Ich gebe zu: selten wirken Relegationspartien auf mich anziehender als das Pokalendspiel samt seines Brimboriums. In diesem Jahr ist dies anders, obwohl sich der BVB und die Bayern in Berlin duellieren und das Ganze längst zum deutschen »Clásico«hochgejazzt wurde. Zweifellos liegt dies am HSV, dessen letzter Titelgewinn bereits 27 Jahre her ist und der zur Kompensation sein gefährdetes Etikett »Bundesliga-Dino« längst wie einen Titel führt. Denn beim großen HSV werden nach dem Abpfiff in Fürth nicht unbedingt alle Lichter ausgehen, aber immerhin könnte wegen des drohenden Abstiegs seine Bundesliga-Uhr stehenbleiben.
Nach dem torlosen Relegationshinspiel gegen die forschen Franken tat sie dies zwar bereits. Aber nicht, weil dem Fußball-Gott Blitze schlagend die Geduld mit den Seeler-Erben ausging. Eher, weil das HSV-Stadionmanagement vergaß, eine schnöde Zeitschaltuhr abzuschalten. Nun tickt sie weiter, die Uhr. Dennoch liest man seitdem ausufern darüber, wie anhand der schlimmen Symbolik das böseste aller Omen für den HSV heraufbeschworen wird - der Abstieg.
P.S.: Für alle Omen-Beschwörer: Unsere BL-Uhr wird jede Nacht durch eine Zeitschaltuhr energiesparend ein- & ausgeschaltet. #nachfragenhilft
— Hamburger SV (@HSV) 16. Mai 2014
Das gute Omen wäre demgegenüber auf Seiten der Fürther zu Hause. Denn rund um den Ronhof wäre da - augenzwinkernd gesagt - noch die Sache mit der Kleeblattkultur. Laut Wikipedia hat man in Fürth jenes Kleeblatt in nahezu allen Wappenvariationen der Klubhistorie untergebracht. So wie es in der weiten Welt des Fußballs in den Emblemen von Rot-Weiß Oberhausen, den Shamrock Rovers und Celtic Glasgow zu finden ist. Und folgt man der Symbolik dieser Kleeblattkultur, müsste Fürth nur so vom Glück gesegnet sein.
Liest man dieser Tage die forschen Kommentare von Fürths Trainer Kramer hört sich dies jedenfalls schon einmal so an. Kramer will heute Abend mit einem Heimsieg, wie er auf den Busch klopfend sagt, »den Deckel draufmachen« auf den Bundesligaaufstieg. Führt Fürth recht rasch könnte sich beim HSV sicher eine Art Abstiegspanik breit machen. Doch irgendwie sagt mir mein Bauchgefühl, dass es dem HSV trotz des sagenhaften Slomka'schen Auswärtsfluchs, der Fürther Kleeblattkultur, des bösen Uhren-Omens undsoweiter gelingen wird, sich mit einem knappen 1:1-Remis am Bundesliga-Strohhalm festzuhalten.
Ist es etwa ein Zeichen, dass Slomka - aus dem Polnischen ins Deutsche übersetzt - tatsächlich Strohhalm, heißt? Und wer weiß, ob diesem Diekmeier in Fürth einmal eine dieser berühmt-berüchtigten Bananenflanken der Kaltz'schen Art gelingt, die dieser Lasogga in rabiater Hrubesch-Manier unter den Fürther Torbalken wuchtet. Das ist schon alles überaus spannend. Oder ist der bisher unabsteigbare HSV am Ende doch so unsinkbar wie einst die Titanic?
Manni Kaltz gehört zum altehrwürdigen HSV genauso wie die
„Bananenflanke“ zu ihm selbst. Die ewige Sentenz von „Kopfball-Ungeheuer“ Horst
Hrubesch haben wir natürlich im Ohr, die sein
einstiges Wirken mit Manni Kaltz sozusagen flankiert: „Ich sach‘ nur zwei Worte: Manni
Bananenflanke, ich Kopf - Tor“. Der Anlass für die Kaltz’sche Huldigung?
