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Samstag, 15. August 2020

Stade de la Loose

>>Bayern demütigt Barcelona. Beeindruckend und mitleidlos hat der FC Bayern seinen Gegner erstickt. Barcelona ertrank im Stade de la Luz, das für sie zum Stade de la Loose wurde. Ein Spiel, das in der Erinnerung bleibt. Seit über 50 Jahren hatte Barcelona nie mehr als fünf Gegentore in einem Europapokalspiel kassiert. Wir haben ein historisches Ereignis erlebt.<< (L'Equipe)

>> Es gibt Ergeb­nisse, bei denen es um mehr als nur Zahlen geht. Sie werden zu Aus­sagen, Offen­ba­rungen, Wen­de­punkten, bewirken Ver­än­de­rungen, mar­kieren das Ende einer Ära. Deutsch­land – Bra­si­lien 7:1. Bayern Mün­chen – Bar­ce­lona 8:2. Ein Klub von Bar­ce­lonas Größe darf ein­fach nicht mit acht Gegen­toren ver­lieren, nicht in einer sol­chen Situa­tion.<< (The Daily Mail)

>>Bayern München zerstört einen trostlosen FC Barcelona. Es ist schwer zu glauben, dass Mannschaften mal versucht haben, so wie der FC Barcelona zu spielen. Das war einmal. Sein Fußball ist fad, seine Seele ist verschwunden, und zu viele Spieler haben ihre besten Tage bereits hinter sich.<< (The Guardian)

>>Die Mutter aller Debakel Barcas. Bayern unterstrich klar und deutlich, dass Barcelona weit weg von den Topteams Europas ist. Bayern macht Barca mit der 8:2-Klatsche platt. Die Bayern überrannten Barca und waren in allen Belangen hoch überlegen. Bayern war ein Hurrikan mit den drei Toren in neun Minuten in der ersten Halbzeit. Es war die schlechteste erste Halbzeit, die man von ter Stegen in Erinnerung hat. Das Pressing der Deutschen war brutal, Messi und Co. hatten nichts entgegenzusetzen. Und auch das noch: Doppelpack von Coutinho.<< (El Mundo Deportivo)

>>FC Bayern auf der Ach­ter­bahn! Die Münchner zer­stören Bar­ce­lona und demü­tigen die Mann­schaft mit einem ver­hee­renden 8:2. Für die Kata­lanen ist das die schlimmste Nie­der­lage in der Cham­pions League. << (La Gaz­zetta dello Sport)

Sonntag, 6. August 2017

Singing Sunday #6: Stärkster Stier

Immer mal wieder sonntags präsentiert »Der Libero«  den »Singing Sunday«. Denn schließlich existieren im Fußball-Orbit einfach zu viele musikalische Preziosen von schönen Chants oder gar singenden Fußballern, deren herbe Stimmgewalt zuweilen jedem Shanty-Chor erstaunen lässt.

Was den Beliebtheitsgrad von RB Salzburg betrifft, ist es sicher keine verwegene Annahme, dass viele eine Mozartkugel dem österreichischen Serienmeister vorziehen würden. Nachdem die Roten Bullen gegen den kroatischen Meister HNK Rijeka bei ihrem nunmehr zehnten Anlauf in der Champions League-Qualifikation gescheitert waren, war es nicht unbedingt erstaunlich, dass dies dem Hohn und Spott in der weiten Welt des Fußballs geradezu, ja, Flügel verlieh. Das Hamburger Abendblatt schlagzeilte etwa spitz: »'La Decima': Bullenanlauf geht wieder in die Dose«.

In Anlehnung an Real Madrids zehnten Erfolg in der Königsklasse hatten nun die Salzburger angesichts ihres traurigen Jubiläums ihr eigenes »La Decima«. Wer weiß, was gewesen wäre, wenn der Brauseklub seinen stärksten Stier als Talisman mit nach Kroatien genommen hätte. Dies ist im Übrigen mitnichten der einstige Bayern-Kämpfer Franz Roth, der den FC Bayern in den wilden Siebzigern zu mehreren Europapokalsiegen schoss, zum Ausklang seiner Karriere bei einem der RB-Vorgänger Casino Salzburg kickte und obendrein den für den Dosenklub wohl passendsten Spitzenamen »Bulle« Roth trägt. Vielmehr geht es um Salzburgs Maskottchen namens Bullidibumm.

Der rote Stier mit den weißen Hörnern ist im Orbit des Brauseklubs offenbar eine derart feste Größe, dass die klubeigene Marketingabteilung ihm zu Ehren mit Blick auf die jüngsten Salzburger Fans gar das Liedchen »Bullidibumm ist der stärkste Stier« konstruiert geschaffen hat. Dieser Song soll nun nicht etwa auf die Hörner genommen werden, sondern zur Ermunterung gespielt werden...
 

Mittwoch, 2. August 2017

Thronen in Trondheim

Wenn heute Abend im schmucken Lerkendal-Stadion der Anpfiff im Rückspiel der 3. Quali-Runde der Champions League ertönt, trifft Rosenborg Trondheim auf Celtic Glasgow. Eigentlich schade, dass sowohl der norwegische als auch Schottlands Meister nach jeweils souveräner Saison nicht direkt für die Gruppenphase der Königsklasse qualifiziert sind. Auch wenn beide Klubs die Ligen in Norwegen und Schottland fast nach Belieben dominieren, ist dort der ganz große Fußball nicht zuhause. In Trondheim gastierte er im letzten Sommer vom Papier her zumindest für einen Abend, als dort das Endspiel um den europäischen Supercup zwischen Real Madrid und dem FC Sevilla stieg.
 
