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Sonntag, 20. August 2017

Singing Sunday #8: Thierry Henry Song

Immer mal wieder sonntags präsentiert »Der Libero«  den »Singing Sunday«. Denn schließlich existieren im Fußball-Orbit einfach zu viele musikalische Preziosen von schönen Chants oder gar singenden Fußballern, deren herbe Stimmgewalt zuweilen jedem Shanty-Chor erstaunen lässt.

Chapeau, Thierry Henry. Der Franzose ist bei Arsenal eine lebende Legende. Anlässlich ihres 125-jährigen Klubjubiläums kredenzten die Gunners ihrem Rekordtorschützen bereits 2011 vor ihrer schmucken Arena in Ashburton Grove eine Statue. Henry, the King of Highbury, ist neben Tony Adams und Trainer-Idol Herbert Chapman der einzige, dem diese Ehre bisher zuteil wurde. Grinsende Fans vom Nord-Londoner Erzrivalen Tottenham, die in Henrys Denkmal eine veritable Taubentoilette sehen? Geschenkt. Schließlich wurde Henry, bis auf diesen einen trüben Moment im November 2009 in Dublin, stets hochverehrt. Hängen wir also einer Eloge der WELT nach, die weiland notierte:
»Mehr als nur Klublegende ist der Franzose in England auch einer dieser wenigen Spieler, die quer über Vereinsgrenzen verehrt werden. Seine fast mühelose Lässigkeit, seine Finesse vor dem Tor gaben dem Rackerfußball der Premier League eine aristokratische Note.«
Seine Stiefel hat Henry mit müheloser Lässigkeit unlängst an den Haken gehängt. Er verdingt sich mittlerweile nicht nur als TV-Experte, alldieweil er zudem als Assistenzcoach der belgischen Nationalmannschaft erste Schritte im Trainergeschäft macht. Am Donnerstag feierte Henry nun seinen 40. Geburtstag. »Der Libero« gratuliert, und zwar mit dem Thierry Henry Song, einem ganz und gar arsenalisierten Covers von »(Is This The way to) Amarillo«, der sich gesungen vom altvorderen britischen Barden Tony Christie zum Gassenhauer wurde. Oma und Opa sowie Reinhold Beckmann kennen den bestimmt noch. Song ab!
 

Freitag, 16. Mai 2014

#GunningForTheCup

Wembley Calling! Am Samstag steigt im Wembley-Stadion das Endspiel des seit 1871 im Fußball-Mutterland ausgetragenen FA Cups. Die Rollen sind dort klar verteilt: Hull City ist der Underdog, der FC Arsenal samt seines deutschen Quartetts um Mertesacker, Özil, Podolski und Gnabry der Favorit.  In der langen Historie des ältesten Pokalwettbewerbs der Welt ist Arsenal mit stolzen zehn Pokaltriumphen bei bisher 17 Endspielteilnahmen der zweiterfolgreichste Klub nach Manchester United. Die Medaille von Arsenals letztem FA Cup-Sieg anno 2005 gilt allerdings in der Pokalvitrine der Gunners als etwas angestaubt.
 
Denn seitdem konnten Arsenal und sein ewiger Coach Arsène Wenger keinen Titel mehr in den Londoner Norden holen. Um die gute alte Zeit seiner angestaubten Pokaltriumphe vor dem Endspiel gegen Hull wieder etwas aufleben zu lassen, ließ sich der Klub nun auf seinem Twitter-Kanal etwas Besonderes einfallen. Das Motto bzw. der Hashtag? #GunningForTheCup

Schier täglich werden dort titelhungrige Fans wie Follower mit fein aufbereiteten  historischen Häppchen von Arsenals vielen erfolgreichen FA Cup-Auftritten versorgt, inklusive Jubelfotos, einem Quiz und mehr oder minder subtiler Huldigung an Klub-Ikone Ray Parlour („It’s only one Ray Parlour“), auf der Insel weithin auch als „Pele of Romford“ bekannt. So wird etwa die Erinnerung an Arsenals ersten Pokalsieg 1930 gegen Huddersfield Town hochgehalten oder an den Endspielklassiker von 1979. Der ging als „Five-Minute-Final“ in die  FA Cup-Geschichte ein, bei dem Manchester United Arsenals 2:0-Führung dank später Tore in der 86. und 88 Minute ausglich, ehe die Gunners durch Alan Sunderlands Siegtreffer in Minute 89 das Blatt doch noch zu ihren Gunsten wendeten. Well, was ist schon das Drama des 1999er Champions League-Endspiels von Barcelona dagegen?
 
