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Samstag, 3. August 2013

»Wir sind eine Leidensgemeinschaft!«

Der 1. FC Saarbrücken,  bei dem einst Felix Magath und Andy Brehme die Stiefel schnürten, kickt derzeit in der 3. Liga. In der 1. DFB-Pokalrunde trifft das Gründungsmitglied der Bundesliga auf Werder Bremen. Die treuen Fans des FCS hoffen, wie schon im Sommer 2012, auf einen neuerlichen Pokalcoup im altehrwürdigen Ludwigsparkstadion.

Fans wie FCS-Blogger Carsten Pilger, der als eine Art  »Fußball-Kulturbeauftragter« seines Lieblingsklubs längst erstklassig ist und sich anlässlich des Pokalduells in der Rubrik »Der Libero fragt nach…« im Interview die Ehre gibt. Carsten spricht über die vorübergehende Pause seines FCS-Blogs, den FCS an sich, das ungleiche Pokalduell, die medienwirksame Göttinger Fan-Initiative »Glotze aus, Stadion!« und nicht zuletzt über seinen »ersten Helden« Karsten Hutwelker.

Hallo Carsten Pilger! »Wieder mal Geschichten, Erlebnisse und Kommentare zum FCS«. Was macht eigentlich das FCSBlog2.0?

Hallo Libero! Das Blog hat vor etwas mehr als einem Jahr die Arbeit wieder aufgenommen. Ich hatte selbst irgendwie beim Abschied im September 2009 vermutet, dass es vielleicht irgendwann wieder was ähnliches geben würde, aber mit jedem Jahr mehr eigentlich weniger daran geglaubt. Aber nach einem Jahr im Ausland und völliger FCS-Abstinenz war da auf einmal im Ausland wieder diese Stimme, die mir zurief, es sollte wieder ein Blog geben. Die Leser dürfen sich das wie bei Zinedine Zidanes Comeback in der Nationalelf vorstellen. Dort war es aber am Ende nur der Bruder, der was im Schlaf zuflüsterte. Angeblich!

Der FCS mischt nach zwischenzeitlicher Fünftklassigkeit seit 2010 in der 3. Liga mit. Zum Saisonende gewann der FCS zwar zum dritten Mal in Folge den Saarlandpokal, rangierte aber als Elfter nur im Niemandsland der Tabelle. Woran lag es?

Im Verbandspokal hat sich die Einstellung des Vereins gebessert. Die Spieler wissen, dass der DFB-Pokal wichtige Gelder bringt, also ist die notwendige Ernsthaftigkeit da. In der Liga lag meiner Meinung nach der Hase zum einen darin begraben, dass im ersten Jahr von Jürgen Luginger ohne Sportdirektor schon vor Beginn strategische Fehler gemacht wurden. Im Sturm verließ sich Luginger auf Marcel Ziemer als einzige Spitze – und der fiel zu Saisonbeginn gleich aus. Luginger hat generell immer mal wieder länger gebraucht, um die passende taktische Variante für sein Material zu finden. Deswegen gab es Anfang des Jahres auch vielfach Abstiegsängste. Ich muss ihm lassen, dass er aber immerhin irgendwann den Schalter umgelegt hat.

Der Saarbrücker Kader verzeichnete viele Abgänge, nach zunächst schleppender Spielersuche wurden zuletzt fast täglich Neuzugänge vermeldet. FCS-Präsident Paul Borgard kommentierte einige Transfers im kicker gar damit, »auch mal harte Hunde im Team haben zu wollen«. Welche Saarbrücker Kicker machen besonders Mut? Was ist für den neuformierten FCS in der neuen Saison drin?

Ich überspring mal die Frage, ob eher weiche oder harte Hunde wünschenswert sind. Mut machen weniger einzelne Kicker, als dass einerseits der Kader in der Breite verstärkt wird und vor allem im Sturm nun genügend Alternativen vorhanden sind. Das war meiner Meinung nach der Schwachpunkt der Vorsaison. Mit Thomas Rathgeber gibt es nun einen erfahreren Stürmer mehr. Und Maurice Deville ist allein schon aufgrund des jungen Alters und seiner Leistungsbilanz in der Regionalliga ein sehr interessanter Angreifer. Außerdem braucht es mehr Luxemburger im deutschen Fußball!

Zu großen Vorhersagen will ich mich nicht hinreißen lassen. Wenn dann mir eigentlich stets vernünftig erscheinende Zeitgenossen sagen »Mit dem Kader spielen wir um den Aufstieg mit!«, löst das bei mir eher allergische Reaktionen aus. Solche Aussagen vor Saisonbeginn taten dem FCS nie gut.

Am Sonntag gastiert in der 1. DFB Pokal-Runde mit Werder Bremen erneut ein Bundesligist im Ludwigspark. Wie stark schätzt Du Werder, auch in Anbetracht des Trainerwechsels von Thomas Schaaf zu Robin Dutt, ein?

