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Sonntag, 23. Juli 2017

Singing Sunday #4: Der Philipp Lahm Song

Immer mal wieder sonntags präsentiert »Der Libero«  den »Singing Sunday«. Denn schließlich existieren im Fußball-Orbit einfach zu viele musikalische Preziosen von schönen Chants oder gar singenden Fußballern, deren herbe Stimmgewalt zuweilen jedem Shanty-Chor erstaunen lässt.
 
Philipp Lahm: Der clevere Kopf und wohl beste Außenverteidiger seiner Zeit hat seine Stiefel unlängst an den Nagel gehängt. In seiner schier perfekten Laufbahn sammelte der Kapitän unserer Weltmeisterelf von 2014 so viele Titel, dass deren Anzahl doch fast jeden Briefkopf sprengen würde. Respekt allerorten hat er stets erhalten, innige Zuneigung von den Rängen empfingen in seiner Spielergeneration zumeist die Volkstribunen Schweinsteiger und Podolski. Nach dem finalen Servus von Lahm im Mai hat sich nun noch eine weitere, ihm in seiner stolzen Titelsammlung noch fehlende Ehrung dazugesellt. Wie heute bekannt wurde, ist Philipp Lahm vor Toni Kroos zum Fußballer des Jahres 2017 gekürt worden. Gratulation!

Und noch etwas. Wie sich zeigt, sind über Lahm wider Erwarten doch Lieder geschrieben und sogar gesungen worden. Jener Philipp Lahm Song von der Combo »Die Lahmentierer« (!) ist bereits verflixte sieben Jahre alt und schwirrte bislang eher unbemerkt an diesem Fußball-Blog vorbei. Warum das so ist, darüber soll an dieser Stelle lieber nicht und vor allem nicht lange la(h)mentiert werden. Daher, bitte den Tusch für Philipp Lahm, ähm, den Philipp Lahm Song ab. Ja, mei...
 

 

Dienstag, 2. September 2014

Gestatten, »Capitano« Schweinsteiger!

Ritterschlag? Jogi Löw hat heute Bastian Schweinsteiger zum neuen Kapitän der deutschen Nationalelf ernannt. Selbst der guten, alten Tagesschau war jene Ernennung ein eigener Bericht in ihrer 20 Uhr-Ausgabe wert, bevor das Wetter von morgen verkündet wurde.

Schweinsteiger hat mittlerweile 108 Länderspiele auf dem Buckel. Nach asbachuralter DFB-Tradition wäre wohl eher Schweinis Buddy Lukas Podolski mit 116 Einsätzen als Nachfolger von Philipp Lahm an der Reihe gewesen. Doch diese Gepflogenheit spielt beim DFB ja gottlob keine Rolle mehr. Löws folgerichtige Entscheidung für eine Inthronisierung Schweinsteigers war durchaus erwartbar. Etwa in Würdigung seiner vielen  Verdienste um die Nationalelf und nicht zuletzt wegen seines für manche gladiatorenhaft anmutenden Kampfes just im erfolgreichen WM-Finale gegen Argentinien. Daher schlägt Schweinsteiger den Weg zu seinem letzten großen Turnier bei der Euro 2016 in Frankreich nunmehr mit der Binde am Arm  ein. 

Wer weiß, ob er bis dahin als ganz vorbildlicher Kapitän auch mal wieder das eine oder andere Testländerspiele absolvieren wird? Oder wer weiß, vielleicht gelingt unter dem Spielführer Schweinsteiger gar ein historisches Novum: der Gewinn des EM-Titels als amtierender Weltmeister. Was wir schon fest wissen: man sollte, wenn ich mich recht entsinne, es nur tunlichst vermeiden, Herrn Schweinsteiger »Chefchen« zu nennen. Das kommt nicht so gut.

Nachdem Jogi Löw »Schweini« nun die Binde heute sozusagen übergestreift hat, folgt nun eine kleine Twitterschau, die den neuen »Capitano« aber nicht durchweg hochleben lässt...





Sonntag, 28. August 2011

Mit königsblauem Turban

Das donnernde Schlagzeilengewitter, welches sein literarischer Anstoßgeber ausgelöst hat, dürfte der Kapitän der Nationalelf und des FC Bayern vermutlich nicht erwartet haben. Gewiss hat sich der deutsche Fußball-Zirkus hiervon nicht gleich lahm legen lassen. Allerdings wäre in dem Sturm der Entrüstung, der sich in den letzten Augusttagen erhob, das folgende Kleinod der Europapokalunterhaltung beinah untergegangen.

