Samstag, 1. September 2012

»Siehste Rudi, der Fußballgott ist und bleibt ein Bayern-Kunde«

Interview bei der Themenwoche „50 Jahre Bundesliga“. Ben Redelings ist Deutschlands erfolgreichster Fußball-Komiker, Bestseller-Autor, Filmemacher und »der ungekrönte Meister im Aufspüren kurioser Fußballgeschichten« (»Deutsche Akademie für Fußballkultur«). Regelmäßig schreibt er für das Magazin »11FREUNDE«, »Reviersport« und »Spiegel Online«. Nach Meinung der »Jungen Welt« tut er dies sogar »um Längen besser als Nick Hornby« (Quelle: scudetto.de). Im Interview mit dem LIBERO blickt Redelings heute auf bald 50 Jahre Bundesliga zurück und erinnert sich dabei an gebrannte Mandeln, an seine erste Bundesligapartie und verrät außerdem seine ewigen Bundesligahelden…
 
Foto: Sascha Kreklau

Hallo Ben Redelings! Die Bundesliga geht in ihre 50. Saison. Ben, was fällt Dir als erstes zur „Mutter aller deutschen Ligen“ ein?

Gebrannte Nüsse mit dem grünen Verschluss zu 1 DM und gebrannte Mandeln zu 2 DM mit dem roten Klebe-Ring um die Plastikverpackung. Nach Siegen unseres VfL im Ruhrstadion gab es für meine Mutter von meinem Bruder und mir immer die Mandeln. Meist mussten wir auf dem Heimweg aber nur eine Mark investieren. Das fällt mir tatsächlich immer als Erstes ein, wenn ich an die große, bunte Bundesliga denke. Ein starkes Gefühl von Heimat verbinde ich damit!

Erinnerst Du Dich noch an Dein erstes Spiel, bei dem Du im Stadion warst? Ich schätze, einer der beiden Kontrahenten wird sicher Dein Lieblingsklub VfL Bochum gewesen sein.

Ich kann mich sehr bewusst an die Partie VfL Bochum gegen den 1. FC Kaiserslautern (4:1) am 29.10.1983 erinnern, weil ich da meinem Hintermann immer auf die Füße gestiegen bin. Von einem Wellenbrecher abstoßend wollte ich mich eine Reihe höher stellen. Der alte Herr hat sehr mit mir geschimpft, weil er neue Schuhe anhatte und den Anpfiff von seiner Frau wegen der nun verdreckten Treter zu Hause schon erahnte. Meine eigene Eintrittskartensammlung beginnt weit früher – aber da fehlen häufig die konkreten Erinnerungen zu den Spielen.

Du hast kürzlich das Buch „ 50 Jahre Bundesliga – Das Jubiläumsalbum“ veröffentlicht.  Sag mal, welche ist für Dich die schönste Anekdote aus bald einem halben Jahrhundert Bundesliga?

Es gibt wohl nicht den einen ultimativen Moment in 50 Jahren Bundesliga. Wenn es ihn gäbe, ich würde mir eine Zeitreisemaschine bauen und zu diesem einen unsterblichen Augenblick zurück reisen. Und wenn ich das Ding erst einmal hätte, würde ich mir sofort eines der zahlreichen Eigentore des Kaisers live anschauen, den zusammen gebrochenen Pfosten in Gladbach wieder zusammen flicken, beim Mittagessen vor der legendären 32-Minuten-Halbzeit mit Wolf-Dieter Ahlenfelder anstoßen und Rudi Assauer in den Sekunden nach Schalkes 4-Minuten-Meisterschaft ins Ohr flüstern: »Siehste Rudi, der Fußballgott ist  und bleibt ein Bayern-Kunde«! Ach, wie wär das herrlich!      

…hast eigentlich Du einen ewigen Bundesliga-Helden? Wenn ja, wer ist es und aus welchem Grund?

Aus der eigenen Erinnerung heraus sind es natürlich meine Bochumer Jungs auf dem Rasen des Ruhrstadions. Von Siegfried Bönighausen über Katze Zumdick bis zu Dariusz Wosz. Bei uns im Stadion habe ich mich damals auch in den gealterten Entertainer Wolfgang »Otto« Kleff verliebt. Ich glaube zu der damaligen Zeit, habe ich erstmals das Spiel auch als Unterhaltung empfunden – und nicht nur als Sorgenveranstaltung um meinen sympathischen Lieblingsklub.
 
Nun zur finalen fünften Frage: Als Edelfan des VfL Bochum musst Du leidensfähig sein. Was erwartest Du von Deinem VfL in den nächsten 50 Jahren Bundesliga?

Edelfan ist und bleibt fies! Aber zur Frage: Eine unbeschwerte Saison voller Freude und schöner Momente mit einem glorreichen Ende – egal wie und wo und wann – erhoffe ich mir in den nächsten 50 Jahren. Ansonsten würde ich mich schon damit begnügen, einen Klub zu haben, den ich voller Stolz meinen Freunden und Bekannten immer wieder aufs Neue empfehlen kann.
 
Vielen Dank für das Interview!




Die 50. Bundesligasaison geht weiter. Die Themenwoche „50 Jahre Bundesliga - Typen, Titel und bloß nicht wie Tasmania“ endet hingegen am morgigen Sonntag.

Im letzten Beitrag erinnert sich DER LIBERO selbst an die Tragik des historischen ersten Bundesligatreffers von Timo Koniezka, an Geniestreiche des »Blonden Engels« Bernd Schuster und wie er für einen Moment lang Fan von Bayer Leverkusen wurde. Jubeln, Aufspringen und laut Mitgrölen inklusive...

 

Keine Kommentare:

Kommentar posten