Ich würde mir persönlich wünschen, dass Dutt vielleicht mal dem Ex-Saarbrücker Johannes Wurtz die Chance in der Bundesliga gibt. Vor Saisonbeginn hat er bereits den Profivertrag bekommen, vielleicht sehen wir ihn ja öfter!Sonst ist die Vorhersage eher schwierig. Nach Ende der Ära Rehhagel hatte Bremen mit dessen Nachfolgern auch erst einmal Pech. Dutt wird es definitiv nicht leicht haben, andererseits könnte ich mir vorstellen, dass Bremen auch weiter ein eher ruhiges Pflaster in der Bundesliga bleibt und er zunächst viel Kredit bei Fans und Verantwortlichen bekommt.

Was meinst Du, erlebt Werder wie in den beiden Sommern zuvor, dass der Pokal im Ludwigspark wieder einmal seine oft beschworenen »eigenen Gesetze« zeigt? Dein Tipp?

Bremen war ja in den vergangenen Jahren oft für dicke Blamagen gut. Wünschenswert wäre das aus meiner Sicht schon, da ich voraussichtlich die erste Pokalrunde verpassen werde und bei einem weiteren Spiel schon gerne im Ludwigspark noch einen Bundesligisten hätte. Der Trainerwechsel wird die Werderaner aber wohl zusätzlich anspornen.
 
 
Ich bin mal gespannt, wie viele Zuschauer den FCS im Ludwigspark anfeuern werden. Apropos anfeuern: Was hältst Du eigentlich von der kürzlich ins Leben gerufenen Initiative »GLOTZE AUS, STADION AN«? Bisher haben sich dieser viele zumeist viert- oder fünftklassige Traditionsklubs wie der VfB Oldenburg, Altona 93 oder Victoria Hamburg angeschlossen.

Drittligisten werden da wohl nicht reingehen, da sie befürchten, dass es als »Alleingang« bewertet wird, der ihnen bei Verhandlungen mit dem DFB und den Sendern um mehr Fernsehgelder Nachteile bringt. Deswegen wundert mich die eher kleine Liste von Regionalligisten oder Oberligisten nicht. Fördernswert ist das schon. Was mir inhaltlich bei der Kampagne fehlt, sind die Argumente. Ich lese dieses »Support your local club!«, aber objektiv betrachtet ist das für sich noch kein Argument. Höchstens bei uns Fußballromantikern. Der durchschnittliche Fußballfan ist nun mal - bedingt durch gesellschaftlichen Wandel - der Typ, der das Skyabo der Dauerkarte vorzieht und seinen einzigen Stadionbesuch im Jahr wie einen Pauschalurlaub durchplant. Dort liegen die potenziellen Stadiongänger - aber allein mit eher bittenden Parolen kommen die nicht.

Finale Frage: Der FCS feiert in diesem Jahr seinen 110. Geburtstag. Was ist für Dich das Besondere, das Anziehende, am FCS? Wer ist Dein ewiger Held?

Mein »erster Held« war Karsten Hutwelker, der Wandervogel und begnadete Allrounder. Wirkliche »Helden« brauche ich eigentlich nicht, mit meinen Freunden suche ich öfters mal zu Saisonbeginn einen Lieblingsspieler für die kommende Spielzeit – der nicht unbedingt der beste Torjäger sein muss! Da hatten wir schon einigen Spaß, mit Greg Strohmann, den wir gegen alle Widerstände immer wieder anfeuerten.

Aber eigentlich bleibt das Anziehende am FCS, dass es fast keine Helden gibt und so vieles doch nicht so rund läuft. Dieter Ferner ist sicher ein Held, aber auch das hat ihm weder gegen den DFB, noch gegen Kräfte im Präsidium geholfen. Wir sind eine Leidensgemeinschaft, aber gewiss eine, in der es immer mal wieder Hoffnung auf Besserung gibt.

»Der Libero« bedankt sich für das Interview.

Carstens FCS-Blog 2.0  ist laut Selbstbeschreibung »ein unabhängiges, kritisches, aber nicht vollends spaßbefreites Fan-Blog, das sich mit dem 1. FC Saarbrücken und dem Fußball im Allgemeinen beschäftigt« und wurde im Herbst 2012 von dem Magazin 11Freunde zum Blog des Monats ernannt. Daneben bereichtert Carsten Pilger die saarländische Fußball-Kultur mit dem lobenswerten FCS-Fanzine „Der Leuchtturm“ und war an der in diesen Blogwänden veranstalteten Themenwoche "50 Jahre Bundesliga - Titel, Tränen und bloß nicht wie Tasmania" beteiligt.

Sonntag, 18. November 2012

Über Ur-Schreie in die Nachbarschaft

André Zechbauer ist seit der Saison 1976/77 Anhänger des FC Bayern München und seit 1987 Bayern-Mitglied. Nach Jahrzehnten auf Fußballtribünen im In- und Ausland, beobachtet er die Geschehnisse rund um den Rekordmeister mittlerweile durch die Fernglasperspektive. Und das macht er seit mehr als vier Jahren kritisch und pointiert in seinem Blog »Fernglas FCB«.