Der „Bananenflankenkönig“ wird 60 und Der LIBERO gratuliert.
Was hat Kaltz bei seinem HSV nicht alles erlebt. Pinke Trikots, viele Eigen-
und noch mehr Elfmetertore, Trainer von Kuno Klötzer, Ernst Happel bis Gerd-Volker
Schock, Kevin Keegan, Flanken über Flanken. Und natürlich die Glanz & Gloria-Ära des
HSV, als im Hamburger Volkspark in den 70er und 80ern drei Meistertitel, zwei Pokalsiege und gar
zwei Europapokaltriumphe gefeiert werden konnten. Bemerkenswert: bei jedem Titel des HSV seit der
Bundesliga-Gründung war Kaltz mit von der Partie. Auch in der Nationalelf machte er den „Rothosen“ in 69
Länderspielen zumeist Ehre, wurde etwa 1980 Europameister und zwei Jahre später Vize-Weltmeister. 1977, nachdem Franz Beckenbauer in der
Nationalelf abdankt war, nahm Kaltz des Kaisers Position als Libero ein, erntete aber meist Skepsis. Selbst DER SPIEGEL fragte sich seinerzeit, ob Kaltz der
richtige Nachfolger für Beckenbauer sei und
damals zitierte einen gewissen Hennes Weisweiler. Der hatte geunkt, bei der kommenden WM 1978 werde man erkennen, dass Kaltz einen besseren rechten Verteidiger
als Libero abgeben werde. Und der weise Weisweiler behielt recht: jenes Experiment bei
der WM in Argentinien scheiterte. Spätestens, als der Österreicher Hans Krankl
„Manni, den Libero“ vor seinem berühmten Cordoba-Tor ausgetanzte. Wie dem auch sei.
Ernst Happel dürfte sich
im Grabe umdrehen, würde er miterleben, wie der „HaEsVau“ seinen
Rekordspieler Manni Kaltz rund um dessen Jubiläumstag beehrt. Nämlich kaum, da biegt sich förmlich die „Bananenflanke“. Heute etwa ist auf der HSV-Homepage ein kompakter Gratulationsartikel zu
erkennen, der mit 159 Wörtern (inkl.
Überschrift) nicht mal so viele Wörter enthält wie Kaltz einst Bundesligaspiele absolvierte. Das waren stolze 581 in 19 Jahren, ausschließlich für den HSV.
Der Bundesliga-Dino
verewigte Kaltz zwar auf dem Walk of Fame der
HSV-Legenden rund um das einstige Volksparkstadion. Aber ansonsten? Von einer Geburtstagsgala ganz zu schweigen, hat Kaltz selbst bis heute noch immer kein Abschiedsspiel erhalten. Ebenso wird auch
seine legendäre Rückennummer Zwo munter weiter vergeben. Ob der
HSV seine neue Stadionuhr, die die ewige Bundesliga-Zeit des Dinos in der HSV-Arena anzeigt, demnächst nach Kaltz benennen könnte? Vermutlich: Fehlanzeige.
Was
bleibt ist ein Interview, welches der als Schweiger bekannte Kaltz nun flankierend zu
seinem Jubiläum gab. Dort analysierte er den Zustand seines HSV beinahe so
messerscharf wie er weiland seine Flanken schlug: der HSV habe kein
System und sei von einer Meisterschaft meilenweit entfernt. Auch da biegt sich die „Bananenflanke“…
Es geht los! Den ersten Anstoß bei der Themenwoche „50 Jahre Bundesliga - Typen, Titel und bloß nicht wie Tasmania“ macht TRAINER BAADE und sucht in 50 Jahren Bundesliga vergeblich nach konstanten Rivalen des FC Bayern, erinnert sich an Erlebnisse des jungen Trainer Baade in München und an die erste Sternstunde des belgischen Torwartkönigs Jean-Marie Pfaff im Tor des Rekordmeisters.
