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Dienstag, 1. Juli 2014

Neuer Libero

Der Vater aller Liberos, »Kaiser Franz«, sagte einst: »Geht's raus und spuits Fußball.« Fußball. Haben Jogis Jungs in jenem absurden WM-Achtelfinale am Montag eigentlich auch eine Art Fußball gespielt? Fernab solcher rhetorischer Fragen schlugen Jogis Jungs jedenfalls jene achtbaren Algerier auf der Rasierklinge reitend mit 2:1. Die Entdeckung dieses surrealen Abends von Porto Alegre war indes nicht der zähe deutsche Viertelfinaleinzug nach Verlängerung.

Béla Réthy brachte es vielmehr im gewohnt sonoren Sound auf den Punkt, als er im Angesicht von Manuel Neuers toller Rettungstaten zu meiner großen Freude proklamierte: »Der Libero ist zurück!« Da fehlte Neuer eigentlich  nur noch die obligatorische Nummer Fünf auf seinem breiten Rücken, um ganz auf Beckenbauers und Augenthalers Spuren zu wandeln.

Zur Würdigung für »Manu, den Libero«, folgt nun hier eine kleine Twitterschau, in der selbst »Kaiser Franz« seinen Platz findet - provisorische Sperren sind hier gänzlich ausgeschlossen... 






Schaun' mer mal, ob der neu entdeckte Libero auch am Freitag in Rio mit von der Partie sein wird. Was wäre ein WM-Viertelfinal im Maracanã gegen filigrane Franzosen schon ohne ihn...

Samstag, 29. Juni 2013

Live und in Farbe

Oha, wie die Zeit vergeht! Etwas überrascht habe ich soeben bemerkt, dass dieser Beitrag der Einhunderste sein wird, nachdem Der Libero vor über zwei Jahren erneut aufs Feld geschickt wurde. Allerdings soll  nicht lange zurückgeschaut werden. Schließlich lässt Der Libero für manchen vielleicht etwas zu häufig mit leicht nostalgisch verklärten Blick Vergangenes aus dem Fußball-Kosmos Revue passieren. Vielmehr möchte ich ››Danke!‹‹ sagen.

Etwa bei meinen geschätzten Leserinnen und Lesern, die hier dann und wann oder gar öfter reinschauen - oder auch bei den Machern der Wissensplattform triviado.com, die diesen kleinen Blog aus der nostalgischen Nische der Fußballbloggenden doch tatsächlich zu den ››ultimativen deutschen Fußball-Webseiten‹‹ gezählt haben. Bedanken möchte ich mich selbstverständlich auch bei den bloggenden Protagonisten der Themenwoche ››50 Jahre Bundesliga - Typen, Titel und bloß nicht wie Tasmania‹‹, die vor einem Jahr mit der Jubiläumssaison startete. Es machten mit: Trainer Baade, Heinz Kamke ››angedacht‹‹, Uwe Strootmann ››Im Schatten derTribüne‹‹, Jannik Sorgatz ››Entscheidend is auf’m Platz‹‹, Carsten Pilger››FCSBlog 2.0‹‹, Carsten Koslowski alias Janus ››Janus kleine Welt‹‹ und Werder-Schalträger Udo M. Abgerundet wurde die Woche mit einem Ben Redelings-Interview. 
 
50 Jahre Bundesliga, das ist gewiss ein gutes Stichwort. Nahm sich dieses Jubiläum doch kürzlich der Tagesspiegel zum Anlass, um eine Expertenjury zu bilden, die dann die beste Elf aus fünf Jahrzehnten Bundesliga kürte. Löblich, diese Aktion. Doch besonders  von Interesse soll hier freilich sein, wen Jupp Heynckes und seine Jurykollegen zum besten Bundesliga-Libero gekürt hat. Es war natürlich, Franz Beckenbauer. Schließlich hat es kaum einen besseren gegeben als Beckenbauer, der den Libero mit federleicht anmutender Eleganz oft offensiv interpretierte. Sehen wir dem ››Kaiser‹‹ daher seine Zoten, Zitate und sonstigen Zwischentöne ausnahmsweise einmal nach. Gleichwohl möchte ich Elogen auf den ››Kaiser‹‹ nicht weiter vertiefen und überlasse dies DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, der dies im Tagesspiegel vortrefflich erledigte.
 
Eher möchte ich dem einstigen Kölner Bundesliga-Profi Thomas Cichon einige Zeilen widmen. Vor einer halben Dekade schien Cichon beim VfL Osnabrück sein Glück gefunden zu haben und gab dort einen wenig sprintstarken letzten Mann. Cichon, dem Toni Polster weiland in  Köln den kapitalen Kosenamen ››Franz‹‹ verpasst hatte, interpretierte den Libero meist als zurückhängenden Ausputzer mit ansprechendem Auge und einer Vorliebe für lange Diagonalpässe per Außenrist. Unvergessen sind ferner - in Köln wie in Osnabrück - Cichons gewichtige Gesten, denen  Manuel Andrack in seinem Buch Meine Saison mit FC gleich ein  Kapitel lang Tribut zollt.
 
