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Samstag, 15. August 2020

Stade de la Loose

>>Bayern demütigt Barcelona. Beeindruckend und mitleidlos hat der FC Bayern seinen Gegner erstickt. Barcelona ertrank im Stade de la Luz, das für sie zum Stade de la Loose wurde. Ein Spiel, das in der Erinnerung bleibt. Seit über 50 Jahren hatte Barcelona nie mehr als fünf Gegentore in einem Europapokalspiel kassiert. Wir haben ein historisches Ereignis erlebt.<< (L'Equipe)

>> Es gibt Ergeb­nisse, bei denen es um mehr als nur Zahlen geht. Sie werden zu Aus­sagen, Offen­ba­rungen, Wen­de­punkten, bewirken Ver­än­de­rungen, mar­kieren das Ende einer Ära. Deutsch­land – Bra­si­lien 7:1. Bayern Mün­chen – Bar­ce­lona 8:2. Ein Klub von Bar­ce­lonas Größe darf ein­fach nicht mit acht Gegen­toren ver­lieren, nicht in einer sol­chen Situa­tion.<< (The Daily Mail)

>>Bayern München zerstört einen trostlosen FC Barcelona. Es ist schwer zu glauben, dass Mannschaften mal versucht haben, so wie der FC Barcelona zu spielen. Das war einmal. Sein Fußball ist fad, seine Seele ist verschwunden, und zu viele Spieler haben ihre besten Tage bereits hinter sich.<< (The Guardian)

>>Die Mutter aller Debakel Barcas. Bayern unterstrich klar und deutlich, dass Barcelona weit weg von den Topteams Europas ist. Bayern macht Barca mit der 8:2-Klatsche platt. Die Bayern überrannten Barca und waren in allen Belangen hoch überlegen. Bayern war ein Hurrikan mit den drei Toren in neun Minuten in der ersten Halbzeit. Es war die schlechteste erste Halbzeit, die man von ter Stegen in Erinnerung hat. Das Pressing der Deutschen war brutal, Messi und Co. hatten nichts entgegenzusetzen. Und auch das noch: Doppelpack von Coutinho.<< (El Mundo Deportivo)

>>FC Bayern auf der Ach­ter­bahn! Die Münchner zer­stören Bar­ce­lona und demü­tigen die Mann­schaft mit einem ver­hee­renden 8:2. Für die Kata­lanen ist das die schlimmste Nie­der­lage in der Cham­pions League. << (La Gaz­zetta dello Sport)

Freitag, 4. August 2017

Pelés Petitessen

Im Angesicht des Wechsels von Neymar zu Paris St. Germain verschiebt sich im Fußball soeben ein wenig die Plattentektonik, zumal Neymar die Ablösesumme von 222 Millionen Euro doch einfach aus seiner eigenen Tasche an den FC Barcelona bezahlt hat. Nicht weiter soll nun vertieft werden, wer ihm das Geld zugeschossen hat. Wir hängen daher an den Lippen von Christian Streich, der vielen in Punkto des Transferirrsinns mit seinem schweren Akzent aus der Seele gesprochen hat: »Der Gott des Geldes verschlingt alles.«

Neymar gilt wie viele Kicker vom Zuckerhut als Erbe von Pelé. Auch dieser lässt den Rekordtransfer im Übrigen nicht unkommentiert und gratuliert auf Twitter:
Über die Ablösesumme und weitere hierzu bewegende Aspekte lässt er also nicht zwitschern. Die Frage ist, was will Pelé der weiten Welt des Fußballs mit seinem Tweet und vor allem dem Foto wirklich sagen? Lesen wir mal im Kaffeesatz und halten uns ganz spekulativ an Pelés Petitessen zwischen den Zeilen. Vielleicht meint der gute alte Pelé dies:
»Schau mal her Neymar, ich habe den WM-Pokal (#coupejulesrimet), der dir noch fehlt, gewonnen. Und wenn ich ihn in Paris hoch halte, bin ich fast so groß wie der Eiffelturm und bleibe damit größer als du.«

Samstag, 15. Juni 2013

Sorgen um Pelés Erben

Die WM 2014 in Brasilien wirft immer größere Schatten voraus. Das Maracanã-Stadion wurde vor Kurzem endlich fertig, was zum heute beginnenden Confederations Cup, jener WM-Generalprobe, gerade noch just in time war. Schier zu große Schatten werfen unterm Zuckerhut derzeit jene genialen Generationen von Idolen und Altstars, über denen im Fußball-Olymp do Brasil nur noch der große Pelé als eine Art brasilianischer Fußball-Zeus thront, auf die aktuelle Seleção. Denn diese rumpelt für Maßstäbe do Brasil beinah über die Rasenrechtecke, weshalb sich der gesamte Olymp Sorgen um Pelés Erben macht.

