Die Bayern gastieren heute im Bremer Weserstadion. Werder versus Bayern. Schauen wir einmal zurück. Denn de schönsten Geschichten schreibt noch immer der Fußball. Es ist am 1. Juni 1991 gewesen, als eifrige RTL-Reporter meinungsstarken Werder-Anhänger ihr Mikrofon vor die Nase hielten. Am drittletzten Spieltag jener Saison 1990/91 gastierte der 1. FC Kaiserslautern im Bremer Weserstadion und musste dort triumphieren, um den FC Bayern München als größten Rivalen im Kampf um die Meisterschale weiterhin in Schach halten zu können.
Gesagt getan, dank zweier Treffer von Guido Hoffmann und Markus Schupp drehte Kalli Feldkamps Lauterer Elf noch die zuvor durch einen gewissen Klaus Allofs herausgeschossene Bremer Führung in einen 2:1-Sieg. Zwei Wochen später stemmte die heute nur noch zweitklassigen Lauterer die Schale in den Händen und zeigten den Bayern eine lange Nase. Glaubt man jenen vor dem Mikrofon so meinungsstarken Werderanern wird ihnen dies genauso wie die zuvor erlittene Heimniederlage nicht allzu viel ausgemacht haben. Die Meinungen über den bajuwarischen Rekordmeister sind zeitlos und bestehen, ob mit oder ohne Ballonmütze, vermutlich noch ewig vor...
Heute Abend ist Anpfiff der 55. Bundesligasaison. Karl-Heinz »Charly« Körbel ist Rekordspieler der Bundesliga und hält diesen Rekord mit 602 Einsätzen
seit nunmehr zwei Dekaden. Eintracht Frankfurts Klubikone , der einst eisenharte Vorstopper, wird ihn wohl auch auf ewig verteidigen. »Der Libero« wartet nun mit zehn Schlaglichtern aus Körbels stolzer Karriere auf, die im Oktober 1972 mit juvenilen 17 Jahren begann und im Mai 1991 mit fast 37 Jahren endete.
1. Körbel wird »der treue Charly«
genannt. Schließlich absolvierte der gebürtige Dossenheimer offenbar aus der besten uweseeler'schen Schule stammend sämtliche
seiner Bundesligapartien im Trikot seiner Frankfurter Eintracht. Körbel
war auf dem Rasen als Vorstopper zwar gefürchtet, galt aber stets
als tadelloser Sportsmann. Unlängst berief die Eintracht ihr Klub-Idol zu
einem ihrer Ehrenspielführer. Das Klub-Maskottchen, ein Adler, heißt im Übrigen auch weiterhin Attila (nach Attila Pfaff) und nicht wie die WELT einmal verkündete, Charly...
2. Sein Bundesligadebüt absolvierte Körbel mit zarten 17 Jahren gegen den FC Bayern, als Eintracht-Trainer Erich Ribbeck ihn im Oktober 1972 mit der Manndeckung eines gewissen Gerd Müller betraute. Müller, der in der Saison zuvor gigantische
40 Treffer erzielt hatte, sollte zwar auch gegen Körbel einmal einnetzen, sah sich
aber ansonsten von dem Vorstopper-Novizen abgemeldet. Nicht nur deshalb gewann die Eintracht mit 2:1.
3. Wie Körbel einmal den 11Freunden im
Interview anvertraute, blieb Gerd Müller in den folgenden Jahren einer
seiner erklärten »Lieblingsgegenspieler«, da der »Bomber der Nation« sich gegen
Körbel mit dem Tore schießen überaus schwer tat. Der sonst
eher wortkarge Müller soll vor späteren Duellen mit dem eisenharten Körbel
mal geflucht haben: »So eine Scheisse, schon wieder gegen dich«.
4. Nur drei Jahre nach Körbels bestechendem Debüt sollte der kicker
einmal mit Körbel auf dem Cover seiner Montagsausgabe schlagzeilen: »Ein Mann
mit Zukunft – Körbel kann sie alle ausstechen«. In der Nationalelf gelang dies
Körbel allerdings nicht so wie prophezeit. Körbel absolvierte zwar 1974/75 als damals
20-jähriges Talent sechs Länderspiele, kam aber an dem
arriviertem Welt- und Europameister »Katsche« Schwarzenbeck nicht vorbei. Der Legende nach soll hierfür unter anderem der damalige
Kapitän der Nationalelf, Franz Beckenbauer, mitverantwortlich gewesen sein. Denn dem »Kaiser«,
behagte die offensive Spielweise Körbels offenbar nicht und goutierte gegenüber Bundestrainer Schön seinen Putzer »Katsche«. Bekanntlich überquerte dieser selten die
Mittellinie und hielt dem als Libero nicht minder offensiven »Kaiser« in verlässlicher Manier den Rücken frei.
5. Von Körbels offensiven Qualitäten profitierte indes seine Eintracht zweimal in besonderem Maße - ganz im Gegensatz zur Nationalelf . Anno 1975 triumphierte man etwa dank Körbels Siegtreffer im Pokalfinale von Hannover über
den MSV Duisburg. An gleicher Stelle spielte Körbel 14 Jahre später erneut Schicksal, als er seine Eintracht mit einem Kopfballtor in der Relegation gegen den 1. FC
Saarbrücken vor dem drohenden Zweitligaabstieg bewahrte. Letzteren Treffer
bezeichnete Körbel später einmal als den wichtigsten seiner Karriere.
6. Den wichtigsten Titel seiner Karriere holte Körbel unterdessen 1980, als Frankfurt den
UEFA-Pokal gegen Borussia Mönchengladbach errang. Daneben gewann Körbel
insgesamt vier Mal den DFB-Pokal (1975, 1976, 1981, 1988). Beim letzten
Pokalsieg fungierte Körbel als Eintracht-Kapitän und ist damit bis heute der letzte
Spielführer der Hessen, der einen Titel in die Höhe stemmte. Der Gewinn
einer Meisterschaft blieb Körbel verwehrt.
7. Anders als ein offizielles Abschiedsspiel, das 20 Jahre nach Körbels Bundesligadebüt im Waldstadion gegen den FC Bayern stieg, der aber dieses Mal ohne Gerd Müller antrat. Sein letztes Bundesligaspiel bestritt Körbel anno 1991 beim FC St. Pauli, wo er am 33. Spieltag vom gnadenlosen Berliner Referee Prengel wegen eines Allerweltsfouls die vierte Gelbe Karte
kassierte und zum großen Frankfurter Verdruss beim Saisonfinale im heimischen Waldstadion gesperrt war.
8. Ein Jahr später, als Frankfurt am letzten Spieltag der Saison 1991/92
in Rostock kurz vor dem Gewinn der Meisterschaft stand, wäre Körbel übrigens beinah zu einem
Comeback gekommen. Wäre nicht Frankfurts damaliger Cheftrainer
Dragoslav Stepanovic gewesen, der davon absah, das zum Assistenztrainer avancierte Klub-Idol im Ostseestadion einzuwechseln. Frankfurt unterlag dem späteren Absteiger mit 1:2 und verlor in einem Herzschlagfinale die Meisterschale an den VfB Stuttgart. Körbel bekundet noch heute:
»Mit mir wären wir Meister geworden, denn ich habe noch nie ein Finale verloren.«
9. Besagter Assistenztrainer seines Leib- und Magenvereins blieb Körbel noch einige Jahre und
half zudem Mitte der 90er mehrmals als Interims-Trainer aus. In die Saison
1994/95 führte der »treue Charly« seine Eintracht gar als offizieller Chefcoach, aufgrund großer Abstiegsgefahr musste er aber im Frühling 1996 seinen Hut nehmen. Das brachte indes wenig, da die Eintracht trotz
Nachfolger Stepanovic kurz darauf erstmals aus der Bundesliga abstieg. Hiernach wurde Körbel seiner Eintracht übrigens gleich zweimal untreu,
als er sich auf Cheftrainer-Stippvisten bei den damaligen
Zweitligisten VfB Lübeck und FSV Zwickau einließ.
