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Sonntag, 9. August 2020

Singing Sunday #12: San Iker

Immer mal wieder sonntags präsentiert »Der Libero« den »Singing Sunday«. Denn schließlich existieren im Fußball-Orbit einfach zu viele musikalische Preziosen von schönen Chants oder gar singenden Fußballern, deren herbe Stimmgewalt zuweilen jedem Shanty-Chor erstaunen lässt.

Auf Iker Casillas werden dieser Tage allerorten Loblieder abgestimmt - von Oliver Kahn undLund Messi bis zu José Mourinho. Auch Real Madrid hatte seine "Wertschätzung, Bewunderung und Liebe für eine der größten Legenden unseres Vereins und des Weltfußballs" mitgeteilt. Von den ganzen Lobhudeleien in den sozialen Medien ganz zu Schweigen.

Die inzwischen 39-jährige spanische Torwartlegende hat am 4. August offiziell sein Karriereende verkündet. Im Sommer 2019 hatte Casillas tragischerweise einen Herzinfarkt erlitten und war danach nie mehr in einem Pflichtspiel zwischen die Pfosten, zuletzt beim FC Porto, zurückgekehrt.

Auf seinen persönlichen Briefkopf, sofern er über einen verfügt, dürfte seine stolze Trophäensammlung mit Real Madrid, dem FC Porto sowie in sage und schreibe 167 Länderspielen eigentlich gar nicht passen. Die Spiegel schreibt dazu, seine Paraden sicherten die Titel. Daher tauften ihn die Spanier San Iker (Heiliger Iker). Schöner kann man es nicht formulieren.

Nach einem unwürdigen Ende bei Real Madrid im Sommer 2015 soll Vereinsikone Casillas künftig als Berater von Reals Präsident Florentino Perez wirken und damit seinen Platz im königlichen Olymp einehmen. Mit Verlaub, Welt- und Europameister San Iker dürfte wohl spätestens jetzt zum Säulen-Heiligen der ihm folgender spanischer Torwart-Generationen werden.

In dieser kleinen Rubrik gibt es nun angesichts dieser langen Laufbahn einen vergleichsweise kurzen, etwas kratzigen Chant als winkenden Tribut zum Abschied, der zum Mitsummen geradezu einlädt: Iker Casillas la-la-la-la. Nebenbei gesagt: Der Chant müsste auf die wohlbekannte Melodie des Seventies-Schlagers "Brown girl in the ring" (Tra-la-la-la) von Boney M zurückgehen.



Dienstag, 28. Juli 2020

Einfach mal Luppen

"Einfach mal Luppen" - dank eines Hinweises der jüngsten 11Freunde-Ausgabe habe ich reingehört in den Podcast von Felix und Toni Kroos, in dem sie seit Mai den brüderlichen Doppelpass üben. Eigenbeschreibung: "In 'Einfach mal Luppen' sind die Hörer*innen in der Telefonleitung der Kroos Brüder, die sich viel zu selten sehen – deshalb aber umso mehr zu sagen haben."

Benannt nach einem Ausspruch ihres Opas, dem u.a. in Folge 6 zum 85. Geburtstag als "Legende" gehuldigt wird, war ich trotz vereinzelter Längen angenehm überrascht. Die Gebrüder Kroos mit ihrer leicht knarzigen mecklenburgischen Aussprache haben nicht nur sich selbst in Form kleiner Frotzeleien, sondern auch grundsätzlich etwas zu sagen: man nimmt Stellung zu Schürrles Karriereende, zur Familie oder zur Arbeitslosigkeit von Felix. Daneben wird ein wohltuender bodenständiger Blick hinter Reals glitzernde Kulisse geworfen.