Da wäre etwa Romário, seines Zeichens Weltmeister 1994 und inzwischen Parlamentsabgeordneter. Denn der Ex-Weltklassetorjäher schießt mittlerweile gern und oft kritisch aus allen Rohren -  besonders gegen den Verband, Brasiliens Trainer, das Team und selbst gegen Pelé himself. So legte Romário Pelé gar einmal nahe, sich einen Schuh in den Mund zu stecken. Weniger streitlustig wirkt da Zico, der sich in den 70er und 80ern den huldvollen Spitznamen «Weißer Pelé» erdribbelte. Kurz vor dem Confed Cup-Eröffnungskick, das Brasilien gegen Japan bestreitet, rechnet Zico, einstmals japanischer Nationalcoach, «mit einem der härtesten Duelle , die diese beiden Teams sich je geliefert haben.»  Für Zico ist dies offenbar kein Wunder. Die Seleção  befände sich, so Zico weise, gerade in einer Phase, in der sie noch nach der idealen Elf und Formation suche.

Bei Pelé himself scheint unterdessen ein typischer Uwe-Seeler-Reflex ausgebrochen zu sein. Brasiliens 73-jähriges Fußball-Idol erklärt permanent, Angst um seine Seleção zu haben. „Lasst uns die Selecao nicht ausbuhen, sondern unterstützen“, musste Brasiliens größter Zehner sogar dieser Tage seinen aufgebrachten Landsleuten soufflieren.

Die geballte Sorge hängt dabei irgendwie mit diesem Neymar zusammen. Denn Neymar gilt, wie sich täglich irgendwo nachlesen lässt, bereits seit einem gefühlten Jahrzehnt als Pelés Erbe. Wie Robinho und viele andere vor ihm, die einst beim Pelé-Klub FC Santos die Stiefel balljonglierend schnüren gelernt haben. Nun soll Neymar sein Heimatland beim Confed Cup zum Turniersieg führen. Wenn möglich mit einem Hattrick pro Spiel und sollte dieses Kunststück am besten im Sommer 2014 gleich noch einmal wiederholen. 

Doch mit diesem Neymar, der just dem FC Barcelona epische 57 Millionen Euro wert war, ist das so eine Crux. Schließlich wiegt der Rucksack aller brasilianischen Erwartungen für ihre 21-jährige Verheißung überaus schwer. Man beachte das enttäuschende Viertelfinal-Aus bei der Copa America 2011 oder die für brasilianische Dimensionen fast skandalöse Silbermedaillen beim olympischen Fußballturnier in London, wo der stets fesch frisierte Neymar so manchen Übersteiger ins Leere fabrizierte. Das führte mittlerweile dazu, dass ausgerechnet Pelé himself seine verwöhnten Landsleute davor warnte, Neymar mit ihren Erwartungen zu überfrachten.  So diktierte er noch Ende Februar der Zeitung Estado de Sao Paulo folgende Zeilen in ihre Blöcke: „Das Vertrauen in ihn ist wahnsinnig groß, aber er ist nur ein ganz gewöhnlicher Fußballer, wenn er für Brasilien spielt.“
Jene Aussage verliert leider etwas an Gehalt, wenn man Pelé dieser Tage so zuhört, wie er Sätzchen verkündet, die da lauten: Messi sei die Gegenwart und Neymar die Zukunft. 

Doch der große Pelé kann auch anders und schoss längst aus seinem Fußball-Olymp bittere Blitze auf seinen erklärten Erben ab. Neymars "Hauptsorgen" seien "Mode und seine Frisur", so bebte Pelé einmal im englischen Independent. Kurz zuvor war die März-Ausgabe des englischen Fußball-Magazins FourFourTwo erschienen, die auf ihrem Cover unter anderem Neymar abbildete, der tatsächlich, als verkleideter Elvis Presley aus der rechten Coverecke grinste. Fremdschämen ist ausdrücklich erlaubt. Welch Wunder, dass dies selbst Romário keine seiner berüchtigten Salven wert war...

