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Mittwoch, 2. August 2017

Thronen in Trondheim

Wenn heute Abend im schmucken Lerkendal-Stadion der Anpfiff im Rückspiel der 3. Quali-Runde der Champions League ertönt, trifft Rosenborg Trondheim auf Celtic Glasgow. Eigentlich schade, dass sowohl der norwegische als auch Schottlands Meister nach jeweils souveräner Saison nicht direkt für die Gruppenphase der Königsklasse qualifiziert sind. Auch wenn beide Klubs die Ligen in Norwegen und Schottland fast nach Belieben dominieren, ist dort der ganz große Fußball nicht zuhause. In Trondheim gastierte er im letzten Sommer vom Papier her zumindest für einen Abend, als dort das Endspiel um den europäischen Supercup zwischen Real Madrid und dem FC Sevilla stieg.
 
Bild: Der-Libero.de
Vor einigen Jahren hätte man in dieser Liga auch irgendwann Nicklas Bendtner verortet. Als juveniler Angreifer lief Bendtner für Arsenal auf und galt als eine der nächsten dänischen Sturmverheißungen, vielleicht sogar in der qualitativen Linie der Laudrups. 2009 wurde Bendtner zu Dänemarks Fußballer des Jahres gekürt und zeigte sich anschließend auch mit markigen Sprüchen treffsicher - beinahe in einer Linie mit Zlatan, dem Größten der Größten:
»Ich möchte Torschützenkönig in der Premier League werden, Torschützenkönig bei der WM und innerhalb der nächsten fünf Jahre möchte ich zu den besten Spielern dieser Welt gehören. Vertraut mir, das wird passieren!«
Doch das dänische Dynamit zündete nicht, vielmehr der mediale Hype um »Lord« Bendtner. Nach diversen Ausleihen durch Arsenal an Birmingham City, Sunderland und Juve samt anschließenden Stippvisiten in Wolfsburg sowie beim englischen Zweiligisten Nottingham Forest verschlug es den schillernden wie meist glücklosen Dänen Anfang März zu Rosenborg Trondheim. Seither thront sein Name über dem international eher unbekannten Team des norwegischen Rekordmeisters.  »Lord« Bendtner: Thronen in Trondheim, ausgerechnet in der früheren Krönungsstadt der Könige Norwegens. Doch zu ganz großem Ruhm brachte es Bendtner bisher auch in Trondheim nicht. Zwar thront Rosenborg wie gewohnt an der Spitze der Eliteserien und gewann mit Bendtner den Mesterfinalen, Norwegens Supercup. Der »Lord« himself stieg zwar laut 11Freunde in Rosenborgs Team auf der Adelsskala gar zum »Kaiser« auf, erzielte indessen gerade einmal ein halbes Dutzend Treffer.

Bevor Rosenborg mit seinem Superstar Mitte Juli anlässlich der 2. Runde der Champions League-Quali ins irische Dundalk reiste, flatterte dort obendrein der Scoutingbericht der Iren durch einen Straßengraben. Teile hiervon fanden sich später auf einer Facebookseite wieder. Die erspähten Stärken Bendtners? Kopfballspiel, seinen rechten Fuß, sowie die Torgefahr nach Flanken und Standards. Und selbstverständlich hatte der irische Scout auch Bendtners Schwächen im Blick:
»Es mangelt ihm an Geschwindigkeit, also kann unser Innenverteidiger es sich leisten, ganz eng dran zu bleiben. Läuft wegen seiner Rolle im Team nicht nach hinten. Arbeitet nicht hart, also könnten wir manchmal die Möglichkeit haben, das Spiel von hinten aus aufzubauen.«
Doch Bendtner hat auch noch immer Fürsprecher. Etwa Norwegens Alt-Internationalen Vidar Riseth, der einst sowohl für Rosenborg als auch für Celtic auflief, warnte Celtic via Scottish Sun davor, Bendtner mit Blick auf sein Potenzial abzuschreiben und sprach ihm eine Schlüsselrolle für die beiden Duelle zu. Das Hinspiel endete übrigens mit einem torlosen Remis. Ob sich »Lord« oder »Kaiser« Bendtner auf dem Weg in die Königsklasse nun auch noch zum »König von Trondheim« schießt?
 

