Sonntag, 22. Mai 2011

Neuer Pokalsieger

Schalke Fünfnull! Beim morgendlichen Anblick dieser Schlagzeile in der Sonntagszeitung könnte sich Carmen Thomas eventuell ein wenig verschluckt haben. Da drehten die in Pink kickenden „Königsblauen“ im gestrigen Pokalfinale gegen zahme Zebras des MSV Duisburg den legendären Versprecher der früheren Sportstudio-Lady doch einfach um.

Schalkes fünfter Finaltriumph dürfte nach einem turbulenten Saisonverlauf, der einer emotionalen Achterbahnfahrt gleichkam, lange in Erinnerung bleiben und dabei wie Balsam auf geschundene Schalker Seelen wirken: Abstiegsangst,Champions League-Halbfinale, Meisterschaft des BVB...

Nicht zuletzt der jüngst von Schalke-Urgestein Manuel Neuer verkündete Abschied, den so mancher bereits in Uwe Seelers Treuespur gesehen haben dürfte, brachte vielerorts das königsblaue Blut beinah zum Überkochen. In seinem vermutlich höchstpersönlichen Endspiel stand Neuer daher gestern ganz besonders im Fokus des Geschehens.

Als Neuer den güldenen DFB-Pokal leidenschaftlich in den Berliner Abendhimmel gereckt hat, könnte auch bei jenen so manche Träne heimlich verdrückt worden sein, die ihr Idol in den letzen Wochen angesichts seines kolportierten Bayern-Wechsels recht rüde an den königsblauen Pranger gezerrt haben. Neuers Pokalhochrecken hatte unweigerlich etwas von einem letzen Tribut an die Schalker Anhänger. Es roch nach Abschied.

Allein schon deshalb dürfte der Glanz des Schalker Pokalsiegs anno 2011 den der Triumphe in 2001 und 2002 überwiegen. Vielmehr könnte sich er sich auf einer Stufe mit Schalkes legendären 1984er Halbfinalkrimi bewegen, als sich ein gewisser Olaf Thon  mit seinen drei Toren beim 6:6 gegen die Bayern über Nacht einen Namen herbei schoss.

Olaf Thon wechselte übrigens Jahre nach diesem sagenhaften Pokalabend zum Rekordmeister, fand aber eine halbe Dekade später den Weg zurück in den königsblauen Kosmos. Warum sollte Neuer dies nicht eines Tages auch gelingen? Schaun’mer mal, wie viel dem FC Bayern letztlich die Dienste Neuers wert sein werden. Selbst bei einer spekulierten Ablösesumme von 20 Millionen Euro ist anzunehmen, dass Schalke hiermit bis zu Neuers Heimkehr adäquate „Übergangskeeper“ finden wird.

Apropos Ablöse. Zum Schluß soll Olaf Thon nochmals gewürdigt werden. Dem hängt ja hinterher, bei Auftritten in Funk und Fernsehen mal gern vom Ruhrgebietsidiom in den „professoralen“    T(h)on abzuschweifen. Ganz ohne offizielle Verhandlungsbefugnis ließ es sich dieser kürzlich in einer kicker-Kolumne nicht nehmen, Neuers Marktwert auf immerhin 100 Millionen Euro zu taxieren.

Allerdings waren ihm wohl beste Absichten zu unterstellen. Vor allem auf diesem Wege, alles für ein künftiges Schalke ohne Manuel Neuer zwischen den Pfosten herauszuholen. Vermutlich wird der Schalker „Professor“ schlichtweg das Ziel verfolgt haben, dass das Carmen Thomas‘sche Orakel eines steten Schalke Nullfünf nicht Realität werden lassen. Darauf ein kräftiges „Glück auf“.

Freitag, 22. April 2011

Weiße Brasilianer

Neulich legte ich mir über ein Buchportal im Netz die Erinnerungen Rolf Töpperwiens zu. Kurz darauf blinkte in meinem Postfach eine Mail. Als Leser des bisweilen grotesken Töpperwien’schen Rückblicks auf sein bewegtes Reporterleben informierte mich diese Mail darüber, dass mir auch der demnächst erscheinende Anekdotenschatz von Ansgar Brinkmann mit dem Titel „Der weiße Brasilianer“ gefallen könnte. Soso..