In den nun bald 50 Jahren des Bestehens der Bundesliga wird eines verzweifelt und ebenso erfolglos gesucht: Ein
konstanter Rivale des FC Bayern München. Nur sechs Jahre währte die Phase von Einführung
der Bundesliga bis zu Bayerns erstem Titel 1969, ab da war alles anders und
sollte es bis heute bleiben. Der Eintrag "FC Bayern München" ist Stammgast auf
der Salatschüssel. Ein Umstand, den kein anderer Bundesligaclub für sich in
Anspruch nehmen kann.
Große Rivalen gab es jedoch einige in diesen fünf Dekaden, allein, keiner
konnte sich dauerhaft etablieren. Als die Borussia aus dem kleinen
Mönchengladbach, bis dahin der ärgste Konkurrent der Bayern, 1979 den
UEFA-Pokal gewann, sollte Berti Vogts mit seiner Weissagung Recht behalten:
"Schaut ihn Euch gut an, es wird auf lange Zeit der letzte Pokal sein, den
man in Mönchengladbach zu sehen bekommt."
Die so entstandene Lücke füllte zunächst der 1. FC Köln, anschließend
in seiner einzigen Hochphase in der Bundesliga der Hamburger SV unter den
Fittichen von Manager Günter Netzer. Deutscher Meister 1979: Hamburger SV, der
erste Titel in der Bundesliga. Doch die Bayern, die in der zweiten Hälfte der
1970er Jahre geschwächelt hatten wie noch nie zuvor, hatten mittlerweile Paul
Breitner zurückgeholt, Karl-Heinz Rummenigge stand im Zenit seiner Fähigkeiten
und so wurde dann doch der FC Bayern gleich zwei Mal in Folge wieder Meister.
Vizemeister jeweils: der Hamburger SV, welcher sich prompt 1982 seinerseits
erneut den Bundesliga-Titel sicherte.
So begann die Saison 1982/1983 unter dem Vorzeichen, dass sich diese
zwei großen Teams um den Titel duellieren würden, welche unter sich auch die
letzten vier Meistertitel ausgespielt hatten. Der FC Bayern hatte außerdem
weiter aufgerüstet, im Tor stand seit dieser Saison der Nationaltorwart Belgiens:
Jean-Marie Pfaff. Dessen Bundesligadebüt hätte unglücklicher kaum verlaufen
können, als er sich in seinem ersten Spiel im Dress der Bayern einen Einwurf
von Uwe Reinders selbst ins Tor bugsierte und mit diesem Eigentor die
0:1-Niederlage der Bayern besiegelte. Pfaff stand deshalb durchaus unter Druck
beim Weltclub Bayern München.
Der HSV hingegen hatte ein Aufrüsten kaum nötig, befanden sich doch mit
Felix Magath, Horst Hrubesch, Manfred Kaltz oder Uli Stein schon länger
internationale Ausnahmekönner im Kader. Mit Ernst Happel verfügte man gar über
einen Trainer der Extraklasse an der Seitenlinie. So deutete schon am 9.
Spieltag jener Saison 1982/1983 Vieles darauf hin, dass sich der FC Bayern und
der HSV erneut um den Titel streiten würden, als der Spielplan diese beiden
Teams im Süden der Republik zusammenführte.
Das Oktoberfest nur wenige Tage zuvor beendet, ein mit 72.000 Zuschauern
ausverkauftes Olympiastadion in München; keine Selbstverständlichkeit in jenen
Bundesliga-Tagen;der FIFA-Schiedsrichter Walter Eschweiler an der Pfeife und
beide Teams mit allen ihren Stars an Bord, so begann die verheißungsvolle
Begegnung der zwei großen Meisterschaftsfavoriten.
Wo auch jener Grund ins Spiel kommt, aus dem der Autor diese Partie für
den vorliegenden Zweck auswählte. Denn der kleine Trainer Baade war damals
jung. Und wenn man jung ist, muss man tun, was die Eltern sagen. Diese hatten
sich zu einem Ausflug nach München entschlossen, mit dem "Rosaroten
Ticket" der Deutschen Bahn, einem Vorläufer des "Schönes-Wochenend-Ticket",
welches Jahre später etliche Fußballfans für ihre Auswärtsfahrten nutzen sollten.
