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Freitag, 11. August 2017

„Und wieder hat der Pokal seine eigenen Gesetze...“

Am heutigen Freitag ist es wieder soweit. Um 19.00 Uhr wird in Zwickau, wo die TuS Koblenz ihr Heimrecht gegen Dynamo Dresden genießt, der Anpfiff der 1. Pokalrunde ertönen. Anschließend gastiert Borussia Mönchengladbach etwa beim inzwischen viertklassigen Rot-Weiss Essen, immerhin Gründungsmitglied der Bundesliga. Jahr ein, Jahr aus konkurrieren 64 Mannschaften in insgesamt 63 Partien um den DFB-Pokal. Der ist rund 52 cm hoch, wiegt 5,7 kg und hat ein Fassungsvermögen von acht Litern. Er besteht aus mit 250 Gramm Feingold feuervergoldetem Sterlingsilber. Wer weiß, womöglich ist er gar der schönste Titel, sprich Pokal, im Fußball. 

Für die großen Klubs bietet der Pokalwettbewerb, der inzwischen zum 75. Mal ausgetragen wird, die alljährliche Chance, mit nicht weniger als sechs Siegen den eigenen Briefkopf um einen (weiteren) Titel zu erweitern. Spätestens im Pokalendspiel am 19. Mai im Berliner Olympiastadion. Die kleineren Vereine besitzen diese Chance natürlich auch, doch krasse Außenseiter wie die drittklassigen Sportfreunde Lotte kamen zuletzt bis ins Viertelfinale. Letzter Zweitligist im Pokalfinale war übrigens der MSV Duisburg, der nicht nur anno 2011 Schalke 04 haushoch mit 0:5 unterlag. Der MSV setzte ebenso seine traurige Serie fort, jedes seiner vier Pokalendspiele verloren zu haben.
Der besondere Reiz des Pokals ist in jeder Runde greifbar. Die Kleinen sollen die Großen schlagen, solange es nicht der eigene Klub ist, dem die Daumen gedrückt werden. Ausgehend von dieser Wunschvorstellung kennen wir längst diesen eigenen Pokaljargon, der mal passt, zuweilen nervt und vor dem man an Pokalspieltagen kaum entfliehen kann. Es ist so, als habe ihn Rolf Töpperwien, der rasendste aller Feldreporter, vor seinem Ruhestand höchstpersönlich entwickelt, was so  natürlich nicht stimmt und sicher etwas zuviel der Ehre wäre. Doch ich habe das Gefühl, dass Töppi stets in der Lage gewesen wäre, die folgende Top 5 der „Pokalschlachtrufe“ in jede noch so kurze seiner Reportagen unterzubringen:

1.  „Und erneut steht das ewige junge Duell Davids gegen Goliath bevor.“

2. „Es gibt keine Kleinen mehr.“
3. „Der Pokal hat seine eigenen Gesetze.“

4. „Berlin ist das deutsche Wembley“
5. „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin! “

Obwohl, Töppi hat vermutlich - außer in der 3. Halbzeit - nie „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!“ gerufen. Doch allmählich würde mir mal wieder eine seiner schmissige Pokalreportagen gefallen. In der typisch Töpperwien'schen Tonart versteht sich:
„Pokalsensation an der Essener Hafenstraße. Nach dem Abpfiff von Schiedsrichter Patrick Ittrich vom  Mümmelmannsberger SV aus Hamburg überschlagen sich hier die Ereignisse. 'David' Rot-Weiss Essen hat gegen den Goliath von Borussia Mönchengladbach mit 1:0 triumphiert. Dieter Hecking schlägt an der Seitenlinie die Hände über den Kopf zusammen. Und wieder hat der Pokal seine eigenen Gesetze...“

Da der rasende Reporter Töppi längst nicht mehr im aktiven Mikrofondienst ist, bleibt dieser Pokaltage nur, sich an seine Sternstunde mit dem juvenilen Olaf Thon nach dem 6:6-Pokalklassiker zwischen Schalke und den Bayern im altehrwürdigen Parkstadion zu erfreuen.


Wie sich in diesem Videoschnipsel sehen lässt, hörte Töppi bereits anno 1984 an der Seitenlinie das Gras wachsen. Und nun: Geben wir zurück in die Sendezentrale...