Mittwoch, 1. Mai 2013

Als Udo Lattek im Camp Nou weinte

On the road to Wembley. Die Bayern gastieren beim FC Barcelona. ››Der Libero‹‹ erinnert an das traumabildende Gastspiel des Rekordmeisters im Camp Nou anno 2009, nach dem Udo Lattek auf den Tribünen der katalanischen Fußball-Kathedrale gar Tränen der Trauer verdrückt haben soll...

Wenn die Bayern, mit ihrer 4:0-Sensation im Rücken, am Mittwochabend beim FC Barcelona im Halbfinalrückspiel der Königsklasse gastieren, dann wird dies das erste Mal seit jener denkwürdigen Nacht im April 2009 sein. In dieser Nacht spielte sich jenes bis vergangenen Dienstag schmerzendes Inferno ab, bei dem Schweinsteiger und Kollegen mit nullzuvier sang -und klanglos untergingen.

Alle vier Treffer kassierte Hans-Jörg Butt, den ein gewisser Jürgen Klinsmann als Bayern-Trainer damals den erklärten Oliver-Kahn-Erben Michael Rensing degradierend zwischen die Pfosten des Rekordmeisters befördert hatte. Doch an Butt, diesem wie strafstoßschiessenden Torsteher aus Großenkneten, lag es in den 90 Minuten wohl am wenigsten.

Vielmehr besaßen der brillante Messi und seinen nicht minder genialen Gefährten in den blau-roten Trikots nicht nur buchstäblich mehr Pep, sie führten den weißgekleideten Rekordmeister mit ihrer Spielfreude regelrecht am Nasenring durch die Manege des Camp Nou. Das internationale Presseecho zu dieser Demütigung? Es fiel damals vernichtend aus:

„Barcelonas Fußball ist von einer anderen Welt. Das Weiterkommen war bereits zur Halbzeit entschieden. Mit etwas mehr Druck in der zweiten Hälfte hätte Barça den Bayern eine Packung von skandalösen Ausmaßen verpassen können.“ [Marca]

„Ein kaiserlicher Spaziergang: Barcelona setzt seinen Triumphzug zum Finale in Rom fort. Egal was bis dahin geschieht, niemand wird Barça absprechen können, eine der besten Mannschaften in Europa zu haben.“ [El Periódico]

„Barça nahm den FC Bayern unter Maschinengewehrfeuer. Der deutsche Meister brannte lichterloh.“ [El País]

„Messi vernichtet Bayern. Er löscht Toni und Bayern aus. Barça feiert eine Fiesta. Ein Vergnügungspark an Toren. Jetzt zittert Klinsmann.“ [Gazzetta dello Sport]

„Messi schlitzt Klinsmanns Bayern mit einer blendenden Vorstellung auf. Barça erzielt alle Tore in einer sensationellen ersten Halbzeit. Messi tobt sich richtig aus. Barcelona schlägt Bayern vernichtend im Nou Camp.“ [THE SUN]

„Messis Zauber bringt Barça einen Schritt näher Richtung Rom. Man sollte vorsichtig mit dem Wort furchteinflößend sein, aber niemals vorher war es treffender als bei dieser Vorstellung.“ [THE TIMES]


Auf Einladung des FC Bayern saß damals auch Trainer-Haudegen Udo Lattek auf der Tribüne und erlebte wie seine bajuwarischen Fußballfreunde in Barcelona eine Nacht in Moll. Hiervon sollte selbst Kalle Rummenigge tags darauf berichten und stammelte in die Mikrofone der Reporter: Ich habe unseren alten Freund Udo Lattek in der Halbzeit gesehen, er hat geweint.

Freilich, Tränen lügen halt nicht. Wenige Wochen später, als Latteks Augen längst getrocknet und die Bayern gegen Barca ausgeschieden waren, geschah im Bayern-Kosmos das Unvermeidliche.  Die Bayern jagten Jürgen Klinsmann, die unglückverheißende Büchse der Pandora, vom Hof. Jupp Heynckes, seinerzeit eine Art Trainer-Rentner, übernahm vorübergehend das Zepter an der Seitenlinie.

