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Freitag, 18. August 2017

Treuer Charly

Heute Abend ist Anpfiff der 55. Bundesligasaison. Karl-Heinz »Charly« Körbel ist Rekordspieler der Bundesliga und hält diesen Rekord mit 602 Einsätzen seit nunmehr zwei Dekaden. Eintracht Frankfurts Klubikone , der einst eisenharte Vorstopper, wird ihn wohl auch auf ewig verteidigen. »Der Libero« wartet nun mit zehn Schlaglichtern aus Körbels stolzer Karriere auf, die im Oktober 1972 mit juvenilen 17 Jahren begann und im Mai 1991 mit fast 37 Jahren endete.


1. Körbel wird »der treue Charly« genannt. Schließlich absolvierte der gebürtige Dossenheimer offenbar aus der besten uweseeler'schen Schule stammend sämtliche seiner Bundesligapartien im Trikot seiner Frankfurter Eintracht. Körbel war auf dem Rasen als Vorstopper zwar gefürchtet, galt aber stets als tadelloser Sportsmann. Unlängst berief die Eintracht ihr Klub-Idol zu einem ihrer Ehrenspielführer. Das Klub-Maskottchen, ein Adler, heißt im Übrigen auch weiterhin Attila (nach Attila Pfaff) und nicht wie die WELT einmal verkündete, Charly...

2. Sein Bundesligadebüt absolvierte Körbel mit zarten 17 Jahren gegen den FC Bayern, als Eintracht-Trainer Erich Ribbeck ihn im Oktober 1972 mit der Manndeckung eines gewissen Gerd Müller betraute. Müller, der in der Saison zuvor gigantische 40 Treffer erzielt hatte, sollte zwar auch gegen Körbel einmal einnetzen, sah sich aber ansonsten von dem Vorstopper-Novizen abgemeldet. Nicht nur deshalb gewann die Eintracht mit 2:1.

3. Wie Körbel einmal den 11Freunden im Interview anvertraute, blieb Gerd Müller in den folgenden Jahren einer seiner erklärten »Lieblingsgegenspieler«, da der »Bomber der Nation« sich gegen Körbel mit dem Tore schießen überaus schwer tat. Der sonst eher wortkarge Müller soll vor späteren Duellen mit dem eisenharten Körbel mal geflucht haben: »So eine Scheisse, schon wieder gegen dich«.

4. Nur drei Jahre nach Körbels bestechendem Debüt sollte der kicker einmal mit Körbel auf dem Cover seiner Montagsausgabe schlagzeilen: »Ein Mann mit Zukunft – Körbel kann sie alle ausstechen«. In der Nationalelf gelang dies Körbel allerdings nicht so wie prophezeit. Körbel absolvierte zwar 1974/75 als damals 20-jähriges Talent sechs Länderspiele, kam aber an dem      arriviertem Welt- und Europameister »Katsche« Schwarzenbeck nicht vorbei. Der Legende nach soll hierfür unter anderem der damalige Kapitän der Nationalelf, Franz Beckenbauer, mitverantwortlich gewesen sein. Denn dem »Kaiser«, behagte die offensive Spielweise Körbels offenbar nicht und goutierte gegenüber Bundestrainer Schön seinen Putzer »Katsche«. Bekanntlich überquerte dieser selten die Mittellinie und hielt dem als Libero nicht minder offensiven »Kaiser« in verlässlicher Manier den Rücken frei.

5. Von Körbels offensiven Qualitäten profitierte indes seine Eintracht zweimal in besonderem Maße - ganz im Gegensatz zur Nationalelf . Anno 1975 triumphierte man etwa dank Körbels Siegtreffer im Pokalfinale von Hannover über den MSV Duisburg. An gleicher Stelle spielte Körbel 14 Jahre später erneut Schicksal, als er seine Eintracht mit einem Kopfballtor in der Relegation gegen den 1. FC Saarbrücken vor dem drohenden Zweitligaabstieg bewahrte. Letzteren Treffer bezeichnete Körbel später einmal als den wichtigsten seiner Karriere.

6. Den wichtigsten Titel seiner Karriere holte Körbel unterdessen 1980, als Frankfurt den UEFA-Pokal gegen Borussia Mönchengladbach errang. Daneben gewann Körbel insgesamt vier Mal den DFB-Pokal (1975, 1976, 1981, 1988). Beim letzten Pokalsieg fungierte Körbel als Eintracht-Kapitän und ist damit bis heute der letzte Spielführer der Hessen, der einen Titel in die Höhe stemmte. Der Gewinn einer Meisterschaft blieb Körbel verwehrt.

7. Anders als ein offizielles Abschiedsspiel, das 20 Jahre nach Körbels Bundesligadebüt im Waldstadion gegen den FC Bayern stieg, der aber dieses Mal ohne Gerd Müller antrat. Sein letztes Bundesligaspiel bestritt Körbel anno 1991 beim FC St. Pauli, wo er am 33. Spieltag vom gnadenlosen Berliner Referee Prengel wegen eines Allerweltsfouls die vierte Gelbe Karte kassierte und zum großen Frankfurter Verdruss beim Saisonfinale im heimischen Waldstadion gesperrt war.

8. Ein Jahr später, als Frankfurt am letzten Spieltag der Saison 1991/92 in Rostock kurz vor dem Gewinn der Meisterschaft stand, wäre Körbel übrigens beinah zu einem Comeback gekommen. Wäre nicht Frankfurts damaliger Cheftrainer Dragoslav Stepanovic gewesen, der davon absah, das zum Assistenztrainer avancierte Klub-Idol im Ostseestadion einzuwechseln. Frankfurt unterlag dem späteren Absteiger mit 1:2 und verlor in einem Herzschlagfinale die Meisterschale an den VfB Stuttgart. Körbel bekundet noch heute: »Mit mir wären wir Meister geworden, denn ich habe noch nie ein Finale verloren

9. Besagter Assistenztrainer seines Leib- und Magenvereins blieb Körbel noch einige Jahre und half zudem Mitte der 90er mehrmals als Interims-Trainer aus. In die Saison 1994/95 führte der »treue Charly« seine Eintracht gar als offizieller Chefcoach, aufgrund großer Abstiegsgefahr musste er aber im Frühling 1996 seinen Hut nehmen. Das brachte indes wenig, da die Eintracht trotz Nachfolger Stepanovic kurz darauf erstmals aus der Bundesliga abstieg. Hiernach wurde Körbel seiner Eintracht übrigens gleich zweimal untreu, als er sich auf Cheftrainer-Stippvisten bei den damaligen Zweitligisten VfB Lübeck und FSV Zwickau einließ.

10. Seit längerer Zeit  ist Körbel seiner Eintracht gottlob aber wieder treu. Inzwischen fungiert er als Berater des Eintracht-Vorstands und leitet die klubeigene Fußballschule, die er 2001 gegründet hat. So richtig los, kommt der »treue Charly« von seiner Eintracht vermutlich nie.

Foto: der-Libero.de

Sonntag, 13. August 2017

Blamage an der Bremer Brücke


Freitag, 11. August 2017

„Und wieder hat der Pokal seine eigenen Gesetze...“

Am heutigen Freitag ist es wieder soweit. Um 19.00 Uhr wird in Zwickau, wo die TuS Koblenz ihr Heimrecht gegen Dynamo Dresden genießt, der Anpfiff der 1. Pokalrunde ertönen. Anschließend gastiert Borussia Mönchengladbach etwa beim inzwischen viertklassigen Rot-Weiss Essen, immerhin Gründungsmitglied der Bundesliga. Jahr ein, Jahr aus konkurrieren 64 Mannschaften in insgesamt 63 Partien um den DFB-Pokal. Der ist rund 52 cm hoch, wiegt 5,7 kg und hat ein Fassungsvermögen von acht Litern. Er besteht aus mit 250 Gramm Feingold feuervergoldetem Sterlingsilber. Wer weiß, womöglich ist er gar der schönste Titel, sprich Pokal, im Fußball. 