Felix, der verkappte Moderator des Formats und um einen Seitenhieb nie verlegen, wirkt ein wenig eloquenter als sein älterer Bruder Toni. Jener Weltstar, der gar zuweilen eine Prise Humor, wenn er etwa Jogi Löws schweren alemannischen Akzent für eine Anekdote imitiert, und eine durchaus unerwartete Reflektiertheit hinter seiner meist eher spröden Fassade aufblitzen lässt. Das sind die Momente, in denen man ganz Ohr ist. Kleine Geheimnisse werden dem eher uneitlen Toni auch noch entlockt. Kickt er in jeder Lebenslage in weißen Tretern, hatte Real Madrid bei seiner offiziellen Vorstellung im Sommer 2014 nur blaue Schuhe für ihn parat. Toni wehrte sich bis zum Schluss, um nicht vor 25.000 Zuschauern im Bernabeu in diesen blauen Tretern bei seiner Vorstellung jonglieren zu müssen. Doch es half nichts, diesen königlichen Wunsch konnte ihm selbst Real nicht erfüllen.

Am besten "einfach mal reinluppen" in diesen kleinen Kroos'schen Kosmos mit den beiden interessanten Blickwinkeln - neue Folgen gibt es an jedem zweiten Mittwoch.

Donnerstag, 12. Juni 2014

Sag niemals nie

Was macht eigentlich, Gareth Bale? Heute beginnt die WM-Endrunde in Brasilien. Nur, wird der mit einer Ablösesumme von 100 Millionen Euro wohl teuerste Kicker der Welt auf den Rasenrechtecken Brasiliens nicht zu sehen sein - weder dribbelnd, scharf schießend oder gar königlich jubelnd wie nach dem Champions League-Triumph mit Real Madrid.


Der »königliche Flügelflitzer« reiht sich damit bisher in einen erlauchten Kreis von Weltklassekickern ein, denen es niemals im Laufe ihrer Spielerkarrieren gelang, an einer WM-Endrunde teilzunehmen. Da wäre etwa allen voran Alfredo Di Stéfano, George Best, George Best oder auch Jari Litmanen und Eidur Smari Gudjohnsen.

 
Bekanntlich stürmt Bale, der wegen seiner englischen Granny auch für Englands Nationalteam hätte auflaufen können, seitdem er 16 Jahre und 315 Tage alt ist für Wales. Für jenen kleinen wie eigenwilligen Landesteil im Westen Großbritanniens, der trotz seines Stars von Real Madrid als Vorletzter seiner WM-Qual-Gruppe sang- und klanglos das Nachsehen gegen Kroatien und Belgien hatte. Damit gelang es den  Walisern immerhin seit der WM 1958 in Schweden nicht mehr, ein Ticket für eine WM-Endrunde zu lösen. Anscheinend fällt es Wales so schwer, sich für einen World Cup zu qualifizieren - so wie die meisten radebrechen, um diesen einen auf der walisischen Insel Anglesey gelegenen 3.000 Seelen-Ort  bei seinem unheimlichen Namen zu nennen: Llanfairpwll­gwyngyllgogery­chwyrndrobwll­llantysilio­gogogoch.

Nicht bei einem World Cup aufzulaufen, betraf neben Bale übrigens schon frühere Generationen vorzüglicher walisischer Fußballer. Zum Beispiel jene Garde, die Ende der 80er und zu Beginn der 90er selbst der deutschen Nationalelf  mit ihrem rustikalen Stil das Fürchten lehrte. Wie sie alle hießen? Ian Rush, Mark Hughes, Dean Saunders oder Torwart-Hüne Neville Southall, Nicht zu vergessen: Gary Speed oder gar Bales Idol Ryan Giggs, der es ebenfalls nie zu einem World Cup schaffte.

Mit nicht mehr ganz juvenilen 25 Jahren hat Bale zwar noch etwas Zeit, seine WM-Teilnahme nachzuholen. So feierte die englische Kicker-Legende Stan Matthews noch mit 35 Jahren seine WM-Premiere bei der ersten WM-Endrunde 1950 in Brasilien. Angesichts der international eher zweitklassigen walisischen Auswahl mit vielen Kickern aus zumeist unterklassigen englischen Profiligen dürften WM-Auftritte Bales 2018 in Russland oder 2022 in Katar für ihn auch wohl eher ein toller Traum bleiben. Wer weiß, vielleicht spendet der Titel eines alten James-Bond-Streifens ja etwas Hoffnung: Sag niemals nie...