Doch dieser Ausflug nach München diente nicht dem Fußballschauen, sondern dem
Erkunden der Stadt München. Deutsches Museum natürlich, Frauenkirche,
Viktualienmarkt, Karl-Valentin-Museum, solcherlei Dinge. Ein Besuch des Olympiaparks
samt Olympiastadion war erst am folgenden Sonntag geplant, wenn die Zuschauermassen
dieses Gipfeltreffens schonlängst
wieder heimgekehrt sein würden.
Wie es 1982 eben so war, gab es keine mobilen Informationsgeräte und so
schlich der junge Trainer Baade durch die Stadt und begann ab 17.15h und in der
folgenden Dreiviertelstunde unablässlich, Passanten nach dem Ergebnis dieses
Schlagerspiels auszufragen. Zunächst vergeblich, doch irgendwann füllten sich
die U-Bahn-Stationen immer mehr mit aus dem Olympiapark zurückkehrenden
Bayern-Fans, von denen einer endlich ein Herz hatte, und dem wissbegierigen
Jungen die Auskunft erteilte, wiediese Partie denn nun ausgegangen war.
Jene Partie, nur wenige Kilometer weit entfernt gespielt, welche; so
schien es nach einer halben Stunde; der HSV für sich würde entscheiden können.
Ein Doppelschlag von Jürgen Milewski und Horst Hrubesch brachte die Hamburger
mit 2:0 in Front. Jener Horst Hrubesch, welchem schon im EM-Finale 1980 zwei Tore
gegen Jean-Marie Pfaff gelungen waren. Doch die Bundesliga wäre über die nun
bald 50 Jahre ihres Bestehens hinweg kaum so beliebt geblieben, wenn da nicht
immer die Hoffnung mitschwänge, dass man einen solchen Rückstand noch umdrehen
könnte.
Genau diese Hoffnung des FC Bayern und seiner Anhänger erhielt Nahrung,
als Paul Breitner nur kurz nach der Pause einen Foulelfmeter (Hieronymus an
Dürnberger) zum Anschlusstreffer verwandelte. Kaum überraschend war es etwas
später der zweite Teil des Duos "Breitnigge"; wie Kapitän Breitner
und Adjutant Rummenigge in jenen Tagen vom Boulevard tituliert wurden; der in
der 65. Minute den Ausgleich erzielte: Karl-Heinz Rummenigge traf zum 2:2.
"Alles wieder offen", wird einer der Kommentatoren des Spiels
da wohl ins Mikro gerufen haben. In sein Mikro der ARD-Rundfunkkonferenz, denn
Pay-TV mit Live-Übertragungen gab es ja noch nicht. Alles wieder offen und noch
25 Minuten zu spielen, da sollte doch noch ein Törchen möglich sein für den
Hausherrn FC Bayern. Doch statt den psychischen Vorteil des gerade erzielten Ausgleichs
zu nutzen, zitterten die Bayern nun wieder vor einem Gegentor, welches ihnen
den mit dem Ausgleich möglichen einen Punkt wieder entrissen hätte. Die
Hamburger drängten stattdessen ihrerseits auf das Siegtor.
Jean-Marie Pfaff patzte in der letzten halben Stunde der Partie mehrfach
bei Flanken, zu seinem Glück ohne Folgen. Die Hamburger kamen zu gleich einigen
Chancen, erzielten aber kein Tor. Bis der HSV in der letzten Spielminute eine
Flanke in den Münchner Strafraum hereinbrachte und Bayerns Verteidiger Udo
Horsmann von allen guten Geistern verlassen im Stile eines Volleyballers hinter
dem Ball herhechtete und ihn möglicherweise mit der Hand zur Ecke lenkte.
Klarer Fall von Elfmeter, fand die rheinische Frohnatur Walter Eschweiler, und
entschied auch so. Damit waren nicht alle im Stadion einverstanden, war die
vermeintliche Berührung doch nur schwer zu erkennen gewesen.