Für die großen Klubs bietet der Pokalwettbewerb, der inzwischen zum 75. Mal ausgetragen wird, die alljährliche Chance, mit nicht weniger als sechs Siegen den eigenen Briefkopf um einen (weiteren) Titel zu erweitern. Spätestens im Pokalendspiel am 19. Mai im Berliner Olympiastadion. Die kleineren Vereine besitzen diese Chance natürlich auch, doch krasse Außenseiter wie die drittklassigen Sportfreunde Lotte kamen zuletzt bis ins Viertelfinale. Letzter Zweitligist im Pokalfinale war übrigens der MSV Duisburg, der nicht nur anno 2011 Schalke 04 haushoch mit 0:5 unterlag. Der MSV setzte ebenso seine traurige Serie fort, jedes seiner vier Pokalendspiele verloren zu haben.
Der besondere Reiz des Pokals ist in jeder Runde greifbar. Die Kleinen sollen die Großen schlagen, solange es nicht der eigene Klub ist, dem die Daumen gedrückt werden. Ausgehend von dieser Wunschvorstellung kennen wir längst diesen eigenen Pokaljargon, der mal passt, zuweilen nervt und vor dem man an Pokalspieltagen kaum entfliehen kann. Es ist so, als habe ihn Rolf Töpperwien, der rasendste aller Feldreporter, vor seinem Ruhestand höchstpersönlich entwickelt, was so  natürlich nicht stimmt und sicher etwas zuviel der Ehre wäre. Doch ich habe das Gefühl, dass Töppi stets in der Lage gewesen wäre, die folgende Top 5 der „Pokalschlachtrufe“ in jede noch so kurze seiner Reportagen unterzubringen:

1.  „Und erneut steht das ewige junge Duell Davids gegen Goliath bevor.“

2. „Es gibt keine Kleinen mehr.“
3. „Der Pokal hat seine eigenen Gesetze.“

4. „Berlin ist das deutsche Wembley“
5. „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin! “

Obwohl, Töppi hat vermutlich - außer in der 3. Halbzeit - nie „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!“ gerufen. Doch allmählich würde mir mal wieder eine seiner schmissige Pokalreportagen gefallen. In der typisch Töpperwien'schen Tonart versteht sich:
„Pokalsensation an der Essener Hafenstraße. Nach dem Abpfiff von Schiedsrichter Patrick Ittrich vom  Mümmelmannsberger SV aus Hamburg überschlagen sich hier die Ereignisse. 'David' Rot-Weiss Essen hat gegen den Goliath von Borussia Mönchengladbach mit 1:0 triumphiert. Dieter Hecking schlägt an der Seitenlinie die Hände über den Kopf zusammen. Und wieder hat der Pokal seine eigenen Gesetze...“

Da der rasende Reporter Töppi längst nicht mehr im aktiven Mikrofondienst ist, bleibt dieser Pokaltage nur, sich an seine Sternstunde mit dem juvenilen Olaf Thon nach dem 6:6-Pokalklassiker zwischen Schalke und den Bayern im altehrwürdigen Parkstadion zu erfreuen.


Wie sich in diesem Videoschnipsel sehen lässt, hörte Töppi bereits anno 1984 an der Seitenlinie das Gras wachsen. Und nun: Geben wir zurück in die Sendezentrale...


Samstag, 8. August 2015

Wenn der »Tünn« nach Meppen kommt

Es ist ein schönes Ritual. Eine Woche vor dem Start der neuen Bundesligasaison steigt die erste Runde des ruhmreichen DFB-Pokal und zelebriert zu diesem Zeitpunkt landauf landab das jährliche Spiel von David versus Goliath. Stern online beschrieb dies als ewige Sehnsucht nach der Sensation, die selbstverständlich auch beim viertklassigen SV Meppen dieser Tage vorherrscht.

Denn der einst gefürchteten Zweitliga-Trutzburg wurde der 1. FC Köln zugelost, was seit geraumer Zeit für Pokalfieber im schönen Emsland sorgt. Letztmals gastierte der SV Meppen 1999 im DFB-Pokal, als der emsländische Traditionsklub nach großem Kampf gegen keinen Geringeren als gegen Bayern München um Stefan Effenberg und Oliver Kahn ausschied. Der Klub rief seine Fans unlängst dazu auf, in den Vereinsfarben blau und weiß zu erscheinen. Da wird dem großen Effzeh doch wohl kein blaues Wunder drohen, oder?

Foto: Der Libero
Die emsländischen Lokalzeitungen befeuerten das grassierende Pokalfieber auf sympathische Art und Weise und stimmten ihre Leser täglich auf das Duell gegen den Bundesligisten vom Rhein ein. Man berichtete davon, wie Meppens Stadion mit den Namen Hänsch-Arena hergerichtet wurde, indem sämtliche Werbeflächen und gar die Flutlichtmasten den DFB-Auflagen folgend grüner Plane abgedeckt wurden. Man war dabei, wie zusätzliche Kameranester für die übertragenen Fernsehsender unter dem Dach der ehrwürdigen Alten Tribüne montiert oder es wurden Emsländer porträtiert, die ihr Fanherz sogleich an Meppen und den Effzeh verloren hatten und nun heute vor einem veritablen Dilemma stehen. Wie gut, dass der Mensch über zwei Daumen verfügt.

Nicht fehlen durfte zur Abrundung der Vorberichterstattung überdies Anekdoten aus Meppens historischer Schatzkiste zum Pokal und Effzeh. Denn vor einem Vierteljahrhundert, als Meppen noch zweitklassig war, gab es im Achtelfinale des DFB-Pokals schon einmal zwischen beiden Klubs ein Duell, welches der 1. FC Köln im heimischen Müngersdorfer Stadion mit Bodo Illgner im Tor und Pierre Littbarski als Kapitän seinerzeit knapp gewann. Ungleich unterhaltsamer ist da die Geschichte über Toni Schumacher, Kölns Torwartidol und heutigen Vizepräsidenten, die selbst die Tageszeitung "Die Welt" dankbar mit einem Artikel aufgriff.

Man muss wissen, Schumacher stieg anno 1988 mit Schalke 04 in die zweite Liga ab und weigerte sich damals (geiß-)bockig nach Meppen zu fahren: "Ich fahr doch nich' nach Meppen, da wechsel ich lieber in die Türkei." Schumacher schuf danach schnell Fakten und heuerte bei Fenerbahce Istanbul an. Doch die Geschichte mit Meppen lässt ihn seitdem nicht los, stellte ihm doch kurz darauf der pfiffige Meppener Spediteur Többe ein LKW-Anhänger mit der Aufschrift "Das Fußballerlebnis. SV Meppen. 2. Bundesliga." vor Schumachers Haus in Köln-Hürth und sorgte damit für bundesweite Schlagzeilen. Da Schumacher zum heutigen Pokaltag tatsächlich seinen Besuch in der ausverkauften Hänsch-Arena in Meppen angekündigt hat, wird er vermutlich in der Halbzeitpause auf Többe zum kurzen Klönschnack treffen. Többe durfte seinen Originaltruck zwar nicht ins Stadion schaffen lassen, doch möchte er dem "Tünn" gemäß seiner launigen Ankündigung im Express-Interview nun ein Paar Gummistiefel überreichen.