Bild: Der-Libero.de
Vor einigen Jahren hätte man in dieser Liga auch irgendwann Nicklas Bendtner verortet. Als juveniler Angreifer lief Bendtner für Arsenal auf und galt als eine der nächsten dänischen Sturmverheißungen, vielleicht sogar in der qualitativen Linie der Laudrups. 2009 wurde Bendtner zu Dänemarks Fußballer des Jahres gekürt und zeigte sich anschließend auch mit markigen Sprüchen treffsicher - beinahe in einer Linie mit Zlatan, dem Größten der Größten:
»Ich möchte Torschützenkönig in der Premier League werden, Torschützenkönig bei der WM und innerhalb der nächsten fünf Jahre möchte ich zu den besten Spielern dieser Welt gehören. Vertraut mir, das wird passieren!«
Doch das dänische Dynamit zündete nicht, vielmehr der mediale Hype um »Lord« Bendtner. Nach diversen Ausleihen durch Arsenal an Birmingham City, Sunderland und Juve samt anschließenden Stippvisiten in Wolfsburg sowie beim englischen Zweiligisten Nottingham Forest verschlug es den schillernden wie meist glücklosen Dänen Anfang März zu Rosenborg Trondheim. Seither thront sein Name über dem international eher unbekannten Team des norwegischen Rekordmeisters.  »Lord« Bendtner: Thronen in Trondheim, ausgerechnet in der früheren Krönungsstadt der Könige Norwegens. Doch zu ganz großem Ruhm brachte es Bendtner bisher auch in Trondheim nicht. Zwar thront Rosenborg wie gewohnt an der Spitze der Eliteserien und gewann mit Bendtner den Mesterfinalen, Norwegens Supercup. Der »Lord« himself stieg zwar laut 11Freunde in Rosenborgs Team auf der Adelsskala gar zum »Kaiser« auf, erzielte indessen gerade einmal ein halbes Dutzend Treffer.

Bevor Rosenborg mit seinem Superstar Mitte Juli anlässlich der 2. Runde der Champions League-Quali ins irische Dundalk reiste, flatterte dort obendrein der Scoutingbericht der Iren durch einen Straßengraben. Teile hiervon fanden sich später auf einer Facebookseite wieder. Die erspähten Stärken Bendtners? Kopfballspiel, seinen rechten Fuß, sowie die Torgefahr nach Flanken und Standards. Und selbstverständlich hatte der irische Scout auch Bendtners Schwächen im Blick:
»Es mangelt ihm an Geschwindigkeit, also kann unser Innenverteidiger es sich leisten, ganz eng dran zu bleiben. Läuft wegen seiner Rolle im Team nicht nach hinten. Arbeitet nicht hart, also könnten wir manchmal die Möglichkeit haben, das Spiel von hinten aus aufzubauen.«
Doch Bendtner hat auch noch immer Fürsprecher. Etwa Norwegens Alt-Internationalen Vidar Riseth, der einst sowohl für Rosenborg als auch für Celtic auflief, warnte Celtic via Scottish Sun davor, Bendtner mit Blick auf sein Potenzial abzuschreiben und sprach ihm eine Schlüsselrolle für die beiden Duelle zu. Das Hinspiel endete übrigens mit einem torlosen Remis. Ob sich »Lord« oder »Kaiser« Bendtner auf dem Weg in die Königsklasse nun auch noch zum »König von Trondheim« schießt?
 

Sonntag, 16. August 2015

#was (2): Über Auftaktsiege ohne Sauerkraut

Mit zwei Auftaktsiegen ist  Bastian Schweinsteigers Einstand im Fußball-Mutterland zweifellos gelungen. Der Sunday Express unkte zwar nach seinem halbstündigen Debüt vor einer Woche bei Manchester Uniteds Auftakterfolg gegen Tottenham spöttisch, er habe wohl im Sommer zu viel Sauerkraut gegessen. Denn Schweinsteiger fehlte bei seinem 30-minütigen Debüt noch die Spritzigkeit und wirkte ob des flotten Spieltempos auf der Insel hie und da etwas schwerfällig.
 
 
Seinen zweiten Sieg landete Manchester United am Freitag Abend bei Aston Villa. Den goldenen Treffer des belgischen Youngsters Januzaj bejubelte Schweinsteiger von der Bank. Da  Louis van Gaal seinem bayerischen Dirigenten wegen seiner Fitnessdefizite erneut die Joker-Rolle zudachte, kam Schweinsteiger wie in der Vorwoche nach einer Stunde für Michael Carrick ins Spiel. Van Gaal wird erfreut beobachtet haben, wie Uniteds Spiel dank Schweinsteigers Passgenauigkeit und Zweikampfstärke an Stabilität gewann. Der Telegraph notierte wohlwollend,  dass Schweinsteigers Ruhe und ständige Präsenz im Mittelfeld lebensnotwendig für United gewesen seien.