Wie der FC Bayern-Experte den bisherigen Saisonverlauf seines Lieblingsklubs einschätzt oder was er etwa von dem Duo Jupp Heynckes/Matthias Sammer oder Javi Martinez hält? Der Libero hat  nachgefragt und der FCB-Blogger stand Rede und Antwort…
 
1. André, die erste Frage ist wohl unvermeidlich. Das „Finale dahoam“ ist nun einige Monate her. Ist es Dir eigentlich mittlerweile gelungen, es zu verdauen?  Und war es Dein schlimmstes Erlebnis als Bayern-Fan?

Ich habe während des Spiels natürlich viel geflucht, diverse Ur-Schreie in die Nachbarschaft gebrüllt und ab der Halbzeitpause durchgehend gestanden, aber erstaunlicherweise hatte ich die Niederlage relativ schnell verarbeitet. Schon einen Tag später habe ich das Ganze ziemlich nüchtern analysieren können. So bitter es ist, aber in diesen Spielen zählt: Keine Fehler machen und die Fehler der anderen Mannschaft gnadenlos ausnutzen zu können. Das war 1975 so, als wir – schmeichelhaft ausgedrückt - „sehr effektiv“ Leeds United schlugen; das war 1987 in Wien und 1999 in Barcelona so – und so war es eben auch in München im vergangenen Mai.

Mich hat vor dem Spiel schon gestört, dass kaum jemand von Chelsea sprach, sondern nur vom „Finale dahoam“ – die Fokussierung auf Chelseas Stärken fehlte mir in der öffentlichen Wahrnehmung.

Meiner Meinung nach hatte Jupp Heynckes, so sehr ich ihn schätze, großen Anteil an der Niederlage. Vor einem solchen Spiel musst du Elfmeter trainieren – und sei es nur für die Psyche. Außerdem müssen die Schützen festgelegt, nein – in Stein gemeißelt, sein. So ein Abwehrfehler wie vor dem Ausgleichstreffer Drogbas darf nicht passieren, wenn Du gut auf den Gegner vorbereitet bist. Schon gar nicht zwei Minuten vor Ende der Partie. Das alles hat nicht gestimmt und wäre durch exzellente Vorbereitung zu verhindern gewesen. So gewinnt man dann eben auch kein Finale in der Champions League. Wer weiß das besser, als wir Bayern?!

Mein schlimmstes Fußball-Erlebnis war das Finale 1999 gegen Manchester United – und das wird es wohl auch bleiben. Zum einen weil ich damals im Stadion war, zum anderen weil ich bis zu diesem Spiel schon zwei Jahrzehnte auf einen Titelgewinn in der Königsklasse hin gefiebert und die Schmach von Wien im Jahr 1987 im Prater-Stadion miterlebt hatte.

2. Die aktuelle Saison läuft für die Bayern bisher überaus glänzend, der Name Deines Blogs steht wieder symbolisch für den Abstand zu den Verfolgern. Was meinst Du, was springt am Ende der Saison für die Bayern heraus und welche Rolle spielt dabei Borussia Dortmund?

Am Ende sind wir Meister und hoffentlich auch Pokalsieger. Die Champions League ist die große Unbekannte, aber ich hoffe in London 2013 dabei sein zu können.

Natürlich ist Borussia Dortmund aufgrund des Spielerpotenzials und der Spielweise neben Bayern das Top-Team der Liga, auch wenn Schalke seit Beginn der letzten Saison enorm konstant auf hohem Niveau spielt. Der Unterschied zum letzten Spieljahr ist aber, dass nicht wir sondern die Dortmunder hin und wieder schwächeln. Schalke hat einfach das Pech ausgerechnet in ihrer stärksten Phase zwei bärenstarke Konkurrenten erwischt zu haben. Am Ende hoffe ich nur, dass sich die deutschen Teams nicht in der Champions League begegnen – das ist immer undankbar für alle Beteiligten. Ein Selbstläufer wird allerdings auch diese Meisterschaftssaison nicht.

3. Maßgeblich am erfolgreichen Saisonverlauf beteiligt ist Cheftrainer Jupp Heynckes. Wie beurteilst Du seine Zukunft an der Säbener Straße und die Zusammenarbeit mit Matthias Sammer?

Im Moment läuft alles großartig und dann sind alle Seiten immer gerne bereit, Verträge zu verlängern. Bayern braucht aber eine langfristige Alternative zu Heynckes, aufgrund seines Alters. Ich habe nichts gegen zwei weitere Jahre mit ihm, aber nach ihm sehe ich nur Top-Leute wie Mourinho oder meinen Favorit Pep Guardiola. Beide passen exzellent zum FC Bayern. Klopp, Fink, Babbel, Tuchel oder auch Slomka sehe ich da einfach nicht.

Was das Duo Sammer-Heynckes angeht, wird viel geschrieben und hinein interpretiert. Ich will nicht rumfloskeln, aber wichtig ist doch nur dass alle am gleichen Strang ziehen, weil alle das Gleiche wollen. Matthias Sammer ist mit seiner Einstellung und Akribie beim FCB genau richtig.

4. Heynckes Vorgänger, der heutige Bondscoach, Louis van Gaal sorgte zuletzt mit seinen Aussagen über die vermeintliche Allmacht von Uli Hoeneß für einige Kontroversen. Welche Sicht der Dinge hast Du?