Doch wichtiger ist eh auf dem Platz. Denn Meppens Mannschaft, die Trainer Christian Neidhardt in eigens gestalteten blauen Pokaltrikots mit edler weißer Schärpe antreten lässt, ist hochmotiviert. Wichtige Meppener Stützen sind Torjäger Max Kremer, Keeper Benny Gommert, Kapitän Johan Wigger, der wie sein berühmter Vornamensvetter und Landsmann Johan Cruyff die Nummer 14 trägt, oder Routinier Jens Robben. Nicht zu vergessen ist Meppens filigraner Zehner Martin Wagner, der beim FC Bayern in der Jugend kickte und schnell den Spitznamen Emsland-Messi weg hatte. Mal sehen, ob die gut in die Saison gestarteten Meppener die favorisierten Kölner Geißböcke auf die Hörner nehmen können. Schließlich gibt es die ewige Sehnsucht nach der Sensation auch in Meppen, zumal der Pokal eh seine eigenen Gesetze hat...

Sonntag, 18. Mai 2014

Unsinkbar wie die Titanic?

Ich gebe zu: selten wirken Relegationspartien auf mich anziehender als das Pokalendspiel samt seines Brimboriums. In diesem Jahr ist dies anders, obwohl sich der BVB und die Bayern in Berlin duellieren und das Ganze längst zum deutschen »Clásico« hochgejazzt wurde. Zweifellos liegt dies am HSV, dessen letzter Titelgewinn bereits 27 Jahre her ist und der zur Kompensation sein gefährdetes Etikett »Bundesliga-Dino« längst wie einen Titel führt. Denn beim großen HSV werden nach dem Abpfiff in Fürth nicht unbedingt alle Lichter ausgehen, aber immerhin könnte wegen des drohenden Abstiegs seine Bundesliga-Uhr stehenbleiben.

Nach dem torlosen Relegationshinspiel gegen die forschen Franken tat sie dies zwar bereits. Aber nicht, weil dem Fußball-Gott Blitze schlagend die Geduld mit den Seeler-Erben ausging. Eher, weil das HSV-Stadionmanagement vergaß, eine schnöde Zeitschaltuhr abzuschalten. Nun tickt sie weiter, die Uhr. Dennoch liest man seitdem ausufern darüber, wie anhand der schlimmen Symbolik das böseste aller Omen für den HSV heraufbeschworen wird - der Abstieg.

Das gute Omen wäre demgegenüber auf Seiten der Fürther zu Hause. Denn rund um den Ronhof wäre da - augenzwinkernd gesagt - noch die Sache mit der Kleeblattkultur. Laut Wikipedia hat man in Fürth jenes Kleeblatt in nahezu allen Wappenvariationen der Klubhistorie untergebracht.  So wie es in der weiten Welt des Fußballs in den Emblemen von Rot-Weiß Oberhausen, den Shamrock Rovers und Celtic Glasgow zu finden ist. Und folgt man der Symbolik dieser Kleeblattkultur, müsste Fürth nur so vom Glück gesegnet sein.

Liest man dieser Tage die forschen Kommentare von Fürths Trainer Kramer hört sich dies jedenfalls schon einmal so an. Kramer will heute Abend mit einem Heimsieg, wie er auf den Busch klopfend sagt, »den Deckel draufmachen« auf den Bundesligaaufstieg. Führt Fürth recht rasch könnte sich beim HSV sicher eine Art Abstiegspanik breit machen. Doch irgendwie sagt mir mein Bauchgefühl, dass es dem HSV trotz des sagenhaften Slomka'schen Auswärtsfluchs, der Fürther Kleeblattkultur, des bösen Uhren-Omens undsoweiter gelingen wird, sich mit einem knappen 1:1-Remis am Bundesliga-Strohhalm festzuhalten.

Ist es etwa ein Zeichen, dass Slomka - aus dem Polnischen ins Deutsche übersetzt - tatsächlich Strohhalm, heißt? Und wer weiß, ob diesem Diekmeier in Fürth einmal eine dieser berühmt-berüchtigten Bananenflanken der Kaltz'schen Art gelingt, die dieser Lasogga in rabiater Hrubesch-Manier unter den Fürther Torbalken wuchtet.  Das ist schon alles überaus spannend. Oder ist der bisher unabsteigbare HSV am Ende doch so unsinkbar wie einst die Titanic?

Dienstag, 6. August 2013

Einen auf den Dutt

Die erste Runde im altehrwürdigen DFB-Pokal ist nun vorüber. Vier Erstligisten an der Zahl strichen  dabei schon ihre Segel. Hierzu gehörte auch Werder Bremen. Mein Lieblingsklub bekam beim drittklassigen 1. FC Saarbrücken am Sonntag gewaltig einen auf den Dutt.


 »Einen auf den Dutt« , so lautet im Übrigen auch der Titel meines Gastbeitrags im FCS-Blog 2.0 beim geschätzten Bloggerkollegen Carsten Pilger, der vor  Bremens Pokalgastspiel in Saarbrücken noch hier in diesen Blogwänden im Interview Rede und Antwort gestanden hat.

 
Zu meinem Gastbeitrag, der Werders dritte Pokalblamage in Folge bei einem Drittligisten seziert, geht es hier lang... >>>  
 

Montag, 5. August 2013

Das ganz große Los

Hurra, die Bayern kommen! Für den BSV Schwarz-Weiß Rehden war Nia Künzer Mitte Juni die buchstäbliche Glücksfee, schenkte Künzer der meist eher biederen Pokalauslosung nicht nur eine kleine Panne, sondern dem Viertligisten aus dem Niedersächsischen das ganz große Los.

Offenbar berauscht hiervon ließ sich Rehdens Präsident und Macher Friedrich Schilling in einem anschließenden  Radio-Interview bei NDR 2 nicht lumpen, Uli Hoeneß nicht nur einen warmen Empfang anzukündigen, sondern dazu ein Versprechen hinterherzuschicken.Dieses tarnte er als Kalauer, der leider so amüsant über den Äther kam wie für Hoeneß etwa ein Schuss in den Belgrader Nachthimmel. Hoeneß könne sich bei ihm, dem langjährige Steuerberater, gern ein paar Steuertipps abholen. Ja mei, der Pokal hat halt seine eigene Gesetze, gell?

Der große FC Bayern München, also das personifizierte Mia san Triple, muss nun dank Fräulein Künzer an diesem denkwürdigen Montagabend des 5. August in dem 1.800 niedersächsischen Seelen-Örtchen nahe Diepholz antreten. Naja, nicht ganz. Bedauerlicherweise gastiert der FC Bayern nicht in Rehden, sondern im Stadion an der Bremer Brücke in Osnabrück. Dort mietet sich Rehden ein, da es für den Underdog schwierig wurde, in seinem  »Arenachen« namens Waldsportstätten, den gestrengem Anforderungen des DFB gerecht zu werden. Schade! Da scheint der prickelnde Pokalcharme still und leise zu verfliegen...


Was die großen Bayern gegen den Underdog mit der schwarz-weißen Kluft  erwarten wird? Vielleicht hält man sich hier an Rehdens Stadionmagazin Schwarz und Weiß, dessen Cover stets in großen Lettern Rehdens Stärken offenbart:»Tore, Technik, Leidenschaft, Kampf und Willen«. Gewiss, das lässt sich hören. Ob Pep schon einmal von diesem Vestenbergsreuth gehört hat? Wohl eher nicht. Vermutlich mehr von dem »Favoritensterben« in der 1.Pokalrunde an diesem Wochenende -Werder,Braunschweig, Gladbach oder auch Nürnberg lassen verdächtig grüßen.

