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Dienstag, 9. September 2014

Mit vollem Ernst in die Landesliga

Was macht eigentlich, Fabian Ernst? Der Routinier kickt wieder. Das nicht nur bei Ailtons Abschiedsspiel, sondern bald in der Landesliga beim OSV Hannover. Lange Zeit war es ruhig um den ehemaligen 24-fachen Nationalspieler geworden, der Mitglied des Doubleteams 2004 von Werder Bremen war und hinter Johan Micoud in Werders Mittelfeldraute die Fäden zog. Mittlerweile 35 Jahre alt hängte Ernst, der in seiner Zeit bei Besiktas Istanbul den schaurigen Spitznamen „deutscher Panzer“ verpasst bekam, seine Stiefel an den Nagel. Angeblich, weil, bei seiner letzten Station in der Türkei - bei Kasimpasa Istanbul - die Lust am Kicken zu verlieren drohte und sich mehr seiner Familie widmen wollte.

Längst zurück in seiner Heimatstadt Hannover holte Ernst, der zuvor einige Angebote höherklassigerer Klubs ablehnte, die Treter nun doch noch einmal vom Nagel. Und zwar, als ihm Biniam Hadera in der U32-Traditionself von Hannover 96 ein Comeback bei jenem von ihm trainierten OSV Hannover in der sechstklassigen Landesliga schmackhaft machen konnte.  Dem Traditionsklub aus Hannovers Osten gelang damit ein dieser Tage viel beachteter Transfercoup, zumal der weitgereiste, neue OSV-Star auf eine Gage verzichtet und sozusagen mit vollem Ernst seiner Lust am Kicken frönt. Garbsen statt Galatasaray oder Tündern statt Trabzonspor heißen nun Ernsts Gegner beim aktuellen Spitzenreiter der Landesliga Hannover.

Vor einer langen Achterbahnfahrt durch die Ligen rund um Hannovers Speckgürtel gehörte jener OSV im Übrigen zwischen 1979 und 1981 gar der 2. Bundesliga Nord an. Welch Zufall daher, dass sich  im Youtube-Kosmos aus jener Zeit ausgerechnet ein uralter Sportschauschnipsel finden lässt, der einem Gastspiel Werder Bremens beim OSV in der Saison 1980/81 berichtet.



Heimlicher Held des Schnipsels ist zweifellos  - und wird einigen nicht entgangen sein - der juvenil-verwegene Jörg Wontorra, der mit gewohnt sonorer Stimme das formidable und fast 34 Jahre alte Fundstück über das Duell von Ernsts einstigem und neuen Klub ansagt...

Sonntag, 21. April 2013

Quo vadis, Thomas Schaaf?

Werder-Daumendrücker, Nostalgiker der Wunder von der Weser und Jünger von Thomas Schaaf erleben in dieser 50. Bundesligasaison lange ungekannte emotionale Achterbahnfahrten. Im ansonsten weithin behaglichen Werder-Kosmos überschlagen sich geradezu die Ereignisse. Abstiegsangst und eine Gruppe von elf Einzelspielern mit einem Werder-Emblem auf der Brust, über die nach neun sieglosen Spielen nun so manch werderaffiner Twitterer postet:

Bei fünf Punkten Vorsprung auf den Relegationsrang vor noch vier ausstehenden Spielen bot der lange schon ratlos wirkende Thomas Schaaf nach der gestrigen 0:3-Heimpleite gegen den VfL Wolfsburg nicht nur seinen Rücktritt an.

Laut der WELT soll Werders Klubführung, allen voran Schaafs großer interner Fürsprecher Klaus-Dieter Fischer, den Daumen zu Ungunsten Schaafs nun gesenkt und die in diesem Leben für unmöglich gehaltene Erlaubnis zum Rauswurf von Werders Trainer-Ikone erteilt haben.

Gemäß dem Fall kann man nur hoffen, dass Willi Lemke und seine altvorderen Aufsichtsratskollegen nicht Thomas Eichin beauftragen, Otto Rehhagel als neuen und alten Heilsbringer aus dem Hut bzw. Ruhestand zaubern. Hertha ginge es wirklich nicht.