Vor dem Bundesligaauftaktspiel des FC Bayern gegen den HSV war im Übrigen von den Bayern-Fans der Südkurve eine große Schweinsteiger-Choreographie  geplant worden, in deren Verlauf 100 Styropor-Trikots mit Schweinsteigers Numero 31 hochgehalten werden sollte. Aus Brandschutzgründen untersagte die Stadt München den Fans diesen Tribut an ihr Idol.
Schweinsteiger wird es (vorerst) vielleicht verschmerzen können, hatten ihn die Fans im Old Trafford vor dem Tottenham-Match vor einer Woche überaus warmherzig mit Standing Ovations empfangen und zollten Mr. Schweinsteiger auch unter der Woche einen besonderen Tribut.
Schau'n mer mal, wie der Empfang am Dienstag im Old Trafford in der Champions League-Quali gegen den FC Brügge ausfallen wird. Ob van Gaal Schweinsteiger wohl einen Platz in der Startelf reserviert? Immerhin sei er nah dran, topfit zu, sagte van Gaal Uniteds Hauskanal MUTV. Darf man etwa annehmen, dass es in Manchester keine einzige Dose Sauerkraut zu kaufen gibt?
 

Montag, 29. Juli 2013

Schweinsteiger'sche Stilblüte

Vorhang auf für den Fußballer des Jahres 2013, Vorhang auf für Bastian Schweinsteiger! Der Vize-Kapitän des FCB erhielt bei der vom kicker unter Sportjournalisten veranstalteten Wahl 92 Stimmen, mit denen er seine Teamkollegen Franck Ribéry (87 Stimmen) und Thomas Müller (85) auf die Plätze verwies. Der bajuwarische Triplesieger, mittlerweile 28 Jahre alt und kaum noch »Schweini« gerufen, löst damit Vorjahressieger Marco Reus ab.

Sympathisch wirkt unterdessen die Reaktion der Numero 31 des amtierenden Champions League-Siegers auf seine Wahl.Ähnlich überrascht wie nicht wenige ob dieser erstmaligen Würdigung soll er mitgeteilt haben:»Das wundert mich schon ein wenig. Denn es gab Phasen, in denen relativ kritisch über mich berichtet wurde.«

Was die in der Überschrift angedeutete »Schweinsteiger'sche Stilblüte« betrifft, soll Euch nun der folgendes musikalisches Schmankerl (!) ans fußballromantische Herz gelegt werden.Dieser Song war wohl als belohnender Tribut für Schweinsteigers famose Auftritte bei der WM 2010 gedacht und trägt ganz und gar überraschend den Namen »Ein Lied namens Schweini«.In Hitparaden, Billboard Charts oder sonstigen Playlisten ward jenes Schätzchen bisher indes kaum zu finden...



Schlussendlich soll nicht unerwähnt bleiben, dass Herr Schweinsteiger nicht der einzige kapitale Kicker ist, der  aus dem bayrischen Kolbermoor stammt und irgendwann zu Deutschlands Fußballer des Jahres avancierte. Schon anno 1981 durfte sich ein weiterer hochgespriesener Sohn jener Stadt  über diese Ehrung freuen - ein gewisser Paule Breitner. Nun gut, 31 Jahre später mimte der weithin filmerprobte Paule Breitner bekanntlich in einer klamaukigen Eröffungszeremonie des Champions League-Endspiels 2013 einen Ritter ohne Pferd.

Das veranlasste die kritische Frankfurter Rundschau wiederum in der Nachschau zu dem Kommentar, dass »Paul Breitners Auftritt in Kettenhemd und Rüstung fraglos des Wahnsinns kurioseste Blüte« gewesen sei. Es bleibt zu hoffen, dass der zweite aus Kolbermoor stammende Fußballer des Jahres, der kurz vor seinem 100. Länderspieleinsatz steht, sich künftig gegen derartige Ritterlichkeiten zur Wehr setzt. Am Besten mit Lanze und Schild...

Mittwoch, 1. Mai 2013

Als Udo Lattek im Camp Nou weinte

On the road to Wembley. Die Bayern gastieren beim FC Barcelona. ››Der Libero‹‹ erinnert an das traumabildende Gastspiel des Rekordmeisters im Camp Nou anno 2009, nach dem Udo Lattek auf den Tribünen der katalanischen Fußball-Kathedrale gar Tränen der Trauer verdrückt haben soll...

Wenn die Bayern, mit ihrer 4:0-Sensation im Rücken, am Mittwochabend beim FC Barcelona im Halbfinalrückspiel der Königsklasse gastieren, dann wird dies das erste Mal seit jener denkwürdigen Nacht im April 2009 sein. In dieser Nacht spielte sich jenes bis vergangenen Dienstag schmerzendes Inferno ab, bei dem Schweinsteiger und Kollegen mit nullzuvier sang -und klanglos untergingen.

Alle vier Treffer kassierte Hans-Jörg Butt, den ein gewisser Jürgen Klinsmann als Bayern-Trainer damals den erklärten Oliver-Kahn-Erben Michael Rensing degradierend zwischen die Pfosten des Rekordmeisters befördert hatte. Doch an Butt, diesem wie strafstoßschiessenden Torsteher aus Großenkneten, lag es in den 90 Minuten wohl am wenigsten.