Wer indessen in Rehdens Reihen den Pokal-Reibach machen soll?Da wäre der frühere Bremer Kevin Artmann, der 80 Kilometer von Rehden entfernt einst bei Werder Profiluft schnupperte. Der 27-Jährige kickte zuletzt beim FC Oberneuland, in jugendlichen Tage aber sogar für ein Jahr in der Jugend des FC Bayern. 2006 spielte der oft verletzungsanfällige Mittelfeldakteur auch für den DFB, als er in der damaligen U-20 unter anderem mit Manuel Neuer, Sami Khedira oder Kevin-Prince Boateng spielte. Bayerns Abwehr sollte etwa den Rehdens kongolesischen Stürmer Kifuta im Auge behalten, den Rehden vor Kurzem aus Portugals zweiter Liga losgeeist hat.

Nicht vergessen sollte man in dieser kleinen Aufzählung sicher Francis Banecki. Vor einem Jahrzehnt kam Banecki für Werder zu einmaligen Champions League-Meriten gegen den RSC Anderlecht. Allerdings blieb dem Halb-Kameruner wegen hartnäckiger Blessuren die verhießene größere Profikarriere verwehrt blieb. Stattdessen machte sich Francis Banecki bei diversen Klubs im Nordwesten als torgefährlicher Allrounder einen Namen und ward dank seiner eleganten Spielweise von manchen - wie einst beim SV Meppen - gar »Kaiser Franz« gerufen.

»Kaiser Franz«! Schaun' mer mal, ob sich der echte »Kaiser« auf den VIP-Plätzen an der Bremer Brücke neben Uli Hoeneß und Kalle Rummenigge sehen lässt. Darüber dürfte sich Rehdens Präsident Schilling vermutlich ebenso freuen wie über die schier unmögliche Pokalüberraschung. Und wenn der Fußballgott die bajuwarischen Triple-Titanic gegen Rehden nun doch untergehen ließe? Fürwahr, man mag es sich kaum ausmalen, welch tektonische Plattenverschiebungen sich im Kosmos des »Mia san Mia« dann ereignen dürften...

Samstag, 3. August 2013

»Wir sind eine Leidensgemeinschaft!«

Der 1. FC Saarbrücken,  bei dem einst Felix Magath und Andy Brehme die Stiefel schnürten, kickt derzeit in der 3. Liga. In der 1. DFB-Pokalrunde trifft das Gründungsmitglied der Bundesliga auf Werder Bremen. Die treuen Fans des FCS hoffen, wie schon im Sommer 2012, auf einen neuerlichen Pokalcoup im altehrwürdigen Ludwigsparkstadion.

Fans wie FCS-Blogger Carsten Pilger, der als eine Art  »Fußball-Kulturbeauftragter« seines Lieblingsklubs längst erstklassig ist und sich anlässlich des Pokalduells in der Rubrik »Der Libero fragt nach…« im Interview die Ehre gibt. Carsten spricht über die vorübergehende Pause seines FCS-Blogs, den FCS an sich, das ungleiche Pokalduell, die medienwirksame Göttinger Fan-Initiative »Glotze aus, Stadion!« und nicht zuletzt über seinen »ersten Helden« Karsten Hutwelker.

Hallo Carsten Pilger! »Wieder mal Geschichten, Erlebnisse und Kommentare zum FCS«. Was macht eigentlich das FCSBlog2.0?

Hallo Libero! Das Blog hat vor etwas mehr als einem Jahr die Arbeit wieder aufgenommen. Ich hatte selbst irgendwie beim Abschied im September 2009 vermutet, dass es vielleicht irgendwann wieder was ähnliches geben würde, aber mit jedem Jahr mehr eigentlich weniger daran geglaubt. Aber nach einem Jahr im Ausland und völliger FCS-Abstinenz war da auf einmal im Ausland wieder diese Stimme, die mir zurief, es sollte wieder ein Blog geben. Die Leser dürfen sich das wie bei Zinedine Zidanes Comeback in der Nationalelf vorstellen. Dort war es aber am Ende nur der Bruder, der was im Schlaf zuflüsterte. Angeblich!

Der FCS mischt nach zwischenzeitlicher Fünftklassigkeit seit 2010 in der 3. Liga mit. Zum Saisonende gewann der FCS zwar zum dritten Mal in Folge den Saarlandpokal, rangierte aber als Elfter nur im Niemandsland der Tabelle. Woran lag es?

Im Verbandspokal hat sich die Einstellung des Vereins gebessert. Die Spieler wissen, dass der DFB-Pokal wichtige Gelder bringt, also ist die notwendige Ernsthaftigkeit da. In der Liga lag meiner Meinung nach der Hase zum einen darin begraben, dass im ersten Jahr von Jürgen Luginger ohne Sportdirektor schon vor Beginn strategische Fehler gemacht wurden. Im Sturm verließ sich Luginger auf Marcel Ziemer als einzige Spitze – und der fiel zu Saisonbeginn gleich aus. Luginger hat generell immer mal wieder länger gebraucht, um die passende taktische Variante für sein Material zu finden. Deswegen gab es Anfang des Jahres auch vielfach Abstiegsängste. Ich muss ihm lassen, dass er aber immerhin irgendwann den Schalter umgelegt hat.

Der Saarbrücker Kader verzeichnete viele Abgänge, nach zunächst schleppender Spielersuche wurden zuletzt fast täglich Neuzugänge vermeldet. FCS-Präsident Paul Borgard kommentierte einige Transfers im kicker gar damit, »auch mal harte Hunde im Team haben zu wollen«. Welche Saarbrücker Kicker machen besonders Mut? Was ist für den neuformierten FCS in der neuen Saison drin?

Ich überspring mal die Frage, ob eher weiche oder harte Hunde wünschenswert sind. Mut machen weniger einzelne Kicker, als dass einerseits der Kader in der Breite verstärkt wird und vor allem im Sturm nun genügend Alternativen vorhanden sind. Das war meiner Meinung nach der Schwachpunkt der Vorsaison. Mit Thomas Rathgeber gibt es nun einen erfahreren Stürmer mehr. Und Maurice Deville ist allein schon aufgrund des jungen Alters und seiner Leistungsbilanz in der Regionalliga ein sehr interessanter Angreifer. Außerdem braucht es mehr Luxemburger im deutschen Fußball!

Zu großen Vorhersagen will ich mich nicht hinreißen lassen. Wenn dann mir eigentlich stets vernünftig erscheinende Zeitgenossen sagen »Mit dem Kader spielen wir um den Aufstieg mit!«, löst das bei mir eher allergische Reaktionen aus. Solche Aussagen vor Saisonbeginn taten dem FCS nie gut.

Am Sonntag gastiert in der 1. DFB Pokal-Runde mit Werder Bremen erneut ein Bundesligist im Ludwigspark. Wie stark schätzt Du Werder, auch in Anbetracht des Trainerwechsels von Thomas Schaaf zu Robin Dutt, ein?

Ich würde mir persönlich wünschen, dass Dutt vielleicht mal dem Ex-Saarbrücker Johannes Wurtz die Chance in der Bundesliga gibt. Vor Saisonbeginn hat er bereits den Profivertrag bekommen, vielleicht sehen wir ihn ja öfter!Sonst ist die Vorhersage eher schwierig. Nach Ende der Ära Rehhagel hatte Bremen mit dessen Nachfolgern auch erst einmal Pech. Dutt wird es definitiv nicht leicht haben, andererseits könnte ich mir vorstellen, dass Bremen auch weiter ein eher ruhiges Pflaster in der Bundesliga bleibt und er zunächst viel Kredit bei Fans und Verantwortlichen bekommt.

Was meinst Du, erlebt Werder wie in den beiden Sommern zuvor, dass der Pokal im Ludwigspark wieder einmal seine oft beschworenen »eigenen Gesetze« zeigt? Dein Tipp?