Van Gaal ist in sein Spiegelbild verliebt, so wie Narziss – nur war Narziss vermutlich schöner als Louis van Gaal. Wenn jemand unbelehrbar und wenig kritikfähig ist, wird es mit der Bayern-Führung und gerade mit Uli Hoeneß schwierig. Hoeneß hat sich damals für die Mannschaft und gegen van Gaal entschieden. Etwas anderes konnte er auch gar nicht tun. Natürlich ist Hoeneß aufgrund seiner Leistungen für den Verein auf eine gewisse Weise allmächtig, aber van Gaal war eben nur Trainer – da muss man sich auch unterordnen können und kompromissbereit sein. Ich bin kein Freund von solchen Nachtretereien über die Medien, aber van Gaal ist in seinem Stolz verletzt – da waren seine jetzigen Aussagen durchaus zu erwarten. Schade, wir hatten auch viel Spaß mit ihm.

5. Lass uns über kostspielige „Premiumtransfers“ sprechen.  Javi Martinez ließen sich die Münchner bekanntlich gute 40 Millionen Euro kosten. Wie bewertest Du den Transfer und den bisherige Rolle des Basken bei den Bayern?

Ich betrachte den Transfer nicht nur über die Ablösesumme – der Spielertyp Martínez ist für den Verein extrem wichtig. Er hat angedeutet, was er alles kann – und ich fand das sehr beeindruckend. Seine Zeit wird noch kommen, aber man muss schon genau hinsehen um seine Qualität einordnen zu können: Nerven- und Zweikampfstärke, Ballbehauptung, Raumgefühl – und er kann fantastische Pässe schlagen. Die Qualitätsdichte im defensiven Mittelfeld ist mit ihm besser geworden, das zwingt Gustavo und auch Schweinsteiger zu Top-Leistungen.

Ganz abgesehen davon glaube ich, dass der Transfer auch eine „politische“ Bedeutung hatte. „Sehr her, wir Bayern können da auch mithalten und müssen nicht mal Schulden machen“ – das ist eine Zäsur zu bisherigen Transferperioden. Es zeigt den anderen Top-Klubs und Top-Spielern: Bayern ist endgültig ganz oben angekommen. Sportlich und wirtschaftlich gibt es da ohnehin keinen Zweifel mehr.

 
6. Im Rückblick auf Deine ganzen Jahre als Bayern-Daumendrücker: welcher ist für Dich eigentlich der beste Transfer, den der FC Bayern bzw. Uli Hoeneß je getätigt hat?

Der beste Transfer war der von Karlheinz Rummenigge zu Inter Mailand. Das hat den Verein damals gerettet und die Weichen in die richtige Richtung gestellt. Hinzu kommen natürlich Transfers wie die von Matthäus, Elber, Pizarro – die allesamt äußerst lohnend waren.

7. Zum Schluss bitte ich Dich um ein paar Worte zum „Geburtstagskind“ Bundesliga, die sich in ihrer Jubiläumssaison befindet. Welches war für Dich das schönste Erlebnis mit ihr und wer ist Dein ewiger Bundesliga-Held?

Das schönste Liga-Erlebnis für mich war die Meisterschaft 1986.Vor 74.000 Zuschauern ein 6:0-Sieg gegen Gladbach am letzten Spieltag - und im Stadion hat den Kantersieg niemanden interessiert, weil wir nur auf die Anzeigentafel schielten, wie es denn in Stuttgart steht. Bremen verlor und wir hatten es tatsächlich noch geschafft, Das war fantastisch!

Das last-minute-Tor von Andersson in Hamburg 2001 habe ich selbst nicht miterleben können, da ich zu der Zeit in Irland studierte. Wäre ich in Hamburg dabei gewesen, wäre das sicher mein Favorit geworden.
 
Mit Fußball-Helden ist das so eine Sache. Persönlich mochte ich besonders Mehmet Scholl und Bixente Lizarazu – als Kind war es Rummenigge. Aber diese Drei stehen jetzt auch nicht gerade exemplarisch für Heldentaten. Ich habe keinen wirklichen Helden im Fußball.

Vielen Dank für das Interview!

Samstag, 15. September 2012

Auf Knopfdruck?

Der HSV und die Bundesliga - eine schier ewige Geschichte. Das scheint ebenso für den HSV und Rafael van der Vaart zu gelten. Der Eindruck entsteht jedenfalls, sofern man die vergangenen Wochen Revue passieren lässt. Rafael van der Vaart ist bekanntlich zurück an der Elbe, auch dank Investor Kühne, der den klammen Rothosen bei dem Transfer seines Wunschspielers mächtig unter die Arme griff. Seither herrscht beim Bundesliga-Dino in Agonie fürwahr Euphorie.