Montag, 16. September 2013

The daily Bale

In den letzten Wochen ließ sich beinah täglich irgendetwas über sämtliche Irrungen, Wirrungen und Nachwehen des 100 Millionen Euro schweren Rekordtransfers Gareth Bales von Tottenham Hotspur zu Real Madrid lesen. Nun traf Mr. Bale bei seinem Debüt gleich artig für Real. Ein königlicher Einstand will man meinen, wäre für Real nicht ein eher dürftiges 2:2-Remis beim Gastspiel in Villareal herausgekommen. Aus Anlass seines treffsicheren Debüts präsentiert  »Der Libero« nun zehn Dinge aus der Karriere des walischen Rekordkickers von Real Madrid.


1. Wer noch mehr über den das Leben des mittlerweile 24-jährigen Walisers erfahren möchte, dem sei als Nachschlagewerk die bereits 2011 erschienene Biografie Gareth Bale - The Biography ans Herz gelegt. Jenes Büchlein mit dem wenig turbulenten Titel verfasste ein gewisser Frank Worrall. Auf dem Cover ist, welch Überraschung, ein überaus juveniler Gareth abgebildet.

2. Dort könnte man sicher nachlesen, dass Bale jüngster walisischer Nationalkicker ever ist, nachdem er bereits im Mai 2006 mit unglaublichen 16 Jahren und 315 Tagen sein Debüt für Wales feierte. Gegner bei Bales Debütantenball war die Auswahl Trinidads und Tobagos, die damals im Cardiff für die bevorstehende 2006er WM in Deutschland testete.

3. Es sollte danach auch nicht lange dauern, ehe Bale gute vier Monate später dank eines Treffers gegen die Slowakei zum jüngsten Torschützen im walisischen Nationaldress avancierte.

4. In diesen Tagen wurde der schussstarke Linksfuß im Übrigen noch als linker Außenverteidiger eingesetzt, ehe bei Tottenham Hotspur Trainerkauz Harry Redknapp Bales offensive Qualitäten erkannte und Bale auf Tottenhams linkem Flügel zum Star avancierte.

5. Bevor Tottenham Bale 2007 für eine bereits damals stolze Ablösesumme von 14,7 Millionen Euro an die White Hart Lane gelotst hatte, verdiente sich Bale beim südenglischen Traditionsklub FC Southampton seine ersten Sporen. Dort ist Bale allerdings bis heute "nur" der zweitjüngste Kicker der Vereinsgeschichte, da Bale für Southampton seinerzeit mit 16 Jahren und 275 Tagen im englischen Unterhaus debütierte. Jünger war damals ein gewisser Theo Walcott, der bei seinem Debüt für die Saints bemerkenswerte 132 Tage jünger war.

6. Anders als Walcott gelang es Bale indessen, schon zweimal zu ››Englands Spieler des Jahres‹‹  gewählt zu werden. In der 20-jährigen Geschichte der Premier League schafften dies lediglich drei Kicker: Alan Shearer (Newcastle United), Thierry Henry (Arsenal) und Cristiano Ronaldo (ManUtd). Selbst Manchester Uniteds lebende Legende Ryan Giggs, Bales erklärtes Vorbild, ist dies nie gelungen.

7. Jener Ryan Giggs, dessen Rückennummer 11 Bale seit einiger Zeit trägt, war im Übrigen ganz im Gegensatz zu seinem walisischem Erben wohl nie auf die Idee gekommen, sich seinen eigenen Torjubel markenrechtlich zu sichern, sprich patentieren zu lassen. Das künftige »Eleven of Hearts«-Logo besteht laut Wikipedia aus einem Herzen, das Bale bei seinem Torjubel mit den Daumen und Zeigefingern beider Hände formt und zugleich seine Rückennummer 11 andeutet.

8. Jenen oder einen ähnlichen Torjubel gab es für Tottenham seit 2007 insgesamt 56 mal zu beobachten. Dazu gingen im Trikot der Spurs stolze 58 Assists auf sein Konto. Allein 21 Treffer markierte Bale in der letzten Saison.