Bremen war ja in den vergangenen Jahren oft für dicke Blamagen gut. Wünschenswert wäre das aus meiner Sicht schon, da ich voraussichtlich die erste Pokalrunde verpassen werde und bei einem weiteren Spiel schon gerne im Ludwigspark noch einen Bundesligisten hätte. Der Trainerwechsel wird die Werderaner aber wohl zusätzlich anspornen.
 
 
Ich bin mal gespannt, wie viele Zuschauer den FCS im Ludwigspark anfeuern werden. Apropos anfeuern: Was hältst Du eigentlich von der kürzlich ins Leben gerufenen Initiative »GLOTZE AUS, STADION AN«? Bisher haben sich dieser viele zumeist viert- oder fünftklassige Traditionsklubs wie der VfB Oldenburg, Altona 93 oder Victoria Hamburg angeschlossen.

Drittligisten werden da wohl nicht reingehen, da sie befürchten, dass es als »Alleingang« bewertet wird, der ihnen bei Verhandlungen mit dem DFB und den Sendern um mehr Fernsehgelder Nachteile bringt. Deswegen wundert mich die eher kleine Liste von Regionalligisten oder Oberligisten nicht. Fördernswert ist das schon. Was mir inhaltlich bei der Kampagne fehlt, sind die Argumente. Ich lese dieses »Support your local club!«, aber objektiv betrachtet ist das für sich noch kein Argument. Höchstens bei uns Fußballromantikern. Der durchschnittliche Fußballfan ist nun mal - bedingt durch gesellschaftlichen Wandel - der Typ, der das Skyabo der Dauerkarte vorzieht und seinen einzigen Stadionbesuch im Jahr wie einen Pauschalurlaub durchplant. Dort liegen die potenziellen Stadiongänger - aber allein mit eher bittenden Parolen kommen die nicht.

Finale Frage: Der FCS feiert in diesem Jahr seinen 110. Geburtstag. Was ist für Dich das Besondere, das Anziehende, am FCS? Wer ist Dein ewiger Held?

Mein »erster Held« war Karsten Hutwelker, der Wandervogel und begnadete Allrounder. Wirkliche »Helden« brauche ich eigentlich nicht, mit meinen Freunden suche ich öfters mal zu Saisonbeginn einen Lieblingsspieler für die kommende Spielzeit – der nicht unbedingt der beste Torjäger sein muss! Da hatten wir schon einigen Spaß, mit Greg Strohmann, den wir gegen alle Widerstände immer wieder anfeuerten.

Aber eigentlich bleibt das Anziehende am FCS, dass es fast keine Helden gibt und so vieles doch nicht so rund läuft. Dieter Ferner ist sicher ein Held, aber auch das hat ihm weder gegen den DFB, noch gegen Kräfte im Präsidium geholfen. Wir sind eine Leidensgemeinschaft, aber gewiss eine, in der es immer mal wieder Hoffnung auf Besserung gibt.

»Der Libero« bedankt sich für das Interview.

Carstens FCS-Blog 2.0  ist laut Selbstbeschreibung »ein unabhängiges, kritisches, aber nicht vollends spaßbefreites Fan-Blog, das sich mit dem 1. FC Saarbrücken und dem Fußball im Allgemeinen beschäftigt« und wurde im Herbst 2012 von dem Magazin 11Freunde zum Blog des Monats ernannt. Daneben bereichtert Carsten Pilger die saarländische Fußball-Kultur mit dem lobenswerten FCS-Fanzine „Der Leuchtturm“ und war an der in diesen Blogwänden veranstalteten Themenwoche "50 Jahre Bundesliga - Titel, Tränen und bloß nicht wie Tasmania" beteiligt.

Donnerstag, 20. Dezember 2012

„Ich hab' vom Olaf Thon nix anderes erwartet!“

Was macht eigentlich, Olaf Thon? Der Ur-Schalker ist derzeit mal wieder in aller Munde. Montag sezierte er etwa im kicker die Entlassung von Huub Stevens. Der Schalker „Jahrhunderttrainer“, mit dem Thon einst den UEFA-Pokal und zwei DFB-Pokalsiege errang, so notierte Thon in seiner Kolumne, müsse den Kopf hinhalten, obwohl er nicht die größten Fehler gemachte habe. Hört, Hört!

Bei der Pokalauslosung gestern Abend im Ersten stand Thon dann buchstäblich wieder in der ersten Reihe. Und zwar ausgerechnet in den Katakomben des einstigen Dortmunder Westfalenstadions, wo Thon die Paarungen für das Pokalviertelfinale zog. Jürgen Klopp hatte direkt nach dem vorherigen 5:1-Kantersieg seines BVB gegen Hannover 96 noch getönt, dass „der Olaf“ ihm den Abend nicht versauen könne.
Doch anders als bei manch anderer Gelegenheit sollte der Weltmeister von 1990, der von dem verdächtig feixenden Matthias Opdenhövel als Sportschau- „Losfee“ angekündigt worden war, bei seinen Antworten nicht etwa die befürchtete  professorale T(h)onlage an den Tag legen. Vielmehr sollte Thon im Laufe dieser launigen Auslosung das breite Lächeln nicht mehr aus dem Gesicht entweichen. Zunächst, als die Sportschau mit einem Einspieler an den legendären 1984er 6:6-Pokalkrimi erinnerte, nach dem der Stern Thons dank seiner drei Treffer sozusagen über Nacht aufging.


Danach ließ Thon Taten sprechen, Schalke war ja bekanntlich nicht mehr in der Lostrommel, und schickte den BVB zu Bayern München. BVB-Boss Watzke wirkte daraufhin am Mikrofon von ARD-Reporter Jürgen Bergener geradezu schmallippig. „Herr Watzke, sie müssen zu den Bayern reisen! Was sagen Sie dazu?“ „Ich hab' vom Olaf Thon nix anderes erwartet!“ Thon selbst goutierte dies einem breiten Grinsen. So, als habe er sich an Rolf Rüssmanns unvergessenen  Knurrer erinnert: „Wenn wir hier schon nicht gewinnen können, dann treten wir ihnen wenigstens den Rasen kaputt.

Jener Rüssmann gehört übrigens zur schmalen Kaste jener Kicker, die einst sowohl für Schalke als auch für den BVB über die Rasenrechtecke gerackert sind. Trotz eines eigenen Abstechers zu den Bayern gilt für Thon nach wie vor jene Feststellung, die Schalkes entlassener „Jahrhunderttrainer“ in seinem holländischen Singsang einmal für die Ewigkeit hinterließ: „Einmal Schalke, immer Schalke!“ Selbst wenn dieser Olaf Thon vermutlich niemals Schalke-Trainer werden wird...

Samstag, 3. November 2012

Gras fressen auf der Alm

In der vergangenen Pokalwoche duellierte sich der drittklassige Traditionsklub Arminia Bielefeld mit Bayer Leverkusen.  Der Libero saß an diesem spannenden Mittwochabend auf der Bielefelder Haupttribüne und beobachtete im einstigen „Stadion auf der Alm“, wie ackernde Arminen „Gras fraßen“, laute Leverkusener Fans lärmten und der schnelle Schürrle per Picke Bayers Siegtor ins Bielefelder Herz pfefferte... 


Per kesser Plakatkundmachung: „Wir bereiten Euch ordentlich Kopfschmerzen!“ hatte Arminia Bielefeld seinen hochfavorisierten Gast aus Leverkusen bereits Wochen vor der Zweitrundenpartie Willkommen geheißen. Und diese Aktion bescherte den mittlerweile drittklassigen Arminen nicht nur bundesweites Aufsehen.

