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Mittwoch, 19. August 2020

Norwegische Nische

Die Wege altgedienter Profikicker in der weiten Welt des Fußballs sind mitunter verschlungen, manche Karriere findet via Station zu Station kaum ein Ende. Die nächste klingt irgendwie milde in Übersee aus. Andere wiederum enden bei dem einen und einzigen Klub, während weitere da enden, wo sie weiland begannen - oder zumindest ganz in der Nähe davon. 

Das ist etwa beim 38-jährigen norwegischen Kicker Morten Gamst Pedersen so. Dieser dreht mittlerweile im nordöstlichsten Zipfel Norwegens bei einem Verein namens Alta IF seine wohl allerletzte Karriereschleife. Sozusagen zurück zu den Wurzeln, denn als gebürtiger Sami stammt er auch aus dieser Region. Alta IF trifft in der 2. Division, Norwegens dritte Liga, auf Vereine wie Kvik Halden oder Skeid Oslo und trägt seine Heimspiele stets überdacht in den Finnmarkshallen aus, wo der Schlachtruf >Heia Alta< ertönt oder zumindest über die klubeigenen Social Media-Kanäle geteilt wird.

>Heia Alta<, das scheint buchstäblich zu passen für Altstar Gamst Pedersen, der sich allmählich zur Ruhe setzt und ehedem fast ein Jahrzehnt für die Blackburn Rovers zumeist in der Premier League am Ball war. Dort zählte der Ex-Nationalspieler (83 Länderspiele) neben ManUnited-Legende Ole Gunnar Solskjaer und Liverpool-Ikone John Arne Riise zu den bekannteren Norwegern und machte sich als veritabler Freistoßspezialist samt filigranem linken Fuß einen Namen.  Seine Hahnenkammfrisur brachte ihm um 2006 außerdem das Etikett des "norwegischen Beckhams" ein. Von sich reden machte er auch mit seiner Musikerkarriere, als er neben vier weiteren Fußballern der norwegischen Boyband The Players vorstand und mit der  Single This is for Real in ganz Skandinavien einen Hit landete. Das ist alles lange her. Nach seinem Abschied in Blackburn und Zwischenstationen bei Karabükspor,  Rosenborg Trondheim und Tromsø IL, wo Gamst Pedersens lange Laufbahn einst begann, zaubert er nun im blau-gelben Dress von Alta IF.

Wie und je mit der Nummer 12 auf dem Rücken, sein Vorbild war ein gewisser Marco van Basten, schlendert Gamst Pedersen dort über das Feld und landete nun ebenfalls einen Hit -  einen kleinen viralen. Dies belegt: selbst in der norwegischen Nische bleibt anscheinend nichts verborgen. 


Was passiert war? Gamst Pedersen hatte aus über 35 Metern dem Torsteher von FK Senja Silsand ein Freistoß in die Maschen gezimmert, den er von der Seitenauslinie ausgeführt hatte. Die Bilder hiervon in dem via Twitter von Alta IF verbreiteten Clip retweetete sein alter Mitstreiter Jan Aage Fjörtoft. Tags darauf zog der Guardian nach und zwitscherte auf seinen Kanälen treffend:>>Still got it.<<

Donnerstag, 13. August 2020

5 Dinge über...Alan Shearer

Die "englische Torjägerkanone" Alan Shearer wird heute 50 Jahre alt.  Der Libero gratuliert und präsentiert fünf Dinge über den Jubilar aus Newcastle-upon-Tyne, der in der Erinnerung quasi jeden seiner vielen Treffer stilecht per erhobenem Arm sowie je nach Variation samt Fingerzeig, ausgebreiteter Hand oder geballter Faust  feierte.

1. Mit 260 Toren ist Shearer nach wie vor Rekordtorjäger der englischen Premier League, die 1992 entstand. Dreimal wurde er Torschützenkönig, wobei er dies per lupenreinem Hattrick in der Zeit von 1995 bis 1997 erledigte. Nach Shearer anno '95 gelang es keinem der vielen Striker mehr, die Rekordtormarke von 34 Treffern zu erreichen. Vor ihm schaffte das nur Andy Cole.

2. Den englischen Nationaldress trug Shearer von 1992 bis nach der Euro 2000 insgesamt 63-mal und erzielte stolze 30 Treffer. Er debütierte in Wembley neben einem gewissen Gary Lineker gegen eine von Michel Platini trainierte französische Equipe gleich mit einem Treffer, wobei Lineker das andere erzielte. Sein wohl bestes Länderspiel machte Shearer 1996 bei der Euro im eigenen Land, als er beim 4:1-Triumph doppelt traf. Jene Euro endete zwar bekanntlich nicht mit England als Europameister, aber immerhin mit Mr. Shearer als, Sie kommen nicht darauf, Torschützenkönig.

3. In seiner Profikarriere spielte er für insgesamt drei Klubs: den FC Southampton, die Blackburn Rovers sowie seinem Lieblingsklub Newcastle United. Hierzu ist folgendes Zitat von ihm überliefert: >>Als ich ein kleiner Junge war, wollte ich für Newcastle United spielen, ich wollte das Trikot Nummer neun tragen und ich wollte Tore im St. James 'Park erzielen. Ich habe meinen Traum gelebt und mir ist klar, wie viel Glück ich hatte, das getan zu haben.<<

4. Die Anzahl seiner Titel, die Shearer im Angesicht seiner ganzen Torjägerkanonen auf dem Rasenrechteck gewann, ist in der Tat ein wenig überschaubar. Auch bei den Blackburn Rovers firmiert Shearer als lebende Legende, schließlich thronte Blackburn dank Shearers Tore am Ende der Saison 1994/95 an der Spitze der Premier League - heute schier unvorstellbar. Ein weiterer Ehrentitel, den Shearer führen darf: Commander of the British Empire (CBE).

5. Als Alan Shearers Kindheitsidol gilt übrigens Kevin Keegan. Jener war später auch Shearers Trainer in der englischen Nationalmannschaft sowie bei Newcastle United. Keegan war als Ehrengast auch bei einer kleinen Zeremonie zugegen, als Newcastle United anno 2016 Shearer zu Ehren eine Statue vor dem St. James Park enthüllte. Da ward Shearer auch längst verziehen, dass er mit Newcastle als Interimscoach für die letzten acht Saisonspiele im Frühjahr 2009 abgestiegen war. Ein Seitenlinien-Experiment, das anders als seine unzähligen Treffer und sein typischer Torjubel keine Wiederholung fand.