9. Vielleicht veranlasste all dies Real-Legende Zinedine Zidane dem teuersten Kicker aller Zeiten bei dessen kirmeshafter Präsentation im Estadio Santiago Bernabeu höchste Weihen mit auf den Weg zu geben: »Er steht auf einer Stufe mit Ronaldo und Messi.«

10. Jene Weihen verbal einfach weggegrätschte dagegen Aserbaidschans noch amtierender Nationaltrainer, gab jener Berti Vogts doch zuletzt im Interview bei Sky Sport News HD Folgendes zu Protokoll: »Bale ist kein absoluter Weltklassespieler. Ich kenne ihn und bin schon sehr überrascht über diese Ablösesumme. Jetzt muss er sich beweisen und ich glaube, dass er es bei Real Madrid nicht schafft.«

Schaun' mer also mal, ob der »Terrier« mit seinen bellenden Unkenrufen Recht behalten wird.
 

Dienstag, 23. April 2013

››Don Bernardo‹‹ weiß es

Was macht eigentlich, Bernd Schuster? Wie zu erwarten ist der ››Blonde Engel‹‹ angesichts der deutsch-spanischen Champions League-Festspiele in dieser Woche derzeit ganz besonders gefragt. Ansonsten ist der mittlerweile 53 Jahre alte Schuster nach dem vorzeitigen Ende seines Engagements bei Besiktas Istanbul 2011 einer von vielen Trainer im Wartestand.

Im spanischen Königreich wird Schuster übrigens ››Don Bernardo‹‹ gerufen und prognostizierte nun in der WELT am Sonntag eine Wachablösung des spanischen Fußballs durch die deutschen Kicker: „Im Moment scheint die Zeit ganz klar für Deutschland gekommen zu sein. Die Substanz, die die deutsche Nationalmannschaft mittlerweile hat, könnte dafür sorgen, dass man die Macht von Spanien übernimmt.“

Der BVB und die Bayern hätten, so Schuster, die ideale Mischung aus hohem Rhythmus und spielerischer Klasse gefunden, deshalb werde es für Real Madrid gegen den BVB und Barca gegen die Bayern in den Halbfinals sehr schwierig. Woher der ››Don Bernardo‹‹ das alles weiß? ››Der Libero‹‹ klärt auf und hat fünf Stilblüten zu dem kauzige Grenzgänger zwischen dem deutschen und spanischen Fußball gesammelt.

1. Über Schusters erste Gehversuche in Deutschland als Chefcoach der damals zweitklassigen Kölner Fortuna und des 1. FC Köln hüllt man am besten des Mantel der Geschichte. Seine Saison als FC-Coach bezeichnete Schuster einmal als „das schlimmste Jahr seines Lebens“ . Im letzten Herbst wäre er gar um ein Haar Trainer des VfL Wolfsburg geworden und hätte dort nach eigenem Bekunden gern „Tiki-Taka in die Bundesliga gebracht“.

2.  Seinen größten Erfolge feierte Señor Schuster 2007 als Trainer von Real Madrid, wo er nicht nur den spanischen Meistertitel holte und den Spaniens Supercup errang. Zudem kürte ihn die spanische Presse zum Trainer des Jahres. Vor seinem Engagement bei Real hatte sich Schuster bei kleineren spanischen Klubs wie Getafe, Levante und Xerez verdingt.

3. Ende 2008 setzte Real Schuster dann vor die Tür des Estadio Santiago Bernabéu. Damals hatte ››Don Bernardo‹‹ der sportlichen Krise die Krone aufgesetzt, indem vor einem anstehenden Duell beim FC Barcelona zu behaupten gewagt hatte , Real habe im Clásico keine Chance und müsse sich darauf beschränken, im Camp Nou einen „guten Eindruck“ zu machen.

4. Dabei musste Schuster es doch wissen. Schließlich hatte er als Spieler acht Jahre lang bei Barca die Acht auf dem Rücken getragen, bevor er für zwei Spielzeiten den Dress von Real Madrid überstreifte, um danach für drei Jahre für Atlético Madrid die Stiefel zu schnüren.


