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Montag, 16. September 2013

The daily Bale

In den letzten Wochen ließ sich beinah täglich irgendetwas über sämtliche Irrungen, Wirrungen und Nachwehen des 100 Millionen Euro schweren Rekordtransfers Gareth Bales von Tottenham Hotspur zu Real Madrid lesen. Nun traf Mr. Bale bei seinem Debüt gleich artig für Real. Ein königlicher Einstand will man meinen, wäre für Real nicht ein eher dürftiges 2:2-Remis beim Gastspiel in Villareal herausgekommen. Aus Anlass seines treffsicheren Debüts präsentiert  »Der Libero« nun zehn Dinge aus der Karriere des walischen Rekordkickers von Real Madrid.


1. Wer noch mehr über den das Leben des mittlerweile 24-jährigen Walisers erfahren möchte, dem sei als Nachschlagewerk die bereits 2011 erschienene Biografie Gareth Bale - The Biography ans Herz gelegt. Jenes Büchlein mit dem wenig turbulenten Titel verfasste ein gewisser Frank Worrall. Auf dem Cover ist, welch Überraschung, ein überaus juveniler Gareth abgebildet.

2. Dort könnte man sicher nachlesen, dass Bale jüngster walisischer Nationalkicker ever ist, nachdem er bereits im Mai 2006 mit unglaublichen 16 Jahren und 315 Tagen sein Debüt für Wales feierte. Gegner bei Bales Debütantenball war die Auswahl Trinidads und Tobagos, die damals im Cardiff für die bevorstehende 2006er WM in Deutschland testete.

3. Es sollte danach auch nicht lange dauern, ehe Bale gute vier Monate später dank eines Treffers gegen die Slowakei zum jüngsten Torschützen im walisischen Nationaldress avancierte.

4. In diesen Tagen wurde der schussstarke Linksfuß im Übrigen noch als linker Außenverteidiger eingesetzt, ehe bei Tottenham Hotspur Trainerkauz Harry Redknapp Bales offensive Qualitäten erkannte und Bale auf Tottenhams linkem Flügel zum Star avancierte.

5. Bevor Tottenham Bale 2007 für eine bereits damals stolze Ablösesumme von 14,7 Millionen Euro an die White Hart Lane gelotst hatte, verdiente sich Bale beim südenglischen Traditionsklub FC Southampton seine ersten Sporen. Dort ist Bale allerdings bis heute "nur" der zweitjüngste Kicker der Vereinsgeschichte, da Bale für Southampton seinerzeit mit 16 Jahren und 275 Tagen im englischen Unterhaus debütierte. Jünger war damals ein gewisser Theo Walcott, der bei seinem Debüt für die Saints bemerkenswerte 132 Tage jünger war.

6. Anders als Walcott gelang es Bale indessen, schon zweimal zu ››Englands Spieler des Jahres‹‹  gewählt zu werden. In der 20-jährigen Geschichte der Premier League schafften dies lediglich drei Kicker: Alan Shearer (Newcastle United), Thierry Henry (Arsenal) und Cristiano Ronaldo (ManUtd). Selbst Manchester Uniteds lebende Legende Ryan Giggs, Bales erklärtes Vorbild, ist dies nie gelungen.

7. Jener Ryan Giggs, dessen Rückennummer 11 Bale seit einiger Zeit trägt, war im Übrigen ganz im Gegensatz zu seinem walisischem Erben wohl nie auf die Idee gekommen, sich seinen eigenen Torjubel markenrechtlich zu sichern, sprich patentieren zu lassen. Das künftige »Eleven of Hearts«-Logo besteht laut Wikipedia aus einem Herzen, das Bale bei seinem Torjubel mit den Daumen und Zeigefingern beider Hände formt und zugleich seine Rückennummer 11 andeutet.

8. Jenen oder einen ähnlichen Torjubel gab es für Tottenham seit 2007 insgesamt 56 mal zu beobachten. Dazu gingen im Trikot der Spurs stolze 58 Assists auf sein Konto. Allein 21 Treffer markierte Bale in der letzten Saison.