Vielmehr besaßen der brillante Messi und seinen nicht minder genialen Gefährten in den blau-roten Trikots nicht nur buchstäblich mehr Pep, sie führten den weißgekleideten Rekordmeister mit ihrer Spielfreude regelrecht am Nasenring durch die Manege des Camp Nou. Das internationale Presseecho zu dieser Demütigung? Es fiel damals vernichtend aus:

„Barcelonas Fußball ist von einer anderen Welt. Das Weiterkommen war bereits zur Halbzeit entschieden. Mit etwas mehr Druck in der zweiten Hälfte hätte Barça den Bayern eine Packung von skandalösen Ausmaßen verpassen können.“ [Marca]

„Ein kaiserlicher Spaziergang: Barcelona setzt seinen Triumphzug zum Finale in Rom fort. Egal was bis dahin geschieht, niemand wird Barça absprechen können, eine der besten Mannschaften in Europa zu haben.“ [El Periódico]

„Barça nahm den FC Bayern unter Maschinengewehrfeuer. Der deutsche Meister brannte lichterloh.“ [El País]

„Messi vernichtet Bayern. Er löscht Toni und Bayern aus. Barça feiert eine Fiesta. Ein Vergnügungspark an Toren. Jetzt zittert Klinsmann.“ [Gazzetta dello Sport]

„Messi schlitzt Klinsmanns Bayern mit einer blendenden Vorstellung auf. Barça erzielt alle Tore in einer sensationellen ersten Halbzeit. Messi tobt sich richtig aus. Barcelona schlägt Bayern vernichtend im Nou Camp.“ [THE SUN]

„Messis Zauber bringt Barça einen Schritt näher Richtung Rom. Man sollte vorsichtig mit dem Wort furchteinflößend sein, aber niemals vorher war es treffender als bei dieser Vorstellung.“ [THE TIMES]


Auf Einladung des FC Bayern saß damals auch Trainer-Haudegen Udo Lattek auf der Tribüne und erlebte wie seine bajuwarischen Fußballfreunde in Barcelona eine Nacht in Moll. Hiervon sollte selbst Kalle Rummenigge tags darauf berichten und stammelte in die Mikrofone der Reporter: Ich habe unseren alten Freund Udo Lattek in der Halbzeit gesehen, er hat geweint.

Freilich, Tränen lügen halt nicht. Wenige Wochen später, als Latteks Augen längst getrocknet und die Bayern gegen Barca ausgeschieden waren, geschah im Bayern-Kosmos das Unvermeidliche.  Die Bayern jagten Jürgen Klinsmann, die unglückverheißende Büchse der Pandora, vom Hof. Jupp Heynckes, seinerzeit eine Art Trainer-Rentner, übernahm vorübergehend das Zepter an der Seitenlinie.

Heynckes Ernennung kommentierte der Stern seinerzeit übrigens als „Bankrotterklärung“ und wird spätestens nach dem Ende dieser fabulösen Bayern-Saison vermutlich um einiges schlauer sein. Doch woher auch. Schließlich ließ uns Olli Kahn in seinem mysteriösen Fan-Orakel erst viel später in die Zukunft schauen...

Dienstag, 23. April 2013

››Don Bernardo‹‹ weiß es

Was macht eigentlich, Bernd Schuster? Wie zu erwarten ist der ››Blonde Engel‹‹ angesichts der deutsch-spanischen Champions League-Festspiele in dieser Woche derzeit ganz besonders gefragt. Ansonsten ist der mittlerweile 53 Jahre alte Schuster nach dem vorzeitigen Ende seines Engagements bei Besiktas Istanbul 2011 einer von vielen Trainer im Wartestand.

Im spanischen Königreich wird Schuster übrigens ››Don Bernardo‹‹ gerufen und prognostizierte nun in der WELT am Sonntag eine Wachablösung des spanischen Fußballs durch die deutschen Kicker: „Im Moment scheint die Zeit ganz klar für Deutschland gekommen zu sein. Die Substanz, die die deutsche Nationalmannschaft mittlerweile hat, könnte dafür sorgen, dass man die Macht von Spanien übernimmt.“

Der BVB und die Bayern hätten, so Schuster, die ideale Mischung aus hohem Rhythmus und spielerischer Klasse gefunden, deshalb werde es für Real Madrid gegen den BVB und Barca gegen die Bayern in den Halbfinals sehr schwierig. Woher der ››Don Bernardo‹‹ das alles weiß? ››Der Libero‹‹ klärt auf und hat fünf Stilblüten zu dem kauzige Grenzgänger zwischen dem deutschen und spanischen Fußball gesammelt.

1. Über Schusters erste Gehversuche in Deutschland als Chefcoach der damals zweitklassigen Kölner Fortuna und des 1. FC Köln hüllt man am besten des Mantel der Geschichte. Seine Saison als FC-Coach bezeichnete Schuster einmal als „das schlimmste Jahr seines Lebens“ . Im letzten Herbst wäre er gar um ein Haar Trainer des VfL Wolfsburg geworden und hätte dort nach eigenem Bekunden gern „Tiki-Taka in die Bundesliga gebracht“.