10. Seit längerer Zeit ist Körbel seiner Eintracht gottlob aber wieder treu. Inzwischen
fungiert er als Berater des Eintracht-Vorstands und leitet die klubeigene
Fußballschule, die er 2001 gegründet hat. So richtig los, kommt der »treue Charly« von seiner Eintracht vermutlich nie.
Olé! Heute Abend geht es wieder los. In München wird um halb neun die 53. Bundesligasaison angepfiffen. Wie pfiffig, dass sich die Spieltagsplaner ausgerechnet den ewigen Klassiker zwischen Rekordmeister Bayern München und dem HSV, dem amtierenden »Relegationsmeister«, als Auftaktpartie ausgeknobelt haben. Mehr Pep geht kaum, zumal der einstige Nord-Süd-Gipfel eher ein Nord-Süd-Gefälles darstellt, weshalb das Duell zwischen beiden Klubs fast über einen gewissen Pokalcharakter verfügt. Ein Sieg des guten, alten HSV würde diesem nicht nur gut tun, sondern wäre zurzeit wohl eine mittlere bis größere Sensation.
Schließlich schleppt der Hamburger Sportverein, wie Gerhard Delling ihn so gern nennt, derweil wahrlich einen Rucksack voller Sorgen mit sich herum. Da wäre das peinliche Pokal-Aus beim viertklassigen FC Carl-Zeiss Jena und natürlich der »Rucksack-Gate« rund um Hamburgs glücklos wirkenden »Direktor Profifußball« Peter Knäbel, inklusive der in einem Hamburger Park verstreuten Gehaltsunterlagen aus Knäbels gestohlenem Rucksack. Wie blöd für Knäbel, dass selbst dessen Wikipedia-Eintrag jene Rucksack-Affäre mit einem eigenen Absatz würdigt. Abgerundet wird die Chaos-Woche vom verschmitzten Schnack über die falschen Fan-T-Shirts mit Fan-Choreograhie von Hertha BSC. Wie die Süddeutsche feststellte, steckt der Hamburger Sportverein eindeutig in der »Häme-Falle«.
Um die Bayern ist es indessen nach ihrer Supercup-Niederlage in Wolfsburg vergleichsweise wie verdächtig ruhig geworden. Ob dies für die Hanseaten ein gutes Omen sein kann, wird sich zeigen. Schließlich holten sich die Rothosen bei den Bayern zuletzt fünf derben Schlappen mit einem Torverhältnis von 3:31 ab. Bruno Labbadia fordert jedenfalls einen »Sahnetag« seiner Kicker in dem zelebrierten Eröffnungsspiel. Der große Uwe Seeler hofft indessen in dem einen Interview, dass sein HSV bei den Bayern nicht untergeht und in einem anderen, dass sich sein HSV auf der richtigen Bahn befindet. Gern würde man »Uns Uwe« glauben.
Wie wunderbar, dass der HSV trotz seines Rucksacks voller Sorgen dieser Tage zumindest kein Torwartproblem zu beklagen hat. So wie fast auf den Tag genau vor 28 Jahren. Zum Auftakt der Saison 1987/88 trat der HSV weiland als amtierender DFB-Pokalsieger im Münchner Olympiastadion an, unterlag mit 0:6 und stellte der Bundesliga einen gewissen Mladen Pralija als neuen Stammtorhüter vor. Wie fein, dass sich HSV-Edelfan Dittsche noch immer ganz gut an den tapferen Torsteher aus Split erinnern kann...
Es war Anfang der Woche, als HSV-Boss Dietmar Beiersdorfer Mirko Slomka als HSV-Trainer entließ und den zuvor weithin unbekannten Josef Zinnbauer »bis auf Weiteres«als nächsten HSV-Trainer ernannte. Jene Berufung verband Beiersdorfer mit dem Auftrag an seinen bisher so erfolgreichen U-23-Trainer, bei der anhaltend schlingernden Rothosen-Elf »neue Impulse zu setzen und diese zu emotionalisieren« .
Josef Zinnbauer, der vorgeblich ob seines guten Auges für Talente »Juwelen-Joe« gerufen werden soll, dürfte bereits am Donnerstag nicht schlecht gestaunt haben. Denn für seinen Auftrag bekam er eher unverhoffte Hilfe vom traditionsreichen kicker. Schlug man die Seite 16 jener Donnerstagsausgabe auf, fand sich eine Bundesliga-Tabelle vor, aus der der bis dato unabsteigbare HSV - jawoll - tatsächlich getilgt war. Oha, welch pikantes Präsent für HSV-Legende Charly Dörfer. Denn Uwe Seelers einstiger Flankengott wurde ausgerechnet an jenem Donnerstag 75.
Das schlug selbstverständlich hohe Wellen, weshalb sich auf Twitter sich hierzu in der Folge ein interessanter Austausch zwischen dem gelassen reagierenden HSV und dem Sportmagazin entwickelte. Unterhaltsam garniert wurde das Ganze vom St.Pauli-Fanzine Der Übersteiger, das neckisch wie launig zwitscherte, dass der HSV in jener donnerstäglichen kicker-Ausgabe selbst in der Zweitligatabelle nicht zu finden sei.
Wie löblich, dass sich der kicker beim HSV sofort für die Tabellentilgung entschuldigte und zu diesem Anlass gar das naheliegende Sprichwort »Totgesagte leben länger« aus der Schublade kramend wie pfiffig zum Besten gab. Die Bundesliga-Uhr des HSV läuft also wieder einmal weiter.
Sorry, @HSV. Super Reaktion! Totgesagte leben länger.
— kicker - Bundesliga (@kicker_bl_li) 18. September 2014
»Juwelen-Joe« Zinnbauer dürfte dies alles - wie schon angedeutet - vor seinem Debüt als Bundesliga-Coach durchaus gefreut haben. Braucht er für seine »emotionalisierende« Ansprache vor dem Bayern-Gastspiel wohl einzig jene Tabelle in die Kabine hängen. Vorausgesetzt, Lasogga und Kollegen werfen überhaupt noch einen Blick auf diese. Jetzt muss der wankende Bundesliga-Dino heute ab halb Vier eigentlich »nur noch« gegen die hochfavorisierten Bayern punkten . Alt-HSVer Franz Beckenbauer glaubt jedenfalls daran. Darüber dürfte sich gewiss nicht nur Jubilar Charly Dörfel freuen. Selbst »Uns Uwe« hätte seinen HSV betreffend »bis auf Weiteres« und der Abwechslung halber mal eine Sorge weniger. Wie notierte der kicker? Totgesagte leben länger...
Die einen finden Otto gut. Wie etwa der DFB, der Otto Rehhagel noch im April für sein Lebenswerk geeehrt hat. Kritische Geister hielten Rehhagels Nibelungentreue zum Libero, zur kontrollierten Offensive und anderen typischen Merkmalen der »Ottokratie« eher für antiquiert. Mal formulierten die von Otto oft ungeliebten Medien seinen Nachnamen in »Titelhagel« um, etwa angesichts diverser Triumphe mit Düsseldorf, insbesondere Werder Bremen oder auch Kaiserslautern. Anno 2004 mischte die BILD auch noch »Rehakles« darunter, als der gebürtige Essener mit den Griechen Europameister wurde und als neben BILD viele andere die Akropolis wackeln sahen.
Doch, nicht nur Rolf Töpperwien wird sich erinnern: Otto ward auch schon mal »Torhagel « gerufen. Jaja, ein verschmitztes Lächeln wird sich jetzt auf die Lippen jener Zeitgenossen setzen, die an die denkwürdige 0:12-Pleite von Borussia Dortmund gegen äußerst torhungrige Gladbacher Fohlen am letzten Spieltag der Saison 1977/78 zurückdenken.