Freitag, 26. Juli 2013

Keine Dauerkarte für Mick Jagger

Wie es heute im Blätterwald wegen Mick Jaggers 70. Geburtstag rauscht, oder? Vorab gesagt soll hier nun selbstverständlich nicht Jaggers musikalisches Wirken rezipiert, die schönsten Stones-Schlager wie Perlen an einer Kette aufgereiht oder gar die Wirkung seiner schamanenhafter Bühnentänze auf wie toll werdende Konzertmassen analysiert werden. Kurz gesagt, es soll allein um „Sir Mick“ und den Fußball gehen. Denn Jagger gilt dem runden Leder als durchaus zugetan. An gewissen Tagen steigt der Stones-Sänger gar aus seinem Rock-Olymp auf die zuweilen harten Tribünen der Arenen dieser Fußballwelt herab.

Anders als bei Roddie Stewart, dessen Begeisterung sich auf Schottland und Celtic Glasgow beschränkt, nimmt es Jagger, der gebürtige Engländer, mit der Treue nicht so genau. Wie im wahren Leben, mag manche spitze Zunge nun einwenden. Doch jene Dinge, die außerhalb des Fußball-Kosmos liegen, sollen uns nicht interessieren. Lieber wollen wir uns an die WM 2010 in Südafrika erinnern, wo Jagger diverse Partien besuchte und dort die mystische Aura des Unglücks versprühte.

Konkret widerfuhr jenen Teams, denen er vor einem Spielbesuch öffentlich seine Sympathie bekundete hatte, dass sie nach dem Abpfiff die Heimreise antreten durften. Der Ballesterer schrieb einmal, dass zu diesem Phänomen ganz gut die Stones-Hymne "It's all over now" passen würde. Es war, als öffnete Mr. Jagger stets die Büchse der Pandora.


Untermalt von den dröhnenden Vuvuzela-Klängen konnten davon etwa die USA ein Lied singen. Zu denen hielt Jagger, auf der Tribüne flankiert von Bill Clinton, in ihrem Achtelfinalspiel gegen Ghana, das die US-Boys unglücklich in der Verlängerung verloren.

Doch dies war erst der Anfang. Denn Jaggers „Fluch“ machte selbst vor seinen englischen Landsleuten nicht halt, die Jagger im Achtelfinale gegen Deutschland unterstützte. Das Ende vom Lied? Die „Three Lions“ kassierten neben einer epochalen 1:4-Pleite auch das sogenannte„Bloemfontein-Tor“, das Englands Ikone Frank Lampard geschossen hatte. Es wäre der 2:2-Ausgleich nach dem Kopfballtreffer des englischen Stoppers Matt Upson gewesen. Zwar strich Lampards Schuss von der Unterkante der deutschen Torlatte hinter die Linie, doch von dort zurück an die Unterkante und danach in Richtung  Feld, ehe ihn Manuel Neuer fing. Referee Larrionda aus Uruguay ließ zum englischen Entsetzen einfach weiterspielen. Die Gazetten schlagzeilten danach von einer „Rache für das Wembleytor“...

England reiste ab und Jagger gleich weiter nach Port Elizabeth, wo er dem mit Spannung erwarteten Viertelfinalduell der Niederlande gegen Brasilien seine Aufwartung machte und Peles Erben einen Sieg wünschte. Das Ergebnis? Auch die stolze Selecao packte nach ihrer 1:2-Niederlage, die Brasiliens Verteidiger Felipe Melo mit einem Eigentor und einer Roten Karte flankiert, ihre Koffer. Am Zuckerhut stellten die Sirenen der brasilianischen Presse tags darauf aber nicht etwa den unglückseligen Melo an den Pranger. Die Schreiber der großen brasilianischen Tageszeitung Lance zwangen vielmehr unser Geburtstagskind in die Verantwortung und empörten sich, Jagger sei Schuld und mit einem WM-Fluch belastet.

Zum Schluß soll noch von Diego Maradona die Rede sein. Dessen argentinischer Elf drückte Jagger, knapp oberhalb der Rasenkante sitzend, in ihrem Viertelfinale (wieder) gegen Deutschland die Daumen. Allerdings gelang es weder Maradona als rastlosem argentinischen Nationalcoach noch Lionel Messi den Jagger’schen Fluch zu brechen. Denn Jogi Löws brillant aufspielende Elf schickte Messi & Co. mit 4:0 buchstäblich in die Pampa. Maradona blieb nach diesem Desaster nichts anderes übrig, als seinen Hut zu nehmen.