...jaja, dieser Ansgar Brinkmann. Als er einst noch dribbelte, hat sich dieser sogenannte „weiße Brasilianer“ neben dem grünen Rasen in allerlei Sperenzien verdribbelt: in Verfolgungsjagden mit der Polizei, Pommesfuttereien in Halbzeitpausen, krude Anrufbeantwortersprüche undsoweiter. Dennoch zählte dieser hochveranlagte blonde Kindskopf zur Gattung der „weißen Brasilianer“. Und zu der dürfen sich allenfalls  eine Handvoll deutscher Kicker mit filigranen Füßen zugehörig fühlen . Wer noch?

Paulo Rink etwa ist eigentlich ein echter weißer Brasilianer und wurde von einem unglückseligen Teamchef namens Erich Ribbeck gar Ende der 90er für die deutsche Elf eingebürgert. Vollwertiges Mitglied der besagten Gattung ist Rink aber gewiss ebenso wenig wie Werder-Legende Dieter Eilts. Selbst Eilts klangvoller Spitzname „Ostfriesen- Alemão“, der sich am Künstlernamen eines weiteren echten weißen Brasilianers orientiert, ändert daran wenig. Denn, zurückhaltend bemerkt, waren Rink und Eilts doch eher britisch-robust unterwegs.

Besser gehorchte der Ball hingegen dem scheuen Leverkusener Bernd Schneider. Im WM-Finale 2002 zeigte er gar waschechten Zuckerhut-Zauberern wie Roberto Carlos was ein Haken ist. Kein Wunder, dass Edeltechniker Schneider wie Skandalnudel Brinkmann noch heute „weißer Brasilianer“ gerufen wird. Vielleicht könnte in deren Reihe noch Thomas „Ich bin der Icke“ Häßler oder der brillante Bernd Schuster genannt werden, in dessen Glanzzeit in den 80ern man das Etikett „weißer Brasilianer“ weniger vergab.

Da Brinkmann nicht in WM-, Euro- oder Champions League -Endspielen von sich Reden machte oder eine grandiose Karriere bei Real und  Barca hinlegte, argwöhnten viele Gazetten, wieso einer wie er überhaupt seine Karrierehöhepunkte niederschreibt. Einer Karriere zwischen Bielefeld und Berlin, die weder Titel noch Europapokal- oder Länderspieleinsätze vorweisen kann. Höhepunkte, die es bei einem Dutzend Klubs in 20 Jahren wie Gütersloh, Münster, Bielefeldoder dem VfL Osnabrück gab, inklusive ganzen 59 Spielen in der Bundesliga, sowie mindestens so vielen Torheiten neben dem Rasen.

Doch die Antwort ist einfach, wie für Brinkmann einst sein doppelter Übersteiger. Der schillerndste der „weißen Brasilianer“ war halt stets für eine amüsante Geschichte gut. Wenn man will, eine Art George Best der zweiten Liga. Einer, der dort für ein wenig Rock‘n Roll gesorgt hat.

Schaun‘ mer mal: vielleicht findet Brinkmanns Büchlein tatsächlich den Weg in meinem Briefkasten, die Werbe-Mail ist noch nicht gelöscht. Und dass, obwohl Herr Brinkmann offenbar für den Rückblick auf jedes einzelne seiner rund Karrierejahre nen guten Euro angesetzt hat. Was solls, solange Brinkmanns Büchlein nicht dem Töpperwien'schen Tenor hinterherdribbelt: „Ich geiler Hengst, hab ‘se alle gekriegt...“

Donnerstag, 31. März 2011

Am Anfang steht Paul Breitner

Was macht eigentlich, Paule Breitner? Ist der 74er-Weltmeister mit der wallenden Lockenpracht noch ein Begriff?

Ich denke schon. Dazu erinnere ich mich an meine Kindheit. Damals zierte Paule Breitners Konterfei den Latz meiner ersten Fußballtreter. Wesentlich später flatterte nach einem Umzug gar eine signierte Breitner-Autogrammkarte über meinem neu aufgebauten Schreibtisch.Kürzlich übergab mir der Postbote ein Päckchen, das ein Paule Breitner T-Shirt in sich trug, welches die kommenden warmen Tage des Frühlings erträglich macht. Man merkt, ein wenig steht Paule Breitner für etwas Beginnendes. Ob sich etwa Parallelen zu Zeiten auftun, in denen Paule Breitner noch runden Bällen hinterherjagte?