Heynckes Ernennung kommentierte der Stern seinerzeit übrigens als „Bankrotterklärung“ und wird spätestens nach dem Ende dieser fabulösen Bayern-Saison vermutlich um einiges schlauer sein. Doch woher auch. Schließlich ließ uns Olli Kahn in seinem mysteriösen Fan-Orakel erst viel später in die Zukunft schauen...

Dienstag, 23. April 2013

››Don Bernardo‹‹ weiß es

Was macht eigentlich, Bernd Schuster? Wie zu erwarten ist der ››Blonde Engel‹‹ angesichts der deutsch-spanischen Champions League-Festspiele in dieser Woche derzeit ganz besonders gefragt. Ansonsten ist der mittlerweile 53 Jahre alte Schuster nach dem vorzeitigen Ende seines Engagements bei Besiktas Istanbul 2011 einer von vielen Trainer im Wartestand.

Im spanischen Königreich wird Schuster übrigens ››Don Bernardo‹‹ gerufen und prognostizierte nun in der WELT am Sonntag eine Wachablösung des spanischen Fußballs durch die deutschen Kicker: „Im Moment scheint die Zeit ganz klar für Deutschland gekommen zu sein. Die Substanz, die die deutsche Nationalmannschaft mittlerweile hat, könnte dafür sorgen, dass man die Macht von Spanien übernimmt.“

Der BVB und die Bayern hätten, so Schuster, die ideale Mischung aus hohem Rhythmus und spielerischer Klasse gefunden, deshalb werde es für Real Madrid gegen den BVB und Barca gegen die Bayern in den Halbfinals sehr schwierig. Woher der ››Don Bernardo‹‹ das alles weiß? ››Der Libero‹‹ klärt auf und hat fünf Stilblüten zu dem kauzige Grenzgänger zwischen dem deutschen und spanischen Fußball gesammelt.

1. Über Schusters erste Gehversuche in Deutschland als Chefcoach der damals zweitklassigen Kölner Fortuna und des 1. FC Köln hüllt man am besten des Mantel der Geschichte. Seine Saison als FC-Coach bezeichnete Schuster einmal als „das schlimmste Jahr seines Lebens“ . Im letzten Herbst wäre er gar um ein Haar Trainer des VfL Wolfsburg geworden und hätte dort nach eigenem Bekunden gern „Tiki-Taka in die Bundesliga gebracht“.

2.  Seinen größten Erfolge feierte Señor Schuster 2007 als Trainer von Real Madrid, wo er nicht nur den spanischen Meistertitel holte und den Spaniens Supercup errang. Zudem kürte ihn die spanische Presse zum Trainer des Jahres. Vor seinem Engagement bei Real hatte sich Schuster bei kleineren spanischen Klubs wie Getafe, Levante und Xerez verdingt.

3. Ende 2008 setzte Real Schuster dann vor die Tür des Estadio Santiago Bernabéu. Damals hatte ››Don Bernardo‹‹ der sportlichen Krise die Krone aufgesetzt, indem vor einem anstehenden Duell beim FC Barcelona zu behaupten gewagt hatte , Real habe im Clásico keine Chance und müsse sich darauf beschränken, im Camp Nou einen „guten Eindruck“ zu machen.

4. Dabei musste Schuster es doch wissen. Schließlich hatte er als Spieler acht Jahre lang bei Barca die Acht auf dem Rücken getragen, bevor er für zwei Spielzeiten den Dress von Real Madrid überstreifte, um danach für drei Jahre für Atlético Madrid die Stiefel zu schnüren.


5. Im Barca-Dress sollte Schuster in den 80ern auch Doppelpässe mit einem gewissen Diego Maradona spielen. Angesprochen auf den schier unvermeidlichen Vergleich mit Lionel Messi stufte Schuster jenen Messi nun als eine Klasse besser als Maradona ein: „Er ist schneller, außerdem war Maradona nicht so ein exzellenter Torschütze. Er war ein begnadeter Spieler, mit Sicherheit einer Größten, aber Messi hat noch dieses gewisse Extra.“

Mittwoch, 12. Dezember 2012

Auf nach Arbroath

„Paradise“ heißt im  kehligen schottischen Volksmund der Celtic Park, also das Wohnzimmer von Celtic Glasgow. Schier paradiesische Zustände sollten in den letzten Jahrzehnten dort immer dann eintreten, wenn Celtic seinen Lieblingsfeinden von den Glasgow Rangers ein Schnippchen schlug. Da die im Celtic-Kosmos weithin unbeliebten Rangers sich nun in Schottlands 4. Profiliga gegen Klübchen verdingen müssen, die Namen wie Annan Athletic tragen, fällt das archaische Old Firm-Schauspiel bis auf Weiteres aus. Kein Wunder, dass Celtic - ganz ohne die Rangers im Nacken - in der in Siebenmeilenstiefeln ihrer Meisterschaft number fourty-six entgegen marschieren.