2.  Seinen größten Erfolge feierte Señor Schuster 2007 als Trainer von Real Madrid, wo er nicht nur den spanischen Meistertitel holte und den Spaniens Supercup errang. Zudem kürte ihn die spanische Presse zum Trainer des Jahres. Vor seinem Engagement bei Real hatte sich Schuster bei kleineren spanischen Klubs wie Getafe, Levante und Xerez verdingt.

3. Ende 2008 setzte Real Schuster dann vor die Tür des Estadio Santiago Bernabéu. Damals hatte ››Don Bernardo‹‹ der sportlichen Krise die Krone aufgesetzt, indem vor einem anstehenden Duell beim FC Barcelona zu behaupten gewagt hatte , Real habe im Clásico keine Chance und müsse sich darauf beschränken, im Camp Nou einen „guten Eindruck“ zu machen.

4. Dabei musste Schuster es doch wissen. Schließlich hatte er als Spieler acht Jahre lang bei Barca die Acht auf dem Rücken getragen, bevor er für zwei Spielzeiten den Dress von Real Madrid überstreifte, um danach für drei Jahre für Atlético Madrid die Stiefel zu schnüren.


5. Im Barca-Dress sollte Schuster in den 80ern auch Doppelpässe mit einem gewissen Diego Maradona spielen. Angesprochen auf den schier unvermeidlichen Vergleich mit Lionel Messi stufte Schuster jenen Messi nun als eine Klasse besser als Maradona ein: „Er ist schneller, außerdem war Maradona nicht so ein exzellenter Torschütze. Er war ein begnadeter Spieler, mit Sicherheit einer Größten, aber Messi hat noch dieses gewisse Extra.“

Dienstag, 23. Oktober 2012

Besser als Best?

Champions League!  Im einstigen Westfalenstadion, dem Wohnzimmer des BVB,  gastiert am Mittwochabend das »Weiße Ballett« von Real Madrid mit seinem Vortänzer Cristiano Ronaldo.  Jose Mourinho hält seinen Landsmann immerhin für den besten Kicker des Universums. Doch, ob Mr. Mourinho weiß, dass der Fußball-Gott bereits anno 2008 für Ronaldo noch höhere Weihen übrig hatte? Denn schon damals war der portugiesische Pfau besser als Best...   

Es ist ein alter Hut, dass Mr. Mourinho sich selbst »The Special One« nennt. Ein ebenso alter Hut, aber fast schon in Vergessenheit geraten ist Mourinhos eigene Kickerkarriere, die Anfang der 80er ihre Höhepunkte bei zweitklassigen portugiesischen Klübchen namens Belenenses Lissabon fand. Dessen ungeachtet beherrscht „The Special One” nach wie vor den polemischen Pass, wie er jüngst zur Frage nach dem nächsten Weltfußballer in einem Interview mit der portugiesischen Gazette A Bola nachwies. Es sei ein Verbrechen, wenn Ronaldo den Titel nicht gewinnen sollte. Wenn Messi der beste Spieler des Planeten sei, dann wäre Cristiano der Beste des Universums undsoweiter...

Tito Vilanova, Coach des FC Barcelona hatte zuvor gewagt, seinen Schützling Lionel Messi öffentlich für die Anfang 2013 anstehende Wahl zu favorisieren. Ronaldo hatte bei den letzten drei Weltfußballer-Wahlen jeweils gegenüber Messi das Nachsehen gehabt. Gewiss, die erwähnte Salve Mourinhos in Richtung Messi, der selbst bei diesen Wahlen einen »Clásico« der dritten Art vermutet, bleibt hängen. Ob »The Special One« wohl beim Abfeuern bewusst war, dass sein von ihm goutierter Landsmann so gepriesenen Fußballmutterland eine schier noch größere Ehrung erfahren hat? Wie das?

Damals stolzierte Ronaldo, von Franz Beckenbauer einmal als »Zirkuspferd« etikettiert, seine Numero „7“ noch als einer der Erben des großen nordirischen Dribblers George Bests im roten Dress Manchester Uniteds über die Flügel englischer Rasenrechtecke. Und, als er einst im März 2008 mit zwei Freistoßtreffern gegen die Bolton Wanderers Bests ewige Rekordmarke einstellte und gar überflügelte, flackerte unter einsetzender Stille ob des historische Atemzugs auf allen Stadion-Bildschirmen im »Theater der Träume“ plötzlich in großen Lettern The Best since Best (Der Beste seit Best) auf. Der Nordire war 1968 dank seines epochalen Torrekords und dem Gewinn des Landesmeistercups mit Man Utd. zu Europas Fußballer des Jahres avanciert.

Doch dem nicht genug. 40 Jahre später wiederholte sich die Geschichte. Nach dem Champions League-Sieg mit Manchester United und dem erwähnten eigenen Torrekord  wurde Ronaldo 2008 nicht nur zu Europas Fußballer des Jahres 2008 gekürt, sondern heimste obendrein die Weltfußballer-Lorbeeren ein.
Insofern war Ronaldo bereits 2008, sagen wir mal, besser als Best. Nur, von dem schlauen Mr. Mourinho war hierzu bisher wenig zu hören.
Vor allem in Anbetracht einer fast heiligen Rangfolge, die seitdem für manche etwas auf dem Kopf steht dürfte: Maradona good, Pele better, George Best...
 

