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Dienstag, 11. August 2020

Heracles Almelo

Donnerstag, 20. August 2015

Against all Odds

Die Bühne der Europa League verspricht für Borussia Dortmund vielleicht nicht unbedingt die glanzvollste zu sein, bietet den Westfalen aber bereits in der Playoff-Runde eine geradezu wildromantische Abenteuerreise. Heute Abend gastiert der BVB in der Skagerrak-Arena des nahezu unbekannten norwegischen Traditionsklubs Odds Ballklubb (kurz: BK). Das naheliegende Wortspiel Against all Odds wird hoffentlich erlaubt sein.  »Der Libero«, präsentiert fünf Dinge über den norwegischen Rekordpokalsieger aus dem 100 Kilometer südwestlich von Oslo gelegenen Skien.

1. Seinen letzten und zwölften Pokaltriumph feierte Odds noch unter dem Namen Odd Grenland im Jahr 2000 und stand in insgesamt 21 Endspielen um den Cupen. Odds ist damit nicht nur Rekordpokalsieger Norwegens, sondern auch Rekordpokalfinalist. Letztmals stand Odds im November 2014 im Finale, musste jedoch mitansehen wie Molde FK den Cupen errang. Nicht einmal Rekordmeister Rosenborg Trondheim (22 Titel) ist mit neun Triumphen und in toto 15 Finalteilnahmen im norwegischen Pokal annähernd so erfolgreich. Norwegischer Meister zu werden, war Odds, dem Gründungsmitglied der ersten norwegischen Liga, bislang nicht vergönnt. Es reichte in den fünfziger Jahren lediglich zu zwei Vizemeisterschaften.

2. Dafür hält Odds BK einen weiteren Rekord und ist der älteste aktive Fußballklub Norwegens.
Odds BK wurde im März 1894 als Abteilung des bereits neun Jahre zuvor ins Leben gerufenen Vereins IF Odd gegründet. Glaubt man der BVB-Webseite sowie den vermutlich zitierten Wikipedia-Seiten stammt der Name Odd angeblich aus dem Roman „Seierssverdet“ von Viktor Rydberg, in dem einer der Charaktere der norwegische Sportler Orvar Odd ist. Wirft man indes einen Blick auf das Porträt der uefa-Homepage, so wird dort der Name Odd auf eine norwegischen Sagengestalt, einem Helden namens Örvar-Oddr, zurückgeführt, der Anfang des 14. Jahrhunderts gelebt haben soll. Örvar-Oddr verfügte demnach über drei magische Bogen, die niemals ihr Ziel verfehlten und stets zu ihrem Besitzer zurückkehrten. Einen dieser Pfeile findet sich im Übrigen auch im Klub-Wappen.

3. Seine Heimspiele trägt Odds BK in der Skagerrak-Arena aus, die derzeit etwa 13.500 Zuschauer fasst, nach dem Sponsor aus der regionalen Energiewirtschaft benannt ist und zuvor schlicht und ergreifend Odd-Stadion hieß. Eine Postkarte der Arena lässt sich übrigens bei Interesse auf einschlägigen Portalen schon für 1,50 Euro ersteigern. Bleibt für den BVB nur zu hoffen, dass der aktuelle Stadionnamen nicht synonym für den in der Seefahrt so gefürchteten Mix aus heftigem Wind und starken Seegang steht, den die berühmte, gleichnamige Meerenge verheißt. Auch hier würde das vorhin schon bemühte Wortspiel wohl durchaus passen. Herausfordernd könnte es für das Team von Thomas Tuchel tatsächlich sein, dass sie sich gegen die Gastgeber - um es mit dem großen Heribert Faßbender zu sagen - auf dem eher unbekannten Geläuf des Kunstrasens behaupten muss.


4. Das Duell gegen den BVB lässt sich als bisher größter Auftritt in der langen Vereinsgeschichte von Odds BK auf internationalem Parkett verorten. Denn Odds BK nimmt trotz der vielen Pokalsiege, die jedoch vor allem zwischen 1903 und 1931 erreicht wurden, bislang erst zum dritten Mal an einem Europapokal teil. Der einstige Europapokal der Pokalsieger wurde erst seit 1960 ausgetragen. 2001  und 2004 hatte Odds jeweils in der 1. Runde des UEFA-Pokals gegen Helsingsborgs IF und gegen Feyenoord Rotterdam das Nachsehen. In diesem Sommer fegte Odds immerhin in den ersten Qualifikationsrunden der Europa League mit Sheriff Tiraspol und den Shamrock Rovers die wohlklingenden Rekordmeister aus Moldawien und Irland aus dem Weg, um dann den schwedischen Vertreter IF Elfsborg in der 3. Quali-Runde zu bezwingen.