5. Im Barca-Dress sollte Schuster in den 80ern auch Doppelpässe mit einem gewissen Diego Maradona spielen. Angesprochen auf den schier unvermeidlichen Vergleich mit Lionel Messi stufte Schuster jenen Messi nun als eine Klasse besser als Maradona ein: „Er ist schneller, außerdem war Maradona nicht so ein exzellenter Torschütze. Er war ein begnadeter Spieler, mit Sicherheit einer Größten, aber Messi hat noch dieses gewisse Extra.“

Dienstag, 23. Oktober 2012

Besser als Best?

Champions League!  Im einstigen Westfalenstadion, dem Wohnzimmer des BVB,  gastiert am Mittwochabend das »Weiße Ballett« von Real Madrid mit seinem Vortänzer Cristiano Ronaldo.  Jose Mourinho hält seinen Landsmann immerhin für den besten Kicker des Universums. Doch, ob Mr. Mourinho weiß, dass der Fußball-Gott bereits anno 2008 für Ronaldo noch höhere Weihen übrig hatte? Denn schon damals war der portugiesische Pfau besser als Best...   

Es ist ein alter Hut, dass Mr. Mourinho sich selbst »The Special One« nennt. Ein ebenso alter Hut, aber fast schon in Vergessenheit geraten ist Mourinhos eigene Kickerkarriere, die Anfang der 80er ihre Höhepunkte bei zweitklassigen portugiesischen Klübchen namens Belenenses Lissabon fand. Dessen ungeachtet beherrscht „The Special One” nach wie vor den polemischen Pass, wie er jüngst zur Frage nach dem nächsten Weltfußballer in einem Interview mit der portugiesischen Gazette A Bola nachwies. Es sei ein Verbrechen, wenn Ronaldo den Titel nicht gewinnen sollte. Wenn Messi der beste Spieler des Planeten sei, dann wäre Cristiano der Beste des Universums undsoweiter...

Tito Vilanova, Coach des FC Barcelona hatte zuvor gewagt, seinen Schützling Lionel Messi öffentlich für die Anfang 2013 anstehende Wahl zu favorisieren. Ronaldo hatte bei den letzten drei Weltfußballer-Wahlen jeweils gegenüber Messi das Nachsehen gehabt. Gewiss, die erwähnte Salve Mourinhos in Richtung Messi, der selbst bei diesen Wahlen einen »Clásico« der dritten Art vermutet, bleibt hängen. Ob »The Special One« wohl beim Abfeuern bewusst war, dass sein von ihm goutierter Landsmann so gepriesenen Fußballmutterland eine schier noch größere Ehrung erfahren hat? Wie das?

Damals stolzierte Ronaldo, von Franz Beckenbauer einmal als »Zirkuspferd« etikettiert, seine Numero „7“ noch als einer der Erben des großen nordirischen Dribblers George Bests im roten Dress Manchester Uniteds über die Flügel englischer Rasenrechtecke. Und, als er einst im März 2008 mit zwei Freistoßtreffern gegen die Bolton Wanderers Bests ewige Rekordmarke einstellte und gar überflügelte, flackerte unter einsetzender Stille ob des historische Atemzugs auf allen Stadion-Bildschirmen im »Theater der Träume“ plötzlich in großen Lettern The Best since Best (Der Beste seit Best) auf. Der Nordire war 1968 dank seines epochalen Torrekords und dem Gewinn des Landesmeistercups mit Man Utd. zu Europas Fußballer des Jahres avanciert.

Doch dem nicht genug. 40 Jahre später wiederholte sich die Geschichte. Nach dem Champions League-Sieg mit Manchester United und dem erwähnten eigenen Torrekord  wurde Ronaldo 2008 nicht nur zu Europas Fußballer des Jahres 2008 gekürt, sondern heimste obendrein die Weltfußballer-Lorbeeren ein.
Insofern war Ronaldo bereits 2008, sagen wir mal, besser als Best. Nur, von dem schlauen Mr. Mourinho war hierzu bisher wenig zu hören.
Vor allem in Anbetracht einer fast heiligen Rangfolge, die seitdem für manche etwas auf dem Kopf steht dürfte: Maradona good, Pele better, George Best...
 