Samstag, 22. September 2012

So wie einst bei Real Madrid

Einst waren die Barden Noel und Liam Gallagher die Gesichter von Oasis, stritten sich noch öfter als sie Alben veröffentlichten und konnten sich meist auf ihren Lieblingsklub Manchester City als kleinsten gemeinsamen Nenner einigen. Nachdem Oasis längst im Nirwana des Brit-Pop verschwunden ist, sorgen die  „Radaubrüder“ neben ihren musikalischen Projekten im Kosmos ihres Lieblingsklubs so dann und wann für Rock’n Roll.
Und in der Flut wechselnder Namen mehr oder minder klangvoller Stars im City-Kader scheinen zumindest die Gallagher Brothers City konstant ein Gesicht zu geben.

By the way, wofür braucht Manchester City für seine angestrebte Rolle als Wannabe-Global Player im Fußball überhaupt eine Marketingabteilung? Wenn sich  einer der Gallaghers einen hellblauen City-Schal umhängt, dann anstatt die Klampfe oder das Tamburin in die Hand zu nehmen und zu  manchestercity'eskem nölend seinen Senf abgibt. Dann bekommt das die Fußball-Welt irgendwie mit. Besonders handfest ist da stets der jüngere Gallagher Liam unterwegs, der sich trotz ausgeprägtem Rüpel-Gehabe ausgerechnet für eine Reinkarnation John Lennos halten soll.

Weiland  lieferte sich Liam nicht nur mit einem gewissen Paul Gascoigne in einem Londener Club eine zünftige Keilerei . Hartnäckig hält sich auch die Legende, wonach Liam einmal United-Ikone Éric Cantona in einer Autowaschanlage in Manchester mit einem Eimer Wasser begossen haben soll. Wie in begossener Pudel könnte sich Liam indes am letzten Dienstag im Estadio Santiago Bernabéu gefühlt haben, als er sich wie der Archetypus urbritischer Stiernackenfans zum Schlachtenbummler der Woche pöbelte…

 
Was bei Manchester Citys Champions League-Gastspiel bei Real Madrid geschah? Liams Citizens gingen fünf Minuten vor dem Abpfiff plötzlich in Führung, weshalb Liam mit dicker Sonnenbrille und in schwarzer Lederjacke wie ein City-Maskottchen auf LSD die Tribünentreppen des Bernabéu hoch und runter stolzierte. Zwischen irritierten älteren spanischen Señoras mit Fächern in der Hand riss Liam nicht nur derbe Sprüche und ekstatisch seine Arme gen Nachthimmel, sondern soll dazu unschuldige Real-Wachmänner abgeknutscht haben. Im Oasis-Sound gesagt: Standing on the shoulders of giants...
 
Nachdem Cristiano Ronaldo für Real das Blatt Momente später doch noch zu einem 3:2-Triumph last Minute wenden konnte, war Gallagher really not amused, rastete vielmehr völlig aus  und  musste angeblich gar aus dem Bernabéu getragen werden. Ob er Reals Wachleute ein trotziges „City, till I die“ entgegen krähte? Ist nicht bekannt. Zu dieser Bernabéu-Nacht könnte etwa die für den Schlachtenbummler der Woche wohl einmalige wie fast historische Schlagzeile passen:»Real Madrid schmeißt Liam Gallagher raus!«

Aus welchem Blickwinkel man sie auch immer deuten möchte. Sagen wir einfach, so wie einst bei Real Madrid...   

Samstag, 19. Mai 2012

Finale dahoam

FC Bayern versus Chelsea Football Club im Bayern-Wohnzimmer: das Champions League-Finale elektrisiert die Massen. 62.500 Zuschauer finden in der Allianz Arena Platz, bis zu 8.000 Euro sollen Karten auf dem Schwarzmarkt wert sein. In 200 Länder wird das Spiel übertragen, bis zu 200 Millionen Menschen werden an den Bildschirmen das „Finale dahoam“ live sehen können.


Drei Mal fand bisher ein Landesmeisterfinale in München, damals im Olympiastadion, statt. Doch weder 1979, 1993 oder 1997 erreichten die Bayern diese Endspiele. Anders als 2012. Uli Hoeneß hob das „Finale dahoam“ daher schon in himmlische Höhen empor. Es sei „das Highlight in der Geschichte des FC Bayern“. Bisher gewannen die Bayern allein vier Mal den Europapokal der Landesmeister respektive die Champions League, jeweils einmal den UEFA-Pokal sowie den Pokalsiegercup. Dennoch wäre ein noch so dreckiger Sieg versus Chelsea vermutlich für die Bayern ein Triumph für die Ewigkeit.


