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Donnerstag, 30. Juli 2020

Wirklich schnell

Mittwoch, 30. Januar 2013

Brentford Blues

Was macht eigentlich, Uwe Rösler? Die einstige sächsische Sturmkante, den Manchester City weiland in seine Hall of Fame aufnahm, ist zurzeit der einzige deutsche Cheftrainer eines Profiklubs im Mutterland des Fußballs. Denn der 44-Jährige mit dem kahlen Haupt coacht den  FC Brentford. Nicht zu verwechseln mit dem Viertligisten Bradford City, der just sensationell ins englische Ligapokalfinale eingezogen ist.

Doch bleiben wir beim drittklassigen FC Brentford aus dem Londoner Westen, mit dem Rösler in der League One dank einer tollen Siegesserie auf dem stolzen 3. Platz rangiert – hinter Vereinen wie den Rovers aus Tranmere und Doncaster. Unter Rösler, der in der norwegischen Heimat seiner Ehefrau seine ersten Trainergehversuche machte, befinden sich die „Bees“ (die Bienen) quasi im Landeanflug auf einen Aufstieg.

Das gab es bei dem Traditionsklübchen, als dessen berühmtester Kicker Roddie Stewart gilt, schon lange nicht mehr. Denn Anfang der swinging sixties spielte die schottische Rockröhre, quasi nach Ende seines Stimmbruchs, beim FC Brentford vor. Stewart erhielt dort aber entgegen einer landläufigen Legende keinen Profivertrag. Apropos Landeanflug. Sollten Sie einmal Heathrow, Londons größten Flughafen anfliegen, werden Sie Brentfords Stadion gut erkennen. Denn der Griffin Park liegt in Heathrows Einflugschneise, weshalb der kleine Klub seine Tribünendächer mit Werbeslogans hat versehen lassen.


Das hat man beim großen West-Londoner Nachbarn FC Chelsea, der am Sonntag zur 4. FA Cup-Runde in den Griffin Park einflog, nicht nötig. Doch hätte Fernando Torres Chelsea mit seinem Ausgleichstreffer kurz vor dem Schlusspfiff nicht ins Wiederholungsspiel gerettet. Dann wären Mr. Lampard und Kollegen von Röslers „Bienenschwarm“ im Griffin Park, wo Chelseas Reserve früher eine Zeit lang seine Heimspiele absolvierte, um ein Haar aus Englands traditionsreichstem Pokalwettbewerb gestochen worden.

Nach jenem blamablen 2:2-Remis schlichen Chelseas Coach Rafa Benitez und seine Star-Kicker mit verkniffenen Minen vom geschundenen Rasen des Griffin Parks, so als hätte sie der Brentford Blues ereilt. Schließlich war der schlingernde Champions League-Sieger erst kürzlich ähnlich blamabel gegen die wackeren Waliser von Swansea City im englischen Ligapokalhalbfinale gescheitert. Die „Bees“ ließen sich nach dem Schlusspfiff zwar mit stolzen Minen von den 12.000 begeisterten Zuschauern im Griffin Park feiern.

Doch der Brentford Blues, der schien an diesem sonnigen Januarnachmittag im Londoner Westen selbst jenen Uwe Rösler befallen zu haben. In Erwartung des Wiederholungsspiels an der Stamford Bridge fasste Rösler die Ereignisse zwischen den ungleichen Nachbarnspäter in einem BBC-Interview zusammen und sagte im wehmütigen Sound: „Chance of a lifetime missed“.

Sonntag, 7. Oktober 2012

Radio Gaga

„BoJo“? Nie gehört? Kein Problem.Britanniens Boulevardzeitungen nennen Londons schillernden Bürgermeister Boris Johnson so, der politisch als „Tory“ dem konservativen Lager angehört und als schier genauso unberechenbar wie sein struwweliger blonder Haarschopf gilt. Der Spiegel nannte „BoJo“ einmal einen Polit-Clown und stufte ihn in den Tagen der Olympischen Spiele in London gar als Gefahr für Britanniens Premierminister Cameron ein.