Tumulte im Stadion und Tumulte auf dem Platz waren die Folge. Tumulte,
wie man sie selten in einem Stadion des FC Bayern erlebt. Wolfgang Kraus ging
Walter Eschweiler gar physisch an, Paul Breitner musste die Münchner Fans in
der Kurve direkt hinter jenem Tor beruhigen, auf welches der fällige Strafstoß
getreten werden sollte. Es dauerte geschlagene sechs (!) Minuten, ehe dieser in
der Nachspielzeit der Partie endlich ausgeführt werden konnte. Und zum Punkt
schritt niemand Geringeres als der erfolgreichste Elfmeterschütze, den die
Bundesliga je gesehen hat: Manfred Kaltz.
Ob der Rekordelfmeterschütze der Bundesliga tatsächlich, wie Uli Köhler
im Video unten vermutet, durch die lange Wartezeit bis zur Ausführung nervös
geworden war oder einfach ohne besonderen Grund unkonzentriert war, lässt sich
nicht beurteilen. Wie dem auch gewesen sein mag: Der sonst so sichere Schütze
Kaltz platzierte den Ball nur knapp rechts neben Jean-Marie Pfaff, der den schwachen
Strafstoß locker parierte und den Ball sogar festhielt. Das Münchner Publikum
war aus dem (Glasdach-) Häuschen und Jean-Marie Pfaff; 8 Spiele nach seinem
Fauxpas gegen Reinders; der gefeierte Held des FC Bayern, der auf Schultern vom Platz getragen wurde.
Die gesamte, denkwürdige Partie fasst das folgende Video zusammen, ein
zufällig von jenem Uli Köhler erstellter Beitrag, welcher auch heute noch über
den FC Bayern berichtet und sich inzwischen selbst als Star begreift.
Wie Jean-Marie Pfaff danach gefeiert wurde und wie er in schönstem Deutsch-Flämisch
Interviews gibt, zeigt hingegen das folgende, noch sehenswertere Video. Darin
verrät Pfaff zudem, dass er ohnehin in Belgien auch schon "ein paar
Elefmeters gestoppt" habe. Pfaff
also ein Elfmeterkiller, eine Kunde, die aus dem fernen Belgien noch nicht bis
in den Freistaat Bayern vorgedrungen war. Auf diese Weise lernten es die 72.000
im Stadion allerdings gleich durch Augenschein. Und Manfred Kaltz ebenfalls.
Zum besseren Verständnis dieses schönen deutsch-flämischen Mischmaschs,
den Pfaff darin produziert: "Hucke" bedeutet Ecke. Und
"Klöre" bedeutet Farbe.
Ein rauschendes Fußballfest also, mit einem besonderen Helden des Nachmittags,
Pfaff, und einem großen Verlierer Manfred Kaltz; geholfen hat's am Ende aus
Münchner Sicht jedoch nichts. Deutscher Meister wurde in der Saison 1982/1983
trotzdem der Hamburger SV, die Bayern nur Vierter. Allerdings hatten die Bayern
und der damals große HSV einen echten Höhepunkt der bald 50 Jahre
Bundesliga-Historie auf den Rasen des Münchner Olympiastadions gezaubert.
Einen Höhepunkt, an den man sich heute noch in Rückschauen erinnert,
und dessen Überbleibsel der kleine Trainer Baade am nächsten Tag in Form von
Fankonfetti und sonstigen Resten großer Feierlichkeiten im Olympiastadion
begutachten konnte. Vorm geistigen Auge sich natürlich die Szene vom Vortag
vorstellend, wie Pfaff abtaucht, pariert und den Großteil des Stadions in einen
Tempel der Freude verwandelt. Eltern, die mit ihren Kindern eine Stadt
besuchen, sind stets früh auf den Beinen; der Reinigungsdienst im
Olympiastadion wohl eher nicht so, hatten seine Angestellten vielleicht
ebenfalls den dramatischen Punktgewinn etwas ausgiebiger gefeiert, welcher
berauschend wie ein Sieg wirkte. Für Jean-Marie Pfaff war es ja tatsächlich
einer.