Am ersten Wochenende, nachdem die VdV-Verpflichtung ausgerufen worden war, sollen nicht weniger als 3.000 VdV-Trikots mit seiner 23 über die Ladentheken gegangen sein. Euphorischere Zeitgenossen erkannten in dem Mittelfeldkicker gar den größten HSV-Zugang seit Kevin Keegan, regelrecht ekstatische HSVer preisen van der Vaarts messianische Strahlkraft. Selbst der kicker legte seine Nüchternheit kurz ab und pries Van der Vaart erst Donnerstag als Messias. Und siehe da: als der HSV neulich im Nordderby  Werder Bremen unterlag, thronte der holländische Hoffnungsträger nebst Gattin auf der Tribüne des Weserstadions und schien weitaus öfter im Kamerafokus gewesen zu sein als seinen strauchelnden Gefährten in roten Hosen.

Wie eine Stimme der Vernunft klang da kürzlich Günter Netzer, als der einstige Manager des Bundesliga-Dinos in einer Kolumne mahnte, Van der Vaart sei kein Heilsbringer. Kein vernünftiger Mensch könne glauben, dass ein einziger Spieler auf Knopfdruck eine ganze Mannschaft verändern werde.

Und bei der Gelegenheit. Was ist eigentlich mit jenen Wechseltheatern, für die Van der Vaart den HSV während seines ersten HSV-Gastspiels auf die Bühne zog? Ähnlich interessant wie Netzers Mahnung ist hier auch die andere Hamburger Perspektive. Also, was denkt eigentlich ein St.Pauli-Anhänger über den Transfer? Der LIBERO hat nachgefragt bei Frodo vom FC St. Pauli-Fanzine »Der Übersteiger«, der die Umstände des Transfers kritisch kommentiert:

„Es ist erstaunlich, wie die Vergangenheit verklärt wird. Das Foto mit dem Valencia-Trikot und sein Satz "Wenn ich in Hamburg bleiben müsste, dann hätte ich Schmerzen." wären für mich ausreichende Gründe, ihn nicht mehr für meinen Klub auflaufen sehen zu wollen. Aber vielleicht ist es ja auch gerade deswegen eben nicht "mein" Klub. Auch die vor Wochen noch lautstark geäußerte Abneigung gegenüber Kühne wurde von vielen jetzt schnell wieder über Bord geworfen. Schlußendlich wird der sportliche Erfolg zeigen, ob es die richtige Entscheidung war. Spannend darüber hinaus natürlich noch die Situation, wenn er denn vor Vertragsende wieder wechseln will. Sowohl menschlich/moralisch, wie dann von Seiten des Vereins und der Fans mit ihm umgegangen wird, als auch finanziell, da Kühne da ja weiterhin eingebunden ist.“

Der juvenile van der Vaart hatte es sich zwischen 2005 und 2008 zur Gewohnheit gemacht, gern mit Wechseln zu Klubs in die ganz große Fußball-Welt zu kokettieren und ließ sich bisweilen gar in Trikots seiner Wunschklubs abknipsen. Doch vielleicht ist der AbvanderVaart tatsächlich Schnee von gestern und hat sich bei Real Madrid und Tottenham seine Hörner abgestoßen.

Ungeachtet all dessen, scheint für viele HSVer der „letzte König des HSV“ zurückgekehrt zu sein. Schließlich wirbelte der torgefährliche Holländer anno 2007 schon einmal auf Augenhöhe mit dem großen Uwe Seeler, als Van der Vaart Seelers Torrekord von annodazumal einstellte. VdV traf seinerzeit in den sieben Auftaktpartien seiner bis dato letzten HSV-Saison 2007/2008 jeweils einmal.

Ob er es wieder tut? Vielleicht fängt VdV bereits bei seinem morgigen HSV-Comeback im Gastspiel bei Eintracht Frankfurt damit an. Fürwahr, das könnte wie Baldrian auf den besorgten Uns Uwe wirken und wäre tatsächlich fast wie »auf Knopfdruck«...

Samstag, 1. September 2012

»Siehste Rudi, der Fußballgott ist und bleibt ein Bayern-Kunde«

Interview bei der Themenwoche „50 Jahre Bundesliga“. Ben Redelings ist Deutschlands erfolgreichster Fußball-Komiker, Bestseller-Autor, Filmemacher und »der ungekrönte Meister im Aufspüren kurioser Fußballgeschichten« (»Deutsche Akademie für Fußballkultur«). Regelmäßig schreibt er für das Magazin »11FREUNDE«, »Reviersport« und »Spiegel Online«. Nach Meinung der »Jungen Welt« tut er dies sogar »um Längen besser als Nick Hornby« (Quelle: scudetto.de). Im Interview mit dem LIBERO blickt Redelings heute auf bald 50 Jahre Bundesliga zurück und erinnert sich dabei an gebrannte Mandeln, an seine erste Bundesligapartie und verrät außerdem seine ewigen Bundesligahelden…
 
Foto: Sascha Kreklau

Hallo Ben Redelings! Die Bundesliga geht in ihre 50. Saison. Ben, was fällt Dir als erstes zur „Mutter aller deutschen Ligen“ ein?