Nicht weniger gefährlich wird es offenbar, wenn Johnson selbst mit dem runden Leder in in Berührung kommt. Das einzige Gekicke, bei dem „BoJo“ himself eine Rolle spielte, war 2006 ein englisch-deutschen Benefizspiels. Dort mähte Johnson Ex-Nationalspieler Maurizio Gaudino um, woraufhin der Telegraph tags darauf in seiner Onlineausgabe applaudieren sollte:  „Great tackle, Boris - but it's football, not rugby“. Nach eigener Aussage wollte Johnson den Ball mit dem Kopf zu treffen. Noch ungehobelter geht nicht?
 


Leider doch. Denn zwei Jahre zuvor war in dem damals von Johnson herausgebenden Magazin Spectator ein kontroverser Artikel veröffentlicht worden, der seine politische Karriere arg ins Wanken brachte. Der Artikel, für den Johnson schließlich  als Herausgeber Verantwortung übernahm,  verunglimpfte in Anspielung auf die Hillsborough-Katastrophe, bei der 96 Menschen in einer Massenpanik zu Tode kamen, Liverpools Einwohner als Menschen mit „zutiefst hässlicher Psyche“, die sich in einer Opferrolle suhlten. Liverpool wurde vorgeworfen, sich zu weigern, für die „betrunkenen Fans der hinteren Ränge, die dumm und ohne Rücksicht versucht haben, sich nach vorne zu kämpfen“ Verantwortung zu übernehmen...
Nachdem „BoJo“ es 2008 doch zum London mayor avanciert war, wurde es lange Zeit  ruhiger um ihn, zumindest was Peinlichkeiten im Fußball-Kosmos betrifft.Bis vor kurzem, als Johnson in einem Radio-Quiz auf die Frage, wer im World Cup Final 1966 drei Treffer samt legendärem Wembley-Tor erzielt habe, die Antwort „Bobby Moore“ über den Äther schickte - im Brustton der Überzeugung versteht sich.

Es hatte etwas von Radio Gaga. Der viel zu früh verstorbene Bobby Moore dürfte sich im Grabe umgedreht haben. Hatte Moore doch als damaliger englischer Kapitän den World Cup in Empfang genommen und sich danach auf vielen Schultern über den Wembleyrasen tragen lassen. Seine Antwort legte man dem politischen Paradiesvogel im Fußballmutterland wider Erwarten nicht als kollektive Majestätsbeleidigung aus. Vielmehr belehrte ihn die Sun schulterklopfend wie belächelnd:„No Boris, it was Geoff Hurst!“

„BoJo“ rechtfertigte sich später, im summer of sixtysix erst zwei Jahre alt gewesen zu sein. Nun denn. Ob ihm heute wohl bekannt ist, dass sich in den Londoner Stadtgrenzen sage und schreibe 13 Profiklubs tummeln? Und by the way Champions League-Winner Chelsea gar kein Page 3-Girl ist?
 

Mittwoch, 3. Oktober 2012

Comeback in Chemnitz?

An dieser Meldung kommt man nicht vorbei: Michael Ballack ist zurückgetreten. Über eine Hamburger Anwaltskanzlei ließ der Capitano gestern ausrufen, dass er ab sofort seine zuletzt nicht mehr genutzten Stiefel sowie sein Trikot mit der Numero dreizehn an den berühmt-berüchtigten Nagel hängt. Im Wortlaut hört sich das dann so an:

» Mit 36 Jahren blicke ich auf eine lange und wunderbare Zeit im Profifußball zurück, von der ich als Kind nie zu träumen gewagt hätte. Es war ein Privileg, mit erstklassigen Trainern und fantastischen Mitspielern zusammenzuarbeiten. Sicher wird es mir fehlen, nicht mehr vor 80.000 Fans zu spielen oder ein Tor zu schießen. Die letzten Monate ohne aktiven Fußball haben mir aber gezeigt, dass die Zeit reif ist, aufzuhören.