Mit Witz, spitzer Feder gilt Trainer Baade als „Guru der
Fußball-Blogger“. Stets auf Ballhöhe schreitend kürte das Magazin 11 Freunde sein Blog jüngst zum „Besten Fanmedium“ in Deutschland. Gemeinsam mit Kees Jaratz veröffentliche Trainer Baade kürzlich das Buch „111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben muss“. Über jenes urteilte die WAZ: „Absolut lesenswert ist es. Und das Zeug zum Klassiker hat es auch.“
Endlich öffnet sich heute Abend wieder der Vorhang unserer guten, alten Bundesliga. Es werde Zeit, knurrte kürzlich schon ein gewisser Günter Netzer in einer Kolumne. Damals, am allerersten Bundesligaspieltag am 24.08.1963, wie heute treffen Borussia Dortmund und Werder Bremen aufeinander. 1963, seitdem verkörpert die Bundesliga die
Spitze der deutschen Ligapyramide Hört, hört. Und nun, geht sie in ihre 50. Saison. Dabei ist die Mutter aller deutschen Spielklassen nur ein Jahr
jünger als die Rolling Stones, hat aber weitaus weniger Falten als Jagger &
Co. Gott sei Dank, will man da meinen. Vielmehr wirkt unsere holde Bundesliga attraktiver denn je. Ob Ultras,
Familien und sonstige Edelfans, sie alle strömen in die schmucken Stadien. Und wer nicht im
Stadion steht sitzt, der erhält die mediale Vollversorgung im Pay-TV, bei den „alten
Tanten“ Sportschau und Sportstudio, im Radio und allen weiteren angeschlossen
Funkhäusern. Unsere Bundesliga zieht uns nach wie vor in ihren Bann. Wo auch
immer, wir drücken unseren Klubs die Daumen und wollen, dass endlich mal
wieder die salatschüssel’eske Meisterschale erobert wird. Und für den zuweilen tröstenden Reiz der Ligenmutter spricht, dass dies just in diesem und letzem Jahr selbst für die Anhängerschar des FC Bayern gilt. So, als gelte das
ewige Motto: Typen, Titel und bloß nicht wie Tasmania (Berlin).
Die ersten
Girlanden für das Jubiläum hat die DFL bereits aufgehängt und in der Dortmunder
Westfalenhalle zum großen Empfang geladen. Dort, wo der DFB anno 1962 die historische Entscheidung zur Einführung der Bundesliga getroffen hatte. 50 Jahre Bundesliga: im TV
erwartet uns eine „Fuffzich“ am rechten Bildrand. Und selbst der sachliche
kicker ließ sich nicht lumpen und warf gar „das dickste Sonderheft aller
Zeiten“ auf den Markt.Ein dickes Ding erlaubte sich auch sky
und engagierte Lothar Matthäus. Als Experte an der Grasnarbe wird, verlorene Sohn der Ligenmutter seine Aufwartung machen.
Nur, ob ein Lothar Matthäus wohl noch die Sprache der
Liga spricht?
Auch DER LIBERO wird
der Bundesliga seine Aufwartung machen und sie mit
einer kleinen Themenwoche beehren, die so bunt werden wird wie ein Blumenstrauß.
Denn verschiedene Fußball-Blogger und Autoren werden zwischen dem 1. und 2. Spieltag in famosen wie unterhaltsamen Beiträgen aus bald
50 Jahren Bundesliga erzählen.
Es machen mit:
Trainer Baade, Heinz Kamke „angedacht“, Uwe Strootmann „Im Schatten derTribüne“, Jannik Sorgatz „Entscheidend is auf’m Platz“, Carsten Pilger
„FCSBlog“, Janus „Janus kleine Welt“ sowie der Werder-Schalträger Udo M. Dazu verrät
Buchautor Ben Redelings in einem Interview nicht nur seinen
ewigen Bundesligahelden. All den genannten gradiosen Schreibern
sage ich mich hiermit vielen Dank: für ihre Teilnahme, ihre Mühe, ihre Ideen und ihre tollen Texte.