Samstag, 22. September 2012

So wie einst bei Real Madrid

Einst waren die Barden Noel und Liam Gallagher die Gesichter von Oasis, stritten sich noch öfter als sie Alben veröffentlichten und konnten sich meist auf ihren Lieblingsklub Manchester City als kleinsten gemeinsamen Nenner einigen. Nachdem Oasis längst im Nirwana des Brit-Pop verschwunden ist, sorgen die  „Radaubrüder“ neben ihren musikalischen Projekten im Kosmos ihres Lieblingsklubs so dann und wann für Rock’n Roll.
Und in der Flut wechselnder Namen mehr oder minder klangvoller Stars im City-Kader scheinen zumindest die Gallagher Brothers City konstant ein Gesicht zu geben.

By the way, wofür braucht Manchester City für seine angestrebte Rolle als Wannabe-Global Player im Fußball überhaupt eine Marketingabteilung? Wenn sich  einer der Gallaghers einen hellblauen City-Schal umhängt, dann anstatt die Klampfe oder das Tamburin in die Hand zu nehmen und zu  manchestercity'eskem nölend seinen Senf abgibt. Dann bekommt das die Fußball-Welt irgendwie mit. Besonders handfest ist da stets der jüngere Gallagher Liam unterwegs, der sich trotz ausgeprägtem Rüpel-Gehabe ausgerechnet für eine Reinkarnation John Lennos halten soll.

Weiland  lieferte sich Liam nicht nur mit einem gewissen Paul Gascoigne in einem Londener Club eine zünftige Keilerei . Hartnäckig hält sich auch die Legende, wonach Liam einmal United-Ikone Éric Cantona in einer Autowaschanlage in Manchester mit einem Eimer Wasser begossen haben soll. Wie in begossener Pudel könnte sich Liam indes am letzten Dienstag im Estadio Santiago Bernabéu gefühlt haben, als er sich wie der Archetypus urbritischer Stiernackenfans zum Schlachtenbummler der Woche pöbelte…

 
Was bei Manchester Citys Champions League-Gastspiel bei Real Madrid geschah? Liams Citizens gingen fünf Minuten vor dem Abpfiff plötzlich in Führung, weshalb Liam mit dicker Sonnenbrille und in schwarzer Lederjacke wie ein City-Maskottchen auf LSD die Tribünentreppen des Bernabéu hoch und runter stolzierte. Zwischen irritierten älteren spanischen Señoras mit Fächern in der Hand riss Liam nicht nur derbe Sprüche und ekstatisch seine Arme gen Nachthimmel, sondern soll dazu unschuldige Real-Wachmänner abgeknutscht haben. Im Oasis-Sound gesagt: Standing on the shoulders of giants...
 
Nachdem Cristiano Ronaldo für Real das Blatt Momente später doch noch zu einem 3:2-Triumph last Minute wenden konnte, war Gallagher really not amused, rastete vielmehr völlig aus  und  musste angeblich gar aus dem Bernabéu getragen werden. Ob er Reals Wachleute ein trotziges „City, till I die“ entgegen krähte? Ist nicht bekannt. Zu dieser Bernabéu-Nacht könnte etwa die für den Schlachtenbummler der Woche wohl einmalige wie fast historische Schlagzeile passen:»Real Madrid schmeißt Liam Gallagher raus!«

Aus welchem Blickwinkel man sie auch immer deuten möchte. Sagen wir einfach, so wie einst bei Real Madrid...   

Montag, 19. Dezember 2011

Ein Werder-Wimpel und ein Hauch von Real Madrid

Steht eine Runde oder eine Auslosung im DFB-Pokal an, muss ich unweigerlich meinen grünen Wimpel von Werder Bremen anschauen. Auch wenn dies bei mir eher zwiespältige Gefühle auslöst. Warum? Seitdem ich den Wimpel nach Werders letztem Sieg im DFB-Pokal erwarb, gewann Werder kein einziges DFB-Pokalspiel mehr. Da mir der Wimpel aber dennoch lieb geworden ist, weigere ich mich standhaft, ihn deshalb leichtfertig zu entsorgen.