Ich freue mich jetzt auf ein neues Kapitel in meinem Leben und danke meiner Familie und all den großartigen Menschen, die mich gefördert, gefordert, begleitet und unterstützt haben. Sie alle haben großen Anteil an meinem Erfolg. «

Auf seiner Webseite bedankte er sich zudem bei seinen Fans und ließ dort seine Autoren in wenigen Worten seine fußballerische Vita skizzieren : »In seinen 17 Jahren als Profifußballer gab es zahlreiche Höhen und wenige Tiefen, mehr Siege als Niederlagen, mehr Freude als Enttäuschung. «


Die BILD notierte heute vom Ende des Unvollendeten, Zeit online vom Alphatier mit vielen Gegnern. Richtig da war etwas, trotz diverser deutscher und englischer Meistertitel und Pokalsiege war Ballack der große internationale Coup stets vorbehalten geblieben. Gern wurde Ballack als menschgewordenes Leverkusen karikiert. Jener kopfball- und schussstarke Weltklassekicker, dem im entscheidenen Moment stets der letzte Kick fehlte: Vize-Welt- und Europameister, unterlegener Finalist in der Champions League, WM-Dritter im eigenen Land. Doch war er das wirklich? Wie dem auch sei.Einen klanglosen Karriereausklang in den Weiten Amerikas oder Australiens hat sich Ballack unterm Strich, aus welchen Gründen auch immer, erspart. Hier sprach gestern good old Berti Vogts als so genannte Stimme der Vernunft bereits wahre Worte:

»Ich glaube, er hat erkannt, dass er nicht mehr für einen großen Club spielen kann. Sein Karriereende ist richtig. Was soll er in Australien? […] Ich hoffe, dass Michael dem deutschen Fußball erhalten bleibt - als Manager oder Trainer. Das traue ich ihm zu. Es wäre schade, wenn der deutsche Fußball ihn verliert. Er hat Großes für ihn geleistet. «

Unter Berti Vogts hatte der juvenile Ballack anno 1999 gegen Schottland sein erstes von 98 Länderspielen absolviert. Das tragische Ende dieses Lieds ist allerseits bekannt.



Was er nun machen wird? Ketzerische Karrierebetrachter Ballacks könnten nun grinsend fragen: Vielleicht, ab in den Urlaub?

Eine weitaus bessere Idee hatte da „Annettchen aus dem Erzgebirge“, eine Vertreterin aus Ballacks Fanschar, die dem Capitano zurzeit eifrig in dem Gästebuch seiner besagten Webseite salutiert. Ja und „Annettchen aus dem Erzgebirge“ schrieb ihm sozusagen mütterlich ins Stammbuch:

Ich gebe Dir einen guten Rat, mach den Trainerschein, übernehme den CFC, ganz Chemnitz würde Hurra schreien.“

Warum auch nicht? Von Chemnitz in die weite Welt des Fußballs. Das ist dem Capitano schon einmal gelungen…

Samstag, 19. Mai 2012

Finale dahoam

FC Bayern versus Chelsea Football Club im Bayern-Wohnzimmer: das Champions League-Finale elektrisiert die Massen. 62.500 Zuschauer finden in der Allianz Arena Platz, bis zu 8.000 Euro sollen Karten auf dem Schwarzmarkt wert sein. In 200 Länder wird das Spiel übertragen, bis zu 200 Millionen Menschen werden an den Bildschirmen das „Finale dahoam“ live sehen können.