Auf diese Weise hielt Cichon damals Osnabrücks fragile Abwehr in Liga Zwo und Drei irgendwie zusammen. Selbst wenn einige Lila-Weiße auf den Rängen der Bremer Brücke schier öfter aufstöhnten als in manchen Spielen Abseits gepfiffen wurde, da ihr letzter Mann wieder einmal nur die Hacken der gegnerischen Neun sah. Cichon kompensierte die aufbrandenden Brummeleien an der Bremer Brücke zumeist mit Strafstoßtoren, nach denen er sich absurderweise überaus ausgiebig auf dem Zaun der Osttribüne feiern ließ. Wie singt man noch im lila-weißen Kosmos des Traditionsklubs? Wir sind alle ein Stück -VauEffEll Osnabrück!
 
Leider ist obendrein noch immer diese unappetitliche Sache mit dem Wettskandal in der Welt, in dessen Zuge ››Franz‹‹ Cichon mehrfach belastet und letztlich angeklagt wurde. Doch um Cichon, dessen Stiefel längst am Nagel hängen,  als einen Ausputzer auf Abwegen soll es hier ausdrücklich nicht gehen. Eher darum, dass dieser ››Franz‹‹ Cichon der letzte waschechte Libero gewesen ist, den ich im Profifußball von einer Tribüne aus habe spielen sehen. Im Übrigen: Live und in Farbe.  

Sonntag, 29. April 2012

Otto, wo ist der Libero?

Kürzlich erhielt ich eine Mail. Dort hieß es: „Wenn Du Deinen Blog schon Libero nennst, schreib mal mehr über ihn.“ Der Typ nannte sich Manni und klopfte sich vermutlich auf die Schenkel, als erwähnte, auch einmal Libero gewesen zu sein. Dennoch dachte ich mir, warum denn eigentlich nicht. Dann fiel mir ein, dass ich etwa über good old Otto Rehhagel schreiben könnte. Er ist schließlich der „Lordsiegelbewahrer des Liberos“ und Otto finde ich gut!

Kutzop, Bratseth, Lothar, Sforza, Tsiartas und wie sie alle heißen... überall wo Otto  einmal Station machte, tauchte auch der Libero auf. Welch Treppenwitz seines Trainerlebens war es, als Otto in der griechischen Nationalelf einst einen gewissen Liberopoulos aufstellte, der aber Stürmer war...

Vor einigen Monaten ließ Otto sich nun breitschlagen, Hertha BSC vor dem Bundesliga-Abstieg zu retten. Viele fanden das gar nicht gut, meckerten „Hertha geht’s nicht“ und hätten Herrn Preetz allenthalben am liebsten in die Wüste gejagt. Bei seiner Vorstellung proklamierte „König Otto“ dann, dass bei der Hertha sein Wort ab sofort Gesetz sei, wonach ebenso viele die Nasen rümpften. Hätten sie ihn doch weiland in Hellas gehört. Da fabulierte „Rehakles“ noch: „Die Griechen haben die Demokratie erfunden. Ich habe die demokratische Diktatur eingeführt.


Wie dem auch sei, die „Alte Dame Hertha“ kümmert so etwas auf dem grünen Rasen wenig. Einen Spieltag vor dem Saisonende  ist sie Vorletzter und bekommt derzeit gefühlt Woche für Woche eine Packung. Wie etwa gestern auf Schalke und kam dort mit 1:4 unter die Räder. In dem vermeintlichen Retter Rehhagel erkannte Sportschau-Reporter Witte daher nur noch „einen ratlosen älteren Herren“, dem schon längst ein Zacken aus der Krone gesprungen sei. Dennoch habe der Fußball-Gott „seinen Mannen noch eine letzte Chance“ gegeben, stemmte Otto Durchhalteparolen dagegen und spielte auf das Abstiegsfinale am kommenden Samstag gegen Hoffenheim an.

Dort, wo ausgerechnet Ex-Trainer Babbel das Zepter schwingt und nach seinem schmerzhaften Abschied im Winter die Hertha in die Liga Zwo versenken wollen dürfte. Ja, ja, Otto: der vielbeschworene Fußball-Gott. Lässt er Hertha gewinnen und Köln gegen die Bayern verlieren, dann hätte Otto mit Hertha zumindest die Relegation erreicht. Hört sich in dieser Situation nach großem Kino an, ist für die Hertha aber eigentlich ein zutiefst trauriges Drama. Da bleibt Otto wohl, augenzwinkernd gesagt, nur noch seine allerletzte Patrone.

Mitnichten sein ewiger griechischer Adjudant Angelos Charisteas, der inzwischen für ein Klübchen namens Panetolikos Agrinio stürmt. Es ist kein Geringerer als der Libero! Nun Otto, wo ist er? Bisher tauchte er trotz Herthas Verteidigernot und etlichen Klatschen in keiner Taktik auf, obwohl ein Kandidat in Ottos eigenen Reihen schlummert. Es ist Herthas ungarische Ikone Pál Dárdai, der nach 14 Jahren im Arm der „Alten Dame“ dann und wann noch immer in Herthas zweiter Garnitur die Stiefel schnürt.