Erhabene Erwähnung findet auf Arsenals Twitter-Kanal ebenfalls Arsenals 2002er FA Cup-Sieg, als Arsenal  gegen Chelsea triumphierte. Wie schön für Arsenals Follower, dass auch jener Tweet mit der Frage „Were you there?“ (Waren Sie dabei?) garniert war.
Denn jene Frage zog ruckzuck die schreiend komische Replik von Chelseas damaligem Linksverteidiger Graeme Le Saux nach sich. Le Saux zwitscherte in etwa bitter-süß davon, dass er selbstverständlich dabei gewesen sei und am Ende auf dem Rasen liegend vor lauter Schock seinen Kopf in seinen Händen vergraben habe. Indeed, lang ist es her...
 
Für Arsenals morgigen Finalgegner Hull City ist indessen allein schon die erstmalige Finalteilnahme der größte Erfolg seiner FA Cup-Historie. Nur einmal standen „The Tigers“ kurz vor einem Endspieleinzug. Es war 1930. Hull scheiterte in zwei Halbfinalspielen damals, man kann es sich denken, an Arsenal. Es zeichnet sich wohl ein schlechtes Omen ab, dass nun ausgerechnet Arsenal in Wembley die Außenseiter von Hull City erwartet.

Derlei Omen und Orakel werden den „Gunners“ es gleich sein. Per Pokalsieg wäre die Saison gerettet, die schier ewige Wartezeit auf einen Titel beendet und die Pokalvitrine hätte wieder etwas Glanz gewonnen. Ob auf dem Twitter-Kanal oder auch sonst zählt am Samstag im Arsenal-Kosmos wohl nur ausschließlich: #GunningForTheCup…

Mittwoch, 21. August 2013

Audere est Facere

Mein lieber Herr Gesangsverein, schon mal von Andrew Magee und Ollie Smyth gehört? Nick Hornby und alle weiteren Arsenal-Anhänger sollten sich besser gleich ihre Ohren zuhalten. Denn die beiden erwähnten  kongenialen Briten sind  Fans von Tottenham Hotspur und setzten  ihrem Lieblingsklub aus dem Londoner Norden kürzlich ein kleines Denkmal.

Wie? Indem Magee und Smyth altvordere und aktuelle Spurs-Helden schmissig-schrullig in einem kleinen Tributsong besingen. Ja, und dieses wundervolle per Gitarre untermalte Liedchen, das Anleihen an Billy Joels »We did't start the fire« erkennen lässt,  dann einfach »Heroes in White & Blue« nennen. Sicher, sie singen offenkundig in der Spur eines gewissen Dave Henson, der zu Ehren seiner Lieblinge von Leicester City einmal einen Song mit dem selben Titel schmetterte. Wie dem auch sei, dank Magee und Smyth schien Tottenhams erhabenes Klubmotto selten mehr Takt zu besitzen: Audere est Facere. Es zu wagen, ist es zu tun.



Welche Hotspurs heroische 6 Minuten und 51 Sekunden lang so besungen werden? Surely, Paul Gascoigne, Darren Anderton, den einmaligen Tottenham-Topstar Diego Maradona, Robbie Keane, Glenn Hoddle, David Ginola und natürlich Gary Lineker, Pat Jennings und selbst Paul Stalteri (!). Nicht vergessen wurde ebenso Tottenhams Ryan Giggs-Erbe Gareth Bale. Für den walisischen Flügelflitzer gibt Real Madrid ja schier täglich ein neues Rekordangebot ab. Doch, wem in einem solchen Song eine derart königliche Huldigung erfährt. Wer wird sich denn da noch in Reals engem Haifischbecken eine Bahn mit Cristiano Ronaldo teilen wollen?

Last, but not least erhält auch das deutsche Tottenham-Trio Steffen Freund, Christian Ziege und Jürgen Klinsmann von Mr. Magee und Mr. Smyth den verdienten Tribut. Als wünschenswert hätte eine Nennung seines Namens sicher auch Lewis Holtby empfunden. Allerdings, lässt sich selbst nach mehrmaligem Abspielen des Songs keine kleinste Holtby-Anspielung entnehmen. Das mag am nuscheligen Cockney-Akzent des Sängers liegen. Oder, es ist zu befürchten, dass Holtbys Renommee als heroischer Hotspur (doch noch) nicht klangvoll genug ist. Indeed, die Spatzen schienen es vom Stadiondach der altehrwürdigen White Hart Lane zu pfeifen...

Welchen kolossalen Klang indessen »Heroes in White & Blue« entwickelt hat? Das belegt eine Schlagzeile von 101 Great Goals, mit der sich jene englische Webseite übrigens schon Mitte Juli die alles entscheidende Frage stellte: »Is this the greatest Tottenham song EVER?«

P.S.: Dieser Beitrag ist inspiriert von diesem kleinen Fundstück der 11Freunde...
 