Es war die höchste Niederlage, die jemals ein Bundesligist kassierte - allein ein gewisser Jupp Heynckes schenkte dem BVB, der von Rehhagel trainierte wurde, im Düssendorfer Rheinstadion gleich fünf Stück ein. Es war übrigens damals für beide das letzte Spiel. Für Heynckes als Stürmer auf dem Rasen und auch für Rehhagel als BVB-Coach, der nach diesem unglückseligen Nachmittag des 29. April '78 seinen Hut nehmen durfte.
Das ist gewiss lange her, so wie jene dunkle Stippvisite Rehhagels beim FC Bayern Mitte der Neunziger. Nicht so lang zurück liegt indessen Ottos finaler Abstecher zur Hertha, doch auch den vergessen wir mal lieber.
Eher nicht vergessen werden soll nun der Auftakt in die mit Spannung erwartete 52. Saison der Bundesliga, gerade einmal sechs Wochen nach dem Gewinn des Weltmeistertitels von Rio. Am 1. Spieltag reisten ausgerechnet Rehhagels Werderaner nach Berlin und stibitzten der Alten Dame nach einem 2:2-Remis immerhin einen Punkt. Vielleicht hat das »Kind der Bundesliga« gar zufällig auf der Ehrentribüne des Olympiastadions gesessen. Doch sei es drum.
Um den Anpfiff in die Saison gebührend zu feiern, folgen nun fünf Zitate Rehhagels, die zuvor aus der Vitrine geholt und selbstredend manierlich abgestaubt wurden: 1. »Jeder kann sagen, was ich will.«
2. »Wichtig ist auf’m Platz, alles andere ist Kokolores.«
3. »Modern ist, wenn man gewinnt.«
4. »Mit 50 bist Du als Fußballtrainer reif für die Klapsmühle. Wenn Du genug Geld verdient hast, kannst Du wenigstens erster Klasse liegen.«
5. »Wir spielen am besten, wenn der Gegner nicht da ist.«
Zum Schluss hat sich »Der Libero« an dem typischen Rehhagel-Pfeifer mit dem kleinen gekrümmten Finger probiert. Dies zwar leider nur mit bedingtem Erfolg. Aber dennoch, nach wie vor kann gesagt werden: »Der Libero« findet Otto gut!
Ich gebe zu: selten wirken Relegationspartien auf mich anziehender als das Pokalendspiel samt seines Brimboriums. In diesem Jahr ist dies anders, obwohl sich der BVB und die Bayern in Berlin duellieren und das Ganze längst zum deutschen »Clásico«hochgejazzt wurde. Zweifellos liegt dies am HSV, dessen letzter Titelgewinn bereits 27 Jahre her ist und der zur Kompensation sein gefährdetes Etikett »Bundesliga-Dino« längst wie einen Titel führt. Denn beim großen HSV werden nach dem Abpfiff in Fürth nicht unbedingt alle Lichter ausgehen, aber immerhin könnte wegen des drohenden Abstiegs seine Bundesliga-Uhr stehenbleiben.
Nach dem torlosen Relegationshinspiel gegen die forschen Franken tat sie dies zwar bereits. Aber nicht, weil dem Fußball-Gott Blitze schlagend die Geduld mit den Seeler-Erben ausging. Eher, weil das HSV-Stadionmanagement vergaß, eine schnöde Zeitschaltuhr abzuschalten. Nun tickt sie weiter, die Uhr. Dennoch liest man seitdem ausufern darüber, wie anhand der schlimmen Symbolik das böseste aller Omen für den HSV heraufbeschworen wird - der Abstieg.
P.S.: Für alle Omen-Beschwörer: Unsere BL-Uhr wird jede Nacht durch eine Zeitschaltuhr energiesparend ein- & ausgeschaltet. #nachfragenhilft
— Hamburger SV (@HSV) 16. Mai 2014
Das gute Omen wäre demgegenüber auf Seiten der Fürther zu Hause. Denn rund um den Ronhof wäre da - augenzwinkernd gesagt - noch die Sache mit der Kleeblattkultur. Laut Wikipedia hat man in Fürth jenes Kleeblatt in nahezu allen Wappenvariationen der Klubhistorie untergebracht. So wie es in der weiten Welt des Fußballs in den Emblemen von Rot-Weiß Oberhausen, den Shamrock Rovers und Celtic Glasgow zu finden ist. Und folgt man der Symbolik dieser Kleeblattkultur, müsste Fürth nur so vom Glück gesegnet sein.
Liest man dieser Tage die forschen Kommentare von Fürths Trainer Kramer hört sich dies jedenfalls schon einmal so an. Kramer will heute Abend mit einem Heimsieg, wie er auf den Busch klopfend sagt, »den Deckel draufmachen« auf den Bundesligaaufstieg. Führt Fürth recht rasch könnte sich beim HSV sicher eine Art Abstiegspanik breit machen. Doch irgendwie sagt mir mein Bauchgefühl, dass es dem HSV trotz des sagenhaften Slomka'schen Auswärtsfluchs, der Fürther Kleeblattkultur, des bösen Uhren-Omens undsoweiter gelingen wird, sich mit einem knappen 1:1-Remis am Bundesliga-Strohhalm festzuhalten.
Ist es etwa ein Zeichen, dass Slomka - aus dem Polnischen ins Deutsche übersetzt - tatsächlich Strohhalm, heißt? Und wer weiß, ob diesem Diekmeier in Fürth einmal eine dieser berühmt-berüchtigten Bananenflanken der Kaltz'schen Art gelingt, die dieser Lasogga in rabiater Hrubesch-Manier unter den Fürther Torbalken wuchtet. Das ist schon alles überaus spannend. Oder ist der bisher unabsteigbare HSV am Ende doch so unsinkbar wie einst die Titanic?
Der HSV und die Bundesliga. Das ist zweifellos eine lange Geschichte, deren traurig-tragisches Ende sich dieser Tage abzuzeichnen droht. Da hierzu derweil genügend Beiträge durch den Blätterwald rauschen, soll es folgend um einen besonders klingenden Namen aus der HSV-Historie gehen, dessen Autogrammkarte mir nun überraschend in die Hände fiel.
36 Jahre, die man ihr auch ihr durchaus ansieht, ist die Karte alt. Kevin Keegan war just zu Europas Fußballer des Jahres 1978 avanciert. Auf der Rückseite jener Keegan'schen Karte, deren Druck die vertreibende Firma von »Deutschlands meistgekauftem Dextrose-Komprimat« beauftragt hat, werden übrigens Keegans Fähigkeiten im Werbesprech der wilden 70er aufgezählt. So wird Mr. Keegan im Anklang an die damaligen Stars etwa gehuldigt:
»Er ist unermüdlich wie Uwe Seeler, torbegabt wie Gerd Müller und beliebt wie ein Volksheld. 90 Minuten lang rennt er, kämpft er, schießt er mit nimmermüder Energie [...]«
Früher war sicher nicht alles besser. Aber manche Dinge ändern sich halt nie. Wie zum Beispiel - allen taktischen Ausrichtungen der Happel'schen oder Pep'schen Prägung zum Trotze - die skizzierten zeitlosen fightenden Fertigkeiten für die Protagonisten der Rasenrechtecke dieser Welt. Dem guten, alten HSV ist zu wünschen, dass Van der Vaart, Westermann und die weiteren 2014er Rothosen am Samstag in Mainz ebenfalls kämpfen wie einst Keegan.
Denn - Hand aufs Herz - eine Bundesliga ganz ohne seinen Dino sprengt doch ehrlich gesagt meine Vorstellungskraft. Und UnsUwe möchte ich auch nicht unbedingt mit hochrotem Kopf in Mainz bitterlich weinen sehen. Dazu will ich als Werder-Daumendrücker, nun mit mächtig Augenzwinkern gesagt und hanseatisch-kühl kalkuliert, selbstredend auch nicht auf jene wichtigen sechs Punkte verzichten, die für Werder zuletzt gegen den HSV pro Saison garantiert drin waren...