Sie belegt daneben, wie sehr der ostwestfälische Traditionsklub offenbar dem großen Pokalabend entgegenfiebert haben muss. Jenes Pokalfieber flankierte im Übrigen Arminias handliches wie wunderbares Stadionmagazin Halbvier, das zum einen auf traditionell erfolglose Bielefelder Pokalteilnahmen zurückblickte und sich zum anderen umso mehr an Arminias Halbfinalgastspielen anno 2004 und 2006 erfreute.




Was das Aufsehen angeht, da konnten auch die Leverkusener mithalten. Hatten diese doch erst kürzlich bei Bayern München nach 23 Jahren wieder einen Sieg feiern können. Doch selbst mit diesem Triumph im Gepäck sollte die Werkself erleben, wie die tapferen Arminen ihre Kopfschmerzandrohung wahr machten und dank eines Kontertores früh in Führung gingen. Auf der Haupttribüne sprudelte es da vor lauter Euphorie aus einigen kernigeren Arminia-Anhängern nur so heraus, die begeistert feststellten: „Heute wird auf der Alm endlich mal wieder richtig Gras gefressen!“

„Gras fressen auf der Alm“, das passte zu diesem offenen Schlagabtausch. Vor allem die unermüdlich ackernden Arminen taten dies zuweilen mit harten Bandagen und retteten sich nach zwischenzeitlichem Rückstand wenige Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit per direkt verwandeltem Freistoß noch in die Verlängerung . „Die Alm“, die Arminen-Arena, die schon lange nicht mehr so heißt, bebte, pulsierte und erinnerte zuweilen an die Atmosphäre in einem englischen Stadion.


In besagter Verlängerung sollte diese Ausgelassenheit jedoch verkaterter Nüchternheit weichen, als Bayers herausragender Nationalkicker Andre Schürrle den ihn verfolgenden Arminen die Hacken zeigte und Bayers 3:2-Siegtreffer  pfiffig per Picke ins Bielefelder Netz pfefferte. Nach Ertönen des Schlusspfiffs feierten dann Schürrle & Kollegen ihren hart errungenen Achtelfinaleinzug vor dem gut besetzen wie erstaunlich stimmgewaltigen Leverkusener Gästeblock.

Und zur Überraschung vieler wurde es dort, wie bereits im Laufe der 120 Spielminuten, überaus laut. Schon vor dem Anpfiff hatten böse Bielefelder Zungen in Gedenken an gestrige Vorurteile gestaunt, dass die am Gästeblock sitzende Polizeihundertschaft früher doch stets ein Zwanzigfaches der mitgereisten „Leverkusener Schlaftabletten“ dargestellt habe…

Dienstag, 30. Oktober 2012

Sandsturm aus Sandhausen?

Wenn es um den Sportverein Sandhausen geht, könnte sicher mancher Fragen  ganz nach dem  SV Meppen-Prinzip stellen: Wer sind die denn? Wo kommen die denn her? Fürwahr, der Zweitligaaufsteiger ist für viele, sagen wir einmal, ein weithin unbeschriebenes Blatt. Wie gut, dass die 11 Freunde in ihrer November-Ausgabe ihr obligatorisches Stadionposter dem Sandhauser Hardtwald-Stadion widmen oder die Sportschau kürzlich jene Heimstatt nebst Katakomben für einen Vorbericht ins Visier nahm. 

SV Sandhausen, den Namen sollte man sich nicht zuletzt dank des Aufstiegs in die Liga Zwo merken. Da vergesse ich glatt, wie Fans des 1. FC Köln nach ihrem Erstligaabstieg einen kleineren Wortspielkarneval veranstalteten und in leicht verdaulicher Weise den Klubnamens der badischen Emporkömmlinge verballhornten: „Adieu FC Bayern, herzlich Wilkommen Sandsturm Sandhausen.“  Bisher hält sich Sandhausen in der 2. Liga zwar erwartbar nah  an den Abstiegsrängen auf, aber doch irgendwie über Wasser.

Am heutigen Dienstag steht dann das Pokalgastspiel der 2. Runde auf Schalke an. Während einige Schalker ob der vermeintlich leichten Hürde nach Triumphen gegen den BVB und bei Arsenal zu Gähnen beginnen dürften, könnte dieses Gastspiel für die Badener eines der Glanzspiele der 103-jährigen Klubgeschichte werden. Denn derartige Ereignisse auf diesem Niveau sind in Sandhausens Annalen rar gesät.

Letztes Jahr gastierte Klopps BVB in Runde eins des DFB-Pokals in Sandhausen und gewann dort per solidem 2:0-Erfolg. Mehr Begeisterung weckt da aber Sandhausens sensationeller Pokalauftritt aus dem Sommer 1995, als der VfB Stuttgart im Hardtwald-Stadion mit sage und schreibe 14 zu 15 nach Elfmeterschießen unterging. Jener denkwürdige Elfmeterkrimi, bei dem auf Seiten des VfB ein gewisses magisches Dreieck namens Bobic-Elber-Balakov mit von der Partie war und ein Co-Trainer namens Jogi Löw auf der Bank saß,  ging übrigens als der torreichste in die Pokalannalen ein.


Bei diesem Sandhauser „Sandsturm“ längst nicht mehr dabei war der prominenteste Kicker der Klubhistorie. Dieser ist übrigens Bayern-Legende Franz „Bulle“ Roth, der nicht nur für seinen FC Bayern einst in drei Europapokalendspielen traf, sondern im Spätherbst seiner Karriere Sandhausens schwarz-weißen Dress trug. Was den heutigen Pokalabend angeht, darf man nur hoffen, dass Roths Sandhauser Erben nicht dasselbe passiert wie den Bayern. Denn die gingen Ende der 70er gegen Schalke einmal mit 0:7 unter...

Doch wer weiß, ganz im Sinne vielbeschrieener „Pokalgesetzmäßigkeiten“ könnte ebenso ein erneuter wie weithin unerwarteteter „Sandsturm“ aus Sandhausen über die Schalker hinwegfegen. Ausgerechnet im langjährigen Wohnzimmer des Schalker Idols Ebbe Sand hätte das nicht nur buchstäblich etwas...

Sonntag, 13. Mai 2012

Hoch lebe der „Pöhler“!

Zurzeit lässt Jürgen Klopp einen leicht glauben, dass er schier alles kann. Außer vielleicht Champions League. Früher war Klopp schon Brillenträger des Jahres, TV-Bundestrainer an verschwörerischen Taktiktischen mit Kerner und Jauch und so etwas wie der Mainzer Jahrhunderttrainer. Zwei Mal Meistercoach, nach einem gewaltigen fünf zu zwo gegen die Bayern ist er seit gestern Pokalsiegertrainer und holte damit erstmals das Double an den Borsig-Platz.

Beim BVB herrscht Jubel, Trubel, Heiterkeit. Die BAMS titelte bereits kürzlich wenig subtil, aber vermutlich treffend: „Das BVB-Herz schlägt KLOPP; KLOPP; KLOPP.“ Selbst der stern erhob Klopp vor Kurzem auf seinen Titelblatt und sezierte die Klopp'sche Kunst der Motivation. Doch obacht, Klopp kann noch mehr. Er huldigt seit Jahresbeginn mit seiner Kappe dem „Pöhler“. Klopp sagte mal, er trage sie, weil ihm gefalle, wie intensiv im Pott Fußball gelebt werde!