5. Bekanntester Spieler des Klubs mit den weißen Trikots und Stutzen wie schwarzen Hosen ist wohl der Olivier Occean. Der Kanadier suchte in den ersten beiden deutschen Bundesligen zuletzt bei diversen Klubs wie Kickers Offenbach oder Eintracht Frankfurt sein Toreglück und kickt nun zum zweiten Mal im Odds-Dress. Bleibt da noch Odds Kopfballungeheuer, das gerade einmal 1,72 Meter misst und Jone Samuelsen heißt. Denn dieser Samuelsen hält den Weltrekord für das aus größter Distanz erzielte Kopfballtor, seitdem er anno 2011 in der letzten Minute des Spiels gegen Tromsø quasi von der Mittellinie den Ball aus rund 58 Metern zur allenthalben aufbrandenden Begeisterung ins Tromsø-Tor köpfte. Mats Hummels und Kollegen dürften gewarnt sein...

 

Sonntag, 22. Juli 2012

Ailton und das Asterix-Prinzip

Die Tore der Euro 2012 sind alle längst gesch(l)ossen. Ansonsten herrscht im Fußball Sommerpause. Wäre da nicht Ailton. Denn der läuft mir zurzeit ständig über den Weg, obwohl Ailton nie als Laufwunder made in Brazil bekannt war. Allerdings scheint der inzwischen 39-Jährige wieder dick im Geschäft zu sein. Kürzlich etwa gab Ailton die Galionsfigur der Radkappen Weitwurf WM , die im emsländischen Meppen (# SV Meppen) veranstaltet wurde. Traurig, aber wahr.

Doch selbst im Fußballzirkus ist Ailton Gonçalves da Silva wieder mal im Gespräch. Wie man an diesem Sonntag so lesen kann, soll der Weltenbummler nun ein Jahr lang für den Sechstligisten Hassia Bingen seine Törchen erzielen. Ob sie am Rhein etwa auf Ailton aufmerksam geworden sind, als der „Kugelblitz" himself neulich bei einer Tournee durch Sonderpostenmärkte seinen eigenen Energydrink feilbot?

Den Drink gibt es übrigens in einer stylischen Dose, die Ailtons Konterfei ziert. Selbstverständlich heißt der Drink „Kugelblitz“, versteht sich als „Das Ailton“- Energydrink!  und verspricht nicht weniger, als dass man nach einem Schluck selbst zum Kugelblitz wird. In so manchem Sonderpostenmarkt ist die Dose übrigens neben den Restbeständen von original-verpackten Goleo-Figuren platziert. Hauptsache, es wird keine Büchse der Pandora...

Wie dem auch sei, es ist halt Sommerpause. Oder doch nicht so ganz. Denn seit Kurzem haben bereits die Quali-Runden für die Euro League begonnen. Dort treffen irische Klübchen wie St. Patricks Athletic aus Dublin auf solche aus Bosnien, die dann Siroki Brijeg heißen. Das hätte für den weitgereisten Ailton durchaus eine Bühne sein können, letztmals den international gefürchteten „Kugelblitz“ zu geben. 

Doch den einstigen Torschützenkönig der Bundesliga zieht ja nun an den Rhein. Mal sehen, wie rund er für Hassia Bingen so laufen wird. Ob ihm wohl „Das Ailton“- Energydrink! zaubertrankartig hilft, einmal noch zum Kugelblitz zu werden? Wenn ja, hätte es das selbst in Ailtons schillernder Karriere noch nicht gegeben. Ailton und das Asterix-Prinzip...

Foto: Der Libero.de

Dienstag, 8. Mai 2012

Athletic Bilbao Olé

Morgen steigt in Bukarest ein Europapokalfinale. Zwei spanische Klubs treffen aufeinander. Und, kaum zu glauben: es handelt sich nicht um den Stierkampf „Clasico“ zwischen Barca und Real, der uns alle ein gefühltes halbe Dutzend Mal pro Saison die Zunge schnalzen lässt. Es muss also tatsächlich noch weitere Klubs im spanischen Königreich  geben, die nicht Barca oder Real heißen. Darauf erst einmal ein zünftiges Olé!