Den ersten
Anstoß macht am morgigen ersten Samstag der 50. Spielzeit Trainer Baade. Dabei erinnert er sich etwa an Erlebnisse des jungen Trainer Baade in München und an die erste Sternstunde des belgischen Torwartkönigs Jean-Marie Pfaff im Tor des Rekordmeisters. Der Abpfiff der Themenwoche ertönt am Sonntag, den 02.09.2012 . Bis dahin wird hier jeden Tag ein Gastbeitrag der Autoren erscheinen.
Garniert wird die Themenwoche mit einem Quizrund um „Bananenflankenkönig“ Manni Kaltz und Bundesliga-Dino HSV. Macht einfach mit! Denn es gibt es eine signierte Manni-Kaltz-Autogrammkarte zu gewinnen, die garantiert aus dem Fundus jenes einstigen HSV-Managers Günter Netzers stammt.
In diesem Sinne wünsche
ich viel Glück beim Quiz, eine unterhaltsame Lektüre der bravourösen Beiträge der Themenwoche und selbstverständlich eine spannende Jubiläumssaison allerseits!
Die 50. Bundesligasaison wirft bereits ihre gewaltigen Schatten voraus. Nun sind es nur noch zwei Tage bis Freitag. Dann stehen sich im Auftaktspiel dieser Jubiläumsspielzeit - ebenso wie an einem gewissen 24.08.1963 - in Dortmund der BVB und Werder Bremen gegenüber.
Am Freitag ertönt hier beim LIBERO übrigens noch ein weiterer Anpfiff. Und zwar zur Themenwoche „50 Jahre Bundesliga“. In der Zeit zwischen dem 1. und 2. Spieltag werden verschiedene Fußballer-Blogger und Autoren in tollen Beiträgen aus bald fünf Dekaden Bundesliga erzählen.
Ein bißchen garniert wird die Themenwoche obendrein mit einem Quiz, das sich rund um Bundesliga-Ikone und HSV-Rekordkicker Manni Kaltz und seinen HSV dreht. Der HSV als Bundesliga-Dino ist bekanntlich der einzige Bundesligaklub, der seit besagtem 24.08.63 bis heute bei wirklich jedem Spieltag dabei war. Zu gewinnen gibt es eine signierte Manni Kaltz-Autogrammkarte.
Beantwortet einfach die fünf folgenden Fragen und schickt Eure Antworten bis zum 09.09.2012 mit dem Betreff „Manni-Kaltz-Quiz“ per Mail an der-libero-blog@web.de. Im Zweifel entscheidet das Los. Also, auf geht’s!
Frage 1: Manni Kaltz war kurzzeitig Rekordspieler der Liga, ehe ihn der Frankfurter Charly Körbel (602 Einsätze) ablöste. Wie viele sind es?
Frage 2: Alle seine Einsätze absolvierte Kaltz zwischen 1971 und 1989 und 1991 für seinen Hamburger SV. Wie hieß der HSV-Trainer, unter dem Kaltz am 17.04.1991 bei einem 4:0-Sieg gegen Borussia Dortmund sein letztes Bundesligaspiel absolvierte?
Frage 3: Seite an Seite mit Kaltz kickte Anfang der 80er Jahre ebenfalls Franz Beckenbauer, nachdem der „Kaiser“ von Cosmos New York in die Bundesliga zurückgekehrt war. Wie oft wurden Kaltz und der „Kaiser“ im HSV-Trikot gemeinsam Deutscher Meister?
Frage 4: „Rekordmann“ Kaltz verwandelte in der Bundesliga nicht nur die meisten Elfmeter und erzielte die meisten Eigentore. Er war ebenso bekannt für seine berüchtigten „Bananenflanken“. Wer war Kaltz‘ kongenialer Mitspieler beim HSV, der das Zusammenspiel mit folgendem Satz verewigte: „Manni Bananenflanke, ich Kopf – Tor“?
Frage 5: Am Ende der Saison 1976/77 feierte Kaltz mit dem HSV den Gewinn des Europapokals der Pokalsieger. In welcher für den HSV ungewöhnlichen Trikotfarbe bestritten Kaltz und Kollegen jenes 1977er Europapokalfinale und viele ihrer Saisonspiele?
