Montag, 5. August 2013

Das ganz große Los

Hurra, die Bayern kommen! Für den BSV Schwarz-Weiß Rehden war Nia Künzer Mitte Juni die buchstäbliche Glücksfee, schenkte Künzer der meist eher biederen Pokalauslosung nicht nur eine kleine Panne, sondern dem Viertligisten aus dem Niedersächsischen das ganz große Los.

Offenbar berauscht hiervon ließ sich Rehdens Präsident und Macher Friedrich Schilling in einem anschließenden  Radio-Interview bei NDR 2 nicht lumpen, Uli Hoeneß nicht nur einen warmen Empfang anzukündigen, sondern dazu ein Versprechen hinterherzuschicken.Dieses tarnte er als Kalauer, der leider so amüsant über den Äther kam wie für Hoeneß etwa ein Schuss in den Belgrader Nachthimmel. Hoeneß könne sich bei ihm, dem langjährige Steuerberater, gern ein paar Steuertipps abholen. Ja mei, der Pokal hat halt seine eigene Gesetze, gell?

Der große FC Bayern München, also das personifizierte Mia san Triple, muss nun dank Fräulein Künzer an diesem denkwürdigen Montagabend des 5. August in dem 1.800 niedersächsischen Seelen-Örtchen nahe Diepholz antreten. Naja, nicht ganz. Bedauerlicherweise gastiert der FC Bayern nicht in Rehden, sondern im Stadion an der Bremer Brücke in Osnabrück. Dort mietet sich Rehden ein, da es für den Underdog schwierig wurde, in seinem  »Arenachen« namens Waldsportstätten, den gestrengem Anforderungen des DFB gerecht zu werden. Schade! Da scheint der prickelnde Pokalcharme still und leise zu verfliegen...


Was die großen Bayern gegen den Underdog mit der schwarz-weißen Kluft  erwarten wird? Vielleicht hält man sich hier an Rehdens Stadionmagazin Schwarz und Weiß, dessen Cover stets in großen Lettern Rehdens Stärken offenbart:»Tore, Technik, Leidenschaft, Kampf und Willen«. Gewiss, das lässt sich hören. Ob Pep schon einmal von diesem Vestenbergsreuth gehört hat? Wohl eher nicht. Vermutlich mehr von dem »Favoritensterben« in der 1.Pokalrunde an diesem Wochenende -Werder,Braunschweig, Gladbach oder auch Nürnberg lassen verdächtig grüßen.

Wer indessen in Rehdens Reihen den Pokal-Reibach machen soll?Da wäre der frühere Bremer Kevin Artmann, der 80 Kilometer von Rehden entfernt einst bei Werder Profiluft schnupperte. Der 27-Jährige kickte zuletzt beim FC Oberneuland, in jugendlichen Tage aber sogar für ein Jahr in der Jugend des FC Bayern. 2006 spielte der oft verletzungsanfällige Mittelfeldakteur auch für den DFB, als er in der damaligen U-20 unter anderem mit Manuel Neuer, Sami Khedira oder Kevin-Prince Boateng spielte. Bayerns Abwehr sollte etwa den Rehdens kongolesischen Stürmer Kifuta im Auge behalten, den Rehden vor Kurzem aus Portugals zweiter Liga losgeeist hat.

Nicht vergessen sollte man in dieser kleinen Aufzählung sicher Francis Banecki. Vor einem Jahrzehnt kam Banecki für Werder zu einmaligen Champions League-Meriten gegen den RSC Anderlecht. Allerdings blieb dem Halb-Kameruner wegen hartnäckiger Blessuren die verhießene größere Profikarriere verwehrt blieb. Stattdessen machte sich Francis Banecki bei diversen Klubs im Nordwesten als torgefährlicher Allrounder einen Namen und ward dank seiner eleganten Spielweise von manchen - wie einst beim SV Meppen - gar »Kaiser Franz« gerufen.

»Kaiser Franz«! Schaun' mer mal, ob sich der echte »Kaiser« auf den VIP-Plätzen an der Bremer Brücke neben Uli Hoeneß und Kalle Rummenigge sehen lässt. Darüber dürfte sich Rehdens Präsident Schilling vermutlich ebenso freuen wie über die schier unmögliche Pokalüberraschung. Und wenn der Fußballgott die bajuwarischen Triple-Titanic gegen Rehden nun doch untergehen ließe? Fürwahr, man mag es sich kaum ausmalen, welch tektonische Plattenverschiebungen sich im Kosmos des »Mia san Mia« dann ereignen dürften...

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