Kollektive Ekstase herrschte im „Paradise“ neulich etwa mal wieder, als Celtic angetrieben von 60.000 fanatischen Fans in grün-weißen Trikots, das Ensemble des FC Barcelona mit 2:1 niederrang. In der Tat, danach gingen Bilder um die Welt, wie sich im Angesicht dieses Triumphes Celtics gerührter Edelfan Rod Stewart Tränen aus den Augen wischte. Ja, und wie der Rockröhre für Momente kein Ton mehr über die Lippen ging.
 
 
Ebenso „gerockt“, wie man es im Sound dieser Tage ja gerne und oft schreibt, war auch Lionel Messi. Völlig fasziniert von Celtics fabulösem Anhang versprach er diesem quasi als Tribut Schützenhilfe für den Einzug ins Achtelfinale der Königsklasse. Und in der Tat, Messi hielt Wort: Barca ließ Benfica nicht gewinnen. Indessen siegte Celtic im „Paradise“ über Spartak Moskau, kam weiter, was Celtics Coach Neil Lennon gleich als „miracle“ (Wunder) etikettierte. In Anspielung auf Celtics Europapokalsieg 1967, als die Siegerelf von Lissabon sich als „Lisbon Lions“ verewigten, wird Celtics 2012er Generation, mit zwei bis drei Prisen Pathos, gewürzt nunmehr „Lennon Lions“ gerufen. 

Bei solch paradiesischen Zuständen wäre indes es fast untergegangen, dass sich die „Lennon Lions“ im schottischen FA Cup gegen den sagenumwobenen Drittligisten Arbroath Football Club gerade die Zähne ausbeißen. Dennvor fast leeren Rängen im Celtic Park sollte Arbroath den „Lennon Lions“ kürzlich nach einem Last-Minute-Treffer noch den knappen Sieg wegschnappen. Steve Doris heißt der Held dieses Samstages, der sicherlich in den Annalen von Arbroath seinen Ehrenplatz finden wird. Da das gnadenlose Reglement auch im schottischen Pokalwettbewerben Wiederholungsspiele vorsieht, heißt es für Celtic am heutigen Mittwoch: auf nach Arbroath.
 
 

Arbroath, mehr Schottland geht nicht. Das heißt raues Ostküstenklima, wo das weltberühmte Angus-Rind (sich) weidet. Genau dort residiert der Arbroath Football Club im Gayfield Park, der etwa 4.200 Zuschauer fasst und damit nicht einmal ein Fünftel der 22.000 Einwohner der Hafenstadt beherbergen kann. Für Celtic, immerhin 45-facher schottischer Rekordpokalsieger, verspricht das Gastspiel im Gayfield Park, der nur wenige Schritte von der Nordsee entfernt liegt, ein windiges Abenteuer zu werden.

Was wohl wäre, wenn dem ehrenwerten Arbroath Football Club tonight dasselbe David-Goliath-Spielchen wie zuletzt Celtic gegen Barca gelänge. Es hätte dann den Anschein, als wenn  good old Scotland sich die aufstrebenden „Lennon Lions“ zurück in seine engen Fangarme holen würde. Rod Stewart wäre dann im Celtic-Kosmos wohl nicht der einzige, der eine Träne verdrücken dürfte…  

Sonntag, 17. Juli 2011

Wo liegt nun dieses „Messitinien“?

Neulich im Mai, machte ein brillantes Barca das Champions League-Finale gegen Manchester United zu seiner eigenen furiosen Fiesta. Da verneigte sich gar der knorrige Sir Alex Ferguson. Er könne sich nicht daran erinnern, jemals derart verprügelt worden zu sein. Hervorragende Galionsfigur dieses perfekten Barcas an diesem denkwürdigen Abend in Wembley war der grandiose Lionel Messi mit  seiner funkelnden goldenen Zehn auf seinem blau-roten Dress.