An vier dieser Europapokalsiege wie auch an vielen weiteren Bayern-Titeln war auch Bayerns Torwartlegende Sepp Maier maßgeblich beteiligt. Nur beim Endspiel gegen Chelsea heißt es „Koan Maier“ und hier scheint sich der Vorhang für eine kleine bajuwarische Komödie zu öffnen. Denn offenbar vergaß der Rekordmeister sein Torwart-Idol bei der Ticketvergabe. So vertraute die „Katze von Anzing“ dem kicker fauchend an: „Bis jetzt habe ich keine Karten bekommen. Ich laufe denen aber auch nicht hinterher oder bettle darum.“


Es riecht also für Sepp Maier gewaltig nach einem eigenen „Finale dahoam“, als einer dieser 200 Millionen Fernsehzuschauer. Das scheint dem Maier-Sepp aber nicht ganz ungelegen zu sein, wie er gegenüber dem kicker weiterfauchte. Da habe er seine Ruhe und könne bei einer guten Flasche Wein alles analysieren. Seine Frau und sein Hund Batzendorfer schauten auch zu. Und Batzendorfer bekomme einen Bayern-Schal angezogen.


Ja mei, Batzendorfer und sein Schal in Ehren. Aber hätte SAT 1 den Maier-Sepp auf seine alten Tage nicht als Co-Kommentator engagieren können? Sozusagen, Seite an Seite mit Finalkommentator Wolff(-Christoph) Fuss. Die „Katze von Anzing“ wäre geradezu prädestiniert, Herrn Fuss im Falle einer Hyperventilation nach einem Tor einzufangen. Oder nach dem Spiel den Kerner. Oder der Maier-Sepp hätte Herrn Fuss zumindest Schnupftabak anreichen können…

Donnerstag, 17. Mai 2012

Tea Time mit Frank Lampard

The Road to Munich 2012. Der Chelsea Football Club hat nach 2008 zum zweiten Mal überhaupt ein Finale der Champions League erreicht. Das ist eine kleine Geschichte über Chelseas Altstar Frank Lampard, der Chelsea als Kapitän in dieses Finale im Wohnzimmer der Bayern führen wird. Und auch irgendwie über einen gewissen Dave Dawes, Chelsea-Fan und Lotto-Millionär.

Frank Lampard sei „der beste Mittelfeldspieler der Welt“, sagte einmal Jose Mourinho über ihn. Doch seitdem ist mehr als ein halbes Jahrzehnt vergangen und Mourinho längst nicht mehr Trainer an der Stamford Bridge. Lampard stolziert noch immer mit seiner number eight für Chelsea über die Rasenrechtecke. Bilder, wie Lampard und Chelsea-Skipper John Terry errungene Pokale wie jüngst den FA Cup in die Höhe stemmen, gehören irgendwie zu diesem Chelsea. 

Doch, an dem bald 34-jährigen Lampard nagt längst der Zahn der Zeit: Verletzungen, mangelnde Fitness, Formschwankungen. Das sah auch Andre Villas-Boas so. Mourinhos früherer Assistent, den hatte Roman Abramowitsch im Sommer 2011 für 15 Millionen Euro Ablöse nach London gelotst. Villas-Boas war gerade einmal nine months Chelseas Coach, bis Abramowitsch ihn wieder vor die Tür setzte. Das Verhältnis des erfolglosen Villas-Boas zu Chelseas Stars war angeblich so zerklüftet wie ein schottischer Rübenacker im November.

In der Premier League trennten die Blues unter Villas-Boas plötzlich Lichtjahre von dem Gipfel, den sich die beiden Klubs aus Manchester teilten. Folglich sah Abramowitsch offenbar auch in der Königsklasse Chelseas Felle davonschwimmen. Chelseas Oldies, nicht viel älter sind als der junge Protugiese selbst, wollte Vilas-Boas offenbar der Reihe nach in Rente schicken. Angeblich wollte er mehr barca'eskes Flair an der Stamford Bridge verbreiten. 

Spazierte Lampard mit Mourinho einst Arm in Arm vom Rasen, soll er mit jenem Villas-Boas kaum ein Wort gewechselt haben. Und fand sich öfter auf der Ersatzbank wieder, als ihm lieb war. Unter Roberto Di Matteo, dem Nachfolger von Villas-Boas , änderte sich dies. Di Matteo hält mehr von Lampard, ebenso wie Chelsea-Fan Dave Dawes, der Lampard ebenfalls stets die Stange gehalten hatte. Nur auf eine andere Weise.


Dave gewann im Oktober 2011 im britischen Lotto 101 Millionen Pounds und war damit auf einen Schlag Chelseas bekanntester Supporter. Er hatte zuvor den erst dritten Lottoschein in seinem Leben abgegeben. In der yellow press erschienen dann Fotos, wie Dave und seine blonde Gattin Angela stolz grinsend ein Chelsea-Trikot mit dem Schriftzug 101 Million in die Kameras hielten. Auf die Frage, was sie mit ihren vielen Pounds anfangen würden, sagten sie:
„Toll wäre eine Wohnung an der Stamford Bridge. Dann könnten wir Frank Lampard zum Tee einladen.“

Tea Time mit Frank Lampard, klingt toll. Nur bisher hat Lampard sich bei Dave und Angela noch nicht blicken lassen. Vielleicht hat Lampard nach diesem Münchner Finale und der Euro etwas mehr Zeit für Dave und Angela. Gegen die Bayern wird Lampard nun anstelle des gesperrten John Terry Chelseas Skipper geben. Falls Chelsea nach dem Halbfinale-Coup gegen Barca auch bei den Bayern triumphieren sollte, werden Terry und Lampard den dicken silbernen Henkelpokal wohl wieder gemeinsam heben. Dies kündigte Terry bereits an.