Nach der lang ersehnten Bundesligarückkehr von Eintracht Braunschweig liest man derzeit immer wieder geradezu fußballromantische Zeilen über die Eintracht. Da macht es beinah selbst kaum etwas,dass die Eintracht auf der Bielefelder Alm im DFB-Pokal längst die Segel strich und sich ausschließlich auf den Klassenerhalt konzentrieren kann. Derlei Begrüßungsgirlanden für Braunschweig interessierten im 11Freunde-Interview kürzlich Harald Schmidt eher weniger, der vielmehr eine Sottise über den Deutschen Meister von 1967 zum Besten gab:
Die Schmidt'sche Chuzpe dürfte für das Bundesliga-Gründungsmitglied indes durchaus als Anerkennung zu verorten sein. Schließlich sind die Braunschweiger Jungs nach 28 Jahren zurück in der Bundesliga - am Ziel lang gehegter Träume. Da lässt sich solch Spöttelei durchaus verkraften. Bekanntlich hält es »Dirty Harry« mit dem VfB Stuttgart und den Bayern. Was die Eintracht angeht, lässt sich allerdings augenzwinkernd durchaus sagen, dass sie anders als »Dirty Harry« immerhin bei jedem Auftritt vor heimischem Publikum über 20.000 Zuschauer vorzuweisen hat, viel bissiger unterwegs ist und längst wieder aus den Untiefen der vorläufigen Versenkung aufgetaucht ist.Apropos, etwas Ähnliches widerfuhr vor Kurzem selbst Eintracht Braunschweigs wohl berühmtesten, wenn auch nicht erfolgreichstem Kicker.
Erfolgreicher, das war gewiss jene fabulöse 1967er Generation um Trainer Walter Johannsen, die die Meisterschale an die Hamburger Straße holte. Doch hier soll nun von Paul Breitner die Rede sein, den wir alle wohl überaus erstaunt letztmals bei den Festivitäten vor dem Champions League-Endspiel beobachtet haben, wie er recht rüstig in seinem Ritterkostüm über den heiligen Rasen von Wembley huschte. Jener Breitner ließ sich anno 1977 von Real Madrid nach Braunschweig lotsen und stellt dank der damaligen Ablösesumme von 1,6 Millionen Mark, also rund 800.000 Euro, bis heute den Rekordtransfer der Eintracht dar.
Kürzlich und damit über drei Dekaden später hatte die Eintracht den Norweger Vilsvik an der Angel. Für den eher unbekannten Rechtsverteidiger von dem norwegischen Klübchen Strømsgodset IF soll Braunschweig satte 1,2 Millionen Euro als Ablösesumme geboten. Dem Vernehmen nach soll die Verpflichtung auch kurz vor dem Abschluss gestanden haben. Allerdings platzte der Transfer des Norwegers, der in Berlin aufwuchs, aus eher nebulösen Gründen in letzter Minute. Angeblich soll sich der Defensivkicker des Klubs aus Drammen ob der sportlichen Perspektive beim Deutschen Meister von 1967 nicht ganz sicher gewesen sein.Wie dem auch sei, das hat Rolf Töpperwiens Lieblingsklub sicher in keiner Weise verdient.
Was Breitner angeht, bleibt dessen Transfer in den Braunschweiger Annalen übrigens nun weiter als Rekordtransfer verbucht. Schenkt man den schlauen Schreibern des Online-Portals von ntv Glauben, dann wäre es Breitner auch dann geblieben, wenn Vilsvik keine kalten Füße bekommen hätte. Demnach rechneten jene schlauen ntv-Schreiber ihren Lesern vor, dass eingedenk der Inflation seit 1977 Breitners Ablösesumme heute stattliche 1,8 Millionen betrüge und den für den Norweger aufgerufenen Betrag weithin übertroffen hätte. Hört! Hört! An Paule Breitner, ob mit oder ohne Rüstung,kommt halt niemand so leicht vorbei.
So oder so bleibt Breitner damit Gewinner dieser kleinen Transferepisode und wird den Braunschweiger Jungs nach zwei unglücklichen Auftaktniederlagen am 3. Spieltag gegen die andere Eintracht aus Frankfurt hoffentlich ebenso wie »Der Libero« die Daumen drücken. Geschlossen werden soll dieser Beitrag nun mit jenem finalen Satz, mit dem Breitner sich nach nur einer Saison von seinen Eintracht-Teamkollegen - der Legende nach reichlich Zank, Zwist und Zinoba - verabschiedet haben soll: »Ich tue euch jetzt einen Gefallen und gehe.«
Euphorische Eintracht herrschte am Samstagabend in Braunschweig. Erstmals nach 28 Jahren mischte der Meister von 1967 wieder in der Bundesliga mit. Als Gast an diesem Auftaktspieltag der 51. Bundesligasaison sah der Spielplan Werder Bremen vor, weshalb nicht nur Eintracht-Edelfan Rolf Töpperwien rasenden Beifall geklatscht haben dürfte.
Eintracht und Braunschweig und Werder haben fürwahr einiges gemeinsam. Beide sind Traditionsklubs aus dem Norden, Gründungsmitglieder der Bundesliga, stemmten mindestens einmal in ihrer Historie die Salatschüssel gen Himmel und segelten vor einer guten Woche mehr oder weniger blamabel aus der 1. DFB-Pokalrunde. Obendrein nannte Franz Beckenbauer die Eintracht und Werder in einem Atemzug, nicht etwa in höchsten Tönen lobend - der »Kaiser« stufte beide als erste Abstiegskandidaten ein. Schaun 'mer mal, ob sich das »Kaiser-Orakel« irgendwann als Geschwätz von gestern herausstellen wird.
Anders bei den Braunschweiger Jungs gab es bei Werder in den letzten Monaten eher weniger Jubelarien - außer vielleicht den kürzlichen 75. Geburtstag von Werders Trainer-Legende Otto Rehhagel, wie manch tapfere Twitterin aus dem Werder-Kosmos einwarf.
Da wir z.Zt. nichts zu feiern haben, feiern wir halt König Otto. Herzl. Glückwunsch zum Geburtstag :D #werderhttp://t.co/lWgVS8O7mO
— Kata (@KatarinaWerderf) August 9, 2013
Selbst Rehhagels einstiger Musterstürmer Wynton »Kiwi« Rufer befand in der WELT, dass Werders »goldene Zeiten« vorbei seien. Doch am Samstagabend kam es anders. Im Stadion an der Hamburger Straße war die euphorische Eintracht nach dem Schlusspfiff abgeebbt - dank Zlatko Junuzovic, der acht Minuten vor dem Ende aus 14 Metern Werders durchaus überraschendes Siegtor einnetzte und die Serie von 14 sieglosen Pflichtspielen endlich beendete. Kein Wunder, dass Junuzovic nach Werders von ihm zum »dreckigen Dreier« deklarierten Auftaktsieg befand, er »hätte zehn Stunden vor der Kurve schreien können«.
Wie wunderbar, dass Werder seinen ersten Dreier gleich in einem gefühlten »6-Punkte-Spiel« eingesackt und good old »König Otto« damit ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk bereitet hat. Denn für mich war »König Otto« augenzwinkernd gesagt nicht ganz unbeteiligt am Bremer Auftakterfolg. Denn am Samstagvormittag trudelte gerade noch rechtzeitig vor dem abendlichen Anpfiff eine alte Rehhagel-Autogrammkarte in meinem Briefkasten ein. Und seither behaupte ich, einem gewissen Aberglauben durchaus ergeben, recht kühn, dass die Karte mit »König Otto« Werder in Braunschweig ganz gewiss Glück gebracht hat.