Nur ist das mit den „Pöhlern“ so eine Sache. In nordwestdeutschen Breitengraden, etwa im Emsland (#SV Meppen), besteht die zumeist einzig messbare Qualität eines Pöhlers darin, Bälle lang und weit nach vorne zu „pöhlen“. Die Spielkultur des Kick & Rush hätte ihm vermutlich gut gelegen. René Werner vom emsländischen Fußballportal amateurmarkt.de erklärt:

„Was ist ein Pöhler? Der Pöhler verkörperte zu meiner aktiven Zeit den Fußballer mit dem härtesten unkontrollierten Schuss! Ob nun Libero, Vorstopper, Verteidiger oder Stürmer – allesamt alle konnten den Pöhler verkörpern! Dank/durch Jogi uns seinen Mannen schien er ausgestorben, doch schaut einmal in die Fläche der Hobbykickerei so findet man den ein oder anderen Exoten der alten Gattung.“

Doch mit dem „Pöhler“ der nordwestdeutschen Güte ein Double zu gewinnen, wäre selbst für Jürgen Klopp schwierig gewesen. Es wurde landläufig viel über den „Pöhler“, dem Kloppo huldigt, gerätselt und erklärt. Daher hat der LIBERO bei jemandem nachgefragt, der auf den Rasenrechtecken des Ruhrgebiets sozusagen das Gras wachsen hört: bei Buchautor und VfL Bochum-Edelfan Ben Redelings.

Ben, in Teilen Norddeutschlands kloppt ein "Pöhler" die Pille lang und weit nach vorne. Ist der Pöhler zum Beispiel aus Bochum derselbe Typ?

„Die Sache mit dem "Pöhler" auf der Kappe von Klopp ist sogar etwas komplizierter. >Lass uns pöhlen gehen<, sagen hier in der Gegend kleine wie alt gewordene Jungs, wenn sie sich zum gepflegten Kick verabreden. Früher, als es noch bedeutend weniger Autos gab, pöhlte man tatsächlich gerne auf der Straße oder auf Hinterhöfen, später dann auf Wiesen und Bolzplätzen. Wenn einer besonders schöne Schuhe dabei trug, waren das schon einmal "geile Pöhler", die er da präsentierte.Heute nennt man ganz allgemein alle, die auf dem Platz keine >Muscheltaucher, Vollfriseure oder Eisverkäufer< (O-Ton Peter N.) sind, Pöhler!“

Dank Ben Redelings wissen wir nun: jeder ist ein Pöhler. Das lässt sich hören!

Doch, die Pointe dieser kleinen Geschichte ist noch eine andere. Man muss wissen, dass in den sprachlichen Breitengraden Nordwestdeutschlands der Begriff „Pöhler“ noch eine weitere Bedeutung hat. Denn dort werden an Kanälen liegende Schiffsanleger entweder Poller oder in ihrer umgangssprachlichen Ausformung „Pöhler“ genannt. Soweit, so gut.

Und, wer hätte es gedacht? Richtig, sie sind alle schwarz-gelb. Der BVB und Kloppos Kappe lassen grüßen. In diesem Sinne, hoch lebe der „Pöhler“!

Freitag, 11. Mai 2012

So wie der Himmel auf Erden

Mein Kumpel ist leidenschaftlicher HSV-Anhänger. Meist ist er fanatisch, was  Werder angeht, verfügt aber über ein St. Pauli-Trikot. Ob es damit zu tun hatte, dass er es mit seinem HSV zuletzt ziemlich schwer hatte? Ich weiß es nicht. Ich weiß hingegen, dass der HSV seinem epochalen ersten Abstieg nicht oft näher war als in diesem Frühling 2012. Das olle „Hamburg, meine Perle“ ging meinem Kumpel kaum noch über die Lippen.

Weit öfter stimmte er hingegen Klagelieder an, wonach „der ganze Mist“ mit Manni Kaltz nicht passiert wäre. Da Kaltz, der „König der Bananenflanken“, längst in Rente ist, wurde mein Kumpel kreativ. Er baute sich in einem Karton einen HSV-Schrein, inklusive eines Fotos von „Uns Uwe“, dem HSV-Restprogramm und einer Kerze. Dazu gesellte er einen Gartenzwerg im stilechten HSV-Dress. Wohl wahr. Ich frage mich allerdings noch immer, ob mein Kumpel sich der gefährlichen Symbolik so ganz bewusst war…

Nun denn, nachdem der Schrein erst einmal stand,  gelang es seinem HSV tatsächlich, dem befürchteten Abstieg noch zu entrinnen. Das bedeutet: die ewige HSV-Bundesliga-Uhr läuft weiter. Doch trotz Klassenerhalts verstreicht für den Dino in den roten Hosen ebenso – und recht erbarmungslos - die Zeit ohne Titel. Man sollte wissen, 2012 ereignet sich für den großen, ehrwürdigen HSV ein trauriges Jubiläum: er ist seit 25 Jahren titellos. Daran wird auch das DFB-Pokalfinale zwischen dem BVB und den Bayern nichts ändern.

Es war einmal vor einem Vierteljahrhundert. Genauer gesagt am 12. Juni 1987, als der HSV den DFB-Pokal dank eines 3:1 im Endspiel gegen die damals zweitklassigen Stuttgarter Kickers gewann. Kapitän Thomas von Heesen stemmte den Pott danach in den Himmel. Der stets von meinem Kumpel besungene „König der Bananenflanken“ steuerte gar den vorentscheidenden Treffer zum 2:1 bei.


Vielleicht sollte mein Kumpel seinen Schrein einfach stehen lassen, um das Ende dieses Fluches der Titellosikeit heraufzubeschwören. Denn 2013 wäre das Double theoretisch doch möglich, oder etwa nicht? 30 Jahre nach dem Sieg im 83er Cup der Landesmeister wäre dies für meinen Kumpel so etwas wie der Himmel auf Erden. Gewiss, für mich als Werder-Daumendrücker weniger.

Doch anders als mein Kumpel verzichte ich künftig lieber auf solch krude Schrein- oder Kerzenrituale. Selbst wenn sie dieses Double verhindern würden. Warum? Es war im trüben Herbst 2010: da drohte Werder im Sumpf des Bundesligakellers zu versinken. Daher meinte ich, meinen Werder-Wimpel an der Wand mehrmals umdrehen und (schier voodoohaft) beschwören zu müssen. Unter uns gesagt, es half rein gar nichts.

Als letzter Ausweg schien mir das Anzünden einer grün-weißen Kerze übrig zu bleiben. Eine solche hatte ich in einer Schublade liegen und mich ohnehin gewundert, wie verdächtig deren Design dem Trikot Celtic Glasgows ähnelte. Da Werder schließlich beim VfB Stuttgart (0:7!) unterging wie einst die Titanic, flackerte diese ominöse Kerze nur für einen Nachmittag. Seitdem halte ich solche Rituale für buchstäblicg „verbrannt“.

Schaun’ mer also mal, wie lange mein Kumpel mit diesem Schrein weiter auf den nächsten HSV-Titel warten muss.Ach ja, bevor ich es vergesse. Celtic Glasgow gewann übrigens an besagtem Nachmittag. Nur, was heißt gewann. Celtic zerlegte den FC Aberdeen, ebenso ein 1983er Europapokalsieger, regelrecht: mit sage und schreibe 9:0…

Montag, 19. Dezember 2011

Ein Werder-Wimpel und ein Hauch von Real Madrid

Steht eine Runde oder eine Auslosung im DFB-Pokal an, muss ich unweigerlich meinen grünen Wimpel von Werder Bremen anschauen. Auch wenn dies bei mir eher zwiespältige Gefühle auslöst. Warum? Seitdem ich den Wimpel nach Werders letztem Sieg im DFB-Pokal erwarb, gewann Werder kein einziges DFB-Pokalspiel mehr. Da mir der Wimpel aber dennoch lieb geworden ist, weigere ich mich standhaft, ihn deshalb leichtfertig zu entsorgen.