Es sind Atletico Madrid und Athletic Bilbao, die in diesem besagten Bukarester Endspiel den Sieger im UEFA-Pokal der Europa League ausfechten. Atletico gegen Athletic. Das hört sich verdammt ähnlich an. Und ist es auch. „Atletico Madrid, die Tochter von Bilbao“, titelte hierzu unter anderem der österreichische Kurier und spielt auf die  historische Anekdote an, wonach Atletico Madrid ursprünglich ein Ableger Bilbaos ist. Es war 1903, als  Studenten, die eigentlich dem Athletic Club de Bilbao angehörten, Atletico Madrid gegründet haben. Olé!

Späte Rache hierfür werden die Basken aus Bilbao sicherlich nicht nehmen wollen. Sondern vermutlich einfach ihr zweites Europapokalendspiel gewinnen wollen. Im ersten Endspiel war Bilbao anno 1977 noch Juventus Turin unterlegen. Gewinnen, zum Beispiel durch das Siegtor von Urgestein Fernando Llorente. Der baumlange Mittelstürmer, an dem Barca reges Interesse haben soll, hatte Athletic kürzlich in letzter Minute gegen Sporting Lissabon ins Endspiel geschossen. Olé!

Bilbaos Jungstar Iker Muniain hat dagegen eher die Statur eines gewissen Lionel Messi. Mancherorts heißt es, Muniain sei ein besonderer Spieler, der ein Stadion in Ekstase versetzen könne. Deshalb nennen Muniain viele „Basken-Messi“. Apropos Ekstase. Der „Basken-Messi“ träumte nach eigenem Bekunden sogar davon, das Siegtor zu schießen. Bei einem Triumph Bilbaos kündigte dieser 19-jährige  „Basken-Messi“ bereits vollmundig an, sich den Pokal tätowieren lassen zu wollen. Olé!

Der Baske an sich ist halt eigenwillig. So wie Athletic Bilbao selbst, das als Paradoxon des modernen Fußballs ausschließlich Kicker mit baskischen Wurzeln rekrutiert. Olé!

Was die Trikotwerbung angeht, wurde das baskische Bollwerk allerdings schon etwas brüchig. Seit 2008 ziert Bilbaos Brust den Schriftzug eines brasilianischen Mineralölkonzerns. Für so manchen feurigen Anhänger Bilbaos war diese Neuerung sicher nicht nur ein gewaltiger Schlag auf die Baskenmütze, sondern vielleicht schon eine gefühlte kleine Revolution. Dennoch bleibt Athletic Bilbao eine der letzten Bastionen der Fußball-Romantik, wie das folgende Kleinod über Bilbaos legendären Rechtsaußen  Joseba Etxeberria beweist.

In Bilbaos Fußball-Kathedrale San Mamés, wo unter anderem Manchester United und Schalke in dieser Euro League-Runde auf Granit bissen, rief man Etxeberria stets „El Gallo“ (der Hahn).Und, „El Gallo“ verzichtete einst aus Dankbarkeit tatsächlich in seiner 15. und letzten Saison im rot-weißen Bilbao-Dress komplett auf seine Gage. Darauf ein finales Olé!

Sonntag, 11. Dezember 2011

Black Wednesday

Was sich am letzten Mittwoch in Basel abspielte, könnte so mancher als eine Art „Götterdämmerung“ empfinden. Der kleine FC Basel in den roten-blauen Farben Barcelonas triumphierte in seinem heimeligen St. Jakob-Park über das große Manchester United nicht einfach nur so mit 2:0.

Das große Manchester United schied dadurch zugleich in der Gruppenphase der Champions League aus. Manche empfinden dies als sensationell, Mancunians werden dies als sang- und klanglos empfinden. Es scheint, als habe auch die Königsklasse ihre eigenen Gesetze. Für den Serienmeister aus der Schweiz ist dies einer der größten Erfolge ever. Die Basler Zeitung posaunte die gefühlte „Ekstase“ in die Fußball-Welt hinaus. Das eidgenössische Boulevard-Blatt Blick rief das „Wunder von Basel“ aus.