Wer er es nicht mitbekommen hat. Schalke musste im Rückspiel der 4. Quali-Runde zur Europa League-Gruppenphase HJK Helsinki nach 0:2-Hinspielpleite beim finnischen Rekordmeister mit mindestens drei Toren Unterschied schlagen. Der WDR übertrug die Partie zur besten Sendezeit. Und wer reinschaute, sollte eine Reminiszenz an vergessen geglaubte Abende der guten alten Europapokalunterhaltung erleben. Ohne Brimborium, Kerner, Reklame oder das überflüssige „der UEFA-Cup ist der Pokal der Verlierer“-Palaver.

Schalkes Flutlicht brannte, die Schalker Spieler ebenso. Man sah, wie diese sich gegen das drohende peinliche Ausscheiden stemmten. Man sah den Holländer Huntelaar vier Mal einnetzen. Man sah am Ende des Abends den deutschen Pokalsieger gegen anfangs flinke Finnen 6:1 triumphieren. Man sah, wie sich Schalkes Señor Raúl trotz dieses treffend aufgelegten Huntelaars zum Helden dieses Abends aufschwang.

Wir erinnern uns, wie dieser weithin stille Señor Raúl kürzlich den Schalkern seine Zuneigung bekundet und damit sich ausbreitenden unangenehmen Wechselgerüchten einen Riegel vorgeschoben hatte. Doch dieser Señor Raúl wäre nicht Señor Raúl hätte er seinem Tribut an die sensible Schalker Seele nicht Taten folgen lassen. Der stolze Spanier holte in den 90 Minuten etwa den Elfmeter zum frühen Führungstreffer heraus und bereitete weitere zwei Tore vor.

Besonders magische Momente ereigneten sich etwa gegen Ende der ersten Hälfte. Da erschraken in der Arena zunächst 54.000 Schalker, als ihr Señor Raúl nach einem Zusammenprall mit blutigem Kopf vom Feld humpelte. Was folgte? Señor Raúl ließ sich nicht etwa auswechseln. Der feingliedrige Angreifer spielte mit einem Turban weiter. Mit einem königsblauen Turban versteht sich. Doch dem ward nicht genug.

Nach dem Pausentee erwarteten 21 Akteure auf dem Rasen den Wiederanpfiff. In Anbetracht der erlittenen Platzwunde spekulierte Kommentator Steffen Simon bereits über Señor Raúls Feierabend, weil dieser als einziger auf sich warten ließ. Doch da begann die zuvor ruhige Arena zu pulsieren. Denn Schalkes „Königlicher“ stürmte plötzlich samt seinem königsblauen Turban aufs Feld.  Steffen Simon verschlug es daraufhin kurz die Sprache, was nicht allzu oft passiert und in dem sich erhebenden Beifallssturm ohnehin unterging.

Señor Raúl wirbelte fortan aufopferungsvoll kämpfend weiter, als wäre ihm nichts geschehen und er Marc Wilmots höchstpersönlich. So manches Schalker Herz wird da ein wenig höher geschlagen haben. Man stelle sich vor: macht dieser Señor Raúl so weiter, errichten sie ihrem „königlichen Knappen“ auf Schalke womöglich noch sein eigenes Denkmal.

Ein Beobachter dieses Spektakels hat dies im Übrigen schon. Jari Litmanen, der selbst im biblischen Alter von 40 Jahren noch die Stiefel schnürt und besagte 90 Minuten auf Helsinkis Ersatzbank verbrachte. Das Denkmal zu Ehren von Finnlands bestem Kicker aller Zeiten, weiland mit seinem schleppenden Gang und Torriecher für Ajax Amsterdam, Barcelona und Liverpool auf den ganz großen Bühnen des Fußballs unterwegs, steht in seiner Heimatstadt in Lahti.

Die Spatzen pfiffen es an diesem Donnerstagabend vom Dach der Schalker Arena: derzeit werden vermutlich wenige auf die Idee kommen, Philipp Lahm im Gegensatz zu Señor Raúl oder Jari Litmanen ein Denkmal zu setzen. Ob das wohl die „feinen Unterschiede“ sind, die Lahm in seinem literarischen Anstoßgeber gemeint hat?