Montag, 12. August 2013

»König Otto« versus »Kaiser-Orakel«

Euphorische Eintracht herrschte am Samstagabend in Braunschweig. Erstmals nach 28 Jahren mischte der Meister von 1967 wieder in der Bundesliga mit. Als Gast an diesem Auftaktspieltag der 51. Bundesligasaison sah der Spielplan Werder Bremen vor, weshalb nicht nur Eintracht-Edelfan Rolf Töpperwien rasenden Beifall geklatscht haben dürfte.

Eintracht und Braunschweig und Werder haben fürwahr einiges gemeinsam. Beide sind Traditionsklubs aus dem Norden, Gründungsmitglieder der Bundesliga, stemmten mindestens einmal in ihrer Historie die Salatschüssel gen Himmel und segelten vor einer guten Woche mehr oder weniger blamabel aus der 1. DFB-Pokalrunde. Obendrein nannte  Franz Beckenbauer die Eintracht und Werder in einem Atemzug, nicht etwa in höchsten Tönen lobend - der »Kaiser« stufte beide als erste Abstiegskandidaten ein. Schaun 'mer mal, ob sich das  »Kaiser-Orakel« irgendwann als Geschwätz von gestern herausstellen wird.

Anders bei den Braunschweiger Jungs gab es bei Werder in den letzten Monaten eher weniger Jubelarien - außer vielleicht den kürzlichen 75. Geburtstag von Werders Trainer-Legende Otto Rehhagel, wie manch tapfere Twitterin aus dem Werder-Kosmos einwarf.


Selbst Rehhagels einstiger Musterstürmer Wynton »Kiwi« Rufer befand in der WELT, dass Werders »goldene Zeiten« vorbei seien.  Doch am Samstagabend kam es anders. Im Stadion an der Hamburger Straße war die euphorische Eintracht nach dem Schlusspfiff abgeebbt - dank Zlatko Junuzovic, der acht Minuten vor dem Ende  aus 14 Metern Werders durchaus überraschendes Siegtor einnetzte und die Serie von 14 sieglosen Pflichtspielen endlich beendete. Kein Wunder, dass Junuzovic nach Werders von ihm zum  »dreckigen Dreier« deklarierten Auftaktsieg befand, er  »hätte zehn Stunden vor der Kurve schreien können«.

Wie wunderbar, dass Werder seinen ersten Dreier gleich in einem gefühlten »6-Punkte-Spiel« eingesackt  und good old  »König Otto« damit ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk bereitet hat. Denn für mich war »König Otto« augenzwinkernd gesagt nicht ganz unbeteiligt am Bremer Auftakterfolg. Denn am Samstagvormittag trudelte gerade noch rechtzeitig vor dem abendlichen Anpfiff eine alte Rehhagel-Autogrammkarte in meinem Briefkasten ein. Und seither behaupte ich, einem gewissen Aberglauben durchaus ergeben, recht kühn, dass die Karte mit »König Otto« Werder in Braunschweig ganz gewiss Glück gebracht hat.
 
 
 
Hoffentlich wird sie dies auch an den weiteren 33 Spieltagen im Kampf gegen das böse »Kaiser-Orakel« tun. Zum Beispiel am kommenden Samstag, wenn der FC Augsburg im Weserstadion gastieren wird. Wie jener Rehhagel wohl solch abergläubische Absonderlichkeiten a la »König Otto« versus »Kaiser-Orakel« findet? 
 
Da sich auf diese Frage schwerlich eine Antwort finden lässt, lassen wir wohl am besten eine typische Rehhagel'sche Weisheit aus seinem zeit- wie endlosen Zitatenschatz sprechen: »Wichtig ist auf'm Platz, alles andere is' Kokolores...«
 

Mittwoch, 5. Dezember 2012

Gelbblaue Giganten

Eintracht Braunschweig? Hört, hört! Ist frisch gekürter Herbstmeister in der 2. Bundesliga.  Trainer Torsten Lieberknecht mahnt zwar zur Bodenständigkeit und Manager Marc Arnold preist die Drucklosigkeit der Eintracht. Doch längst träumt der treue Anhang des Bundesliga-Gründungsmitglieds nach fast drei quälenden Dekaden von der Rückkehr ihrer gelbblaue Giganten in die Bundesliga.