9. Vielleicht veranlasste all dies Real-Legende Zinedine Zidane dem teuersten Kicker aller Zeiten bei dessen kirmeshafter Präsentation im Estadio Santiago Bernabeu höchste Weihen mit auf den Weg zu geben: »Er steht auf einer Stufe mit Ronaldo und Messi.«

10. Jene Weihen verbal einfach weggegrätschte dagegen Aserbaidschans noch amtierender Nationaltrainer, gab jener Berti Vogts doch zuletzt im Interview bei Sky Sport News HD Folgendes zu Protokoll: »Bale ist kein absoluter Weltklassespieler. Ich kenne ihn und bin schon sehr überrascht über diese Ablösesumme. Jetzt muss er sich beweisen und ich glaube, dass er es bei Real Madrid nicht schafft.«

Schaun' mer also mal, ob der »Terrier« mit seinen bellenden Unkenrufen Recht behalten wird.
 

Samstag, 2. Februar 2013

Sie nannten ihn ››Bulle‹‹

In ihrer lesenswerten aktuellen Ausgabe küren die 11Freunde in einer  Galerie der Eisenfüße die 50 härtestesten Kicker der Welt. Beißer aus Britannien wie Vinnie Jones oder Billy Bremner, der irre Ire Roy Keane, die Axt Uli Borowka oder auch Iron Maik Franz  dürfen da nicht fehlen.

Alles soweit so gut für Freunde des robusten, archaischeren Kicks. In diese veritablen Top 50 der größten Grätscher konnten es da natürlich nicht alle Eisenfüße aus dieser weiten Welt des Fußballs schaffen: Terrier Berti Vogts,  Jürgen Kohler oder Knochen-Jochen Kientz sind etwa nicht vertreten. Auch nicht die Bayern-Legende Franz Roth. An Letzteren wird Der Libero nun, mal wieder ganz nostalgisch, erinnern.

Franz Roth, den nannten sie bei den Bayern nur Bulle. Gewiss, die glorreiche Zeit der Bayern in den 70ern war eng mit der Achse Maier-Beckenbauer-Müller verbunden. Doch jener Bulle Roth,  das heute 66-jährige Kraftpaket aus dem Unterallgäu mit dem knüppelharten Schuss, war auch stets mittendrin. Etwa, als Roth in gleich drei Europapokal-Endspielen entscheidend für seine Bayern traf. Man könnte glatt meinen, die Bayern hätten Roth zu Ehren sich einst Die Bullen genannt oder ihm den Slogan Die Bullen kommen gewidmet. Doch wie man so liest, ist dies keine wehmütige Tributbezeugung, daran war der Sponsor Magirus-Deutz der Bayern Anfang der 80er Schuld.

Paule Breitner sagte einmal über seinen Bazi Spezi, Roth habe eine irrsinnige Kraft und Wadl wie andere Oberschenkel gehabt. Und Bayerns Bulle sorgte offenbar nicht selten für schlotternde Knie. Angeblich verspürten Wolfgang Overath oder Günter Netzer gar tagelang Panik, wenn ein 90-minütiges Duell gegen jenen bajuwarischen Bullen bevorstand. Selbst dem juvenilen Uli Hoeneß machte der Bulle offenbar Bange, so dass Hoeneß sich an den Trainingsalltag der Bayern Anfang der wilden 70er einmal mit Schaudern erinnerte:
„Ich habe mir früher im Training Schienbeinschützer angezogen, weil ich wußte: Wenn der Franz 'Bulle' Roth sauer auf mich ist, dann fegt der mich auf die Aschenbahn. Das Training war für mich Überlebenskampf - und ich habe mich dabei wunderbar entwickelt.“
Seine Karriere ließ Roth übrigens unter anderem bei Casino Salzburg ausklingen. Aus wortspielerischem Blickwinkel tat die Bayern-Ikone dies in der Mozartstadt sicher gute 30 Jahre zu früh. Nomen est omen. Denn solch ein Bulle Roth stünde Casino Salzburgs gesichtslosem Nachfolgeklub Red Bull sicher nicht nur auf dem Spielberichtsbogen ganz gut zu Gesicht. Oder wie sagt man im Red Bull'schem Sprech? Freilich, Flügel verleihen...

In alternativer Fassung ist der Beitrag bereits in dem Fußball-Blog Thor Waterschei erschienen.
 

Mittwoch, 3. Oktober 2012

Comeback in Chemnitz?