Freitag, 26. Juli 2013

Keine Dauerkarte für Mick Jagger

Wie es heute im Blätterwald wegen Mick Jaggers 70. Geburtstag rauscht, oder? Vorab gesagt soll hier nun selbstverständlich nicht Jaggers musikalisches Wirken rezipiert, die schönsten Stones-Schlager wie Perlen an einer Kette aufgereiht oder gar die Wirkung seiner schamanenhafter Bühnentänze auf wie toll werdende Konzertmassen analysiert werden. Kurz gesagt, es soll allein um „Sir Mick“ und den Fußball gehen. Denn Jagger gilt dem runden Leder als durchaus zugetan. An gewissen Tagen steigt der Stones-Sänger gar aus seinem Rock-Olymp auf die zuweilen harten Tribünen der Arenen dieser Fußballwelt herab.

Anders als bei Roddie Stewart, dessen Begeisterung sich auf Schottland und Celtic Glasgow beschränkt, nimmt es Jagger, der gebürtige Engländer, mit der Treue nicht so genau. Wie im wahren Leben, mag manche spitze Zunge nun einwenden. Doch jene Dinge, die außerhalb des Fußball-Kosmos liegen, sollen uns nicht interessieren. Lieber wollen wir uns an die WM 2010 in Südafrika erinnern, wo Jagger diverse Partien besuchte und dort die mystische Aura des Unglücks versprühte.

Konkret widerfuhr jenen Teams, denen er vor einem Spielbesuch öffentlich seine Sympathie bekundete hatte, dass sie nach dem Abpfiff die Heimreise antreten durften. Der Ballesterer schrieb einmal, dass zu diesem Phänomen ganz gut die Stones-Hymne "It's all over now" passen würde. Es war, als öffnete Mr. Jagger stets die Büchse der Pandora.


Untermalt von den dröhnenden Vuvuzela-Klängen konnten davon etwa die USA ein Lied singen. Zu denen hielt Jagger, auf der Tribüne flankiert von Bill Clinton, in ihrem Achtelfinalspiel gegen Ghana, das die US-Boys unglücklich in der Verlängerung verloren.

Doch dies war erst der Anfang. Denn Jaggers „Fluch“ machte selbst vor seinen englischen Landsleuten nicht halt, die Jagger im Achtelfinale gegen Deutschland unterstützte. Das Ende vom Lied? Die „Three Lions“ kassierten neben einer epochalen 1:4-Pleite auch das sogenannte„Bloemfontein-Tor“, das Englands Ikone Frank Lampard geschossen hatte. Es wäre der 2:2-Ausgleich nach dem Kopfballtreffer des englischen Stoppers Matt Upson gewesen. Zwar strich Lampards Schuss von der Unterkante der deutschen Torlatte hinter die Linie, doch von dort zurück an die Unterkante und danach in Richtung  Feld, ehe ihn Manuel Neuer fing. Referee Larrionda aus Uruguay ließ zum englischen Entsetzen einfach weiterspielen. Die Gazetten schlagzeilten danach von einer „Rache für das Wembleytor“...

England reiste ab und Jagger gleich weiter nach Port Elizabeth, wo er dem mit Spannung erwarteten Viertelfinalduell der Niederlande gegen Brasilien seine Aufwartung machte und Peles Erben einen Sieg wünschte. Das Ergebnis? Auch die stolze Selecao packte nach ihrer 1:2-Niederlage, die Brasiliens Verteidiger Felipe Melo mit einem Eigentor und einer Roten Karte flankiert, ihre Koffer. Am Zuckerhut stellten die Sirenen der brasilianischen Presse tags darauf aber nicht etwa den unglückseligen Melo an den Pranger. Die Schreiber der großen brasilianischen Tageszeitung Lance zwangen vielmehr unser Geburtstagskind in die Verantwortung und empörten sich, Jagger sei Schuld und mit einem WM-Fluch belastet.

Zum Schluß soll noch von Diego Maradona die Rede sein. Dessen argentinischer Elf drückte Jagger, knapp oberhalb der Rasenkante sitzend, in ihrem Viertelfinale (wieder) gegen Deutschland die Daumen. Allerdings gelang es weder Maradona als rastlosem argentinischen Nationalcoach noch Lionel Messi den Jagger’schen Fluch zu brechen. Denn Jogi Löws brillant aufspielende Elf schickte Messi & Co. mit 4:0 buchstäblich in die Pampa. Maradona blieb nach diesem Desaster nichts anderes übrig, als seinen Hut zu nehmen.

Wie man sieht, ist mit Mick Jagger als Tribünentalisman kein Staat zu machen. Wer weiß, welche Steine Jagger erst ins Rollen brächte, sollte Sir Mick sich bei seinem angeblichen Lieblingsklub Arsenal öfter blicken lassen. Es bleibt unter diesen Voraussetzungen wohl nur zu hoffen, dass die traditionsreichen „Gunners“ niemals auf die fixe Idee kommen, ihrem Edelfan eine Dauerkarte zu schenken. Es wäre wohl Arsenals Anfang vom Ende...