Das könnte durchaus sein. Immerhin erzielte er als erster und bisher einziger deutscher Kicker in zwei WM-Endspielen einen Treffer. Paule Breitner war der erste Kicker des FC Bayern, den sich Real Madrid geangelt hat. Paule Breitner war dazu der erste Star von Real Madrid, der danach zu Eintracht Braunschweig niederfuhr. Außerdem war Paule Breitner Vorreiter für alle Kicker, die in seiner Spur durch den Staub sonderbarer Western-Streifen wie Potatoe-Fritz galoppieren möchten.

Um den Weg zur Ausgangsfrage zu finden. Paule Breitner ist heute Chef-Scout des FC Bayern. Das hat weniger mit den Meriten seiner kruden Western-Vergangenheit zu tun als mit fußballerischem Sachverstand. Und in diesen turbulenten Wochen könnte er als Chef-Scout von seinen Bossen, Uli Hoeneß und Kalle Rummenigge, folgenden Auftrag erhalten haben. Paule Breitner soll ein beim FC Bayern existierendes Defensivproblem lösen. Schließlich herrscht dort in den hintersten Reihen eine Art Wildwest. Und dies missfällt seinen beiden Bossen, hoch auf dem Rekordmeister-Ross, aufs Ärgste. Doch, vielleicht lässt sich dieses Problem schneller lösen als gedacht.

Denn als vor Kurzem in diesen vier Blogwänden sozusagen der LIBERO wieder zum Leben erweckt wurde, spross hier kurz ein zartes Pflänzchen Hoffnung. Speziell, dass Paule Breitner mit seinem Feldstecher, ja genau, den LIBERO für seinen FC Bayern in den Fokus nimmt. Paule Breitner selbst war nie Libero. Doch spielte Paule nicht mit Franz, dem besten aller besten Fünfer, Seite an Seite? Ist Breitner ob seines eigenwilligen bis störrischen Wesens nicht selbst stets „freier Mann“ gewesen. Einer, der vermag Altbewährtes im Internet aufzuspüren, um ein Bayern-Bollwerk aufzubauen?

Doch die Hoffnung ist dahin! Hinreichende Netzrecherche allein hätte gereicht, um herauszufinden, dass Paule Breitner unlängst die Antwort auf den Titel eines Buchdeckels notiert hat. Er schrieb: „Ich will kein Vorbild sein!“. Das heißt, Paule Breitner wird keine Liberos googeln! Damit gilt: der LIBERO wird in diesen vier Blogwänden bleiben und künftig Tagträume vermeiden, die mit dem FC Bayern zu tun haben.

Dennoch, schaun‘ mer mal, was aus dem LIBERO so wird. Ob im Übrigen etwas an dem Gerücht dran ist, dass in seinem Rentner-Domizil ein gewisser Otto Rehhagel folgende Bitte an seine Gattin ausgesprochen haben soll? „Beate, tipp ma‘ Libero in diese Suchmaschine ein. ELL – Iiii - Bee…“.

Mittwoch, 16. März 2011

Freier Mann

Guten Tag allerseits!
Wer hätte das gedacht?
Es wird tatsächlich wieder ein Libero aufs Feld geschickt.

Doch keine Bange, dies ist weder antiquiert noch eine Wiedergeburt, sondern nur (ein regelmäßig unregelmäßiger) Fußball-Blog!

Der LIBERO kommentiert mal bissig das Geschehen im Fußball-Kosmos.
Mal spielt der LIBERO nostalgische Pässe oder kickt lange Bälle auf die Insel.

Nicht im Stil des Kick & Rush, eher mit einem Augenzwinkern:

Frisch. Franz. Fröhlich. Frei.

Die Numero 5 lebt und all das ganz ohne Otto Rehhagel.

Die letzte Station des vermutlich allerletzten Liberos war übrigens Thor Waterschei.