Mein Kumpel ist leidenschaftlicher HSV-Anhänger. Meist ist er fanatisch, was Werder angeht, verfügt aber über ein St. Pauli-Trikot. Ob es damit zu tun hatte, dass er es mit seinem HSV zuletzt ziemlich schwer hatte? Ich weiß es nicht. Ich weiß hingegen, dass der HSV seinem epochalen ersten Abstieg nicht oft näher war als in diesem Frühling 2012. Das olle „Hamburg, meine Perle“ ging meinem Kumpel kaum noch über die Lippen.
Weit öfter stimmte er hingegen Klagelieder an, wonach „der ganze Mist“ mit Manni Kaltz nicht passiert wäre. Da Kaltz, der „König der Bananenflanken“, längst in Rente ist, wurde mein Kumpel kreativ. Er baute sich in einem Karton einen HSV-Schrein, inklusive eines Fotos von „Uns Uwe“, dem HSV-Restprogramm und einer Kerze. Dazu gesellte er einen Gartenzwerg im stilechten HSV-Dress. Wohl wahr. Ich frage mich allerdings noch immer, ob mein Kumpel sich der gefährlichen Symbolik so ganz bewusst war…
Nun denn, nachdem der Schrein erst einmal stand,gelang es seinem HSV tatsächlich, dem befürchteten Abstieg noch zu entrinnen. Das bedeutet: die ewige HSV-Bundesliga-Uhr läuft weiter. Doch trotz Klassenerhalts verstreicht für den Dino in den roten Hosen ebenso – und recht erbarmungslos - die Zeit ohne Titel. Man sollte wissen, 2012 ereignet sich für den großen, ehrwürdigen HSV ein trauriges Jubiläum: er ist seit 25 Jahren titellos. Daran wird auch das DFB-Pokalfinale zwischen dem BVB und den Bayern nichts ändern.
Es war einmal vor einem Vierteljahrhundert. Genauer gesagt am 12. Juni 1987, als der HSV den DFB-Pokal dank eines 3:1 im Endspiel gegen die damals zweitklassigen Stuttgarter Kickers gewann. Kapitän Thomas von Heesen stemmte den Pott danach in den Himmel. Der stets von meinem Kumpel besungene „König der Bananenflanken“ steuerte gar den vorentscheidenden Treffer zum 2:1 bei.
Vielleicht sollte mein Kumpel seinen Schrein einfach stehen lassen, um das Ende dieses Fluches der Titellosikeit heraufzubeschwören. Denn 2013 wäre das Double theoretisch doch möglich, oder etwa nicht? 30 Jahre nach dem Sieg im 83er Cup der Landesmeister wäre dies für meinen Kumpel so etwas wie der Himmel auf Erden. Gewiss, für mich als Werder-Daumendrücker weniger.
Doch anders als mein Kumpel verzichte ich künftig lieber auf solch krude Schrein- oder Kerzenrituale. Selbst wenn sie dieses Double verhindern würden. Warum? Es war im trüben Herbst 2010: da drohte Werder im Sumpf des Bundesligakellers zu versinken. Daher meinte ich, meinen Werder-Wimpel an der Wand mehrmals umdrehen und (schier voodoohaft) beschwören zu müssen. Unter uns gesagt, es half rein gar nichts.
Als letzter Ausweg schien mir das Anzünden einer grün-weißen Kerze übrig zu bleiben. Eine solche hatte ich in einer Schublade liegen und mich ohnehin gewundert, wie verdächtig deren Design dem Trikot Celtic Glasgows ähnelte. Da Werder schließlich beim VfB Stuttgart (0:7!) unterging wie einst die Titanic, flackerte diese ominöse Kerze nur für einen Nachmittag. Seitdem halte ich solche Rituale für buchstäblicg „verbrannt“.
Schaun’ mer also mal, wie lange mein Kumpel mit diesem Schrein weiter auf den nächsten HSV-Titel warten muss.Ach ja, bevor ich es vergesse. Celtic Glasgow gewann übrigens an besagtem Nachmittag. Nur, was heißt gewann. Celtic zerlegte den FC Aberdeen, ebenso ein 1983er Europapokalsieger, regelrecht: mit sage und schreibe 9:0…