Samstag, 15. September 2012

Auf Knopfdruck?

Der HSV und die Bundesliga - eine schier ewige Geschichte. Das scheint ebenso für den HSV und Rafael van der Vaart zu gelten. Der Eindruck entsteht jedenfalls, sofern man die vergangenen Wochen Revue passieren lässt. Rafael van der Vaart ist bekanntlich zurück an der Elbe, auch dank Investor Kühne, der den klammen Rothosen bei dem Transfer seines Wunschspielers mächtig unter die Arme griff. Seither herrscht beim Bundesliga-Dino in Agonie fürwahr Euphorie.

Am ersten Wochenende, nachdem die VdV-Verpflichtung ausgerufen worden war, sollen nicht weniger als 3.000 VdV-Trikots mit seiner 23 über die Ladentheken gegangen sein. Euphorischere Zeitgenossen erkannten in dem Mittelfeldkicker gar den größten HSV-Zugang seit Kevin Keegan, regelrecht ekstatische HSVer preisen van der Vaarts messianische Strahlkraft. Selbst der kicker legte seine Nüchternheit kurz ab und pries Van der Vaart erst Donnerstag als Messias. Und siehe da: als der HSV neulich im Nordderby  Werder Bremen unterlag, thronte der holländische Hoffnungsträger nebst Gattin auf der Tribüne des Weserstadions und schien weitaus öfter im Kamerafokus gewesen zu sein als seinen strauchelnden Gefährten in roten Hosen.

Wie eine Stimme der Vernunft klang da kürzlich Günter Netzer, als der einstige Manager des Bundesliga-Dinos in einer Kolumne mahnte, Van der Vaart sei kein Heilsbringer. Kein vernünftiger Mensch könne glauben, dass ein einziger Spieler auf Knopfdruck eine ganze Mannschaft verändern werde.

Und bei der Gelegenheit. Was ist eigentlich mit jenen Wechseltheatern, für die Van der Vaart den HSV während seines ersten HSV-Gastspiels auf die Bühne zog? Ähnlich interessant wie Netzers Mahnung ist hier auch die andere Hamburger Perspektive. Also, was denkt eigentlich ein St.Pauli-Anhänger über den Transfer? Der LIBERO hat nachgefragt bei Frodo vom FC St. Pauli-Fanzine »Der Übersteiger«, der die Umstände des Transfers kritisch kommentiert:

„Es ist erstaunlich, wie die Vergangenheit verklärt wird. Das Foto mit dem Valencia-Trikot und sein Satz "Wenn ich in Hamburg bleiben müsste, dann hätte ich Schmerzen." wären für mich ausreichende Gründe, ihn nicht mehr für meinen Klub auflaufen sehen zu wollen. Aber vielleicht ist es ja auch gerade deswegen eben nicht "mein" Klub. Auch die vor Wochen noch lautstark geäußerte Abneigung gegenüber Kühne wurde von vielen jetzt schnell wieder über Bord geworfen. Schlußendlich wird der sportliche Erfolg zeigen, ob es die richtige Entscheidung war. Spannend darüber hinaus natürlich noch die Situation, wenn er denn vor Vertragsende wieder wechseln will. Sowohl menschlich/moralisch, wie dann von Seiten des Vereins und der Fans mit ihm umgegangen wird, als auch finanziell, da Kühne da ja weiterhin eingebunden ist.“

Der juvenile van der Vaart hatte es sich zwischen 2005 und 2008 zur Gewohnheit gemacht, gern mit Wechseln zu Klubs in die ganz große Fußball-Welt zu kokettieren und ließ sich bisweilen gar in Trikots seiner Wunschklubs abknipsen. Doch vielleicht ist der AbvanderVaart tatsächlich Schnee von gestern und hat sich bei Real Madrid und Tottenham seine Hörner abgestoßen.

Ungeachtet all dessen, scheint für viele HSVer der „letzte König des HSV“ zurückgekehrt zu sein. Schließlich wirbelte der torgefährliche Holländer anno 2007 schon einmal auf Augenhöhe mit dem großen Uwe Seeler, als Van der Vaart Seelers Torrekord von annodazumal einstellte. VdV traf seinerzeit in den sieben Auftaktpartien seiner bis dato letzten HSV-Saison 2007/2008 jeweils einmal.

Ob er es wieder tut? Vielleicht fängt VdV bereits bei seinem morgigen HSV-Comeback im Gastspiel bei Eintracht Frankfurt damit an. Fürwahr, das könnte wie Baldrian auf den besorgten Uns Uwe wirken und wäre tatsächlich fast wie »auf Knopfdruck«...

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