In seinem Schmöker „Fever Pitch“ berichtet Arsenals Edelfan Nick Hornby, wie er in jugendlichen Jahren versuchte, Arsenal zu Siegen zu treiben. Seinem Aberglauben ergeben legte er etwa an Pokal-Spieltagen eine bestimmte Scheibe der Punkrock-Fahrensmänner Buzzcocks auf seinen Plattenteller und diese laut drehte auf.



Doch glaubt mir, Hornbys Buzzcocks-Prinzip zieht bei Werder nicht. Mal sehen, da muss ich dieses kleine Pokal-Trauma Wohl oder Übel anders angehen. Vielleicht gewinnt Werder dann im Pokal endlich wieder, also im nächsten Sommer in der 1. Runde. Anders angehen würde ich es, indem ich schlicht und einfach von Werders letztem Pokalsieg im Sommer 2010 erzähle. Gesagt, getan:
Als geschlagener Pokalfinalist - die Bayern hatten Werder im 2010er Pokalendspiel  mit 4:0 böse überfahren-  führte Werder das Los der 1. Pokalrunde zu Rot-Weiss Ahlen. An diesem sonnigen 14. August  2010 hieß also Werse- statt Weserstadion.

Rot-Weiss Ahlen? Stimmt, da war was. Denn, seinen Namen trägt der „RWA“ noch nicht lang. Erst seitdem sich Ahlens einstiger Mäzen aus dem Kosmetik-Kosmos samt seiner bizarren Namenskreation „Leichtathletik Rasensport“, kurz LR, verabschiedet hat. Wer aber meint, am Klub aus dem pferdeaffinen Münsterland seien daher die modernen Errungenschaften der Fußball-Kultur vorbeigaloppiert, irrt sich.

Dieser Pokalsamstag in Ahlen bewies nachhaltig die Existenz von mehr als einer Handvoll Menschen, die in rot-weiße „RWA“-Souvenirs gehüllt das Wersestadion bevölkerten. So wie etwa auf Ahlens Gegentribüne, auf der die „Werse-Wikinger“ Flagge zeigten. Sehen lassen konnte sich auch Ahlens schmucke Südtribüne. Dort, auf dem Grenzzaun zum Spielfeld, thronte ein eifriger Einpeitscher. Per Megaphon feuerte er den unerwartet stimmgewaltigen Fanblock des „RWA“ an und gab als „Zaunkönig“ den Ton an.

Das Ende vom Lied? Trotz Aufbietung sämtlicher Schlachtrufe aus dem „RWA“-Repertoire, blieben Ahlens damalige Drittliga-Kicker harmlos und die erhoffte Sensation aus. Letztlich gurkte sich Werder zu einem glanzlosen 4:0-Sieg, sorgte im Nachhinein betrachtet aber zumindest in einem Moment für „königlichen“ Glanz.

Dieser Moment ereignete sich in Spielminute 61. In dieser spazierte ein gewisser Mesut Özil in seiner allerletzten Szene für Werder vom Feld. Kurz nach dem Spiel wurde Özils Wechsel zu Real Madrid bekannt, natürlich von einigem medialen Tamtam begleitet. Wenn man so will, lag an diesem Pokalsamstag in Minute 61 ausgerechnet im beschaulichen Ahlen ein Hauch von Real Madrid in der warmen Sommerluft.

Ansonsten sehnte Thomas Schaafs müde Herde den Abpfiff förmlich herbei. Damit stand Werder Ahlens Einpeitscher im Übrigen in nichts nach, der seinen Thron auf dem Zaun bereits verlassen hatte und Bier trinkend einen frühen Feierabend genoss. Ich machte dagegen erst nach dem Abpfiff „Feierabend“, nachdem ich besagten Werder-Wimpel bei einem fliegenden Händler rund um das Wersestadion erworben hatte.





Dieser Tage werde ich meinen Werder-Wimpel übrigens wieder anschauen. Richtig: es ist dann wieder DFB-Pokal. Der Hauch von Real Madrid ist natürlich längst verflogen...


Dieser Artikel ist inspiriert von Stadionchecks Beitragsreihe über Fußball-Memorabila und nun ein Teil davon.