Kein Wunder, nachdem die ungeliebten Nachbarn Hannover 96 und VfL Wolfsburg ihrer Eintracht zuletzt deutlich den Rang abgelaufen haben. Ausgerechnet Felix Magath, damals noch VfL-Schleifer, war es übrigens, der nach furiosen fünf Eintracht-Auftaktsiegen in die neue Saison bereits munter Öl ins sich rasch entfachende Braunschweiger Bundesligafeuer gegossen hatte. Das sehe schwer nach Aufstieg aus, unkte Magath, als habe er eine Glaskugel neben seiner obligatorischen Tasse Grünen Tee stehen...

Eintracht Braunschweig: auf den ersten Blick scheint Paul Breitner bekanntester Kicker in der langen Historie des niedersächsischen Traditionsklubs zu sein. Treue wie zuweilen fanatische Fans könnten indes andere Helden auf dem Zettel haben. Etwa Torwart-Idol Bernd Franke oder den späteren Bayern-Kicker Wolfgang Dremmler. Oder Protagonisten aus dem annus mirablis der Ostniedersachsen 1967. Damals feierte die Eintracht ihre erste und einzige Deutsche Meisterschaft. Trainer war seinerzeit der knorrige Helmuth Johannsen, der seine Kicker um Kapitän Joachim Bäse, Stürmer Lothar Ulsaß oder Torsteher und Eintracht-Rekordnationalspieler Horst Wolter unter anderem dank feinster Rochaden am Taktiktisch bis zur Salatschüssel führte. Wie erinnerte sich Wolter einmal: „Als die andere Vereine schon in tollen Glitzertrikots aufliefen, trugen wir noch die alten Baumwoll-Hemden, die im Regen immer kleiner wurden.“

Es muss jene Zeit gewesen sein, die die Liebe des ehedem rasenden ZDF-Reporters Rolf Töpperwien zur Eintracht erblühen ließ und die trotz einiger Achterbahnfahrten durch die Ligen Zwo und Drei bis heute Bestand. Selbst für Töppi gilt offenbar: Liebe kennt keine Liga! Wie sich in Töppis Autobiographie nachlesen lässt, sollte ihm seine beschriebene Zuneigung sogar einen gewissen Karriereschub bescheren. Noch als Sportstudio-Praktikant will er etwa in der montäglichen Redaktionssitzung  der ZDF-Reporter, der sogenannten „Elefantenrunde“, die samstägliche Eintracht-Reportage des einst arrivierten ZDF-Reporters Gerd Krämer derart kaltschnuzig seziert haben, dass er in einem der nächsten Eintracht-Heimspiele selbst das Mikrofon in Händen halten sollte. Töppi machte halt keiner was vor. Fast wie Paul Breitner, der nachwies, dass neben Töppi ein zweiter Lockenkopf für Zwietracht rund um die Eintracht sorgen konnte.

Braunschweigs damaliger Platzhirsch Günter Mast hatte Breitner anno 1977 von Real Madrid zur Eintracht gelotst, was ihm der streitbare 74er Weltmeister zwra mit stolzen zehn Treffern im gelben Dress mit dem Hirschkopf auf der Brust dankte. Doch rund um Breitner gab es aber offenbar ebenso viele Breitseiten, womit Breitners einjährige Stippvisite beinah im Abstieg gegipfelt wäre. Torwart-Idol Bernd Franke erinnerte sich einmal in einem 11 Freunde-Interview mit den wenig erstaunlichen Worten, Breitner habe alle verrückt gemacht und sei als Eigenbrötler kein einfacher Typ gewesen. Die Etablierten, so Franke, seien nicht bereit gewesen, „auch nur einen Meter mehr zu laufen“, sofern Breitner den Ball nicht genau in den Fuß gespielt habe.

Mit den Worten „Ich tue euch jetzt den Gefallen und gehe“, soll Breitner sich dann zurück zum FC Bayern verabschiedet haben. Apropos FC Bayern und verabschiedet? Da war im Übrigen noch etwas. Denn der Rekordmeister stellt nach wie vor den letzten Bundesliga-Gegner der Eintracht dar.