Ob Barcas epochalen Triumphes sackte gar die spanische Gazette Marca, ansonsten eher Erzrivale Real Madrid zugetan, vor diesem Messi auf die Knie und verortete mit ehrfurchtsvollen Blick nach oben: Gott sei aus dem Himmel herabgestiegen und auf dem Rasen von Wembley erschienen. Kurz nach diesen durchaus euphorisierenden  Ereignissen, erfuhr ich, dass Messi in diesem Sommer in seiner argentinischen Heimat zudem die Copa America, die Südamerikameisterschaft, spielen wird.

Kühn vermutete ich, dass sich die stolzen „Gauchos“ mit diesem Ballkünstler und ihrem frenetischen Anhang im Rücken in ein magisches „Messitinien“ verwandeln werden. Das heißt, dass ich erwartete, nach dem Abpfiff des Copa-Finales den dank Messi leichtfüßigen argentinischen Stier mit sämtlichen Trikots seiner Kontrahenten auf den Hörnern zu sehen.Vor allem erwartete ich dort den gelben Dress der brasilianischen Seleção zu sehen, der im Wind der Final-Arena El Monumental in Buenos Aires baumelt.

Doch, schon während der Vorrunde nach zum Teil peinlichen Darbietungen gegen Bolivien, Kolumbien und ein besseres Juniorenteam aus Costa Rica, schien für die Kicker der Albiceleste die Last des weiß-blauen Trikos zu groß. Diese Last hemmte offenbar die Beine von Mascherano, Tevez oder jenem Messi gleich mit. Movete Argentina, movete!“, hallte es daraufhin aus zornigen argentinischen Kehlen, die Bewegung und Esprit von ihren Helden einforderten.

Nach dem gestrigen Viertelfinale der Copa, in dem die „Gauchos“ nach einer herben Niederlage im Elfmeterschießen gegen Uruguay überraschend ausschieden, bin ich wie wohl Millionen Argentinier ernüchtert. Denn neben diesem Aus war zudem dieser Messi ein Schatten seiner selbst. Daher bleibt nur die eine Frage: wo liegt nun dieses „Messitinien“? Doch, anscheinend gibt es dieses gar nicht.

Meine vielleicht etwas hanebüchene Annahme gründet sich übrigens darauf, in den achtziger und neunziger Jahren mit Diego Maradona groß geworden zu sein. Ich sah, wie Diego eine raubeinige und allenfalls durchschnittliche argentinische Elf etwa zum WM-Titel anno 1986 führte. Ich sah einen durchtriebenen Alleinunterhalter, der mit fast allen seinen Gegnern Tango tanzte. Außer mit einem gewissen Guido Buchwald im WM-Finale anno 1990...

„Messitinien“. Die Feststellung ist wohl nicht neu, dass Lionel Messi bei Barca das besondere Rädchen in einem eingespielten Räderwerk ist, in dem ihn Iniesta und Xavi flankieren. Ohne diese kongenialen Passgeber und Guardiolas passgenaue Taktik scheint Messi seine Fähigkeiten augenscheinlich für Argentinien nicht entfalten zu können. „Bei Barca Weltklasse, für Argentinien Durchschnitt“ dürfte der weltweite Boulevard hierzu in großen Lettern schon bald konstatieren.

Im unvermeidlichen, aber vielleicht nicht ganz angebrachten Vergleich mit Maradona, verkörpert Messi jedenfalls bislang noch nicht den Anführer, der Maradona einmal für die Albiceleste gewesen ist. Und dieser Maradona ist weiterhin allgegenwärtig. Bereits beim enttäuschenden Vorrunden-Remis des zweimaligen Weltmeisters gegen Kolumbien verlangte das erboste Publikum von Santa Fe nach seinem Idol und verlieh seiner Sehnsucht mit wütenden „Maradó, Maradó”-Sprechchören Ausdruck.

Wie sagte der juvenile Messi ehedem selbst: „Es gibt nur einen Maradona.“ Diego Maradona würde dem sicher nicht widersprechen und wohlweislich im dichten Nebel einer Zigarre seine „Hand Gottes“ auf diese Würdigung geben.