In seinem Schmöker „Fever Pitch“ berichtet Arsenals Edelfan Nick Hornby, wie er in jugendlichen Jahren versuchte, Arsenal zu Siegen zu treiben. Seinem Aberglauben ergeben legte er etwa an Pokal-Spieltagen eine bestimmte Scheibe der Punkrock-Fahrensmänner Buzzcocks auf seinen Plattenteller und diese laut drehte auf.



Doch glaubt mir, Hornbys Buzzcocks-Prinzip zieht bei Werder nicht. Mal sehen, da muss ich dieses kleine Pokal-Trauma Wohl oder Übel anders angehen. Vielleicht gewinnt Werder dann im Pokal endlich wieder, also im nächsten Sommer in der 1. Runde. Anders angehen würde ich es, indem ich schlicht und einfach von Werders letztem Pokalsieg im Sommer 2010 erzähle. Gesagt, getan:
Als geschlagener Pokalfinalist - die Bayern hatten Werder im 2010er Pokalendspiel  mit 4:0 böse überfahren-  führte Werder das Los der 1. Pokalrunde zu Rot-Weiss Ahlen. An diesem sonnigen 14. August  2010 hieß also Werse- statt Weserstadion.

Rot-Weiss Ahlen? Stimmt, da war was. Denn, seinen Namen trägt der „RWA“ noch nicht lang. Erst seitdem sich Ahlens einstiger Mäzen aus dem Kosmetik-Kosmos samt seiner bizarren Namenskreation „Leichtathletik Rasensport“, kurz LR, verabschiedet hat. Wer aber meint, am Klub aus dem pferdeaffinen Münsterland seien daher die modernen Errungenschaften der Fußball-Kultur vorbeigaloppiert, irrt sich.

Dieser Pokalsamstag in Ahlen bewies nachhaltig die Existenz von mehr als einer Handvoll Menschen, die in rot-weiße „RWA“-Souvenirs gehüllt das Wersestadion bevölkerten. So wie etwa auf Ahlens Gegentribüne, auf der die „Werse-Wikinger“ Flagge zeigten. Sehen lassen konnte sich auch Ahlens schmucke Südtribüne. Dort, auf dem Grenzzaun zum Spielfeld, thronte ein eifriger Einpeitscher. Per Megaphon feuerte er den unerwartet stimmgewaltigen Fanblock des „RWA“ an und gab als „Zaunkönig“ den Ton an.

Das Ende vom Lied? Trotz Aufbietung sämtlicher Schlachtrufe aus dem „RWA“-Repertoire, blieben Ahlens damalige Drittliga-Kicker harmlos und die erhoffte Sensation aus. Letztlich gurkte sich Werder zu einem glanzlosen 4:0-Sieg, sorgte im Nachhinein betrachtet aber zumindest in einem Moment für „königlichen“ Glanz.

Dieser Moment ereignete sich in Spielminute 61. In dieser spazierte ein gewisser Mesut Özil in seiner allerletzten Szene für Werder vom Feld. Kurz nach dem Spiel wurde Özils Wechsel zu Real Madrid bekannt, natürlich von einigem medialen Tamtam begleitet. Wenn man so will, lag an diesem Pokalsamstag in Minute 61 ausgerechnet im beschaulichen Ahlen ein Hauch von Real Madrid in der warmen Sommerluft.

Ansonsten sehnte Thomas Schaafs müde Herde den Abpfiff förmlich herbei. Damit stand Werder Ahlens Einpeitscher im Übrigen in nichts nach, der seinen Thron auf dem Zaun bereits verlassen hatte und Bier trinkend einen frühen Feierabend genoss. Ich machte dagegen erst nach dem Abpfiff „Feierabend“, nachdem ich besagten Werder-Wimpel bei einem fliegenden Händler rund um das Wersestadion erworben hatte.





Dieser Tage werde ich meinen Werder-Wimpel übrigens wieder anschauen. Richtig: es ist dann wieder DFB-Pokal. Der Hauch von Real Madrid ist natürlich längst verflogen...


Dieser Artikel ist inspiriert von Stadionchecks Beitragsreihe über Fußball-Memorabila und nun ein Teil davon.  

Sonntag, 22. Mai 2011

Neuer Pokalsieger

Schalke Fünfnull! Beim morgendlichen Anblick dieser Schlagzeile in der Sonntagszeitung könnte sich Carmen Thomas eventuell ein wenig verschluckt haben. Da drehten die in Pink kickenden „Königsblauen“ im gestrigen Pokalfinale gegen zahme Zebras des MSV Duisburg den legendären Versprecher der früheren Sportstudio-Lady doch einfach um.

Schalkes fünfter Finaltriumph dürfte nach einem turbulenten Saisonverlauf, der einer emotionalen Achterbahnfahrt gleichkam, lange in Erinnerung bleiben und dabei wie Balsam auf geschundene Schalker Seelen wirken: Abstiegsangst,Champions League-Halbfinale, Meisterschaft des BVB...

Nicht zuletzt der jüngst von Schalke-Urgestein Manuel Neuer verkündete Abschied, den so mancher bereits in Uwe Seelers Treuespur gesehen haben dürfte, brachte vielerorts das königsblaue Blut beinah zum Überkochen. In seinem vermutlich höchstpersönlichen Endspiel stand Neuer daher gestern ganz besonders im Fokus des Geschehens.

Als Neuer den güldenen DFB-Pokal leidenschaftlich in den Berliner Abendhimmel gereckt hat, könnte auch bei jenen so manche Träne heimlich verdrückt worden sein, die ihr Idol in den letzen Wochen angesichts seines kolportierten Bayern-Wechsels recht rüde an den königsblauen Pranger gezerrt haben. Neuers Pokalhochrecken hatte unweigerlich etwas von einem letzen Tribut an die Schalker Anhänger. Es roch nach Abschied.

Allein schon deshalb dürfte der Glanz des Schalker Pokalsiegs anno 2011 den der Triumphe in 2001 und 2002 überwiegen. Vielmehr könnte sich er sich auf einer Stufe mit Schalkes legendären 1984er Halbfinalkrimi bewegen, als sich ein gewisser Olaf Thon  mit seinen drei Toren beim 6:6 gegen die Bayern über Nacht einen Namen herbei schoss.

Olaf Thon wechselte übrigens Jahre nach diesem sagenhaften Pokalabend zum Rekordmeister, fand aber eine halbe Dekade später den Weg zurück in den königsblauen Kosmos. Warum sollte Neuer dies nicht eines Tages auch gelingen? Schaun’mer mal, wie viel dem FC Bayern letztlich die Dienste Neuers wert sein werden. Selbst bei einer spekulierten Ablösesumme von 20 Millionen Euro ist anzunehmen, dass Schalke hiermit bis zu Neuers Heimkehr adäquate „Übergangskeeper“ finden wird.

Apropos Ablöse. Zum Schluß soll Olaf Thon nochmals gewürdigt werden. Dem hängt ja hinterher, bei Auftritten in Funk und Fernsehen mal gern vom Ruhrgebietsidiom in den „professoralen“    T(h)on abzuschweifen. Ganz ohne offizielle Verhandlungsbefugnis ließ es sich dieser kürzlich in einer kicker-Kolumne nicht nehmen, Neuers Marktwert auf immerhin 100 Millionen Euro zu taxieren.

Allerdings waren ihm wohl beste Absichten zu unterstellen. Vor allem auf diesem Wege, alles für ein künftiges Schalke ohne Manuel Neuer zwischen den Pfosten herauszuholen. Vermutlich wird der Schalker „Professor“ schlichtweg das Ziel verfolgt haben, dass das Carmen Thomas‘sche Orakel eines steten Schalke Nullfünf nicht Realität werden lassen. Darauf ein kräftiges „Glück auf“.