Hoffentlich wird sie dies auch an den weiteren 33 Spieltagen im Kampf gegen das böse »Kaiser-Orakel« tun. Zum Beispiel am kommenden Samstag, wenn der FC Augsburg im Weserstadion gastieren wird. Wie jener Rehhagel wohl solch abergläubische Absonderlichkeiten a la »König Otto« versus »Kaiser-Orakel« findet?
Da sich auf diese Frage schwerlich eine Antwort finden lässt, lassen wir wohl am besten eine typische Rehhagel'sche Weisheit aus seinem zeit- wie endlosen Zitatenschatz sprechen: »Wichtig ist auf'm Platz, alles andere is' Kokolores...«
Was hat uns das Aktuelle Sportstudio in 50 Jahren nicht alles beschert? Augenzwinkernd gesagt: Äffchen und abgerissene Perücken, Schalke 05, eine legendäre Bahnhofsuhr-Ouvertüre und nicht zuletzt Wolf-Dieter Poschmann. Und die »Torwand der Nation«, wie sie die WELT heute nennt. »Drei unten, drei oben«, so lautet die mystische Ansage der Damen und Herren Moderatoren, infolge derer die Sportstudio-Gäste zum Finale eines jeden Sportstudios losschießen. Sigi Held war übrigens am 5. Februar 1966 der erste Torwandschütze, da die am 24. August 1963 gestartete Sendung in ihren Anfangsjahren fürwahr ohne Torwand auskam.
Günter Netzer, Rudi Völler, Frank Rost oder auch der 1990er Weltmeister Günter Herrmann trafen gleich fünfmal ins Schwarze - ganz zu schweigen vom »Kaiser«, der bei einem seiner gefühlt tausend Sportstudio-Besuche viermal und weiland gar von einem Weizenbierglas traf. Dass die Wand einmal umgekippte, ist mir nicht bekannt. Dafür aber, dass die »Torwand der Nation« gar einmal abgeschafft werden sollte. Wie gut, dass der ansonsten so honorige Hanns-Joachim Friedrichs damals mit seinem verwegenen Ansinnen nicht durchkam.
Mancher moderner Meckerer mag zwar meinen, das Sportstudio habe seine besten Tage hinter sich und sei ein Relikt vergangener Zeiten. In den heutigen hypermedialen Zeiten lässt sich dies sicher nicht gänzlich von der Hand weisen. Erst recht, nachdem Dieter Kürten in Rente ging und Michael Steinbrecher leider in der heutigen Jubiläumssendung seinen letzten Auftritt haben wird. Doch was wäre ein Samstagabend mitten in der Bundesligasaison ohne Torwand und Sportstudio? Das Sportstudio, nun genauso alt wie die Bundesliga, gehört einfach dazu - zum Samstagabend, zur Bundesliga. Es wäre vielleicht wie eine Bundesligapartie ohne Ball.
»Der Libero« gratuliert dem Aktuellen Sportstudio, klatscht Beifall und legt seinen geschätzten Lesern den folgenden Geburtstagstusch ans Herz. Es war anno 1979, als Kevin Keegan sich zum britischen Barden aufschwang und im Sportstudio die Bühne sowie einen Schoß eines weiblichen Fans fand, um der geneigten Weltöffentlichkeit, untermalt von der Playbackmukke von »Smokie«, seinen Song »Head over Heels in Love« zu präsentieren. Indeed, ein krachender Klassiker aus der Geschichte des Aktuellen Sportstudios.
Wer genau hingehört hat: fast noch rühriger als Keegans Singsang war die Ansage Dieter Kürtens. Denn der Sportstudio-Ikone gelang es in putzigster Art und Weise, dem geneigten Sportstudio-Gucker die süßholzraspelnde Botschaft des Keegan'schen Schmachtfetzens gehaltvoll zu soufflieren: »Es bedeutet dem Sinne nach auf Deutsch: ein Mann und eine Frau, die sich lieben, stellen fest, dass die Liebe noch intensiver sein könnte. Und es heißt übersetzt so viel wie Hals über Kopf oder bis über beide Ohren in Liebe versunken.«
Das waren sie, die wilden Siebzigern des Aktuellen Sportstudios. Ich gebe zu, an diesem einen legendären Samstagsabend hätte man ausnahmsweise wohl keine Torwand gebraucht...
Werder steht nach zehn sieglosen Spielen das Wasser bis zum Hals. Drei Spieltage vor dem Saisonende ist Werders weiland üppiges Polster auf den Relegationsrang auf zwei Pünktchen und five points auf den ersten Abstiegsrang geschmolzen. Zeitweise kann man sich daher als Werder-Daumendrücker vor nett gemeinten Hinweisen kaum retten, wonach Werder und damit einem selbst bald Montagabends stets ein Livespiel garantiert sei. Bei manch spöttelndendem HSV-Fan hilft zwar dann und wann noch immer ein Papierkugelwurf, doch so ist das halt....
Rund um das Weserstadion machen sich daher nicht etwa Auflösungserscheinungen breit. Denn hinter Schaafs strauchelnder Herde steht, wie diese Tage unzweifelhaft, zeigen eine grün(-weiße) Wand. Dies begann offenkundig in Leverkusen, als Werders Kicker und Thomas Schaaf während und nach der dortigen Niederlage von den mitgereisten Werderanern frenetisch unterstützt und gefeiert wurden. Ich habe es schon kürzlich geschrieben, nicht nur ein Hauch von ››You'll never walk alone‹‹ nach Werder-Art wehte am diesem Samstag durch die BayArena.
Doch, es wird noch besser! Das wunderbare Werder-Blog «Worum» startete nun die Initiative «ALLEz Grün!». Alle Werder-Fans sind dazu aufgerufen, in den beiden Abstiegsendspielen heute gegen Hoffenheim sowie am nächsten Samstag gegen Eintracht Frankfurt im Weserstadion grüne Kleidung zu tragen, um Werders Arena in ein grün(-weißes) Farbenmeer zu verwandeln. Tradition allein schützt bekanntermaßen vor Abstieg nicht, Zusammenhalt schon.
Dieser famosen Aktion, die derzeit allerorten ihre verdiente Würdigung findet, schließe ich mich als langjähriger Werder-Fan gerne an. Wie man vielleicht erkennen wird, erscheint «Der Libero» daher seit gestern weitaus grüner als zuvor, das heißt: mit grünen statt schwarzen Post-Überschriften und auch die blaue Farbe im Logo sowie in der Navigationsleiste wurde (zumindest bis zum Saisonende) durch grüne ersetzt. Dazu ist das Aktionslogo nun ebenso in der Seitenleiste zu finden. Denn grün ist die Hoffnung! Also an alle Werder-Fans, Kutten-und Schalträger oder Daumendrücker: unterstützt Werder und bekennt Farbe!
Bevor ich diesen Beitrag schließe, möchte ich noch kurz zurückschauen. Zum einen auf ein mögliches gutes Omen für die Partie gegen Hoffenheim. Denn vor 25 Jahren, also am 3. Mai 1988, errang Werder dank eines 1:0-Triumphes bei der Frankfurter Eintracht die erste Deutsche Meisterschaft unter Otto Rehhagel.
Zum anderen soll nun Rehhagel höchstpersönlich mit einer seiner angestaubten Weisheiten zitiert werden, die sich dank ihrer Zeitlosigkeit wunderbar auf Werders Situation und die erwähnte tolle Initiative übertragen lässt. König Otto sprach ehedem:
„Wenn ich heute Kapitän bin und das Schiff sinkt, müssen alle helfen. Dann kann doch der Koch nicht kommen und sagen: 'Ich kann nur die Bratpfanne halten.“
Jawoll Otto, recht hast Du! In diesem Sinne: «ALLEz Hopp!», ähm,«ALLEz GRÜN!»