Drei Mal fand bisher ein Landesmeisterfinale in München, damals im Olympiastadion, statt. Doch weder 1979, 1993 oder 1997 erreichten die Bayern diese Endspiele. Anders als 2012. Uli Hoeneß hob das „Finale dahoam“ daher schon in himmlische Höhen empor. Es sei „das Highlight in der Geschichte des FC Bayern“. Bisher gewannen die Bayern allein vier Mal den Europapokal der Landesmeister respektive die Champions League, jeweils einmal den UEFA-Pokal sowie den Pokalsiegercup. Dennoch wäre ein noch so dreckiger Sieg versus Chelsea vermutlich für die Bayern ein Triumph für die Ewigkeit.


An vier dieser Europapokalsiege wie auch an vielen weiteren Bayern-Titeln war auch Bayerns Torwartlegende Sepp Maier maßgeblich beteiligt. Nur beim Endspiel gegen Chelsea heißt es „Koan Maier“ und hier scheint sich der Vorhang für eine kleine bajuwarische Komödie zu öffnen. Denn offenbar vergaß der Rekordmeister sein Torwart-Idol bei der Ticketvergabe. So vertraute die „Katze von Anzing“ dem kicker fauchend an: „Bis jetzt habe ich keine Karten bekommen. Ich laufe denen aber auch nicht hinterher oder bettle darum.“


Es riecht also für Sepp Maier gewaltig nach einem eigenen „Finale dahoam“, als einer dieser 200 Millionen Fernsehzuschauer. Das scheint dem Maier-Sepp aber nicht ganz ungelegen zu sein, wie er gegenüber dem kicker weiterfauchte. Da habe er seine Ruhe und könne bei einer guten Flasche Wein alles analysieren. Seine Frau und sein Hund Batzendorfer schauten auch zu. Und Batzendorfer bekomme einen Bayern-Schal angezogen.


Ja mei, Batzendorfer und sein Schal in Ehren. Aber hätte SAT 1 den Maier-Sepp auf seine alten Tage nicht als Co-Kommentator engagieren können? Sozusagen, Seite an Seite mit Finalkommentator Wolff(-Christoph) Fuss. Die „Katze von Anzing“ wäre geradezu prädestiniert, Herrn Fuss im Falle einer Hyperventilation nach einem Tor einzufangen. Oder nach dem Spiel den Kerner. Oder der Maier-Sepp hätte Herrn Fuss zumindest Schnupftabak anreichen können…

Donnerstag, 17. Mai 2012

Tea Time mit Frank Lampard

The Road to Munich 2012. Der Chelsea Football Club hat nach 2008 zum zweiten Mal überhaupt ein Finale der Champions League erreicht. Das ist eine kleine Geschichte über Chelseas Altstar Frank Lampard, der Chelsea als Kapitän in dieses Finale im Wohnzimmer der Bayern führen wird. Und auch irgendwie über einen gewissen Dave Dawes, Chelsea-Fan und Lotto-Millionär.

Frank Lampard sei „der beste Mittelfeldspieler der Welt“, sagte einmal Jose Mourinho über ihn. Doch seitdem ist mehr als ein halbes Jahrzehnt vergangen und Mourinho längst nicht mehr Trainer an der Stamford Bridge. Lampard stolziert noch immer mit seiner number eight für Chelsea über die Rasenrechtecke. Bilder, wie Lampard und Chelsea-Skipper John Terry errungene Pokale wie jüngst den FA Cup in die Höhe stemmen, gehören irgendwie zu diesem Chelsea. 

Doch, an dem bald 34-jährigen Lampard nagt längst der Zahn der Zeit: Verletzungen, mangelnde Fitness, Formschwankungen. Das sah auch Andre Villas-Boas so. Mourinhos früherer Assistent, den hatte Roman Abramowitsch im Sommer 2011 für 15 Millionen Euro Ablöse nach London gelotst. Villas-Boas war gerade einmal nine months Chelseas Coach, bis Abramowitsch ihn wieder vor die Tür setzte. Das Verhältnis des erfolglosen Villas-Boas zu Chelseas Stars war angeblich so zerklüftet wie ein schottischer Rübenacker im November.