Gebrannte Nüsse mit dem grünen Verschluss zu 1 DM und gebrannte Mandeln zu 2 DM mit dem roten Klebe-Ring um die Plastikverpackung. Nach Siegen unseres VfL im Ruhrstadion gab es für meine Mutter von meinem Bruder und mir immer die Mandeln. Meist mussten wir auf dem Heimweg aber nur eine Mark investieren. Das fällt mir tatsächlich immer als Erstes ein, wenn ich an die große, bunte Bundesliga denke. Ein starkes Gefühl von Heimat verbinde ich damit!

Erinnerst Du Dich noch an Dein erstes Spiel, bei dem Du im Stadion warst? Ich schätze, einer der beiden Kontrahenten wird sicher Dein Lieblingsklub VfL Bochum gewesen sein.

Ich kann mich sehr bewusst an die Partie VfL Bochum gegen den 1. FC Kaiserslautern (4:1) am 29.10.1983 erinnern, weil ich da meinem Hintermann immer auf die Füße gestiegen bin. Von einem Wellenbrecher abstoßend wollte ich mich eine Reihe höher stellen. Der alte Herr hat sehr mit mir geschimpft, weil er neue Schuhe anhatte und den Anpfiff von seiner Frau wegen der nun verdreckten Treter zu Hause schon erahnte. Meine eigene Eintrittskartensammlung beginnt weit früher – aber da fehlen häufig die konkreten Erinnerungen zu den Spielen.

Du hast kürzlich das Buch „ 50 Jahre Bundesliga – Das Jubiläumsalbum“ veröffentlicht.  Sag mal, welche ist für Dich die schönste Anekdote aus bald einem halben Jahrhundert Bundesliga?

Es gibt wohl nicht den einen ultimativen Moment in 50 Jahren Bundesliga. Wenn es ihn gäbe, ich würde mir eine Zeitreisemaschine bauen und zu diesem einen unsterblichen Augenblick zurück reisen. Und wenn ich das Ding erst einmal hätte, würde ich mir sofort eines der zahlreichen Eigentore des Kaisers live anschauen, den zusammen gebrochenen Pfosten in Gladbach wieder zusammen flicken, beim Mittagessen vor der legendären 32-Minuten-Halbzeit mit Wolf-Dieter Ahlenfelder anstoßen und Rudi Assauer in den Sekunden nach Schalkes 4-Minuten-Meisterschaft ins Ohr flüstern: »Siehste Rudi, der Fußballgott ist  und bleibt ein Bayern-Kunde«! Ach, wie wär das herrlich!      

…hast eigentlich Du einen ewigen Bundesliga-Helden? Wenn ja, wer ist es und aus welchem Grund?

Aus der eigenen Erinnerung heraus sind es natürlich meine Bochumer Jungs auf dem Rasen des Ruhrstadions. Von Siegfried Bönighausen über Katze Zumdick bis zu Dariusz Wosz. Bei uns im Stadion habe ich mich damals auch in den gealterten Entertainer Wolfgang »Otto« Kleff verliebt. Ich glaube zu der damaligen Zeit, habe ich erstmals das Spiel auch als Unterhaltung empfunden – und nicht nur als Sorgenveranstaltung um meinen sympathischen Lieblingsklub.
 
Nun zur finalen fünften Frage: Als Edelfan des VfL Bochum musst Du leidensfähig sein. Was erwartest Du von Deinem VfL in den nächsten 50 Jahren Bundesliga?

Edelfan ist und bleibt fies! Aber zur Frage: Eine unbeschwerte Saison voller Freude und schöner Momente mit einem glorreichen Ende – egal wie und wo und wann – erhoffe ich mir in den nächsten 50 Jahren. Ansonsten würde ich mich schon damit begnügen, einen Klub zu haben, den ich voller Stolz meinen Freunden und Bekannten immer wieder aufs Neue empfehlen kann.
 
Vielen Dank für das Interview!




Die 50. Bundesligasaison geht weiter. Die Themenwoche „50 Jahre Bundesliga - Typen, Titel und bloß nicht wie Tasmania“ endet hingegen am morgigen Sonntag.

Im letzten Beitrag erinnert sich DER LIBERO selbst an die Tragik des historischen ersten Bundesligatreffers von Timo Koniezka, an Geniestreiche des »Blonden Engels« Bernd Schuster und wie er für einen Moment lang Fan von Bayer Leverkusen wurde. Jubeln, Aufspringen und laut Mitgrölen inklusive...

 

Sonntag, 13. Mai 2012

Hoch lebe der „Pöhler“!

Zurzeit lässt Jürgen Klopp einen leicht glauben, dass er schier alles kann. Außer vielleicht Champions League. Früher war Klopp schon Brillenträger des Jahres, TV-Bundestrainer an verschwörerischen Taktiktischen mit Kerner und Jauch und so etwas wie der Mainzer Jahrhunderttrainer. Zwei Mal Meistercoach, nach einem gewaltigen fünf zu zwo gegen die Bayern ist er seit gestern Pokalsiegertrainer und holte damit erstmals das Double an den Borsig-Platz.