Es war im Juni 1985, als Augenthaler, Matthäus und Kollegen im altehrwürdigen Eintracht-Stadion an der Hamburger Straße dank Dieter Hoeneß goldenem Tor mit 1:0 triumphierten und  danach mit der „Saltschüssel“ in den Händen ihre Meisterschaft feierten. Paule Breitners Stiefel hingen da übrigens schon längst am berühmten Nagel...

 

Mittwoch, 26. September 2012

Tip Top Töpperwien

Was macht eigentlich dieser Rolf Töpperwien? „Töppi“ feiert heute seinen 62. Geburtstag. Gratulation! Die derzeitige „Englische Woche“ in der Bundesliga dürfte daher er wohl nur am Rande mitbekommen. Anders als früher, als Töpperwien mit seinem Mikrofon in der Hand die Seitenlinien bestürmte und Kicker und ihre Trainer mit seinen Fragen mehr oder weniger rasend machte.

Zwei Jahre ist es nun her, dass der „Vater aller Feldreporter“, wie die Frankfurter Rundschau ihn einmal nannte, nach seinem 1.444 Spiel in die verdiente Reporter-Rente ging, zwei Tage vor seinem 60-sten. Ja, und irgendwie vermisst man ihn. Trotz seiner anekdotenreichen wie zum Teil absurden Autobiographie, die er längst auf den Markt geworfen hat und die den typisch töpperwien’schen naiv-narzisstischen Subtext enthält: „Ich geiler Hengst, hab ‘se alle vor mein Mikro gekriegt...“.




Und so dann und wann geht „Töppi“ meist im Zweiten noch auf Sendung. Manchmal seziert er dort besondere Ereignisse im Fußball, indem er etwa bei Markus Lanz ohne Punkt und Komma zum Pyro-Thema seine damit gemachten Erfahrungen als Rampensau der Grasnarbe abfeuert. Auch im Sport1-Doppelpass durfte „Töppi“ bei Herrn Wontorra mit am Stammtisch sitzen und seine Meinungssalven abschießen, obschon sich „Wonti“ und  „Töppi“ nie richtig stehen sehen konnten.
Selbst im Sportstudio tauchte „Töppi“ vor kurzem wie aus heiterem Himmel vor der legendären Torwand auf, als ein gewisser Leon „Andröööösen“ wegen seines tollen Comebacks nach 28-monatiger Verletzungspause dort zu Gast war. Und da „Töppi“ aus diesem Anlass ja auch offenbar eingeladen worden war, betete er dem verdutzten Dänen gleich vor, wie man dessen Nachnamen richtig ausspricht. Da war er wieder:  Tip Top Töpperwien.Und machte auch vor der Torwand nicht Halt. Nicht, dass er etwa mitschießen durfte. Nein, Sportstudio-Lady Katrin Müller-Hohenstein durfte sich vor und nach dem munteren „Drei unten, drei oben“-Geschieße hilflos und mit rollenden Augen anhören, wie Töpperwien sich regelrecht an sich selbst ergötzte. Er ratterte gandenlos und wie aus der Pistole geschossen alle Torwandschützen der Sportstudio-Geschichte herunter, die mindestens fünfmal getroffen hatten.

Da bei „Töppi“ meist nicht weniger geht, ließ er sich kürzlich obendrein in der Sport-Bild als „weltgrößten Eintracht-Fan“ ausrufen. Damit nirgendwo eine Zwietracht entsteht. Die Rede ist von der Eintracht aus Braunschweig, die in der 2. Liga von Erfolg zu Erfolg eilt. Selbst ein gewisser Felix Magath im benachbarten Wolfsburg goss nach fünf Auftaktsiegen und einem Remis des Meisters von 1967 munter Öl ins auflodernde Erstligafeuer. Das sehe schwer nach Aufstieg aus, unkte Magath. Passend zu seinem 62. Geburtstag dürften „Töppi“ der Lauf seiner Eintracht und Magaths Glaskugelblickerei sicher gefallen.

Ob deshalb gleich mit ihm wie weiland an der Grasnarbe die Gäule der Euphorie durchgehen müssen? Nur, warum denn eigentlich nicht. Denn trotz sämtlicher Achterbahnfahrten der Eintracht durch die 2. und 3. Liga hat „Töppi“ seiner gelienbten Eintracht stets die Stange gehalten - ganz im Sinne des dieser Tage etwas abgedroschenen Mottos: Liebe kennt keine Liga! Und jetzt einmal ganz ohne Ironie gesagt. Auch das klingt verdächtig nach: Tip Top Töpperwien!