In der Premier League trennten die Blues unter Villas-Boas plötzlich Lichtjahre von dem Gipfel, den sich die beiden Klubs aus Manchester teilten. Folglich sah Abramowitsch offenbar auch in der Königsklasse Chelseas Felle davonschwimmen. Chelseas Oldies, nicht viel älter sind als der junge Protugiese selbst, wollte Vilas-Boas offenbar der Reihe nach in Rente schicken. Angeblich wollte er mehr barca'eskes Flair an der Stamford Bridge verbreiten. 

Spazierte Lampard mit Mourinho einst Arm in Arm vom Rasen, soll er mit jenem Villas-Boas kaum ein Wort gewechselt haben. Und fand sich öfter auf der Ersatzbank wieder, als ihm lieb war. Unter Roberto Di Matteo, dem Nachfolger von Villas-Boas , änderte sich dies. Di Matteo hält mehr von Lampard, ebenso wie Chelsea-Fan Dave Dawes, der Lampard ebenfalls stets die Stange gehalten hatte. Nur auf eine andere Weise.


Dave gewann im Oktober 2011 im britischen Lotto 101 Millionen Pounds und war damit auf einen Schlag Chelseas bekanntester Supporter. Er hatte zuvor den erst dritten Lottoschein in seinem Leben abgegeben. In der yellow press erschienen dann Fotos, wie Dave und seine blonde Gattin Angela stolz grinsend ein Chelsea-Trikot mit dem Schriftzug 101 Million in die Kameras hielten. Auf die Frage, was sie mit ihren vielen Pounds anfangen würden, sagten sie:
„Toll wäre eine Wohnung an der Stamford Bridge. Dann könnten wir Frank Lampard zum Tee einladen.“

Tea Time mit Frank Lampard, klingt toll. Nur bisher hat Lampard sich bei Dave und Angela noch nicht blicken lassen. Vielleicht hat Lampard nach diesem Münchner Finale und der Euro etwas mehr Zeit für Dave und Angela. Gegen die Bayern wird Lampard nun anstelle des gesperrten John Terry Chelseas Skipper geben. Falls Chelsea nach dem Halbfinale-Coup gegen Barca auch bei den Bayern triumphieren sollte, werden Terry und Lampard den dicken silbernen Henkelpokal wohl wieder gemeinsam heben. Dies kündigte Terry bereits an.

Für Lampard  könnte München, nach der dramatischen 2008er Finalpleite von Moskau, die letzte Chance hierzu sein. Er wird halt nicht jünger. Oder nicht? Denn Lampard plant like Ryan Giggs, bis zum jüngsten Tag die Stiefel zu schnüren. Ausschließlich für den Chelsea Football Club versteht sich. Seinen großen Fans Dave und Angela dürfte dieser Plan gefallen...

Samstag, 5. Mai 2012

Eine Ode auf Carlos Alberto

In den letzten Tagen dieser Saison 2011/12 besteht die größte Freude als Werder-Daumendrücker darin, dass diese 49. Spielzeit einfach nur vorbei ist, die Abschlusstabelle in die Almanache gedruckt wird und gut. Da werden selbst eiserne HSVer zustimmen.
Es gilt, schnell dieses Inferno von Werders schlechtester Rückrunde ever zu vergessen. Das einst leuchtende Grün im Werder-Wappen scheint allmählich zu einem tristen Grau verblasst. Das alles fast auf den Tag genau 20 Jahre nach dem 1992er Europapokalsieg, bei dem Klaus Allofs im Finale von Lissabon Torschütze war und Thomas Schaaf  den Stürmern des AS Monaco den Ball abhechelte.