Wie man sieht, ist mit Mick Jagger als Tribünentalisman kein Staat zu machen. Wer weiß, welche Steine Jagger erst ins Rollen brächte, sollte Sir Mick sich bei seinem angeblichen Lieblingsklub Arsenal öfter blicken lassen. Es bleibt unter diesen Voraussetzungen wohl nur zu hoffen, dass die traditionsreichen „Gunners“ niemals auf die fixe Idee kommen, ihrem Edelfan eine Dauerkarte zu schenken. Es wäre wohl Arsenals Anfang vom Ende...

Mittwoch, 12. Dezember 2012

Auf nach Arbroath

„Paradise“ heißt im  kehligen schottischen Volksmund der Celtic Park, also das Wohnzimmer von Celtic Glasgow. Schier paradiesische Zustände sollten in den letzten Jahrzehnten dort immer dann eintreten, wenn Celtic seinen Lieblingsfeinden von den Glasgow Rangers ein Schnippchen schlug. Da die im Celtic-Kosmos weithin unbeliebten Rangers sich nun in Schottlands 4. Profiliga gegen Klübchen verdingen müssen, die Namen wie Annan Athletic tragen, fällt das archaische Old Firm-Schauspiel bis auf Weiteres aus. Kein Wunder, dass Celtic - ganz ohne die Rangers im Nacken - in der in Siebenmeilenstiefeln ihrer Meisterschaft number fourty-six entgegen marschieren.

Kollektive Ekstase herrschte im „Paradise“ neulich etwa mal wieder, als Celtic angetrieben von 60.000 fanatischen Fans in grün-weißen Trikots, das Ensemble des FC Barcelona mit 2:1 niederrang. In der Tat, danach gingen Bilder um die Welt, wie sich im Angesicht dieses Triumphes Celtics gerührter Edelfan Rod Stewart Tränen aus den Augen wischte. Ja, und wie der Rockröhre für Momente kein Ton mehr über die Lippen ging.
 
 
Ebenso „gerockt“, wie man es im Sound dieser Tage ja gerne und oft schreibt, war auch Lionel Messi. Völlig fasziniert von Celtics fabulösem Anhang versprach er diesem quasi als Tribut Schützenhilfe für den Einzug ins Achtelfinale der Königsklasse. Und in der Tat, Messi hielt Wort: Barca ließ Benfica nicht gewinnen. Indessen siegte Celtic im „Paradise“ über Spartak Moskau, kam weiter, was Celtics Coach Neil Lennon gleich als „miracle“ (Wunder) etikettierte. In Anspielung auf Celtics Europapokalsieg 1967, als die Siegerelf von Lissabon sich als „Lisbon Lions“ verewigten, wird Celtics 2012er Generation, mit zwei bis drei Prisen Pathos, gewürzt nunmehr „Lennon Lions“ gerufen. 

Bei solch paradiesischen Zuständen wäre indes es fast untergegangen, dass sich die „Lennon Lions“ im schottischen FA Cup gegen den sagenumwobenen Drittligisten Arbroath Football Club gerade die Zähne ausbeißen. Dennvor fast leeren Rängen im Celtic Park sollte Arbroath den „Lennon Lions“ kürzlich nach einem Last-Minute-Treffer noch den knappen Sieg wegschnappen. Steve Doris heißt der Held dieses Samstages, der sicherlich in den Annalen von Arbroath seinen Ehrenplatz finden wird. Da das gnadenlose Reglement auch im schottischen Pokalwettbewerben Wiederholungsspiele vorsieht, heißt es für Celtic am heutigen Mittwoch: auf nach Arbroath.
 
 

Arbroath, mehr Schottland geht nicht. Das heißt raues Ostküstenklima, wo das weltberühmte Angus-Rind (sich) weidet. Genau dort residiert der Arbroath Football Club im Gayfield Park, der etwa 4.200 Zuschauer fasst und damit nicht einmal ein Fünftel der 22.000 Einwohner der Hafenstadt beherbergen kann. Für Celtic, immerhin 45-facher schottischer Rekordpokalsieger, verspricht das Gastspiel im Gayfield Park, der nur wenige Schritte von der Nordsee entfernt liegt, ein windiges Abenteuer zu werden.

Was wohl wäre, wenn dem ehrenwerten Arbroath Football Club tonight dasselbe David-Goliath-Spielchen wie zuletzt Celtic gegen Barca gelänge. Es hätte dann den Anschein, als wenn  good old Scotland sich die aufstrebenden „Lennon Lions“ zurück in seine engen Fangarme holen würde. Rod Stewart wäre dann im Celtic-Kosmos wohl nicht der einzige, der eine Träne verdrücken dürfte…