Für Lampard  könnte München, nach der dramatischen 2008er Finalpleite von Moskau, die letzte Chance hierzu sein. Er wird halt nicht jünger. Oder nicht? Denn Lampard plant like Ryan Giggs, bis zum jüngsten Tag die Stiefel zu schnüren. Ausschließlich für den Chelsea Football Club versteht sich. Seinen großen Fans Dave und Angela dürfte dieser Plan gefallen...

Sonntag, 11. Dezember 2011

Black Wednesday

Was sich am letzten Mittwoch in Basel abspielte, könnte so mancher als eine Art „Götterdämmerung“ empfinden. Der kleine FC Basel in den roten-blauen Farben Barcelonas triumphierte in seinem heimeligen St. Jakob-Park über das große Manchester United nicht einfach nur so mit 2:0.

Das große Manchester United schied dadurch zugleich in der Gruppenphase der Champions League aus. Manche empfinden dies als sensationell, Mancunians werden dies als sang- und klanglos empfinden. Es scheint, als habe auch die Königsklasse ihre eigenen Gesetze. Für den Serienmeister aus der Schweiz ist dies einer der größten Erfolge ever. Die Basler Zeitung posaunte die gefühlte „Ekstase“ in die Fußball-Welt hinaus. Das eidgenössische Boulevard-Blatt Blick rief das „Wunder von Basel“ aus.

Die britische Presse hingegen ging wenig zimperlich mit dem gefallenen Giganten aus Manchester um, das demnächst nun in der als zweitklassig gefühlten Europa League antreten darf. Die Manchester Evening News und die BBC riefen daher einstimmig den „Black Wednesday“ aus. Der Daily Telegraph sprach nach dem „Fall der Mächtigen“ von einer „Erniedrigung“, die Sun vom „Desaster von Basel“.

Selbst biestiger Uniteds Altvorderer Roy Keane packte noch einmal die Grätsche aus, die mediale versteht sich, und  knurrte als Experte des TV-Senders ITV 1 in sein Mikrofon:„ Sie haben erhalten, was sie verdient haben.“ Uniteds Franzose Patrice Evra stöhnte: „Es ist peinlich, in der Europa League spielen zu müssen.“

Der Kopf von Sir Alex Ferguson soll jedenfalls nach der Schmach von Basel sogar eine ähnlich rote Farbe angenommen haben wie der United-Dress, den Giggs, Rooney und Co. ansonsten erfolgreich über Europas und Britanniens Fußballfelder tragen. Von wütenden Schuhwürfen wie einst gegen einen gewissen David Beckham ist indes bislang nichts bekannt. Vielmehr diktierte der Schotte Sätze in die Notizblöcke der Journalisten wie: „Die Europa League ist jetzt die Strafe, die wir verdient haben.“

Ob es Ferguson himself oder so manchen United-Supporter tröstet, dass Uniteds hochgejazzter Lokalrivale City am Mittwoch ebenfalls aus der Königsklasse flog?  Erst neulich war Ferguson anlässlich seines 25. Dienstjubiläums in Old Trafford die besonders Ehre widerfahren, dass der Klub den North Stand nach ihm, in „The Sir Alex Ferguson Stand“, benannte. 1986 (!) war Ferguson vom FC Aberdeen nach Manchester gekommen, hält dort seitdem das Zepter fest in Händen und gewann mit United bekanntlich fast alles, was es als Vereinstrainer zu gewinnen gibt. Für den Sommer 2012 soll dazu aufgrund seiner vielen Verdienste eine Statue des Schotten vor dem Stadion errichtet werden.

Ferguson wäre damit nach dem legendären Sir Matt Busby der einzige United-Coach, dem der Klub ein Denkmal setzen würde. Zu schade also, dass der Schotte ausgerechnet nun mit United in die Europa League „absteigen“ muss. Doch wer meint, Fergusons Thron werde deshalb wackeln, wird lange warten müssen. Wann der 70-jährige Trainer-König Manchesters sein Zepter abzugeben gedenkt, steht noch in den Sternen.

Greifbarer dürfte die Erkenntnis sein, dass die Europa League oder früher der UEFA Cup der einzige Europapokal-Wettbewerb ist, den Ferguson persönlich und auch Man United noch nicht gewonnen haben. Es würde daher mit dem Teufel zugehen, wenn sich Ferguson den 9. Mai 2012, den Termin des Endspiels in Bukarest, nicht bereits jetzt rot in seinem Kalender eingetragen hätte. Vielleicht könnte ein Endspieltriumph gegen Lokalrivale City am Abend dieses 9. Mai 2012 die Wunde jenes „Black Wednesday“ aus dem Dezember 2011 zumindest ein wenig heilen.

Vielleicht würde ein solcher Finalsieg auch den gebührenden feierlichen Rahmen schaffen, wenn dieser Sir Alexander Chapman Ferguson kurz danach sein Denkmal erhält. Vielleicht wird es ihm dann auch überaus gleichgültig sein, dass die Errichtung seines Denkmals für die City-Fans nur aus einem einzigen Grund erfreulich sein dürfte. Angeblich versprechen sie sich von seinem Denkmal nicht mehr als eine Tauben-Toilette de luxe ...