Flankiert wird der Stillstand im Mittelmaß von dem Exodus langjähriger, teurer Werder-Stars. Ja, wo gehen sie denn nur alle hin? Özil zaubert  seit zwei Jahren für Real, Frings kickt seit einem Jahr noch ein bißchen in Kanada, Merte ein bißchen mehr für Arsenal. Nun werden Borowski, Rosenberg, Silvestre oder auch Marin folgen. Und Tim Wiese? Real Madrid? Nicht ganz so „königlich“, Hoffenheim. Vergessen wir nicht Pizarro und Naldo, die  längst ungeduldig mit den Hufen scharren.
Marko Marin angelte sich bekanntlich Chelsea, der Champions League-Finalist und Barca-Besieger. Wer zunächst an einen verspäteten Aprilscherz glaubte, wird sich bei Marins kolportierter Ablösesumme vermutlich wie Klaus Allofs die Hände gerieben haben. Stolze acht Millionen Euro sollen die „Blues“ für Marin springen lassen. Offenbar hält Chelsea-Coach Di Matteo Marin tatsächlich für den „German Messi“. Spinnen die Briten etwa?
Chelsea hat sich doch nicht etwa davon blenden lassen, dass Marins Nachname ebenso fünf Buchstaben lang ist wie Messis oder Marin bei Werder die Messi-Trikotnummer zehn trug. Oder haben Chelseas Scouts etwa zu oft Marins Werbespot für einen Klebehersteller angeschaut? Spätestens seitdem dürften sie wissen, dass nur Pattex stärker an Marins Fuß klebt als alle Bälle aus der weiten Welt des Fußballs. Welch groteske Zeit, „the German Messi played in Bremen“ und keiner hat‘s bemerkt…
Als Werder-Daumendrücker erhält man derzeit oft hämische Hinweise, wonach Werders Zukunft nun auf klangvolle Kickern wie Trybull, Hartherz oder Füllkrug beschränkt sein wird. Sportschau-Onkel und Werder-Edelfan Reinhold Beckmann wähnte sich kürzlich beim Doppelpass-Besuch daher schon in Tolkiens „Mittelerde“. Moderator „Wonti“ Wontorra,  übrigens nebenbei kritischer Werder-Kolumnist, grinste dazu nur staatsmännisch. Ja, die fetten Jahre an der Weser sind definitiv vorbei.
Der Beckmann hat gut reden. Denn, jetzt singt er auch noch. Hiermit ist kein Ansage-Sing-Sang in der Sportschau gemeint. Auch nicht, wie er weiland als Kommentator des 2006er WM-Endspiels erkannte, dass der fröhliche Tony Christie-Schlager „The way to Amarillo“ aus den Stadionboxen plärrte, während Franzosen und Italienern vor dem Elfmeterschießen gewaltig die Knie zitterten. Nein, Beckmann hat seine musische Seite entdeckt und ist zu einer Art Chansonnier avanciert.
Neulich gab er mit seiner Combo Band im Hamburger NDR-Funkhaus ein Live-Konzert. Das Publikum wusste zuvor nicht, dass Beckmann ihnen gleich etwas in die Ohren summen wird. Und: Hört! Hört! Offenbar ist Beckmanns Gästen nicht einmal hören und sehen vergangen. Für den Einspieler „Bremen“ mit dem Refrain Einmal mir dir nachts durch Bremen sollen Beckmann & Band fürwahr Standing Ovations geerntet haben.

Ob Klaus Allofs und Thomas Schaaf ebenfalls mitgeklatscht hätten? Fraglich. Schließlich hätte man Beckmanns Liedchen, mit einem Augenzwinkern gesagt, auch vielleicht als Ode auf Carlos Alberto verstehen können.

Carlos Alberto, jene nachtschwärmerische und ziemlich teure Galionsfigur der jüngeren Bremer Einkaufspolitik, dessen Namen sich Allofs und Schaaf in jeder Transferperiode aufs Brot schmieren lassen dürfen.Eine Ode auf diesen Ballkünstler do Brazil, damit hat in diesen grauen Werder-Zeiten nun wirklich niemand rechnen können…