Beim BVB herrscht Jubel, Trubel, Heiterkeit. Die BAMS titelte bereits kürzlich wenig subtil, aber vermutlich treffend: „Das BVB-Herz schlägt KLOPP; KLOPP; KLOPP.“ Selbst der stern erhob Klopp vor Kurzem auf seinen Titelblatt und sezierte die Klopp'sche Kunst der Motivation. Doch obacht, Klopp kann noch mehr. Er huldigt seit Jahresbeginn mit seiner Kappe dem „Pöhler“. Klopp sagte mal, er trage sie, weil ihm gefalle, wie intensiv im Pott Fußball gelebt werde!


Nur ist das mit den „Pöhlern“ so eine Sache. In nordwestdeutschen Breitengraden, etwa im Emsland (#SV Meppen), besteht die zumeist einzig messbare Qualität eines Pöhlers darin, Bälle lang und weit nach vorne zu „pöhlen“. Die Spielkultur des Kick & Rush hätte ihm vermutlich gut gelegen. René Werner vom emsländischen Fußballportal amateurmarkt.de erklärt:

„Was ist ein Pöhler? Der Pöhler verkörperte zu meiner aktiven Zeit den Fußballer mit dem härtesten unkontrollierten Schuss! Ob nun Libero, Vorstopper, Verteidiger oder Stürmer – allesamt alle konnten den Pöhler verkörpern! Dank/durch Jogi uns seinen Mannen schien er ausgestorben, doch schaut einmal in die Fläche der Hobbykickerei so findet man den ein oder anderen Exoten der alten Gattung.“

Doch mit dem „Pöhler“ der nordwestdeutschen Güte ein Double zu gewinnen, wäre selbst für Jürgen Klopp schwierig gewesen. Es wurde landläufig viel über den „Pöhler“, dem Kloppo huldigt, gerätselt und erklärt. Daher hat der LIBERO bei jemandem nachgefragt, der auf den Rasenrechtecken des Ruhrgebiets sozusagen das Gras wachsen hört: bei Buchautor und VfL Bochum-Edelfan Ben Redelings.

Ben, in Teilen Norddeutschlands kloppt ein "Pöhler" die Pille lang und weit nach vorne. Ist der Pöhler zum Beispiel aus Bochum derselbe Typ?

„Die Sache mit dem "Pöhler" auf der Kappe von Klopp ist sogar etwas komplizierter. >Lass uns pöhlen gehen<, sagen hier in der Gegend kleine wie alt gewordene Jungs, wenn sie sich zum gepflegten Kick verabreden. Früher, als es noch bedeutend weniger Autos gab, pöhlte man tatsächlich gerne auf der Straße oder auf Hinterhöfen, später dann auf Wiesen und Bolzplätzen. Wenn einer besonders schöne Schuhe dabei trug, waren das schon einmal "geile Pöhler", die er da präsentierte.Heute nennt man ganz allgemein alle, die auf dem Platz keine >Muscheltaucher, Vollfriseure oder Eisverkäufer< (O-Ton Peter N.) sind, Pöhler!“

Dank Ben Redelings wissen wir nun: jeder ist ein Pöhler. Das lässt sich hören!

Doch, die Pointe dieser kleinen Geschichte ist noch eine andere. Man muss wissen, dass in den sprachlichen Breitengraden Nordwestdeutschlands der Begriff „Pöhler“ noch eine weitere Bedeutung hat. Denn dort werden an Kanälen liegende Schiffsanleger entweder Poller oder in ihrer umgangssprachlichen Ausformung „Pöhler“ genannt. Soweit, so gut.

Und, wer hätte es gedacht? Richtig, sie sind alle schwarz-gelb. Der BVB und Kloppos Kappe lassen grüßen. In diesem Sinne, hoch lebe der „Pöhler“!

Samstag, 7. Januar 2012

Letzter Halt @Arsenal

In sieben glorreichen Jahren bei Arsenal avancierte Thierry Henry nicht nur zum Rekordschützen der „Gunners“. Seither gilt Henry dort als lebende Legende. Seit kurzem darf sich Henry daneben zu dem erlauchten Klub jener aktiven Kicker zählen, die über ein eigenes Denkmal verfügen. Denn erst kürzlich stellte Arsenal eine Statue Henrys vor sein Emirates-Stadium.

Nur wenig später wird nun der Traum vieler Gunners-Anhänger wahr.Nachdem Henry Arsenal  2007 verließ, streift der Franzose doch noch einmal Arsenals rot-weißen Dress über. Sein derzeitiger Klub New York Red Bulls leiht ihn für zwei Monate an die „Gunners“aus. Ob die Londoner U-Bahnfahrer wie kürzlich streiken oder nicht, für den inzwischen 34-Jährigen wird es wohl der letzte Halt @ Arsenal werden.


Doch ist Monsieur Henry noch mehr als ein Denkmal? Der LIBERO fragt nach: Und zwar bei Arsenal-Blogger Ste, dem Kopf des einstigen Goonerportals.

Thierry Henry kickt wieder für Arsenal. Ste, in wenigen Worten: Deine erste Reaktion?