Mensch Otto, wäre Dárdai als einer der Erben des großen Ferenc Puskas mit 35 Jahren nicht geeignet, Deinen (vielleicht) letzten Libero zu geben? Also, mach’et Otto. Ich fände das gut! Die Hoffnung stirbt bekanntlich immer zuletzt.

Donnerstag, 31. März 2011

Am Anfang steht Paul Breitner

Was macht eigentlich, Paule Breitner? Ist der 74er-Weltmeister mit der wallenden Lockenpracht noch ein Begriff?

Ich denke schon. Dazu erinnere ich mich an meine Kindheit. Damals zierte Paule Breitners Konterfei den Latz meiner ersten Fußballtreter. Wesentlich später flatterte nach einem Umzug gar eine signierte Breitner-Autogrammkarte über meinem neu aufgebauten Schreibtisch.Kürzlich übergab mir der Postbote ein Päckchen, das ein Paule Breitner T-Shirt in sich trug, welches die kommenden warmen Tage des Frühlings erträglich macht. Man merkt, ein wenig steht Paule Breitner für etwas Beginnendes. Ob sich etwa Parallelen zu Zeiten auftun, in denen Paule Breitner noch runden Bällen hinterherjagte?

Das könnte durchaus sein. Immerhin erzielte er als erster und bisher einziger deutscher Kicker in zwei WM-Endspielen einen Treffer. Paule Breitner war der erste Kicker des FC Bayern, den sich Real Madrid geangelt hat. Paule Breitner war dazu der erste Star von Real Madrid, der danach zu Eintracht Braunschweig niederfuhr. Außerdem war Paule Breitner Vorreiter für alle Kicker, die in seiner Spur durch den Staub sonderbarer Western-Streifen wie Potatoe-Fritz galoppieren möchten.

Um den Weg zur Ausgangsfrage zu finden. Paule Breitner ist heute Chef-Scout des FC Bayern. Das hat weniger mit den Meriten seiner kruden Western-Vergangenheit zu tun als mit fußballerischem Sachverstand. Und in diesen turbulenten Wochen könnte er als Chef-Scout von seinen Bossen, Uli Hoeneß und Kalle Rummenigge, folgenden Auftrag erhalten haben. Paule Breitner soll ein beim FC Bayern existierendes Defensivproblem lösen. Schließlich herrscht dort in den hintersten Reihen eine Art Wildwest. Und dies missfällt seinen beiden Bossen, hoch auf dem Rekordmeister-Ross, aufs Ärgste. Doch, vielleicht lässt sich dieses Problem schneller lösen als gedacht.

Denn als vor Kurzem in diesen vier Blogwänden sozusagen der LIBERO wieder zum Leben erweckt wurde, spross hier kurz ein zartes Pflänzchen Hoffnung. Speziell, dass Paule Breitner mit seinem Feldstecher, ja genau, den LIBERO für seinen FC Bayern in den Fokus nimmt. Paule Breitner selbst war nie Libero. Doch spielte Paule nicht mit Franz, dem besten aller besten Fünfer, Seite an Seite? Ist Breitner ob seines eigenwilligen bis störrischen Wesens nicht selbst stets „freier Mann“ gewesen. Einer, der vermag Altbewährtes im Internet aufzuspüren, um ein Bayern-Bollwerk aufzubauen?

Doch die Hoffnung ist dahin! Hinreichende Netzrecherche allein hätte gereicht, um herauszufinden, dass Paule Breitner unlängst die Antwort auf den Titel eines Buchdeckels notiert hat. Er schrieb: „Ich will kein Vorbild sein!“. Das heißt, Paule Breitner wird keine Liberos googeln! Damit gilt: der LIBERO wird in diesen vier Blogwänden bleiben und künftig Tagträume vermeiden, die mit dem FC Bayern zu tun haben.

Dennoch, schaun‘ mer mal, was aus dem LIBERO so wird. Ob im Übrigen etwas an dem Gerücht dran ist, dass in seinem Rentner-Domizil ein gewisser Otto Rehhagel folgende Bitte an seine Gattin ausgesprochen haben soll? „Beate, tipp ma‘ Libero in diese Suchmaschine ein. ELL – Iiii - Bee…“.

Mittwoch, 16. März 2011

Freier Mann

Guten Tag allerseits!
Wer hätte das gedacht?
Es wird tatsächlich wieder ein Libero aufs Feld geschickt.

Doch keine Bange, dies ist weder antiquiert noch eine Wiedergeburt, sondern nur (ein regelmäßig unregelmäßiger) Fußball-Blog!

Der LIBERO kommentiert mal bissig das Geschehen im Fußball-Kosmos.
Mal spielt der LIBERO nostalgische Pässe oder kickt lange Bälle auf die Insel.

Nicht im Stil des Kick & Rush, eher mit einem Augenzwinkern:

Frisch. Franz. Fröhlich. Frei.

Die Numero 5 lebt und all das ganz ohne Otto Rehhagel.

Die letzte Station des vermutlich allerletzten Liberos war übrigens Thor Waterschei.