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Wann wird Werder wieder wunderbar? Noch nie holte Werder nach 31 Spieltagen weniger als die aktuell errungenen 32 Punkte, ganze zwei Zähler sind es noch zum Relegationsplatz. Dank der ärgerlichen 0:1-Niederlage in Leverkusen, begünstigt durch einen fragwürdigen Elfmeter, ist Werder mittlerweile seit zehn Partien ohne Sieg. Mittlerweile dürfte wohl jeder Werderaner den zweiten Bundesligaabstieg seit 1980 so heftig fürchten dürfte wie ein HSV-Anhänger die schmerzliche Erinnerung an eine gewisse Papierkugel.
Doch anstatt zu pfeifen oder sich in wütende Schmähungen zu ergehen, feierten die mitgereisten gut 3.000 Werder-Fans Schaafs Elf und Schaaf selbst bis weit nach dem Abpfiff mit Sprechchören in Dauerschleife a la ››Olé, olé, Werder Bremen, olé!‹‹. Das führte dazu, dass die strauchelnden Werder-Kicker, die zuvor aufopferungsvoll gekämpft hatten, und Schaaf fast eine Stunde nach Spielende noch einmal aus der Kabine in die Kurve liefen und sich vor ihrer singenden Wand in grün-weiß klatschend verneigten. Es hatte jedenfalls etwas von ››You'll never walk alone‹‹ nach Werder-Art.
Kicker Online erkannte in den Ereignissen gar einen ››Grün-weißen Klima-Wandel‹‹, während auf der Werder-Webseite sich hingegen etwas von einem ››Grün-weißen Schulterschluss‹‹, lesen lässt oder dass es ››Klick‹‹ gemacht habe. Rechtzeitig vor den finalen Saisonpartien gegen Hoffenheim und Frankfurt im Weserstadion sowie in Nürnberg scheinen die die Grün-Weißen also ihre Reihen zu schließen.
In diesen drei Abstiegsendspielen wird Thomas Schaaf, dessen Denkmal nach 14 Trainerjahren zuletzt gewaltig gewackelt hatte, wieder vor Werders Bank stehen. Dank dieses kollektiven Leverkusener Erweckungserlebnises sollte man Werder trotz des bedrohlichen Abwärtstrends wohl noch nicht zu früh abschreiben. Kleinere oder größere Wunder haben an der Weser bekanntlich eine ähnliche Tradition wie die Nibelungentreue zum Cheftrainer.
In ihrer lesenswerten aktuellen Ausgabe küren die 11Freunde in einer Galerie der Eisenfüße die 50 härtestesten Kicker der Welt. Beißer aus Britannien wie Vinnie Jones oder Billy Bremner, der irre Ire Roy Keane, „die Axt“ Uli Borowka oder auch „Iron Maik“ Franz dürfen da nicht fehlen.
Alles soweit so gut für Freunde des robusten, archaischeren Kicks. In diese veritablen Top 50 der größten Grätscher konnten es da natürlich nicht alle Eisenfüße aus dieser weiten Welt des Fußballs schaffen: „Terrier“ Berti Vogts, Jürgen Kohler oder „Knochen-Jochen“ Kientz sind etwa nicht vertreten. Auch nicht die Bayern-Legende Franz Roth. An Letzteren wird Der Libero nun, mal wieder ganz nostalgisch, erinnern.
Franz Roth, den nannten sie bei den Bayern nur „Bulle“. Gewiss, die glorreiche Zeit der Bayern in den 70ern war eng mit der Achse Maier-Beckenbauer-Müller verbunden. Doch jener „Bulle“ Roth, das heute 66-jährige Kraftpaket aus dem Unterallgäu mit dem knüppelharten Schuss, war auch stets mittendrin. Etwa, als Roth in gleich drei Europapokal-Endspielen entscheidend für seine Bayern traf. Man könnte glatt meinen, die Bayern hätten Roth zu Ehren sich einst Die Bullen genannt oder ihm den Slogan Die Bullen kommen gewidmet. Doch wie man so liest, ist dies keine wehmütige Tributbezeugung, daran war der Sponsor Magirus-Deutz der Bayern Anfang der 80er Schuld.
Paule Breitner sagte einmal über seinen Bazi Spezi, Roth habe eine „irrsinnige Kraft und „Wadl wie andere Oberschenkel“ gehabt. Und Bayerns Bulle sorgte offenbar nicht selten für schlotternde Knie. Angeblich verspürten Wolfgang Overath oder Günter Netzer gar tagelang Panik, wenn ein 90-minütiges Duell gegen jenen bajuwarischen Bullen bevorstand. Selbst dem juvenilen Uli Hoeneß machte der „Bulle“offenbarBange, so dass Hoeneß sich an den Trainingsalltag der Bayern Anfang der wilden 70er einmal mit Schaudern erinnerte:
„Ich habe mir früher im Training Schienbeinschützer angezogen, weil ich wußte: Wenn der Franz 'Bulle' Roth sauer auf mich ist, dann fegt der mich auf die Aschenbahn. Das Training war für mich Überlebenskampf - und ich habe mich dabei wunderbar entwickelt.“
Seine Karriere ließ Roth übrigens unter anderem bei Casino Salzburg ausklingen. Aus wortspielerischem Blickwinkel tat die Bayern-Ikone dies in der Mozartstadt sicher gute 30 Jahre zu früh. Nomen est omen. Denn solch ein „Bulle“ Roth stünde Casino Salzburgs gesichtslosem Nachfolgeklub Red Bull sicher nicht nur auf dem Spielberichtsbogen ganz gut zu Gesicht. Oder wie sagt man im Red Bull'schem Sprech? Freilich, Flügel verleihen...
In alternativer Fassung ist der Beitrag bereits in dem Fußball-Blog Thor Waterschei erschienen.
Manni Kaltz gehört zum altehrwürdigen HSV genauso wie die
„Bananenflanke“ zu ihm selbst. Die ewige Sentenz von „Kopfball-Ungeheuer“ Horst
Hrubesch haben wir natürlich im Ohr, die sein
einstiges Wirken mit Manni Kaltz sozusagen flankiert: „Ich sach‘ nur zwei Worte: Manni
Bananenflanke, ich Kopf - Tor“. Der Anlass für die Kaltz’sche Huldigung?
Der „Bananenflankenkönig“ wird 60 und Der LIBERO gratuliert.
Was hat Kaltz bei seinem HSV nicht alles erlebt. Pinke Trikots, viele Eigen-
und noch mehr Elfmetertore, Trainer von Kuno Klötzer, Ernst Happel bis Gerd-Volker
Schock, Kevin Keegan, Flanken über Flanken. Und natürlich die Glanz & Gloria-Ära des
HSV, als im Hamburger Volkspark in den 70er und 80ern drei Meistertitel, zwei Pokalsiege und gar
zwei Europapokaltriumphe gefeiert werden konnten. Bemerkenswert: bei jedem Titel des HSV seit der
Bundesliga-Gründung war Kaltz mit von der Partie. Auch in der Nationalelf machte er den „Rothosen“ in 69
Länderspielen zumeist Ehre, wurde etwa 1980 Europameister und zwei Jahre später Vize-Weltmeister. 1977, nachdem Franz Beckenbauer in der
Nationalelf abdankt war, nahm Kaltz des Kaisers Position als Libero ein, erntete aber meist Skepsis. Selbst DER SPIEGEL fragte sich seinerzeit, ob Kaltz der
richtige Nachfolger für Beckenbauer sei und
damals zitierte einen gewissen Hennes Weisweiler. Der hatte geunkt, bei der kommenden WM 1978 werde man erkennen, dass Kaltz einen besseren rechten Verteidiger
als Libero abgeben werde. Und der weise Weisweiler behielt recht: jenes Experiment bei
der WM in Argentinien scheiterte. Spätestens, als der Österreicher Hans Krankl
„Manni, den Libero“ vor seinem berühmten Cordoba-Tor ausgetanzte. Wie dem auch sei.