Mensch, hätte der einst heilige Thomas Schaaf weiland doch auf Werders Edelfan Jan Delay gehört. Delay hatte bereits vor einem Jahr in der Bremer Talkshow 3 nach 9, die übrigens noch länger im TV läuft als Otto Rehhagel und Schaaf Werders Trainerzeptner in Händen gehalten haben, folgenden Appell an Schaaf über den Äther geschickt:

Sonntag, 27. Januar 2013

Bratseth auf dem Bügel

Werder versus Borussia Dortmund: 0:5! Es war eine hilflose Bremer Herde, die Thomas Schaaf und Werder den Rückrundenstart Samstag vor einer Woche so richtig verhagelte. Die Verteidigung von Werders Boss Willi Lemke stand da tags darauf im Doppelpass gegenüber Jörg Wontorra, dem alten Werder-Tribun, und seiner Runde etwas besser.

Dort verteidigte Lemke mit Engelszungen und dunkelgrüner Krawatte seine Vereinspolitik und als eine Art Ein-Mann-Bollwerk den ewigen Thomas Schaaf. Nebenbei erinnerte Lemke den grinsenden Wonti an die guten, alten Bremer Tage der Otto-Rehhagel-Ära in den 80er und 90ern. Wontorra kommentierte seinerzeit Werders Partien noch in bizarren bunten Pullovern als Radio Bremen-Reporter. Willi Lemke war als Manager damals Ottos Verhandlungsreisender, um dessen Wunschspieler an Land zu ziehen.

So wie Werders legendären norwegischen Innenverteidiger Rune Bratseth, den Lemke nach eigenen Angaben für eine läppische Ablöse von 200.000 Mark von Rosenborg Trondheim an die Weser gelotst hatte und den er in Wontis Runde in nostalgischer Nonchalance gleich zu einem „der Weltbesten seiner Zeit“ adelte. Bratseth, zuletzt gar als Allofs-Nachfolger im Gespräch, war maßgeblich an den großen Erfolgen der Otto-Ära beteiligt: Zweimal Meister und Pokalsieger und anno 1992 gar Gewinner des Europacups der Pokalsieger.


An der Weser nannte man Bratseth den „Abwehr-Elch“. Bratseth zeichnete sich zwar nicht unbedingt durch Sprintstärke aus, dafür aber durch eine umsichtige, ruhige Spielweise. Taktisches Vermögen, gutes Kopfball- und Stellungsspiel sowie Führungsstärke rundeten das Portfolio von Ottos einstigem Abwehrchef ab. Als Werder-Daumendrücker habe ich übrigens in nostalgischem Gedenken an der einst von Otto proklamierten „kontrollierten Offensive“ seit Langem ein Bratseth-Trikot mit der obligatorischen Numero 4 auf dem Bügel hängen.

Gerade nach Werders Rückrundenauftakt und vor dem Gastspiel beim HSV scheint es mir mal wieder angebracht, es aus dem Schrank zu holen. Gewiss, solch ein ruhender Pol wie Bratseth würde Werders dümpelnder Defensive auch im Nord-Derby gut zu Gesicht stehen. Werder scheint zwar längst zum Angstgegner des Bundesliga-Dinos avanciert zu sein. Nach der bösen BVB-Pleite darf man aber vermutlich nicht unbedingt erwarten, dass dieser Schrecken weiterhin wirkt. Hoffnung macht da augenzwinkernk gesagt fast nur, dass Werder selbst in der letzten Saison beim HSV triumphierte, als Werder seine schlechteste Rückrunde ever hinlegte...

Als jener Bratseth vor 20 Jahren noch Werders „Abwehr-Elch“ gab, gelang es einmal, die Erben von „Uns Uwe“ mit 6:0 in die Knie zu zwingen und einen Spieltag später gar dem FC Bayern die Meisterschale vor der Nase wegzuschnappen. Etwas ältere Werderaner dürften sich daran sicher gern erinnern, auch wenn jene schöne Zeiten  längst vorüber sind. Doch ich gebe zu, an den tristen Tagen dieses Bremer Umbruchs ist es ganz wohltuend, wenn man diesen Spielfilm im nostalgischen Kopfkino immer wieder ablaufen lassen kann… 

Foto: der-libero.de 

Mittwoch, 26. September 2012

Tip Top Töpperwien

Was macht eigentlich dieser Rolf Töpperwien? „Töppi“ feiert heute seinen 62. Geburtstag. Gratulation! Die derzeitige „Englische Woche“ in der Bundesliga dürfte daher er wohl nur am Rande mitbekommen. Anders als früher, als Töpperwien mit seinem Mikrofon in der Hand die Seitenlinien bestürmte und Kicker und ihre Trainer mit seinen Fragen mehr oder weniger rasend machte.