Freitag, 22. April 2011

Weiße Brasilianer

Neulich legte ich mir über ein Buchportal im Netz die Erinnerungen Rolf Töpperwiens zu. Kurz darauf blinkte in meinem Postfach eine Mail. Als Leser des bisweilen grotesken Töpperwien’schen Rückblicks auf sein bewegtes Reporterleben informierte mich diese Mail darüber, dass mir auch der demnächst erscheinende Anekdotenschatz von Ansgar Brinkmann mit dem Titel „Der weiße Brasilianer“ gefallen könnte. Soso..

...jaja, dieser Ansgar Brinkmann. Als er einst noch dribbelte, hat sich dieser sogenannte „weiße Brasilianer“ neben dem grünen Rasen in allerlei Sperenzien verdribbelt: in Verfolgungsjagden mit der Polizei, Pommesfuttereien in Halbzeitpausen, krude Anrufbeantwortersprüche undsoweiter. Dennoch zählte dieser hochveranlagte blonde Kindskopf zur Gattung der „weißen Brasilianer“. Und zu der dürfen sich allenfalls  eine Handvoll deutscher Kicker mit filigranen Füßen zugehörig fühlen . Wer noch?

Paulo Rink etwa ist eigentlich ein echter weißer Brasilianer und wurde von einem unglückseligen Teamchef namens Erich Ribbeck gar Ende der 90er für die deutsche Elf eingebürgert. Vollwertiges Mitglied der besagten Gattung ist Rink aber gewiss ebenso wenig wie Werder-Legende Dieter Eilts. Selbst Eilts klangvoller Spitzname „Ostfriesen- Alemão“, der sich am Künstlernamen eines weiteren echten weißen Brasilianers orientiert, ändert daran wenig. Denn, zurückhaltend bemerkt, waren Rink und Eilts doch eher britisch-robust unterwegs.

Besser gehorchte der Ball hingegen dem scheuen Leverkusener Bernd Schneider. Im WM-Finale 2002 zeigte er gar waschechten Zuckerhut-Zauberern wie Roberto Carlos was ein Haken ist. Kein Wunder, dass Edeltechniker Schneider wie Skandalnudel Brinkmann noch heute „weißer Brasilianer“ gerufen wird. Vielleicht könnte in deren Reihe noch Thomas „Ich bin der Icke“ Häßler oder der brillante Bernd Schuster genannt werden, in dessen Glanzzeit in den 80ern man das Etikett „weißer Brasilianer“ weniger vergab.

Da Brinkmann nicht in WM-, Euro- oder Champions League -Endspielen von sich Reden machte oder eine grandiose Karriere bei Real und  Barca hinlegte, argwöhnten viele Gazetten, wieso einer wie er überhaupt seine Karrierehöhepunkte niederschreibt. Einer Karriere zwischen Bielefeld und Berlin, die weder Titel noch Europapokal- oder Länderspieleinsätze vorweisen kann. Höhepunkte, die es bei einem Dutzend Klubs in 20 Jahren wie Gütersloh, Münster, Bielefeldoder dem VfL Osnabrück gab, inklusive ganzen 59 Spielen in der Bundesliga, sowie mindestens so vielen Torheiten neben dem Rasen.

Doch die Antwort ist einfach, wie für Brinkmann einst sein doppelter Übersteiger. Der schillerndste der „weißen Brasilianer“ war halt stets für eine amüsante Geschichte gut. Wenn man will, eine Art George Best der zweiten Liga. Einer, der dort für ein wenig Rock‘n Roll gesorgt hat.

Schaun‘ mer mal: vielleicht findet Brinkmanns Büchlein tatsächlich den Weg in meinem Briefkasten, die Werbe-Mail ist noch nicht gelöscht. Und dass, obwohl Herr Brinkmann offenbar für den Rückblick auf jedes einzelne seiner rund Karrierejahre nen guten Euro angesetzt hat. Was solls, solange Brinkmanns Büchlein nicht dem Töpperwien'schen Tenor hinterherdribbelt: „Ich geiler Hengst, hab ‘se alle gekriegt...“