An dieser Meldung kommt man nicht vorbei: Michael Ballack ist zurückgetreten. Über eine Hamburger Anwaltskanzlei ließ der Capitano gestern ausrufen, dass er ab sofort seine zuletzt nicht mehr genutzten Stiefel sowie sein Trikot mit der Numero dreizehn an den berühmt-berüchtigten Nagel hängt. Im Wortlaut hört sich das dann so an:

» Mit 36 Jahren blicke ich auf eine lange und wunderbare Zeit im Profifußball zurück, von der ich als Kind nie zu träumen gewagt hätte. Es war ein Privileg, mit erstklassigen Trainern und fantastischen Mitspielern zusammenzuarbeiten. Sicher wird es mir fehlen, nicht mehr vor 80.000 Fans zu spielen oder ein Tor zu schießen. Die letzten Monate ohne aktiven Fußball haben mir aber gezeigt, dass die Zeit reif ist, aufzuhören.

Ich freue mich jetzt auf ein neues Kapitel in meinem Leben und danke meiner Familie und all den großartigen Menschen, die mich gefördert, gefordert, begleitet und unterstützt haben. Sie alle haben großen Anteil an meinem Erfolg. «

Auf seiner Webseite bedankte er sich zudem bei seinen Fans und ließ dort seine Autoren in wenigen Worten seine fußballerische Vita skizzieren : »In seinen 17 Jahren als Profifußballer gab es zahlreiche Höhen und wenige Tiefen, mehr Siege als Niederlagen, mehr Freude als Enttäuschung. «


Die BILD notierte heute vom Ende des Unvollendeten, Zeit online vom Alphatier mit vielen Gegnern. Richtig da war etwas, trotz diverser deutscher und englischer Meistertitel und Pokalsiege war Ballack der große internationale Coup stets vorbehalten geblieben. Gern wurde Ballack als menschgewordenes Leverkusen karikiert. Jener kopfball- und schussstarke Weltklassekicker, dem im entscheidenen Moment stets der letzte Kick fehlte: Vize-Welt- und Europameister, unterlegener Finalist in der Champions League, WM-Dritter im eigenen Land. Doch war er das wirklich? Wie dem auch sei.Einen klanglosen Karriereausklang in den Weiten Amerikas oder Australiens hat sich Ballack unterm Strich, aus welchen Gründen auch immer, erspart. Hier sprach gestern good old Berti Vogts als so genannte Stimme der Vernunft bereits wahre Worte:

»Ich glaube, er hat erkannt, dass er nicht mehr für einen großen Club spielen kann. Sein Karriereende ist richtig. Was soll er in Australien? […] Ich hoffe, dass Michael dem deutschen Fußball erhalten bleibt - als Manager oder Trainer. Das traue ich ihm zu. Es wäre schade, wenn der deutsche Fußball ihn verliert. Er hat Großes für ihn geleistet. «

Unter Berti Vogts hatte der juvenile Ballack anno 1999 gegen Schottland sein erstes von 98 Länderspielen absolviert. Das tragische Ende dieses Lieds ist allerseits bekannt.



Was er nun machen wird? Ketzerische Karrierebetrachter Ballacks könnten nun grinsend fragen: Vielleicht, ab in den Urlaub?

Eine weitaus bessere Idee hatte da „Annettchen aus dem Erzgebirge“, eine Vertreterin aus Ballacks Fanschar, die dem Capitano zurzeit eifrig in dem Gästebuch seiner besagten Webseite salutiert. Ja und „Annettchen aus dem Erzgebirge“ schrieb ihm sozusagen mütterlich ins Stammbuch:

Ich gebe Dir einen guten Rat, mach den Trainerschein, übernehme den CFC, ganz Chemnitz würde Hurra schreien.“

Warum auch nicht? Von Chemnitz in die weite Welt des Fußballs. Das ist dem Capitano schon einmal gelungen…

Donnerstag, 29. Dezember 2011

Uns Berti

Was macht eigentlich, Berti Vogts? Berti Vogts posiert mit versonnenem Blick in grünem Jersey und grünen Shorts an einem Strand. Die Wellen wogen im Hintergrund. Das Bild wirkt, und es wirkt paradox. Berti Vogts, ob seiner Bissigkeit „Terrier“ gerufen, steht tatsächlich leicht verloren am  Strand der Copacapabana, dem Strand der Ballzauberer do Brazil.

Was ich beschreibe, ist das Titelbild eines biographischen Bildbandes aus den Siebzigern, der seinen Namen trägt. Unglaublich aber wahr. Ob es wohl viele Kicker mit eigenen Bildbänden gibt? Vielleicht David Beckham, Eric Cantona oder gar Pelé ? Ich weiß es nicht.