Zwei Jahre ist es nun her, dass der „Vater aller Feldreporter“, wie die Frankfurter Rundschau ihn einmal nannte, nach seinem 1.444 Spiel in die verdiente Reporter-Rente ging, zwei Tage vor seinem 60-sten. Ja, und irgendwie vermisst man ihn. Trotz seiner anekdotenreichen wie zum Teil absurden Autobiographie, die er längst auf den Markt geworfen hat und die den typisch töpperwien’schen naiv-narzisstischen Subtext enthält: „Ich geiler Hengst, hab ‘se alle vor mein Mikro gekriegt...“.




Und so dann und wann geht „Töppi“ meist im Zweiten noch auf Sendung. Manchmal seziert er dort besondere Ereignisse im Fußball, indem er etwa bei Markus Lanz ohne Punkt und Komma zum Pyro-Thema seine damit gemachten Erfahrungen als Rampensau der Grasnarbe abfeuert. Auch im Sport1-Doppelpass durfte „Töppi“ bei Herrn Wontorra mit am Stammtisch sitzen und seine Meinungssalven abschießen, obschon sich „Wonti“ und  „Töppi“ nie richtig stehen sehen konnten.
Selbst im Sportstudio tauchte „Töppi“ vor kurzem wie aus heiterem Himmel vor der legendären Torwand auf, als ein gewisser Leon „Andröööösen“ wegen seines tollen Comebacks nach 28-monatiger Verletzungspause dort zu Gast war. Und da „Töppi“ aus diesem Anlass ja auch offenbar eingeladen worden war, betete er dem verdutzten Dänen gleich vor, wie man dessen Nachnamen richtig ausspricht. Da war er wieder:  Tip Top Töpperwien.Und machte auch vor der Torwand nicht Halt. Nicht, dass er etwa mitschießen durfte. Nein, Sportstudio-Lady Katrin Müller-Hohenstein durfte sich vor und nach dem munteren „Drei unten, drei oben“-Geschieße hilflos und mit rollenden Augen anhören, wie Töpperwien sich regelrecht an sich selbst ergötzte. Er ratterte gandenlos und wie aus der Pistole geschossen alle Torwandschützen der Sportstudio-Geschichte herunter, die mindestens fünfmal getroffen hatten.

Da bei „Töppi“ meist nicht weniger geht, ließ er sich kürzlich obendrein in der Sport-Bild als „weltgrößten Eintracht-Fan“ ausrufen. Damit nirgendwo eine Zwietracht entsteht. Die Rede ist von der Eintracht aus Braunschweig, die in der 2. Liga von Erfolg zu Erfolg eilt. Selbst ein gewisser Felix Magath im benachbarten Wolfsburg goss nach fünf Auftaktsiegen und einem Remis des Meisters von 1967 munter Öl ins auflodernde Erstligafeuer. Das sehe schwer nach Aufstieg aus, unkte Magath. Passend zu seinem 62. Geburtstag dürften „Töppi“ der Lauf seiner Eintracht und Magaths Glaskugelblickerei sicher gefallen.

Ob deshalb gleich mit ihm wie weiland an der Grasnarbe die Gäule der Euphorie durchgehen müssen? Nur, warum denn eigentlich nicht. Denn trotz sämtlicher Achterbahnfahrten der Eintracht durch die 2. und 3. Liga hat „Töppi“ seiner gelienbten Eintracht stets die Stange gehalten - ganz im Sinne des dieser Tage etwas abgedroschenen Mottos: Liebe kennt keine Liga! Und jetzt einmal ganz ohne Ironie gesagt. Auch das klingt verdächtig nach: Tip Top Töpperwien!