Ernst Happel dürfte sich
im Grabe umdrehen, würde er miterleben, wie der „HaEsVau“ seinen
Rekordspieler Manni Kaltz rund um dessen Jubiläumstag beehrt. Nämlich kaum, da biegt sich förmlich die „Bananenflanke“. Heute etwa ist auf der HSV-Homepage ein kompakter Gratulationsartikel zu
erkennen, der mit 159 Wörtern (inkl.
Überschrift) nicht mal so viele Wörter enthält wie Kaltz einst Bundesligaspiele absolvierte. Das waren stolze 581 in 19 Jahren, ausschließlich für den HSV.
Der Bundesliga-Dino
verewigte Kaltz zwar auf dem Walk of Fame der
HSV-Legenden rund um das einstige Volksparkstadion. Aber ansonsten? Von einer Geburtstagsgala ganz zu schweigen, hat Kaltz selbst bis heute noch immer kein Abschiedsspiel erhalten. Ebenso wird auch
seine legendäre Rückennummer Zwo munter weiter vergeben. Ob der
HSV seine neue Stadionuhr, die die ewige Bundesliga-Zeit des Dinos in der HSV-Arena anzeigt, demnächst nach Kaltz benennen könnte? Vermutlich: Fehlanzeige.
Was
bleibt ist ein Interview, welches der als Schweiger bekannte Kaltz nun flankierend zu
seinem Jubiläum gab. Dort analysierte er den Zustand seines HSV beinahe so
messerscharf wie er weiland seine Flanken schlug: der HSV habe kein
System und sei von einer Meisterschaft meilenweit entfernt. Auch da biegt sich die „Bananenflanke“…
Eintracht Braunschweig? Hört, hört! Ist frisch gekürter Herbstmeister in der 2. Bundesliga. Trainer Torsten Lieberknecht mahnt zwar zur Bodenständigkeit und Manager Marc Arnold preist die Drucklosigkeit der Eintracht. Doch längst träumt der treue Anhang des Bundesliga-Gründungsmitglieds nach fast drei quälenden Dekaden von der Rückkehr ihrer gelbblaue Giganten in die Bundesliga.
Kein Wunder, nachdem die ungeliebten Nachbarn Hannover 96 und VfL Wolfsburg ihrer Eintracht zuletzt deutlich den Rang abgelaufen haben. Ausgerechnet Felix Magath, damals noch VfL-Schleifer, war es übrigens, der nach furiosen fünf Eintracht-Auftaktsiegen in die neue Saison bereits munter Öl ins sich rasch entfachende Braunschweiger Bundesligafeuer gegossen hatte. Das sehe schwer nach Aufstieg aus, unkte Magath, als habe er eine Glaskugel neben seiner obligatorischen Tasse Grünen Tee stehen...
Eintracht Braunschweig: auf den ersten Blick scheint Paul Breitner
bekanntester Kicker in der langen Historie des niedersächsischen Traditionsklubs zu
sein. Treue wie zuweilen fanatische Fans könnten indes andere Helden auf dem Zettel haben. Etwa
Torwart-Idol Bernd Franke oder den späteren Bayern-Kicker Wolfgang Dremmler. Oder Protagonisten aus dem annus mirablis der
Ostniedersachsen 1967. Damals feierte die Eintracht ihre erste und einzige Deutsche Meisterschaft. Trainer war seinerzeit der knorrige Helmuth Johannsen, der seine
Kicker um Kapitän Joachim Bäse, Stürmer Lothar Ulsaß oder Torsteher
und Eintracht-Rekordnationalspieler Horst Wolter unter anderem dank feinster Rochaden am Taktiktisch
bis zur Salatschüssel führte. Wie erinnerte sich Wolter einmal: „Als die andere Vereine schon in tollen Glitzertrikots aufliefen, trugen
wir noch die alten Baumwoll-Hemden, die im Regen immer kleiner wurden.“
Es muss jene Zeit gewesen sein, die die Liebe des ehedem
rasenden ZDF-Reporters Rolf Töpperwien zur Eintracht erblühen ließ und die trotz einiger
Achterbahnfahrten durch die Ligen Zwo und Drei bis heute Bestand. Selbst für Töppi gilt offenbar: Liebe kennt keine Liga! Wie sich in Töppis Autobiographie nachlesen lässt, sollte ihm seine beschriebene Zuneigung sogar einen gewissen Karriereschub bescheren. Noch als Sportstudio-Praktikant will er etwa in der montäglichen Redaktionssitzung der ZDF-Reporter, der sogenannten „Elefantenrunde“, die samstägliche Eintracht-Reportage des
einst arrivierten ZDF-Reporters Gerd Krämer derart kaltschnuzig seziert haben, dass er in einem der nächsten
Eintracht-Heimspiele selbst das Mikrofon in Händen halten sollte. Töppi machte halt keiner was vor. Fast wie Paul Breitner, der nachwies, dass neben Töppi ein zweiter Lockenkopf für Zwietracht rund um die Eintracht sorgen konnte.
Braunschweigs damaliger Platzhirsch Günter Mast hatte Breitner anno 1977 von Real Madrid zur Eintracht gelotst, was ihm der streitbare 74er Weltmeister zwra mit stolzen zehn Treffern im gelben Dress mit dem Hirschkopf auf der Brust dankte. Doch rund um Breitner gab es aber offenbar ebenso viele Breitseiten, womit Breitners einjährige Stippvisite beinah im Abstieg gegipfelt wäre. Torwart-Idol Bernd Franke erinnerte sich einmal in einem 11 Freunde-Interview mit den wenig erstaunlichen Worten, Breitner habe alle verrückt gemacht und sei als Eigenbrötler kein einfacher Typ gewesen. Die Etablierten, so Franke, seien nicht bereit gewesen, „auch nur einen Meter mehr zu laufen“, sofern Breitner den Ball nicht genau in den Fuß gespielt habe.
Mit den Worten „Ich tue euch jetzt den Gefallen und gehe“, soll Breitner sich dann zurück zum FC Bayern verabschiedet haben. Apropos FC Bayern und verabschiedet? Da war im Übrigen noch etwas. Denn der
Rekordmeister stellt nach wie vor den letzten Bundesliga-Gegner der
Eintracht dar.
Es war im Juni 1985, als Augenthaler, Matthäus und Kollegen im
altehrwürdigen Eintracht-Stadion an der Hamburger Straße dank Dieter Hoeneß goldenem Tor mit 1:0 triumphierten und danach mit der
„Saltschüssel“ in den Händen ihre Meisterschaft feierten. Paule Breitners Stiefel hingen da übrigens schon längst am berühmten Nagel...
Seit Donnerstag ist Felix Wolfgang Magath nun
in Wolfsburg Geschichte. Hat es eigentlich auch rund um die
Wolfsburger Meisterschaft anno 2009 derart viel Bohei gegeben wie nun um seine
Entlassung? Was einen kaum verwundert: nach dem Niedergang
der letzten Wochen mit Magath hat man in der Autostadt kaum einen der wenigen Wölfe aufheulen
hören. Dafür soll es in
dem 35 (?) Mann starken VfL-Kader so
manch Kicker geben, denen seitdem regelrechte Medizinbälle vom
Herzen gefallen sein sollen.
Magath kehrte im März 2011 als gefeierter Held zum VfL zurück und ging 1.251
Tage, nachdem er die Meisterschale mit den Wölfen gewann, buchstäblich
als einsamer Wolf. Gewissermaßen erlebte Magath in Wolfsburg
sein Waterloo, das ihn beinah in jenem März 2011 auf Schalke ereilt hatte. Wie damals auf Schalke sind nun auch in Wolfsburg die Tage gezählt, an denen seine Kickern den „Mount Magath“ sozusagen zum Kotzen
finden und ihnen ob der HSV-Legende die Knie schlottern wie den Piraten in den
Asterix-Comics vor den schlagkräftigen Galliern.