Die britische Presse hingegen ging wenig zimperlich mit dem gefallenen Giganten aus Manchester um, das demnächst nun in der als zweitklassig gefühlten Europa League antreten darf. Die Manchester Evening News und die BBC riefen daher einstimmig den „Black Wednesday“ aus. Der Daily Telegraph sprach nach dem „Fall der Mächtigen“ von einer „Erniedrigung“, die Sun vom „Desaster von Basel“.

Selbst biestiger Uniteds Altvorderer Roy Keane packte noch einmal die Grätsche aus, die mediale versteht sich, und  knurrte als Experte des TV-Senders ITV 1 in sein Mikrofon:„ Sie haben erhalten, was sie verdient haben.“ Uniteds Franzose Patrice Evra stöhnte: „Es ist peinlich, in der Europa League spielen zu müssen.“

Der Kopf von Sir Alex Ferguson soll jedenfalls nach der Schmach von Basel sogar eine ähnlich rote Farbe angenommen haben wie der United-Dress, den Giggs, Rooney und Co. ansonsten erfolgreich über Europas und Britanniens Fußballfelder tragen. Von wütenden Schuhwürfen wie einst gegen einen gewissen David Beckham ist indes bislang nichts bekannt. Vielmehr diktierte der Schotte Sätze in die Notizblöcke der Journalisten wie: „Die Europa League ist jetzt die Strafe, die wir verdient haben.“

Ob es Ferguson himself oder so manchen United-Supporter tröstet, dass Uniteds hochgejazzter Lokalrivale City am Mittwoch ebenfalls aus der Königsklasse flog?  Erst neulich war Ferguson anlässlich seines 25. Dienstjubiläums in Old Trafford die besonders Ehre widerfahren, dass der Klub den North Stand nach ihm, in „The Sir Alex Ferguson Stand“, benannte. 1986 (!) war Ferguson vom FC Aberdeen nach Manchester gekommen, hält dort seitdem das Zepter fest in Händen und gewann mit United bekanntlich fast alles, was es als Vereinstrainer zu gewinnen gibt. Für den Sommer 2012 soll dazu aufgrund seiner vielen Verdienste eine Statue des Schotten vor dem Stadion errichtet werden.

Ferguson wäre damit nach dem legendären Sir Matt Busby der einzige United-Coach, dem der Klub ein Denkmal setzen würde. Zu schade also, dass der Schotte ausgerechnet nun mit United in die Europa League „absteigen“ muss. Doch wer meint, Fergusons Thron werde deshalb wackeln, wird lange warten müssen. Wann der 70-jährige Trainer-König Manchesters sein Zepter abzugeben gedenkt, steht noch in den Sternen.

Greifbarer dürfte die Erkenntnis sein, dass die Europa League oder früher der UEFA Cup der einzige Europapokal-Wettbewerb ist, den Ferguson persönlich und auch Man United noch nicht gewonnen haben. Es würde daher mit dem Teufel zugehen, wenn sich Ferguson den 9. Mai 2012, den Termin des Endspiels in Bukarest, nicht bereits jetzt rot in seinem Kalender eingetragen hätte. Vielleicht könnte ein Endspieltriumph gegen Lokalrivale City am Abend dieses 9. Mai 2012 die Wunde jenes „Black Wednesday“ aus dem Dezember 2011 zumindest ein wenig heilen.

Vielleicht würde ein solcher Finalsieg auch den gebührenden feierlichen Rahmen schaffen, wenn dieser Sir Alexander Chapman Ferguson kurz danach sein Denkmal erhält. Vielleicht wird es ihm dann auch überaus gleichgültig sein, dass die Errichtung seines Denkmals für die City-Fans nur aus einem einzigen Grund erfreulich sein dürfte. Angeblich versprechen sie sich von seinem Denkmal nicht mehr als eine Tauben-Toilette de luxe ...

Sonntag, 28. August 2011

Mit königsblauem Turban

Das donnernde Schlagzeilengewitter, welches sein literarischer Anstoßgeber ausgelöst hat, dürfte der Kapitän der Nationalelf und des FC Bayern vermutlich nicht erwartet haben. Gewiss hat sich der deutsche Fußball-Zirkus hiervon nicht gleich lahm legen lassen. Allerdings wäre in dem Sturm der Entrüstung, der sich in den letzten Augusttagen erhob, das folgende Kleinod der Europapokalunterhaltung beinah untergegangen.