Jedenfalls fiel mir der angestaubte Schinken nun wieder in die Hände. Sozusagen pünktlich zu Bertis  morgigen 65. Geburtstag, der für andere den formellen Eintritt in die Rentenalter markiert. Die Glückwünsche und mehr oder minder wohlwollende Abrisse aus Bertis Vita werden durch den Medienwald rauschen. Doch lassen wir ihn einfach gebührend hochleben: Ehre, wem Ehre gebührt! Berti, als kleiner, eisener Rechtsverteidiger eher Antagonist des eleganten Stils seiner Gladbacher Borussia , galoppierte mit den „Fohlen“ zu fast allen Titeln, die sich in den wilden Siebzigern gewinnen ließen: fünf Meisterschaften, einem Pokalsieg, zwei Siegen im UEFA-Cup und wurde gar zweimal Fußballer des Jahres.

In seiner Paraderolle des zuverlässigen Kämpfers avancierte Berti im erfolgreichen 74er WM-Endspiel zu einem der Schlüsselspieler, indem er dort den großen Johan Cruyff für fast 90 Minuten an die Leine legte. Oder wie der englische Guardian später lobte, Deutschland habe das Mittel gegen Cruyff gefunden: Berti Vogts. Dazu war er 1972 und 1996 Europameister. Beim EM-Titel anno 96 war Berti Bundestrainer, den sein „Eigengewächs“ Olli Bierhoff per „Golden Goal“ ermöglicht hatte. Es war übrigens der letzte Titel, den ein Bundestrainer geholt hat.


Die ZEIT schrieb Ende der Siebziger einmal über Vogts: „Vom Typ her einem Uwe Seeler ähnlich: dieselbe Energie, dieselbe Willenskraft, dieselbe vorbildliche Berufsauffassung.“ In ein ähnliches Horn blies Hans Blickensdörfer, Autor des genannten Bildbandes, und traf den richtigen Ton, was Vogts Rolle angeht: „Im Vergleich mit Beckenbauer ist er eigentlich ein Antistar und käme sich im Smoking neben Franz wie ein Pinguin vor.“

Was bleibt? Eine bisweilen absurde öffentliche Wahrnehmung, als wäre Berti in der Loddar-Ecke zu Hause. Wir erinnern uns alle an die vielen Verballhornungen, denen sich der „Terrier“ wie weiland den Dribblings von Cruyff & Co. stellen musste. Ja, und wir schmunzelten vor allem in seiner Zeit als Bundes-Berti über steife Reaktionen, seltsame Interviews, mokante Schlagzeilen und krude TV-Auftritte. Ja und wir werden uns gleich auf die Schenkel klopfen, wenn wir die feine Ironie empfinden, die es hat, dass ausgerechnet Bertis langjähriger Gefährte Rainer Bonhof einst ein biographisches Büchlein mit dem sagenhaften Titel „ So habe ich mich durchgebissen“ veröffentlicht hat.

Nichtsdestotrotz der bodenständige Berti ist ein „Terrier“ , beißt sich durch und geht seinen Weg - notgedrungen als Weltenbummler in Kuwait, in Schottland oder Nigeria. Raus aus der Loddar-Ecke. Mittlerweile ist er im fernen Aserbertischan Aserbaidschan gelandet und scheint auf seine Art angekommen. Nicht irgendwo, sondern in seiner neuen und alten Paraderolle als Entwicklungshelfer, Nachwuchsförderer gepaart mit seinen uweseelerhaften, urdeutschen Eigenschaften.

Mal sehen, ob sich bis zu seiner Rente noch einer seiner größten Wünsche erfüllt. Demnach will Berti im Mutterland des Fußballs zumindest einmal einen Klub trainiert haben. Und eigentlich kann es - gemäß dem Highlander-Motto - dort nur einen geben. Das drittklassige nordenglische Traditionsklübchen Huddersfield Town, das auf den Spitznamen „The Terriers“ hört. Ob dies ein später Wink des Fußball-Gottes ist?

Schließlich ereignete sich im Fußball-Mutterland Bertis wohl schönster Augenblick als Trainer. Denn besagten 96er EM-Triumph feierte Berti, indem er sich in Wembley vor den deutschen Fans in der Kurve und damit auch symbolisch vor den Fans vor den Bildschirmen mit minutenlanger ausgelassener Laola verneigte. Es ist bis heute übrigens einer der wenigen magischen Momente, die ich gemeinsam mit good old Berti verlebte. Er wirkte nicht wie ein Pinguin, sondern wie einer von uns. Er war kein Geringerer als „Uns Berti“…