Eine Mischung aus Vorfreude und Ungläubigkeit. Zwar hatte sich die Ausleihe Stück für Stück angedeutet und uns somit nicht über Nacht überrascht, aber es bleibt nun einmal die Rückkehr des verlorenen Sohnes und damit etwas ganz Besonderes. Man könnte fast den Eindruck haben, dem Verein sei damals ein Stück seiner Seele abhanden gekommen, das nun doch noch den Weg nach Hause findet. So ganz werde ich das Ganze aber wohl erst glauben können, wenn ich ihn endlich wieder für unsere Farben in Aktion sehe.

Wie wurde seine Rückkehr ansonsten bei den Arsenal-Fans aufgenommen?

Ausnahmslos positiv. Den Abgang nach Barcelona hat man ihm längst verziehen, stattdessen wird er mit warmherzigen Beifall und Sprechchören begrüßt, wo auch immer er auf Arsenal-Fans trifft. Sicher gibt es stellenweise Bedenken, ob er mit seinem Kurzengagement nicht sein sportliches Denkmal beschädigen könnte, aber das ist weder bei Campbell noch bei Lehmann passiert und wird bei Henry auch nicht passieren. Die Fans sind intelligent genug, um zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu unterscheiden, und wollen einfach nur noch ein bisschen Zeit mit einem ihrer ewigen Lieblinge verbringen.

Nach drei Jahren beim FC Barcelona hat Henry zuletzt seine lange Laufbahn bei New York Red Bull ausklingen lassen. Wie gut ist Henry mit seinen 34 Jahren noch?

Eine gute Frage, die er uns vermutlich nur selbst auf dem Platz beantworten kann. Natürlich hat er mit der Zeit an Schnelligkeit und Dynamik eingebüßt, aber mit der technischen Begabung, seinem Näschen für Situationen und seiner unverschämten Abgebrühtheit stellt er immer noch eine unliebsame Aufgabe für jeden Verteidiger dar. Zumal diverse britische Journalisten voll des Lobes über seine Trainingsform waren, wo man ihn angeblich kaum vom Ball trennen konnte und er auch bei den Spielern ziemlichen Eindruck hinterlassen haben muss. Trotzdem sollte man natürlich keine Heldentaten erwarten, wie er sie in der Vergangenheit vollbracht hat, sondern sich einfach mal überraschen lassen.

Kann Henry Arsenal angesichts des bisher durchwachsenen Saisonverlaufs als „Kurzzeit-Kanonier“ überhaupt helfen?

Definitiv. Die bittere Wahrheit ist, dass Arsenal abgesehen von Robin van Persie keinen einzigen Angreifer hat, den der Gegner wirklich auf dem Zettel haben muss. Chamakh spielt jenseits von Gut und Böse und muss sowieso zum Afrika-Cup, vom Panikkauf Park ist nichts zu sehen und mit Bendtner hat man sowieso endgültig abgeschlossen. Einen echten Joker haben wir also gar nicht im Aufgebot, und wenn Henry diese Rolle für ein paar Wochen auch nur halbwegs zufriedenstellend erfüllen kann, ist uns schon massiv geholfen.
Man darf ja auch nicht vergessen, dass er nicht nur mit dem Ball am Fuß helfen kann. Schon seine Präsenz zieht zwangsläufig die Aufmerksamkeit der Defensive auf sich und verschafft damit anderen Spielern mehr Räume und mehr Möglichkeiten. Zumal er unseren zahlreichen jungen Spielern gerade auch menschlich eine Menge vermitteln kann, was hinsichtlich ihrer charakterlichen Entwicklung sehr förderlich sein wird.


Nachdem Arsenal-Coach Arsene Wenger neben Henry zuletzt immer häufiger erfahrenere Spieler verpflichtete, kannst Du einen Strategiewechsel in Wengers Transferpolitik erkennen?

Die letzte Transferperiode stellt sicher einen Sonderfall dar, als Wenger für ihn höchst ungewöhnliche Panikkäufe tätigte und dabei auch auf ältere Spieler wie Benayoun oder Arteta setzte. Allerdings mussten damals in Form von Nasri, Clichy und Fàbregas drei Leistungsträger auch recht plötzlich abgegeben werden. Von einem Strategiewechsel zu sprechen erscheint mir deshalb etwas zu verfrüht, wenngleich es mich freuen würde, wenn das junge Team nun regelmäßig um erfahrene Kräfte ergänzt werden würde.

Letzte Frage: wie viele Treffer erwartest Du von Monsieur Henry in seinem wahrscheinlichen „Arsenal-Endspiel“ Ende Februar im Derby gegen Erzrivale Tottenham?
Bedenkt man, dass Henry schon immer gerne im Duell um den Norden Londons traf und er dabei noch nie als Verlierer vom Platz gegangen ist, muss man aus Sicht unseres Erzrivalens das Schlimmste befürchten. Zumal er sein Debüt für New York amüsanterweise ausgerechnet gegen die Spurs gab und in dieser Partie prompt auch zuschlug. Da er aber wahrscheinlich erst gegen Ende des Spiels von der Bank aus kommen wird, sollten wir am besten bescheiden sein und es augenzwinkernd bei einem Doppelpack belassen.

Vielen Dank für das Interview.