Wer er es nicht mitbekommen hat. Schalke musste im Rückspiel der 4. Quali-Runde zur Europa League-Gruppenphase HJK Helsinki nach 0:2-Hinspielpleite beim finnischen Rekordmeister mit mindestens drei Toren Unterschied schlagen. Der WDR übertrug die Partie zur besten Sendezeit. Und wer reinschaute, sollte eine Reminiszenz an vergessen geglaubte Abende der guten alten Europapokalunterhaltung erleben. Ohne Brimborium, Kerner, Reklame oder das überflüssige „der UEFA-Cup ist der Pokal der Verlierer“-Palaver.

Schalkes Flutlicht brannte, die Schalker Spieler ebenso. Man sah, wie diese sich gegen das drohende peinliche Ausscheiden stemmten. Man sah den Holländer Huntelaar vier Mal einnetzen. Man sah am Ende des Abends den deutschen Pokalsieger gegen anfangs flinke Finnen 6:1 triumphieren. Man sah, wie sich Schalkes Señor Raúl trotz dieses treffend aufgelegten Huntelaars zum Helden dieses Abends aufschwang.

Wir erinnern uns, wie dieser weithin stille Señor Raúl kürzlich den Schalkern seine Zuneigung bekundet und damit sich ausbreitenden unangenehmen Wechselgerüchten einen Riegel vorgeschoben hatte. Doch dieser Señor Raúl wäre nicht Señor Raúl hätte er seinem Tribut an die sensible Schalker Seele nicht Taten folgen lassen. Der stolze Spanier holte in den 90 Minuten etwa den Elfmeter zum frühen Führungstreffer heraus und bereitete weitere zwei Tore vor.

Besonders magische Momente ereigneten sich etwa gegen Ende der ersten Hälfte. Da erschraken in der Arena zunächst 54.000 Schalker, als ihr Señor Raúl nach einem Zusammenprall mit blutigem Kopf vom Feld humpelte. Was folgte? Señor Raúl ließ sich nicht etwa auswechseln. Der feingliedrige Angreifer spielte mit einem Turban weiter. Mit einem königsblauen Turban versteht sich. Doch dem ward nicht genug.

Nach dem Pausentee erwarteten 21 Akteure auf dem Rasen den Wiederanpfiff. In Anbetracht der erlittenen Platzwunde spekulierte Kommentator Steffen Simon bereits über Señor Raúls Feierabend, weil dieser als einziger auf sich warten ließ. Doch da begann die zuvor ruhige Arena zu pulsieren. Denn Schalkes „Königlicher“ stürmte plötzlich samt seinem königsblauen Turban aufs Feld.  Steffen Simon verschlug es daraufhin kurz die Sprache, was nicht allzu oft passiert und in dem sich erhebenden Beifallssturm ohnehin unterging.

Señor Raúl wirbelte fortan aufopferungsvoll kämpfend weiter, als wäre ihm nichts geschehen und er Marc Wilmots höchstpersönlich. So manches Schalker Herz wird da ein wenig höher geschlagen haben. Man stelle sich vor: macht dieser Señor Raúl so weiter, errichten sie ihrem „königlichen Knappen“ auf Schalke womöglich noch sein eigenes Denkmal.

Ein Beobachter dieses Spektakels hat dies im Übrigen schon. Jari Litmanen, der selbst im biblischen Alter von 40 Jahren noch die Stiefel schnürt und besagte 90 Minuten auf Helsinkis Ersatzbank verbrachte. Das Denkmal zu Ehren von Finnlands bestem Kicker aller Zeiten, weiland mit seinem schleppenden Gang und Torriecher für Ajax Amsterdam, Barcelona und Liverpool auf den ganz großen Bühnen des Fußballs unterwegs, steht in seiner Heimatstadt in Lahti.

Die Spatzen pfiffen es an diesem Donnerstagabend vom Dach der Schalker Arena: derzeit werden vermutlich wenige auf die Idee kommen, Philipp Lahm im Gegensatz zu Señor Raúl oder Jari Litmanen ein Denkmal zu setzen. Ob das wohl die „feinen Unterschiede“ sind, die Lahm in seinem literarischen Anstoßgeber gemeint hat?