streifen „Zärtliche Chaoten“. Übrigens an der Seite von Thomas Gottschalk oder der amerikanischen Mundorgel Michael Winslow.

5. Etwas mehr als eine Stippvisite war 2007 die verzichtbare Daily Soap „De Pfaffs“. Mit dieser wandelten Pfaff und seine Familie auf den Spuren Ozzy Osbournes und öffneten den interessierten Betrachtern Tür und Tor zu der Familienranch nahe Antwerpen. Pfaff behielt es sich vor, dereinst in einem Stern-Interview die Soap als „sterbenslangweilig“ zu etikettieren.

6. 20 Jahre zuvor waren solche Seifenopern selbst dem stets umtriebigen Pfaff noch fremd. Vielmehr durfte er sich 1987 als sein annus mirablis ins Jahrbuch schreiben. Schließlich wurde „de Pfaff“ anno 87 zum „weltbesten Torwart“ gekürt.

7. Weltweite Anerkennung hatte sich Pfaff zuvor unter anderem in zahllosen Europapokalspielen und als belgischer Torsteher bei jeweils zwei Weltmeister- und Europameisterschaften verdient. 1980 wurde Pfaff mit Belgien Vizeeuropameister und 1986 WM-Dritter.

8. Pfaff war übrigens jener Torwart, gegen den sich Horst Hrubesch mit seinem Doppelpack im EM-Endspiel von 1980 sozusagen auf seine eigene Art unsterblich machte.

9. Das alles entging offenbar auch nicht einem gewissen Pelé, der mit seiner strengen Feder Pfaffs Namen auf seine Liste der 125 besten lebenden Fußballer notierte.

10. Notieren ließ sich Pfaff außerdem für kurze Zeit in das Mitgliedsregister vom (ehemaligen Stasiklub) BFC Dynamo Berlin. Diese wenig ruhmreiche Episode sollte Pfaff im Nachhinein aber als missratene PR-Aktion abhaken.

11. Eine fundamentale Wahrheit über den  Lockenkopf mit der Kirmes-Attitüde soll zum Schluß keinem Leser vorenthalten werden: dieser Pfaff ist keine Nähmaschine…

[Ebenfalls in dem Fußball-Blog Thor Waterschei erschienen.]