Bekanntermaßen wird,
wie schon im Frühjahr 2010, Lorenz-Günther Köstner interimsweise das Magath’sche
Trainer-Zepter, zumindest für das heutige Bundesligagastspiel bei Fortuna Düsseldorf und das Pokalspiel am Mittwoch gegen den FSV Frankfurt zu übernehmen. Köstner kündigte unlängst an, mit seinen Spielern reden und herausfinden zu wollen, wie die Mannschaft ticke. Hört, hört! Soft Skills sind nun beim VfL wieder gefragt. Die WELT
schreibt hierzu:
„Der frühere Unterhachinger und Kölner Bundesligatrainer
ist nun vorerst die nächste Lösung für den VW-Versuch, die Konzerntochter VfL
auf Erfolg zu trimmen. Nach anderthalb Jahren Magath mit 37 Transfers für gut
71 Millionen Euro, ständigen Personalrochaden zwischen Spielfeld und Tribüne,
Ausmusterungen und minimaler Kommunikation mit den Spielern ist die
Verunsicherung groß.“
Der 60-jährige
Köstner ist ansonsten Trainer der zweiten Mannschaft des VfL und besiegte mit seinem viertklassigen Regionalligateam zuletzt vor 220 Zuschauern 3:1
gegen die einstige Zweitliga-Trutzburg SV Meppen. Unterdessen sind beim VfL Wolfsburg schier unvermeidlich große Lösungen wie Bert van Marwijk oder Bernd Schuster im Gespräch. Doch wer meint, Köstners auf den
ersten Blick etwas unscheinbares Profil mangele es, sagen wir einmal, an erhabenen Erlebnissen in der großen,
weiten Welt des Fußballs, der irrt! Folgende fünf Fakten über
Köstner dürften hier Licht ins Dunkel bringen.
1. Mit
Borussia Mönchengladbach wurde
Köstner etwa 1975 Deutscher Meister und gewann gar den UEFA-Pokal, auch
wenn der damalige Mittelfeldspieler damals eher in der zweiten Reihe der „Fohlen“
stand.
2. In
der zweiten Reihe buchstäblich stehend lässt sich auch Köstners größter
Erfolg als Trainer verorten. Köstner assistierte vor 20 Jahren einem gewissen Christoph Daum, der den
VfB Stuttgart 1992 in einem denkwürdigen Saisonfinale zum Meister machte.
3. Köstners
schwärzeste Trainerstunde schlug indes beim 1. FC Köln. Ausgerechnet im Jahr des 50-jährigen
Vereinsjubiläums ging Köstner als jener tragischer Trainer in die
Annalen des Bundesgründungsmitglieds ein, der mit dem stolzen
Effzeh erstmals abstieg.
4. Ein
ähnliches Schicksal sollte Köstner später nochmals mit der SpVgg
Unterhaching erleiden. Allerdings darf sich Köstner ebenso als der Trainer
des vor den Toren Münchens ansässigen Klübchens bezeichnen lassen, der zunächst mit der SpVgg in die Bundesliga aufstieg und sie dort stolze drei Jahre lang mit Glück und Geschick hielt.
5. Während seines ersten Engagements im Frühling 2010 als Interimscoach des VfL rettete
Köstner den damals amtierenden Meister immerhin vor dem
Abstieg, führte ihn bis ins Viertelfinale der Europa League und ist seitdem übrigens der erfolgreichste Trainer in der 15-jährigen Wolfsburger Bundesligahistorie: mit einem profunden Punkteschnitt von 1,73.
Der HSV und die Bundesliga - eine
schier ewige Geschichte. Das scheint ebenso für den HSV und Rafael van der
Vaart zu gelten. Der Eindruck entsteht jedenfalls, sofern man die vergangenen
Wochen Revue passieren lässt. Rafael van der Vaart ist bekanntlich zurück an
der Elbe, auch dank Investor Kühne, der den klammen Rothosen bei dem Transfer
seines Wunschspielers mächtig unter die Arme griff. Seither herrscht beim Bundesliga-Dino in Agonie fürwahr Euphorie.
Am ersten Wochenende, nachdem die VdV-Verpflichtung
ausgerufen worden war, sollen nicht weniger als 3.000 VdV-Trikots mit seiner 23 über die
Ladentheken gegangen sein. Euphorischere Zeitgenossen erkannten in dem
Mittelfeldkicker gar den größten HSV-Zugang seit Kevin Keegan, regelrecht
ekstatische HSVer preisen van der Vaarts messianische Strahlkraft. Selbst der kicker legte seine Nüchternheit kurz ab und pries Van der Vaart erst Donnerstag als Messias. Und siehe
da: als der HSV neulich im Nordderby Werder Bremen unterlag, thronte der
holländische Hoffnungsträger nebst Gattin auf der Tribüne des Weserstadions und schien weitaus öfter im Kamerafokus gewesen zu sein als seinen strauchelnden Gefährten in roten Hosen.
Wie eine Stimme der Vernunft klang da kürzlich Günter
Netzer, als der einstige Manager des Bundesliga-Dinos in einer Kolumne mahnte,
Van der Vaart sei kein Heilsbringer. Kein vernünftiger Mensch könne glauben,
dass ein einziger Spieler auf Knopfdruck eine ganze Mannschaft verändern werde.
Und bei der Gelegenheit. Was ist eigentlich mit jenen Wechseltheatern, für die Van
der Vaart den HSV während seines ersten HSV-Gastspiels auf
die Bühne zog? Ähnlich interessant wie Netzers Mahnung ist hier auch die andere
Hamburger Perspektive. Also, was denkt eigentlich ein St.Pauli-Anhänger über den Transfer? Der
LIBERO hat nachgefragt bei Frodo vom FC St. Pauli-Fanzine »Der Übersteiger«, der die Umstände des Transfers kritisch kommentiert:
„Es ist erstaunlich, wie
die Vergangenheit verklärt wird. Das Foto mit dem Valencia-Trikot und sein Satz
"Wenn ich in Hamburg bleiben müsste, dann
hätte ich Schmerzen."
wären für mich ausreichende Gründe, ihn nicht mehr für meinen Klub auflaufen
sehen zu wollen. Aber vielleicht ist es ja auch gerade deswegen eben nicht
"mein" Klub. Auch die vor Wochen noch lautstark geäußerte Abneigung
gegenüber Kühne wurde von vielen jetzt schnell wieder über Bord geworfen.
Schlußendlich wird der sportliche Erfolg zeigen, ob es die richtige
Entscheidung war. Spannend darüber hinaus natürlich noch die Situation, wenn er
denn vor Vertragsende wieder wechseln will. Sowohl menschlich/moralisch, wie
dann von Seiten des Vereins und der Fans mit ihm umgegangen wird, als auch
finanziell, da Kühne da ja weiterhin eingebunden ist.“
Der juvenile van der Vaart hatte es sich zwischen 2005 und 2008
zur Gewohnheit gemacht, gern mit Wechseln zu Klubs in die ganz große
Fußball-Welt zu kokettieren und ließ sich
bisweilen gar in Trikots seiner Wunschklubs abknipsen. Doch vielleicht ist der
AbvanderVaart tatsächlich Schnee von gestern und hat sich bei Real
Madrid und Tottenham seine Hörner abgestoßen.
Ungeachtet all dessen, scheint für viele HSVer der „letzte König des HSV“ zurückgekehrt zu sein. Schließlich wirbelte der torgefährliche Holländer anno 2007 schon
einmal auf Augenhöhe mit dem großen Uwe Seeler, als Van der Vaart Seelers Torrekord von annodazumal
einstellte. VdV traf seinerzeit in den sieben Auftaktpartien seiner bis dato letzten HSV-Saison
2007/2008 jeweils einmal. Ob er es wieder tut? Vielleicht fängt VdV bereits bei seinem morgigen HSV-Comeback im Gastspiel bei Eintracht Frankfurt damit an. Fürwahr, das könnte wie Baldrian auf den besorgten Uns Uwe wirken und wäre tatsächlich fast wie »auf Knopfdruck«...